FemFriday mit Zanna Cornelis

Im  heutigen FemFriday-Interview mit der Tänzerin Zanna Cornelis geht es um die Liebe zum Tanz und ihren Weg in die richtige Ballettcompany.

Zanna wurde 1993 in Antwerpen, geboren. Als ältestes von sechs Kindern begann sie in jungen Jahren mit Ballettunterricht. Bald wurde sie in die Staatliche Ballettschule der Royal Ballet School of Antwerp aufgenommen und erhielt dort ihre Ausbildung. Zwei ihrer Brüder folgten ihr bald auf diese Schule nach.

Nach Beendigung ihres Studiums wurde Zanna mit 17 Jahren an das Theater Chemnitz engagiert. Unter der Direktion von Lode Devos tanzte sie in den folgenden 2 Jahren Stücke von Lode Devos, Jochen Ulrich, Ben van Cauwenbergh und Natalia Horecna.
Von 2013 bis 2017 war Zanna Cornelis festes Mitglied in der Ballettcompany des Landestheaters Eisenach, wo sie in zahlreichen Produktionen von Andris Plucis zu sehen war. Außerdem konnte sie im Jahr 2017 unter Junge Choreografen selbst choreografieren.
Seit 2018 ist sie Teil der Company Matthew Bourne’s New Adventures in London. Dort tanzte Sie ihr Debüt in Matthew Bourne’s Schwanensee.

 

Wie kamst Du zum Beruf Tänzerin?

Meine Eltern haben mich, als ich vier Jahre alt war, zum Ballett Unterricht geschickt – wegen meiner schlechten Körperhaltung. Seitdem habe ich mich immer gefreut wenn wieder „Ballett-Tag“ war.
Durch Zufall erfuhren wir, dass es sowas wie eine professionelle Ballettausbildung gibt, und nach einem erfolgreichen Vortanzen, wurde ich an der Königlichen Ballett Schule Antwerpen aufgenommen.
Dort machte ich neben meiner Schulausbildung eine Ausbildung zur Tänzerin.
Mit 17 bekam ich meine erste Stelle als Tänzerin in Deutschland, was ich gehofft aber nie erwartet hatte.
Jetzt, acht Jahre später, darf ich immer noch sagen, dass ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe.

An welchen Moment in deiner Karriere erinnerst Du dich besonders gut?

Die Premiere von Der Feuervogel am Landestheater Eisenach war für mich sehr wichtig. Es war meine erste Spielzeit an diesem Theater, ich war erst 19, sehr unerfahren und habe damals viel gelernt.
Es war Ballettdirektor und Choreograph Andris Plucis, der mir diese Chance gab, wofür ich noch immer sehr dankbar bin. Neben seiner Choreographie und Art zu arbeiten.
Zum Beispiel habe ich gelernt, wie man eng und selbstständig mit einem Partner zusammenarbeitet, wie es ist an eine Neuproduktion zu erarbeiten.
Dazu gab es auch noch diese wunderschöne Musik und so tolle Kostüme.
Durch diese Produktion habe ich entdeckt, dass ich am liebsten eine Rolle spiele/tanze und das führte dazu, dass ich jetzt die perfekte Company für mich gefunden habe.

Hast Du in deiner Branche ein Vorbild und wenn ja, wer ist das?

Alle, die das was sie machen mit ganzem Herzen machen.

Was macht Fempowerment für Dich heute aus?

Ich denke, dass wenn wir verstehen, dass wir Frauen keine Konkurrentinnen sind, sondern alle einzigartige Individuen, wäre die Welt viel schöner.
Das sehe ich sehr stark bei New Adventures (die company in der ich heute arbeite).
Die Atmosphäre zwischen die Tänzerinnen ist so gut- ich konnte es am Anfang fast nicht glauben. Zum Beispiel (aber nicht nur) wenn man die gleiche Rolle tanzt, hilft und lobt man einander, (oft und immer aufrecht). Ich habe jetzt schon gesehen, dass das Selbstvertrauen von allen zugenommen hat. So kommen wirklich schöne Sachen zustande!

In welchen Momenten deines Jobs wärst Du lieber ein Mann?

Beim Vortanzen! Einfach weniger Konkurrenz!
Daran kann man nicht viel ändern. Es gibt einfach immer viel mehr Frauen die tanzen als Männer. Die Companys brauchen aber genau soviel Männer als Frauen.
Ob sich das mal ändert, bezweifle ich sehr.
Viele von meine Freundinnen haben deshalb früh aufgehört zu tanzen und machen jetzt was anderes. Das heisst nicht, dass sie weniger glücklich sind.
Ich denke am Ende findet jeder seinen Platz.

Was können wir Frauen tun, damit sich die Wahrnehmung auf unser Geschlecht am Arbeitsmarkt ändert?

Wir müssen keine Angst haben, das zu machen, was wir wirklich machen wollen!

Es gibt immer noch viel mehr männliche Choreographen und Ballett Direktoren.
Ich weiß nicht genau woran das liegt.
Ob es vielleicht einfach mehr Männer gibt mit Interesse an diesen Berufen!?
Auf jeden Fall müssen wir Frauen uns nicht weniger geschickt fühlen – Talent und Können hat nichts mit dem Geschlecht zu tun! Es gibt genug Frauen die das beweisen.

Was würdest Du jungen Kolleginnen auf ihrem Karriereweg mitgeben?

Folge deinem Herz. Ich habe immer das gemacht – was vielleicht unlogisch schien – aber ich fühlte immer, was ich machen muss oder habe es wenigstens versucht.
Es wird immer Leute geben, die deine Wahrheit und dein Können schätzen werden und wenn das passiert, ist es das Schönste, was es gibt.

Beschreibe Dich in drei Worten…

Selbstständig, passioniert, und manchmal naiv.

Hast Du ein absolutes Lieblingstanzstück?

Als Tänzerin ist mein Lieblingsstück, dass was ich momentan tanze, Matthew Bourne’s weltberühmte moderne Version von Schwanensee (Swan Lake).
Es ist so klug, so raffiniert und mit so viel Liebe gemacht, und für mich die perfekte Mischung zwischen Tanz, Theater und Humor.
Auch wenn ich mir die Vorstellung anschaue, wenn ich mal nicht auf der Bühne bin, kriege ich immer noch Gänsehaut am Ende. Und dass nachdem ich die Produktion schon über 100x getanzt oder gesehen habe!!!
Im Tanz gibt es so viele verschiedene Stile. Als Zuschauer mag ich z.B. sehr den Humor von Alexander Ekman, die Körperlichkeit von Wayne McGregor, die Poesie von Pina Bausch oder die Frische des israelischen Choreografen Ohad Naharin.

Dein Lieblingsort?

Momentan das Lea River mit den Narrowboats im Springfield Park um die Ecke wo ich wohne in London. Wenn ich mal traurig bin oder mich alleine fühle, spaziere ich dort, Musik auf den Ohren, und alles ist wieder gut.
London hat sich eigentlich sofort als Zuhause angefühlt. Edinburgh und New York sind auch Favoriten. Aber natürlich bin ich auch sehr gerne in Antwerpen bei meiner Familie!

Was liest Du derzeit?

Ich lese den neuen Murakami Die Ermordung des Commandatore , über einen Maler der sich (wie auch anders) in absurden Situationen wieder findet und -Mazzel Tov- über eine belgische Studentin, die bei einer jüdische Familie in Antwerpen arbeitet. So erfahren wir diese Kultur – worüber wir so wenig wissen – ganz nah.
Ich habe Buch dieses gekauft, da ich in Clapton, Hackney in London wohne, wo es eine sehr grosse jüdische Gemeinschaft gibt.

Wer mehr über Zanna erfahren möchte, findet Sie auf Facebook und Instagram.

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Foto: Marie Liebig

Beitragsild: Landestheater Eisenach

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