Burning Issues Meets Theatertreffen

Dieses Jahr bin ich Teil der Konferenz zu Gender(un)gleichheit in Berlin

Was ich beitrage?

Digitalität in den Darstellenden Künsten
Ist Digitalisierung der heiße Scheiß des neuen Jahrtausends? Oder ist sie sexistisch, gefährlich und der Untergang der Kreativität? Ein interaktiver Workshop rund um Digitalität, Digitalisierung und Kunst von und mit Marie Helene Anschütz und Marcel Karnapke.
Mit Marie Helene Anschütz (Regisseurin, Kulturbloggerin), Marcel Karnapke (Medienkünstler und Theatermacher)
UdK 14:30 – 16:00 (Raum 336)

Nun kommt zusammen, was zusammengehört! Im vergangenen Jahr mischte die von Nicola Bramkamp und Lisa Jopt initiierte 1. Konferenz der Theatermacher*innen „Burning Issues“ den Theaterbetrieb gehörig auf, und auch der kurz danach präsentierte Themenschwerpunkt „UNLEARNING Patriarchat“ des Theatertreffens fragte nach strukturellem Sexismus und Machtasymmetrien im Alltag. Was sind die nächsten Schritte? Mit Keynotes, Panels, performativen Sessions, Workshops sowie Netzwerkveranstaltungen forschen Burning Issues und das Theatertreffen dieses Jahr an drei aufeinander folgenden Tagen gemeinsam nach Strategien für eine gerechtere und diversere Welt.

Weitere Infos gibts hier.

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#kulturblogging: WOZZECK in Frankfurt

Von Kindheitserinnerungen, einer Endlosschleife und der wunderbaren Claudia Mahnke.
In meinem #kulturblogging-Beitrag über Alban Bergs WOZZECK entführe ich Euch in eine eindrucksvolle Inszenierung von Christoph Loy an der Oper Frankfurt.

Meine ersten Schritte auf einer Bühne machte ich mit neun Jahren am Staatstheater Darmstadt. Ein Zeitungsaufruf brachte mich zum Vorsingen im hiesigen Kinderchor. Im Keller, klassisch für Probebühnen und Chorsäle, sang ich mit vielen anderen Kindern beim damaligen Chorleiter vor.
Es folgten aufregende Jahre im Kinderchor des Staatstheaters Darmstadt.
Von Hänsel und Gretel, Die Frau ohne Schatten bis zur Rockoper oder Sinfoniekonzerten, ich stand in zahlreichen Produktionen auf der Bühne. Eine wichtige Oper, ein Schlüsselerlebnis, war für mich Wozzeck von Alban Berg.
Damals sang ich im Kinderchor und spielte einige Male den Knaben, den Sohn Maries. Seitdem begegnete mir dieses Stück Operngeschichte immer wieder: Ich hospitierte 2006 bei Calixto Bieito an der Staatsoper Hannover, hörte einige Vorlesungen an der Uni dazu und habe seitdem bestimmt fünf verschiedene Inszenierungen gesehen.

Das Werk hat eine eigene Kraft. Die Aktualität und die Möglichkeit der Identifikation mit den einfach gehaltenen Figuren, stellt für mich die Faszination dar. Ebenso der Versuch des satirischen Blicks auf einen Proletarier, der im Hamsterrad des Lebens in straucheln gerät. Uns allen wohlbekannt.

Inhalt
Wozzeck- eine Oper in drei Akten mit 15 Szenen von Alban Berg. Das Libretto beruht auf dem deutschsprachigen Dramenfragment Woyzeck von Georg Büchner
Der Soldat Franz Wozzeck lebt am untersten Ende der sozialen Hierarchie; nur seine Geliebte Marie und sein Kind sind ihm Halt. Aber er wird von seinen Vorgesetzten als Versuchsobjekt für medizinische Experimente missbraucht, seine Geliebte wird von einem Tambourmajor verführt, und er wird so gedemütigt, dass er seine Geliebte Marie ermordet.

Foto: Barbara Aumüller

Wozzeck gehört zu den meistgespielten Opern des 20. Jahrhunderts. Sie geht zurück auf Georg Büchners Schauspiel Woyzeck, das nur als Fragment überliefert wurde.
Alban Berg schrieb das Libretto selbst und formte ein streng gebautes Drama, das sich unaufhaltsam auf eine Katastrophe zubewegt: Wozzeck tötet Marie, die ihm untreu war und er ertrinkt bei der Suche seiner Tatwaffe im Schilf.

„Jeder Mensch ist ein Abgrund- mich schaudert, wenn ich hinunter schau“

Wozzeck, Alban Berg

Das Werk Bergs steckt voller musikalischer Facetten. Ohne Ouvertüre steigen wir direkt in die Szenerie. Wozzecks einfaches Leben, bestimmt durch Arbeit und fehlende Selbstbestimmung. Die Darstellung der Stereotypen eines Dramas werden hier auch musikalisch klar gezeichnet. Hauptmann, Doktor, Tambourmajor haben keine Namen, sind Titel und Begegnungen.

Getrieben von Existenznöten und einer unbändigen Angst, gejagt von, sich an seinem Leid ergötzenden Mitmenschen, hetzt Wozzeck einsam durch die Welt und seinem Leben hinterher. Bis er es nicht mehr aushält und sich und seine Geliebte von allem erlöst.

Foto: Barbara Aumüller

Die Oper Frankfurt setzt auf starke klare Bilder. Regisseur Christof Loy zeigt die Figuren, vor allem Wozzeck pur, weg von der Armut, weg von einer überzeichneten Darstellung durch geknechtete Figuren und immer aufbäumendem Frust. Wir sehen ein Innenleben, eine kämpfende Seele, einen verwirrten Wozzeck. Er funktioniert nicht mehr, kann sich nicht mehr einordnen. Er verliert im wahrsten Sinne, den Kopf.

„In der existenziellen Deutung zeigt Berg die transzendentrale Obdachlosigkeit Wozzecks, seine Verlorenheit in einer Wahnsinnswelt. Die Verlassenheit eines Menschen auf dieser Erde“

Norbert Abels, Chefdramaturg der Oper Frankfurt

Marie, hier gesungen und präzise gespielt von der zauberhaften Claudia Mahnke, versucht es noch ihren Partner, Freund und Weggefährten Wozzeck ( stimmlich und darstellerisch unheimlich stark Audun Iversern) zu erreichen. Sie scheitert.
So gibt sie sich einem irdischen, greifbaren, lebendigem Mann hin.

Foto: Barbara Aumüller

Die Bühne engt ein

Die Bühnenräume von Herbert Murauer werden immer enger. Die Wände bewegen sich langsam, manchmal kaum merklich, auf Wozzeck zu. Seine Welt droht ihn zu erdrücken. Umso anschaulicher, am Schluss, kurz vorm Mord an seiner Marie, ist die Bühne weit geöffnet, unser Blick frei auf ein dichtes Schilfgebilde, dass fast wie Scherenschnitt, ein Schattenspiel beleuchtet auf uns wirkt. Nach dem Tod, am Ende der Oper hören wir eine der eindrücklichsten und stärksten Trauermusiken der Operngeschichte.

Nach dem Tod von Marie steigert sich das Orchester in zwei fast unerträgliche Fortissimo-Akkorde, als Kontrast folgt ein Solo-Klavier in einer Bar, wohin sich Wozzeck in seiner Verzweiflung flüchtet“

Wilhelm Roth, 70 Jahre Oper

Nicht umsonst wurde die Oper Frankfurt zum vierten Mal zum Opernhaus des Jahre (Nenneung durch das Opernmagazin Opernwelt) ernannt.
Man erlebt hier herausragende Stimmen, innovative Inszenierungen und ein ausgewähltes Programm aus zeitgenössischer Musiktheaterkunst und den altbewährten, wichtigen Stoffen auf den Opernbrettern, die die Welt bedeuten. Der Ausflug nach Frankfurt lohnt sich immer!!!

Fotos: Oper Frankfurt / Barbara Aumüller

*Werbung gekennzeichnet/ Kooperation mit Oper Frankfurt

#kulturblogging: SOPHIA, DER TOD UND ICH

Heute stelle ich Euch ein ganz besonderes Projekt vor. Denn morgen Abend werde ich Zeugin einer neuen Art Theater zu machen, kreative Prozesse zu gestalten und aus alten Formen des Theatersystems auszubrechen.

Die nächste Premiere am Staatstheater Mainz ist mal anders entstanden. Drei Schauspieler*innen des Mainzer Ensembles; Anika Baumann, Henner Momann und Julian von Hansemann, entwickelten gemeinsam mit dem Dramaturgen Boris C. Motzki und der Regieassistentin Weronika Bielesza eine eigene Fassung zu Thees Uhlmans Roman Sophia, der Tod und ich. Vor knapp acht Wochen begannen sie mit den Proben. Selbstständig, mit eigenem Konzept und Plan, in der Funktion der Spieler*innen UND des Regieteams.

Anika Baumann, Julian von Hansemann, Henner Momann

Sophia, der Tod und ich
nach dem Roman von Thees Uhlmann (2015)
Filiale (gegenüber des Großen Hauses)
Online Tickets

TERMINE:
5.04.2019 → Premiere (ausverkauft!), 15.04.2019, 17.04.2019, 23.04.2019, 25.04.2019, 15.05.2019

„Ein gutes Leben für 48 Stunden eingetauscht gegen ein Dümpeln in Tagen voller bizarr-gleichgültiger Wiederholungen.“

Thees Uhlmann, Sophia, der Tod und ich
Julian von Hansemann, Henner Momann, Anika Baumann

Inszenierung, Fassung und Ausstattung:
Anika Baumann, Henner Momann und Julian von Hansemann
Video: Lars Kaempf
Licht: Carolin Seel
Dramaturgie: Boris C. Motzki
Sophia: Anika Baumann
Er: Henner Momann
Tod: Julian von Hansemann

Teaser zu Sophia, der Tod und ich

Anarchie im Theater? Ist Theater Anarchie?
Nö. Auch am Theater gibt es altbewährte Ordnungen, wie Endproben, Hierarchien und zeitliche Vorgaben, die eingehalten werden müssen. Dazu gehören Teams, Professionen und Zuständigkeiten. Dabei geht es nicht um Eitelkeiten (jedenfalls nicht immer), sondern um Ressourcen und vor allem darum, dass am Ende jemand bereit ist für etwas einzustehen, mit Konsequenzen leben zu können und sich dessen zu Beginn bewusst zu sein.

Und doch scheint hier das Experiment ein Spannendes. Drei Schauspieler*innen wechseln die Seiten, springen hin und her und müssen vor allem diesmal anders kritisch mit sich und ihren Kollegen*innen umgehen. Mutig und innovativ, wie ich finde.

Wie fühlt sich das an? Nur gut und berauschend, endlich mal alles allein entscheiden zu können, wie Licht, Kostüme und Gesten auszusehen haben? All das frage ich morgen- also dranbleiben 😉

Julian von Hansemann, Henner Momann, Anika Baumann

Anarchie wird auch mit einem durch die Abwesenheit von Staat und institutioneller Gewalt bedingten Zustand gesellschaftlicher Unordnung, Gewaltherrschaft und Gesetzlosigkeit angenommen und vor allem in vielen Medien häufig den eigentlichen Sinn verfälschend im Schlagwort „Chaos und Anarchie“ verwendet.

Wikipedia

Zum Stück: Eine Romanadaption

Bier, Sofa, Fußball – ein durchschnittliches Leben. Plötzlich allerdings steht der Tod persönlich vor der Tür und eröffnet, dass dieses Leben in drei Minuten vorbei sei. So weit, so vorhersehbar. Nicht vorhersehbar und noch viel weniger vorgesehen war allerdings, dass genau in diesem Moment die Exfreundin Sofia an die Tür klopft. Ein Fehler im betrieblichen Ablauf. Von nun an schicksalhaft aneinander gekettet, beginnt für den Mann, Sofia und den Tod eine spektakuläre Reise durch das Leben. Vorbei an Kneipen, Motels und besonderen Menschen führt sie ihr witziger und anrührender Roadtrip immer weiter zurück in das bisher Gelebte und immer näher an die Frage: Is it better to burn out than to fade away?
Die drei Mitglieder des Schauspielensembles des Staatstheater Mainz Anika Baumann, Julian von Hansemann und Henner Momann werden den Debütroman des Tomte-Sängers Thees Uhlmann in einer eigenen Theaterfassung auf die Bühne bringen. Quelle: Staatstheater Mainz

Muße und Wohlleben sind unerlässliche Voraussetzungen aller Kultur.

Max Frisch
Henner Momann, Anika Baumann, Julian von Hansemann

Fotos: Andreas Etter/ Staatstheater Mainz

Kulturblogging als Marketingstrategie


Blogging scheint als Medium der neuen Kommunikationswege schon fast veraltet. Jedoch in den Bereichen Kunst und Kultur ist das Feld recht schlecht bestellt, betreffend seriöse und fachkundige Berichterstattung.

Auf meinem Kulturblog versuche ich soziokulturelle Themen wie Genderklischees am #femfriday zu behandeln und porträtiere jeden Freitag eine Frau in der Kunst.

Sowie ich am #digitaldienstag Kunstschaffenden die Frage stelle:
WIE DIGITAL IST DIE KUNST? Im Kulturblogging-Format bereite ich die Inhalte einzelner Stücke vor, stelle Team und Theater vor, berichte von Premieren ohne eine Kritik zu schreiben. Somit entsteht für meine Leser/Follower ein guter Überblick über das was mich interessiert.
Letztlich empfinde ich mich als Kuratorin für derzeitige Strömungen, Stoffe und Trends.

Mein Lieblingskanal zum Teilen von Erfahrungen und Erlebnissen ist Instagram. Nicht nur weil es Spaß macht, sondern weil sich dort eine andere, jüngere Generation tummelt. Instagram ist ein sehr junges Medium und derzeit gerade bei der Zielgruppe zwischen 14 und 34 sehr angesagt. Das Publikum, das wir am Theater so dringend brauchen!

Die Social Media Kanäle sind aus den Marketingstrategien kultureller Institutionen nicht mehr wegzudenken.

Junge Leute googlen kaum noch, sie suchen in den sozialen Netzwerken nach Einrichtungen, Personen und Events.Veranstaltungen, die über die bekannten Netzwerke beworben werden, werden von jungen Menschen mehr wahrgenommen, als über die klassischen Kanäle, wie Printmedien oder Plakatwerbung.

Instagram als seriöser Marketing-Kanal

Mittlerweile stellt Instagram einen seriösen Marketing-Kanal für alle Branchen dar. Das Hauptargument für den Einsatz von Instagram als Marketing-Instrument sind ganz klar die rasant steigenden Nutzerzahlenund die Reichweite, die sich daraus ergibt.
Viele Unternehmen haben das Phänomen bereits für ihre Zwecke erkannt und bespielen diesen Kanal ebenso seriös, wie es im privaten Rahmen möglich ist.
Ebenso wie Facebook ist Instagram mittlerweile in die Theater eingezogen, da sich über diesen Kanal, in dem das Bild der Inhalt ist, so simpel wie effektiv Geschichten erzählen lassen.

Der Story-Hype

Die Instagram-Story ist ein Bild oder Video, in dem man seine Follower mit auf eine Veranstaltung, ein Treffen oder beispielsweise hinter die Bühne nimmt. Die Videos sind 30 Sekunden lang, können bearbeitet, bemalt oder mit Stickern versehen werden und sind nur 24 Stunden abrufbar.

Hier kann man z.B. auf Orte hinweisen, Partner und Freunde markieren, einen Countdown zählen, Umfragen starten, Musik einfügen und somit die User auf Kollegen und wichtige Ereignisse (z.B. Premieren) hinweisen.

Ganz klar stehen bei Instagram auch für Unternehmen visuelle Inhalte im Mittelpunkt. Die visuelle Identität eines Unternehmens wird immer wichtiger. Instagram stellt die ideale Plattform dar, um diese zu präsentieren und von potenziellen Kunden wahrgenommen zu werden.
Beiträge über Menschen, die Beiträge über Menschen teilen, erweitern die Zugriffe auf die Seiten um ein Vielfaches.
Erhöht man die Frequenz der Beiträge, so erhöht man die Reichweite.

Da es im Bereich Kunst und Kultur noch kein Influencermarketing gibt, ist es eine meiner Aufgaben, auf uns aufmerksam zu machen. Ich glaube fest daran, dass unsere Branche den frischen Wind der sozialen Medien, die Möglichkeit der internationalen Vernetzung und die nötige Aufmerksamkeit verdient.

Deshalb brauchen wir mehr Aktivitäten im Netz, mehr wiederkehrende Formate und mehr Kulturblogger!
Meine 20-jährige Theatererfahrung, der Regieberuf und die Weiterbildung zur Social Media Managerin machen mich zur geeigneten Beobachterin und Beraterin für Kulturinstitutionen im Prozess der Digitalisierung.

Zauberhaftes Augsburg

Vergangene Woche war ich in meiner Mission #kulturblogging unterwegs. Diesmal führte mich mein Weg an das frischgebackene Staaststheater Augsburg.
Was es mit diesem neuen Titel auf sich hat und was ich dort erlebt habe, erfahrt ihr hier.

Die Wintermonate, auch wenn sie dieses Jahr gefühlt später kamen als sonst, sind in der Theaterbranche so gesehen eine heiße Phase. Ab Oktober beginnen die Termine der Weihnachtspremieren. In der ganzen Republik starten Proben zum Kassenknüller (Märchen oder Familienstück genannt) und jedes zweite Theater „gönnt“ sich ein Werk der Kategorie „Unterhaltung“. Dieser Begriff ist selbtstverständlich dehnbar und zu definieren.
Von Operette, Musical bis Zauberflöte, auf den meisten Spielplänen tummeln sich in der Vorweihnachtszeit die Hits und Kassenschlager.
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Augsburg im Umschwung

So auch in Augsburg. Augsburg, ein traditionsreiches Haus unweit von München, mit einer eigenen Liebe zu Schauspiel und Musiktheater. Traditionsreich auch weil Leopold Mozart gebürtiger Augsburger war und der Stadt einen Hauch von Mozartschem Flair verleiht.
Nach langer und harter Arbeit einiger Kulturschaffenden hat die bayrische Stadt mit Fluss und und Fachwerk dem Theater nun den Titel STAATSTHEATER verliehen.
Und damit besitzen nun die drei größten bayerischen Städte München, Nürnberg und Augsburg ein Staatstheater.
Der repräsentative Name ist das eine. Die leitende, verwaltende und kontrollierende Stiftungskonstruktion, die dahinter steht, ist das andere. Insgesamt ein großer Erfolg für den neuen Intendanten André Bücker, der vergangenen Herbst mit weitesgehend neuer Belegschaft seinen Dienst antrat.
Seitdem passierte eine Menge. Der Titel Staatstheater kam, die Sanierung des gesamten Hauses begann, dazu der Umzug in eine Interimsspielstätte. Trotzdem wuchs das Ensemble und das künstlerische Profil wurde geschärft.

Lustigerweise kenne ich alle drei Spartenchefs, die in Augsburg Schauspiel, Oper und Tanz vertreten. André Bücker begegnete ich 2009 am Nationaltheater Mannheim, dem Operndirektor Daniel Herzog bereits zu Schulzeiten am Staatstheater Darmstadt und Ballettchef Ricardo Fernando brachte mir 2007 am Musicaltheater Bremen das Steppen bei.

Nun reihte sich eine weitere Person in diese Runde, meine Freundin und Mentorin Andrea Schwalbach, die Regisseurin der Premiere am vergangenen Sonntag.
Zum wiederholten male durfte Andrea Die Zauberflöte inszenieren. Zum ersten Mal aber in Augsburg.
So kam es also, dass ich mich am Sonntag im Kreise vieler bekannter Gesichter im Martini Park Augsburg wiederfand. Ein interessanter Ort für Theater.
Wo sonst Haushaltsprodukte in den Industriehallen gelagert wurden, lassen sich die Theaterbesucher künftig in die Welt von Oper, Ballett und Schauspiel entführen. Im Martinipark werden pro Spielzeit 180 Aufführungen zu sehen sein. (So die Ausgburger Allgemeine)

Industrieschick und frisches Design überzeugen

Angefangen beim hippen Logo des Theaters, das aus einer derzeit im hippen Internethimmel sehr beliebten und häufig benutzten, Ananas besteht, bishin zu lilafarbenen Neonröhren, die einem Weg zum Theatersaal zeigen, erscheint die Interimsspielstätte in frischem Glanz. Dazu ein paar Betonwände und moderne Tische, die darüber hinweghelfen sollen, den alten Theaterraum zu vermissen. Das gelingt.
Die Atmosphäre stimmt, die Akustik und gerade die Pre-Premierenstimmung im Foyer gleicht einer jeden Premiere wie wir sie sonst erleben.
Auch im Theatersaal, der eigentlich einer Stadthalle ähnelt, fühlt man sich nach den ersten Tönen der mozartschen Zauberflöte schnell als wäre alles wie sonst.

Ich erlebe ein junges und spielwütiges Ensemble, musikalisch aber auch inszenatorisch überzeugt dieser Abend schnell. Man spürt die Widrigkeiten von fehlendem Schnürboden oder sonst gewohnter Theatertechnik nicht. Der theatrale Moment verzaubert uns und nimmt uns mit in die Welt von Pamina und ihrer Mutter.
Und was zeigt uns das Stück? Starke Frauen. Nicht nur Pamina und die Königin der Nacht, auch die drei Damen machen eine gute Figur.
Und nicht nur ein modernes Frauenbild zeigt die vielleicht berühmteste Oper von Mozart, ob ins heute versetzt oder nicht. Es sind die zentralen Themen, die hier verhandelt werden, die diese Oper zur meist gespieltesten, nicht nur im deutschsprachigen Raum macht. Sie ist ein Familien-, wie Politdrama, erzählt von Loyalität, Freundschaft und Vertrauen, nicht nur in andere sondern auch in sich.

FemFriday mit der Königin der Nacht

Gerade die beiden Protagonistinnen beeindrucken. Nicht nur mich sondern das gesamte Publikum ist gefesselt von Stimmgewalt und Spielfreude. So sehr, dass die beiden Sängerinnen schnell zum Publikumsliebling avancieren. Szenenapplaus meist für die beiden. Deshalb, nur am Rande, folgt hier bald ein FemFriday-Interview mit Olena Sloia und Jihyun Cecilia Lee.

Mich persönlich berühren die drei Knaben ebenfalls sehr. Drei Jungs der Augsburger Domsingknaben mit so viel Spaß am Singen, die mit unglaublicher Hingabe und Inbrunst schauspielen, dass es nicht nur ein Mutterherz erwärmen muss. 😉

Im Anschluss an einen humorvollen, bunten und vor allem ästhetisch runden Abend, erlebe ich ein überaus zufriedenes und sympathisches Ensemble, das sich gemeinsam mit den interessierten und begeisterten Zuschauern auf der Premierenfeier tummelt.
Ein stolzer Intendant rundet den Abend mit einer rührenden Rede ab, in der er sich bei allen Beteiligten bedankt. Bei Mozartquelle und Schnitzel beende ich ich meinen Abend im neuen Staatstheater Augsburg und hoffe bald wieder zu kommen.

{Kooperation}

Danke an das Staatstheater Augsburg!
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Fotos: Jan-Pieter Fuhr

Sleep and Go bei den Festspielen

Wenn man ein Wochenende im Festspielsommer plant sind nur zwei Dinge wichtig: Das Wetter und das Hotel!
Da ich mit dem Wettergott meist gut stehe – ich esse meinen Teller immer auf – muss ich nur einen Schirm ins Auto packen (für alle Fälle und falls es Rosenkohl gab…) und mich um eine Übernachtung kümmern.

Die Eröffnung der Bad Hersfelder Festspiele steht jährlich in meinem Terminkalender- und das bleibt auch so, seit Dirty Dieter (Achtung, den Ausdruck hab ich geklaut!) im Februar als Intendant zurücktrat.

Ich freute mich also sehr, den Hersfelder Festspielen dieses Jahr neu zu begegnen! Sommerfestspiele sind ein schöner Urlaub von der normalen Saison in geschlossenen Räumen und Theatersälen: Anderes Publikum, andere Form der Unterhaltung, andere Atmosphäre.
Und gerade in Bad Hersfeld tummelt sich dank Dirty Dieter weiterhin eine interessante Mischpoke an Promis:

Von Tatort-Kommissar Richie Müller über Alt-Rowdy Claude-Oliver Rudolph bis zu Fernsehstar Nina Petri, bekommt das Publikum eine feine Auswahl unterschiedlicher Schauspielkunst geboten.
Auf dem roten Teppich wird viel gegrinst und viel geknipst. Ich persönlich habe es geschafft, ein Selfie mit Mutter Beimer zu machen. Wer kann das schon von sich sagen (viele bestimmt!)?

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Regisseur Robert Schuster hat den norwegischen Klassiker einmal auseinandergenommen und ihn mit ein wenig digitalen Spezialeffekten wieder zusammengesetzt. Was FAUST für die Deutschen ist, ist PEER GYNT für die Norweger. Doch einen verstaubten Klassiker erleben wir nicht, vielmehr eine aktualisierte Inszenierung in Zeiten von Twitter und Fake-News.

Nach einem gelungenen Theaterabend mit einer liebenswürdigen Puppe, einer Menge trickreicher Video-Einspieler und einem beeindruckend intensiven Christian Nickel als Peer, wird sich im VIP-Zelt über den Abend ausgetauscht.

Der Wein fließt, Brezeln duften und die Fackeln leuchten am Wegesrand. Im Schatten der Ruine lässt es sich nicht nur am Nachmittag gut flanieren, auch am Abend versprüht Bad Hersfeld ein besonderes Flair.

Grillen zirpen, Gitarrenklänge ertönen dazu und die Promis haben ihre Kostüme gegen Abendkleider getauscht und mischen sich unters Volk. Manche scheu, manche wie erwartet wie ein Promi mit Bedacht auf die Wahrnehmung.

Und trotz des rosa Elefanten im Raum – sprich den Vergewaltigungsvorwürfen gegen Ex-Intendant Dieter Wedel – herrschte gute und erleichterte Stimmung. Neu-Intendant Jörn Hinkel trumpft durch Ruhe und Sympathie auf.
Wir können gespannt auf kommende Spielzeiten unter seiner Leitung sein.

Zu später Stunde fielen wir in unser Bett des Sleep and Go Hotels. Perfekt für eine ruhige Nacht, perfekt wenn man auf der Durchreise ist und perfekt wenn man am nächsten Tag wieder auf die Autobahn muss.
Trotz Autobahnnähe war das Zimmer ruhig und nicht zur Straße gelegen- mit absolutem Erholfaktor.
Was braucht es mehr als eine gute Matratze und einen guten Kaffee? Das alles haben wir bekommen und dazu den überaus freundlichen Service beim Frühstück wie an der Rezeption.

Vielen Dank für diesen so angenehmen Aufenthalt in Bad Hersfeld!

#werbung
#kulturblogging

OH OSNABRÜCK!

O wie Osnabrück, O wie Oper und O wie Onewomentrip.

Naja, letzteres klingt sehr konstruiert aber ich brauchte ein drittes O. Alle guten Dinge sind drei.
Alle guten Dinge sind mir bei meinem Kurztrip nach Osnabrück begegnet. O wie optimal!
Anlass meiner Reise war die Premiere einer Kollegin und tollen Frau. Andrea Schwalbach inszenierte am Theater Osnabrück, ein nicht ganz unaufwendiges Werk von Ferruccio Busoni: Doktor Faust. Auf nach Osnabrück.

Faust, schlag ein!

Uns allen ist er bekannt, der gute Faust. Wie er über die Geheimnisse von Schönheit und Unsterblichkeit und über die eigene, ganz subjektive Schuld sinniert. Sein ewiges Streben nach Wissen und Moral machen ihn zu einem ewig umtriebigen Geist unserer Kultur.

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Foto: Jörg Landsberg

In Osnabrück erleben wir ihn sehr deutsch und schnörkellos. Wenig vom schöngeistigen Gedanken „habe nun ach…“ sondern menschlich und erschreckend normal.
Wie du und ich.
So stirbt er nach knapp 2,5 Stunden spannenster Musik* am Theater Osnabrück. Schnörkellos. Kein tragisch klassischer Opern-Tod mit großen Gesten und Gekeuche. Menschlich.
Fast mitten im Streitgespräch mit seinem ständigen Begleiter, Freund und Henker Mephisto, klappt plötzlich sein Kopf in den Nacken und beendet ist der Spuk.
Spuk trifft es. Schräge Typen, übergroße Puppenköpfe tummeln sich im mystischen Licht unter Glitzerkonfetti auf der Bühne.

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Foto: Jörg Landsberg

Und trotz einer großen Frauenpartie, einem toten Gretchen und einem bezaubernden kleinen Mädchen, bleibt es ein Männerabend. Vielleicht sogar ein Männerabend wie er im Buche steht. Da wird gegrölt und getobt, geschimpft und gesoffen.
Und doch bleibt die Feierei ein Moment der Täuschung. Ein Konstrukt, der über die Vergänglichkeit hinwegtäuschen soll. Über die Abwesenheit von Glück. Oder die Fähigkeit glücklich werden zu können.
Oder aber ein Moment, der die Angst vorm Bösen verschleiert. Das Böse, dass wie wir merken müssen, alle in uns tragen.

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Foto: Jörg Landsberg

 

Die Faustregel


Im Interview sagt die Regisseurin Andrea Schwalbach, es sei „faustisch“ wenn wir uns über die Moral erheben um Wissen zu erlangen. Also Bekanntes hinterfragen, überprüfen und vielleicht Gesetze brechen mindestens überdenken.

Doch gerade die Frage nach Moral und Schuld beschäftigt den verzagten Faust sehr. Kann man die Schuld sühnen indem man eine gute Tat begeht?
Frei nach Shakespeare „Dem traue nie, der einmal Treue brach!“
Ist ein schuldiger Mensch für immer ein schuldiger Mensch?

Ein Schuldbekenntnis ist doch gleichzeitig das Scheitern des Ichs. Die Anerkennung der eigenen Fehlbarkeit.

„Was im Umkehrschluss aber nicht bedeutet, ich bin fehlbar, daran ist nichts zu ändern und darum darf ich alles!“  Regisseurin Andrea Schwalbach.

Und doch bleibt Faust nichts als der Tod. Ob Mephisto ihn auf dem Gewissen hat oder sein Gewissen, das bleibt bei mir. Mephisto schließt den Abend mit „Ihr Männer und Frauen, lasst euch sagen, das Wetter hat umgeschlagen (…)“ und verlässt die Bühne. Der leblose Körper von Faust bleibt zurück. Bleibt Hülle und Projektionsfläche.
Für unser eigenes Ende. Wir bekommen keins präsentiert. Wir bekommen keins geschenkt. Was uns bleibt ist unser ganz Eigenes. Was? Seht selbst.

„Was ich zeigen möchte mit diesem Stück: Alles ist menschgemacht und an allem Handeln tragen wir, wenn wir es aus freiem Willen heraus tun, eine Verantwortung. Faust wünscht sich das Dunkle, das Verbotene herbei, und er bekommt es, aber in Menschengestalt, dazu braucht es kein Zauberbuch, keine Alchemie, es reicht sein Wunsch, seine Bereitschaft, um dann mit Hilfe von etwas, was Mephisto ist (ein Teil seiner Selbst? Seine Liebe?), wahrhaft monströse Taten zu begehen. Aber das kennen wir doch zu gut, dass aus Dingen die gut gedacht waren, etwas Böses erwächst.“
Andrea Schwalbach

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Foto: Jörg Landsberg

Danke für einen tollen Theaterabend, danke für die freundliche Zusammenarbeit mit der Presseabteilung des Theater Osnabrück.
Danke an das Bergmann Boardinghouse Osnabrück für mein feines kleines Zimmer. Ich komme gern wieder.

Szenenfotos: Foto: Jörg Landsberg, Theater Osnabrück

*(Ferruccio Busoni italienischer Komponist 1866-1924)