FemFriday mit Birgit Lengers

Am heutigen Weltfrauentag und #femfriday stelle ich Euch die Leiterin des Jungen DT vor.
DT steht für Deutsches Theater Berlin und ist derzeit eine der wichtigsten Bühnen für junge Bühnenstoffe.

Birgit absolvierte ihr Studium Theater-, Film- und Kulturwissenschaft/Ästhetische Praxis in Köln und Hildesheim. Von 1997 bis 2002 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hildesheim.
Nach 6-jähriger Zusammenarbeit mit dem Regisseur Thorsten Lensing (THEATER T1) arbeitete Birgit als Dramaturgin bei German Theater Abroad (GTA): Dort leitete sie die Konzeption und Realisation transatlantischer Festivals und Theaterprojekte wie Stadttheater New York (New York) und Road Theater USA (USA/Berliner Festspiele/Heidelberger Stückemarkt/Düsseldorfer Schauspielhaus).
Außerdem war sie Gastdozentin u. a. in Hildesheim, Frankfurt am Main und an der Universität der Künste, Berlin. Man konnte sie als Moderatorin beim Theatertreffen der Berliner Festspiele erleben und sie war Jurorin beim 1. und 2. Bürgerbühnenfestival, „Brüder-Grimm-Preis“ des Landes Berlin und beim Heidelberger Stückemarkt.
Ihre Veröffentlichungen sind u. a. in „Text + Kritik“, im transcript Verlag, „Theater der Zeit“, „Die Deutsche Bühne“ und „Korrespondenzen“ zu finden.
Seit der Spielzeit 2009/10 leitet Birgit Lengers das Junge DT und das DT International. Seit 2013 ist sie Teil der Theaterleitung am DT.

Wie kamst Du zu deinem heutigen Beruf?

Nach meinem Studium stand für mich fest, dass ich im Bereich der Kulturvermittlung arbeiten wollte. Die Entscheidung, ob eher im akademischen oder im künstlerischen Kontext, habe ich eine Weile offen gehalten und einige Jahre parallel an der Uni gelehrt als auch im freien Theater als Dramaturgin und Produzentin gearbeitet. Am DT habe ich mich initiativ beworben, nachdem ich Ulrich Khuon auf einer Tagung begegnet war. Er hat an einem Workshop teilgenommen, den ich zum Thema „Kunst der Vermittlung“ geleitet habe. Es war eine gute Begegnung. Als klar war, dass er Intendant in Berlin wird, hatte ich sofort Ideen für ein „Junges DT“. Er hat mir vertraut, obwohl ich absolut gar keine Stadttheatererfahrungen hatte.

An welchen Moment deiner Karriere erinnerst Du dich besonders gut?

Man erinnert sich ja meist an das „Erste Mal“, all das was man entdeckt, erobert und erreicht – die Premieren eben. Aber das großartige an meinem Job ist, dass jedes Projekt, jedes Jugendensemble und natürlich die Themen und Begegnungen mit Künstler*innen immer wieder neu und bemerkenswert sind. Wichtig war für mich das „Kinderzimmer“, das wir auf dem Vorplatz des DT errichtet haben oder die „Besetzung“ des ganzen Hauses durch unsere Feriencamps, also das Gefühl aber auch das Zeichen: dieses Theater gehört uns und alle ziehen mit. Wenn ich aber weniger an Erfolge denken, das legt der Begriff „Karriere“ ja nahe, dann sind in den letzten Jahren vor allem die internationalen Projekte für mich prägend gewesen, z.B. gemeinsam mit je sechs Jugendlichen aus Russland, Polen und Deutschland ein Stück zum Thema „Erinnerungskultur“ zu entwickeln, gemeinsam den Mamajew-Hügel in Wolgograd hochzusteigen, Auschwitz zu besuchen und Bunkeranlagen Berliner. Zu erfahren, dass dieses Projekt etwas wesentlich verändert hat in ihren und in meinem Leben.

Empfindest Du ein Ungleichgewicht in der Theaterbranche bei der Geschlechterbesetzung?

Das ist keine gefühlte Wahrheit, sondern ein Fakt. Gut, dass es die Studie „Frauen in Kultur und Medien“ gibt, die diese Ungerechtigkeit mit Zahlen kenntlich macht.

Was würdest Du am Theater gern sofort ändern?

Ich würde Theater gerne mehr als Laboratorium und weniger als einen arbeitsteilig und hierarchisch strukturierten Produktionsbetrieb verstehen. Ich würde mir mehr Raum und Zeit für die künstlerische Forschung, fürs Ausprobieren aber auch für die sorgfältige Planung und die Auswertung wünschen. Natürlich wäre eine größere Diversität bei den Machern und auch im Publikum wichtig.

Wie funktioniert bei Euch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Schlecht. Und jeder ist seines eigen Unglücks Schmied.

Was gibst Du jungen Kolleginnen mit auf den Karriereweg?

Einzelkampf war gestern. Seid solidarisch und anspruchsvoll! Aber ohne dogmatisch oder verbissen zu werden. Man kann es ja auch spielerisch angehen und z.B. in Sitzungen versuchen den Redeanteil von männlichen Kollegen zu toppen 😉. Was ich versuche vorzuleben ist, dass man Familie haben und Karriere machen kann. Da hilft der Mut zum Unperfekten und natürlich ein feministischer Partner.

In welchen Momenten deines Jobs wärst Du lieber ein Mann?

Ich will kein Mann sein.

Wenn die Frauenquote etwas bewirkt dann…

…dass sie durch den Fokus die Wahrnehmung verändert und Vorurteile wie, es gibt nicht so viele gute Regisseurinnen/Autorinnen/Intendantinnen etc. endlich ad absurdum führt.

Was können wir Frauen tun, damit sich die Wahrnehmung auf unser Geschlecht am Arbeitsmarkt ändert?

Mutig, selbstbewusst und solidarisch sein. Nicht dadurch lieber ein oder wie ein Mann zu sein (Wie wäre das eigentlich genau?), sondern die Qualität des anderen Blicks (female gaze), des anderen Zugangs und Zugriffs stark zu machen. Transparenz ist auch immer gut.

Beschreibe Dich in drei Worten

Enthusiastisch, anstrengend und beweglich.

Was liest Du derzeit?

Familienstücke und „Text“ von Dmitry Glukhovsky

Welches ist dein liebster Theaterstoff?

Ich verlieb mich (fast) immer in den, den ich gerade bearbeite.


Wer mehr über Birgit und ihre Arbeit erfahren möchte, findet sie auf Facebook, Instagram und der Seite des Jungen DTs.

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