FemFriday mit Ursula Strauss

Am heutigen FemFriday bin ich besonders aufgeregt, da ich eine Schauspielerin vorstellen darf, die ich besonders verehre. Heute im #femfrday-Interview Ursula Strauss.

Ursula Strauss studierte Schauspiel am Wiener Volkstheater. Bereits während ihrer Ausbildung wird sie an mehreren Theatern in Deutschland und Österreich verpflichtet. Ihren Durchbruch, mit dem sie Berühmtheit im deutschsprachigen Raum erlangte und internationale Aufmerksamkeit erregte, gelang ihr mit den Kinofilmen ‚Böse Zellen’ von Barbara Albert und dem für den Oscar nominierten ‚Revanche’ von Götz Spielmann. Sie verfeinerte genreübergreifend und nachhaltig ihr Spiel, das vielfach ausgezeichnet und gewürdigt wurde, unter anderem vier Mal mit der Romy als beste Schauspielerin, zwei Mal mit dem Preis der Diagonale, dem Österreichischen Filmpreis, nominiert für den Deutschen Schauspielerpreis und als beliebteste Schauspielerin des Golden Rooster Festivals in China. Zum Publikumsliebling wird Ursula Strauss durch ihre Hauptrolle in dem Fernseh-Hit ’Schnell ermittelt’. Die Schauspielerin weiß um das Menschliche, die Verletzbarkeit und das Zerbrechliche eines Wesens. Ursula Strauss’ Einfühlungsvermögen in menschliches Verhalten zeigt sich in den außergewöhnlichen Darstellungen ihrer Rollen. Ihre ganzheitliche und unvoreingenommene Herangehensweise, mit der sie die unterschiedlichsten menschlichen Charaktere im Film zum Leben erweckt, zeugt von einer überdurchschnittlichen Intuition für das Wesen der Figuren und macht sie zu einer der gefragtesten Schauspielerinnen im deutschsprachigen Raum.Regisseure, die den gegenwärtigen Film prägen und mitgestalten wie Barbara Albert, David Schalko, Götz Spielmann, Nikolaus Leytner, Nils Willbrandt und Wolfgang Murnberger engagieren sie immer wieder für ihre anspruchsvollen Film- und Fernsehproduktionen wie ‚Altes Geld’, ‚Aufschneider’, ‚Die Stille danach’, ‚Oktober, November’, ‚Mörderisches Tal – Pregau’ und ‚Vielleicht in einem anderen Leben’. Ursula Strauss kuratiert sehr erfolgreich ihr eigenes Festival ‘Wachau in Echtzeit’. Sie ist die Präsidentin der Akademie des Österreichischen Films. Ursula Strauss‘ zweites Buch ‚Warum ich nicht mehr fliegen kann und wie ich gegen Zwerge kämpfte‘ ist derzeit im Buchhandel erhältlich.

Wie kamst Du zu deinem heutigen Beruf? 

Ich wollte eigentlich seit ich denken kann Schauspielerin werden. Während meiner Pubertät habe ich diesen Wunsch dann ganz tief in mir vergraben und als Schwachsinn abgetan. Als ich dann siebzehn wurde sprach es plötzlich aus mir heraus und auf die Frage meines damaligen Freundes: „Was ich denn werden wollte, wenn doch keine Kleinkindpädagogin?“, antwortete ich plötzlich: „Schauspielerin“. Dann nahm alles seinen Lauf und als ich zwei Jahre später die Aufnahmsprüfung geschafft habe, war ich der glücklichste Mensch und bin es heute noch.

An welchen Moment in deiner Karriere erinnerst Du dich besonders gut? 

Da gibt so viele Momente, und ich bin immer wieder dankbar wenn ich an die Jahre zurückdenke, die ich erleben durfte. Aber ein Highlight war sicher die Oscar-Verleihung in Los Angeles als wir mit dem Film ‚ evanche‘ von Götz Spielmann für den besten ausländischen Film nominiert waren.

Empfindest Du ein Ungleichgewicht in der Filmbranche was die Geschlechterbesetzung angeht? 

Ich muss sagen, dass ich sehr viel Glück hatte und immer mit Leuten und unter Bedingungen arbeiten durfte, die kein Ungleichgewicht vermuten lassen. Tatsächlich ist es aber so, dass Frauen sehr oft weniger verdienen und härter um ihren Platz kämpfen müssen. 

Was macht für dich Fempowerment heute aus? 

Zusammenhalt ist es vor allem. Zusammenhalt und Mut.
Es gibt in unserer Branche einen harten Konkurrenzkampf, und da gibt es gerade unter den weiblichen Kolleginnen mitunter auch gewisse Probleme. Unser Beruf ist aber ein Beruf des Miteinanders und nicht des Gegeneinander. Und das Miteinander erfordert mitunter auch Mut.
Mut für andere zu sprechen, wenn sie selbst noch nicht aus einer starken Position heraus agieren können. Den Mut zur Haltung und das Wissen darüber das es ein Privileg ist so einen Beruf ausüben zu dürfen

In welchen Momenten deines Jobs wärst Du lieber ein Mann?

In keinem Moment. Ich bin sehr gerne ich und eine Frau.

Wenn die Frauenquote etwas bewirkt dann… bitte beende diesen Satz!

Dass mehr Frauen die Möglichkeit haben, in diesem hart umkämpften Markt zu arbeiten – und zwar vor allem hinter der Kamera und in wichtigen Positionen als Entscheidungsträger*innen in der Filmpolitik.

Was können wir Frauen tun, damit sich die Wahrnehmung auf unser Geschlecht am Arbeitsmarkt ändert? 

Weiterkämpfen, weiterreden, weitereinfordern, weiter anstrengend sein und uns gegenseitig bei diesem Prozess unterstützen.
Konsequent und immer wieder den Mund aufmachen.

Was würdest Du jungen Kolleginnen raten?

Ich denke der Beruf fordert Haltung ein und Leidenschaft.
Wenn man bei sich bleibt und trotzdem offen durch die Welt geht, sind das schon gute Vorraussetzungen. 

Beschreibe Dich in drei Worten.

Gibt es das, eine Art Wortdestillat eines Menschen?

Was liest Du derzeit?
Jetzt gerade lese ich ein Drehbuch und begleitende Literatur dafür.
Das sind vor allem Bücher über Migration und Liebe unter anderem „Lob der Liebe“ von Alain Badiou und „Warum Liebe weh tut“ von Eva lIIouz.
Ich hoffe, das Ergebnis kann man nächstes Jahr dann im Kino sehen.

Gibt es ein Zitat oder Motto, dass Du gern benutzt? Wenn ja welches? 

Wir überqueren die Brücke, wenn wir sie erreichen.

Hast Du eine Lieblingsrolle? Aus der Vergangenheit oder eine, die Du gern mal spielen würdest?

Grundsätzlich sind mir die meisten Figuren liebe Freunde gewesen. Manche sind es noch. Aber Maria Stuart würde ich wirklich sehr gerne spielen.

Irina Gavrich

Foto: Irina Gavrich
Quelle: PR-Agentur Jozo Juric

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