FemFriday mit Peggy Pollow

Peggy Pollow ist ausgebildete Musicaldarsteller und Synchronsprecherin.
Von 2002-2014 stand sie auf diversen Musicalbühnen und spielte u.a. in MAMMA MIA, WEST SIDE STORY, INTO THE WOODS, der Rockoper THW WHOs TOMMY, HAIR , VOM GEIST DER WEIHNACHT, dem Udo Jürgens Musical ICH WAR NOCH NIEMALS IN NEW YORK und in diversen anderen Shows. Zwei Jahre war sie am Schmidt Tivoli Theater in Hamburg engagiert.
Seit 2010 ist sie neben dem Theater auch als Synchronsprecherin unterwegs. Diesen Beruf übt sie seit 2013 hauptberuflich aus.
Kinder kennen ihr Stimme als Bubbles in Powerpuffgirls, als Vampirina, Shimmer & Shine, Dora- und ihre Freunde, Calimero, Die Nektons, Spiderman und aus diversen anderen Serien.
Im Realserienbereich kann man sie in in u.a. in House of cards, Riverdale,
Frontier und The Originals in durchgehenden Rollen hören.
Peggy spricht des Weiteren in 27 Animeserien und ist seit eineinhalb Jahren die neue Feststimme von Schubia Wanzhaar in Bibi Blocksberg.
Die gesamte Liste ihrer gesprochenen Rollen findet ihr bei der Deutschen Synchronkartei.
Peggy lebt mit ihrem Freund und ihren zwei Söhnen in Berlin.

 

1. Du hast als Musicaldarstellerin begonnen, arbeitest aber mittlerweile als Synchronsprecherin. Wie kam es dazu?

Ich habe 2009 in Köln als Musicaldarstellerin bei der Walter Moers Produktion “Die 13 1/2 Leben des Käpt´n Blaubär” mitgespielt. In der Produktion haben wir Darsteller auch viele Handpuppen gespielt und unsere Stimmen den Puppen und Charakteren angepasst…und eine neue Leidenschaft wurde in mir geweckt. Zurück in Hamburg habe ich mich dann im Studio Hamburg vorgestellt und durfte dort meine erste kleine Rolle sprechen. Statt auf weitere Vorsingen zu gehen, habe ich mich bei weiteren Studios beworben …und so kam es wie es kam. Die ersten drei Jahre habe ich neben dem Sprechen noch am Theater gespielt,
aber als ich dann nach Berlin zog und die ersten festen Serienrollen bekam, hab ich mich dazu entschieden hauptberuflich als Synchronsprecherin zu arbeiten. Eine Entscheidung die ich bis zum heutigen Tag noch nicht bereut habe.

2. Der Sprecherjob ist in Deutschland rar und eine exklusive Runde. Wie erklärst du dir das?

Sind wir eine exklusive Runde? … Zumindest sind wir eine sehr kleine Branche…

Die Nachfrage ist sehr groß. Gerade durch die Streamingdienste wie Netflix und Amazon, dazu kommt der “normale” Betrieb der TV Serien und Kinoproduktionen, arbeiten die Studios größtenteils im Doppelschichtsystem. Das bedeutet von 9:00Uhr bis teilweise 24:00Uhr wird aufgenommen. Da geht es dann schon ans Eingemachte. Viele Kollegen haben bereits im frühen Kindesalter begonnen, sind Söhne oder Töchter von bekannten Stimmen, sind sozusagen im Atelier groß geworden. Als Quereinsteiger muss man sich in den etablierten Strukturen natürlich erst einmal beweisen und zeigen dass man auch bereit ist, noch ein ganzes Stück Weg zu gehen um dieses “Mund”werk zu erlernen.

Eine weitere Rolle spielt natürlich auch die zeitliche Verfügbarkeit. Es gibt einige Schauspieler, die Synchron gerne nebenbei machen wollen, weil sie gerade kein Theaterengagement oder Drehpause haben. Die meisten der Synchronsprecher arbeiten aber hauptberuflich. Unsere Voranmeldungen, d.h. wir müssen uns für bestimmte Zeiträume/Produktionszeiträume frei halten, reichen teilweise bis Ende 2019. Das bedeutet, in diesem Zeitraum kurz “auszusteigen” ist so gut wie unmöglich oder erschwert allen Abteilungen die Arbeit.

“Drum prüfe, wer sich ewig bindet”. Ja, ich glaube das passt ganz gut. Es muss halt das Gesamtpaket stimmen. Neben Talent, spielt Bereitschaft, Verlässlichkeit und “Treue” eine große Rolle. Wie in einer Beziehung. Und die Synchronfirmen gehen verständlicher Weise auch nicht mit jedem eine Beziehung ein…und setzen dann im Zweifel lieber auf das Altbewährte.

3. Was macht dir als Sprecherin am meisten Spaß?

Dass dieser Beruf so umfangreich ist und man gerade im Synchron so viele Rollen abdecken kann, die man auf der Bühne oder vor der Kamera auf Grund des Erscheinungsbildes vielleicht nicht hätte spielen können.

Hinzu kommt dass ich als Musicaldarstellerin immer wahnsinnig mit der Aufregung vor einer Show zu kämpfen hatte (ich glaube das wissen bis dato nur engste Freunde und Familie von mir). Ich erinnere mich an mein Vorsingen bei MAMMA MIA. Der Raum war voll und ich sollte vor eine Jury von gefühlten 30 Menschen “I have a dream” singen…und ich konnte einfach nicht. Weil mich alle anschauten. Also drehten sich alle zur Seite (ich erinnere mich noch heute an diesem Moment) und ich saß in der Ecke beim Pianisten und sang leise vor mich hin. Das ging. Ich bekam zu meiner großen Überraschung den Job und durfte 4 Jahre die Rolle der Sophie spielen…aber die Aufregung ablegen, das klappte mal mehr…mal weniger. Sobald ich auf der Bühne in der Rolle stand, ging es ohne Probleme, aber die Zeit vor den Shows waren der reinster Nervenkitzel. Wie ich es ausgehalten habe so 12 Jahre in diesem Beruf zu arbeiten, frage ich mich manchmal heute noch. Im Synchron ist das anders. Ich stehe hinterm Mikro, leihe meine Stimme und kann mich hervorragend hinter den Charakteren verstecken…aber darf trotzdem spielen und singen…nur schaut mir dabei niemand zu. Klingt vielleicht komisch…ist aber so.

Vielleicht würde ich jetzt mit zunehmenden Alter und nötiger Sicherheit anders reagieren…aber momentan fühle mich sehr wohl, wo ich jetzt stehe…hinterm Mikro, auch wenn die Herausforderungen dort nicht weniger geworden sind.

Und um auf deine eigentliche Frage zurückzukommen, was mir als Sprecherin besonders viel Spaß macht…Ich liebe es Disneyfiguren meine Stimme zu geben, aber auch ein Voice Over für eine spannende Dokumentation zu sprechen. Genauso wenig missen möchte ich die realen Schauspieler oder Hörspiel. Morgen zum Beispiel beginnt mein Tag mit “BIBI BLOCKSBERG” und endet mit den Gesangsaufnahmen für “Trolls- the beat goes on”(der Serie zum gleichnamigen Film). Außerdem beginnen wir noch diese Woche mit der dritten Staffel zu “Riverdale”. Ich liebe diese Serie und Vanessa Morgan, die ich in dieser Serie synchronisieren darf und bin schon total gespannt wie es weitergehen wird. Wie in so vielen Lebensbereichen machen es letztendlich die Mischung und die Spannung. Und die sind bis zum heutigen Tag geblieben …ohne einen unnötig hohen Ruhepuls vor den Termine.

4. Im Bereich der Synchronisation sollte eine ausgewogene Geschlechterverteilung herrschen oder empfindest Du das anders?

Ja, bei uns in der Branche ist das kein großes Thema. Frauen werden von Frauen gesprochen und Männern von Männern. Aber zu einer Synchronproduktion gehören ja noch andere Abteilungen ohne die es nicht funktionieren würde. Regie, Ton, Cut, Aufnahmeleitung, Produktionsleitung, Mischung (ich hoffe ich habe niemanden vergessen). Und auch dort ist das Verhältnis meiner Meinung nach sehr ausgeglichen.

5. Du bist Mutter von zwei Söhnen, wie verhält es sich mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Das klappt bei uns ganz gut. Da mein “Mann” (wir sind nicht verheiratet, aber ich nenne ihn trotzdem so…”Freund” klingt nach 12 Jahren Beziehung irgendwie komisch 🙂 )
oft über längere Zeiträume nicht zu Hause ist – er arbeitet als Licht-& Bühnendesigner und ist momentan mit der Band “Helloween” auf Welttournee- bin ich größtenteils alleine mit Jungs.
Aber gerade im Synchron ist das machbar. Wir haben bei meiner Sprecheragentur Officeofarts eine Kalenderbuchungssystem und können uns unter Absprache mit den Aufnahmeleitern für bestimmte Tageszeiten auch mal sperren.
Wenn mein Mann auf Tour ist, bin ich oft im Zeitraum von 9:00-15:00 Uhr im Studio und dann wieder am Abend ab etwa 20:30 Uhr. So kann ich meine Kinder immer zur Schule bringen, abholen und die Nachmittage mit ihnen verbringen.
Wenn mein Mann dann zu Hause ist, übernimmt er den größten Teil. Die Jungs sind so groß geworden und kennen das nicht anders. Aber ich denke auch, dass das in anderen Familie nicht anders funktioniert.
Ja, man gibt sich oft “Klinke” in die Hand und der Familienalltag hält zunächst ersteinmal viel Organisatorisches vor, aber so ist das nun mal und wenn ich mich in meinem Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis umhöre (und die meisten üben keine künstlerische Tätigkeit aus) läuft das dort nicht anders… und schon kommen wir zu deiner nächsten Frage…

6. Würdest Du deinen Söhnen von einem künstlerischen Beruf abraten?

Ich kann mit guten Gewissen sagen…nein, das würde ich nicht. Ich bin selber als Kind von Künstlern groß geworden. Meine Mutter ist Sängerin und war oft auf Tour und mein Vater ist Pianist. Ich war oft bei meinen Großeltern, aber geschadet hat mir das nicht. Meine Eltern waren vielleicht öfter als andere Eltern unterwegs, aber wenn sie dann zu Hause waren, hatte ich mehr Zeit mit ihnen, als andere Kinder mit Eltern die zum Beispiel einen “9 to 5” Job im Büro hatten. Und dass man in der Kunst heutzutage auch Geld verdienen kann, ist ja auch kein Mythos. Ich war als Musicaldarstellerin 12 Jahre fest am Theater angestellt und hatte immer feste Gehälter, so wie auch jetzt im Synchron. Natürlich braucht man auch eine große Portion Glück und Durchhaltevermögen. Aber in welcher Branche ist das nicht so?!

Momentan stellt sich die Frage über die Berufswahl unserer Kinder aber noch nicht.
Denn aktuell dreht sich bei den beiden alles um Freunde, Fußball und Schule. Und dann schauen wir mal wo der Wind sie hinweht.

7. Gibt es etwas was Du an der Branche sofort ändern würdest?

Alle Änderungen, das sind zum Glück nicht so viele, die ich hier vorschlagen würde wären zur heutigen Zeit utopisch. Früher wurden zum Beispiel Sprecher beim Synchron oft gemeinsam aufgenommen, man stand zusammen vor dem Mikro. Darüber sprechen oft die älteren Kollegen. So konnte man mit seinem “Gegenüber” in den direkten Dialog gehen, eine spannende Sache. Für die Serie “Mindhunter” kam ich Anfang des Jahres in diesen Genuss. Es handelte sich um ein Streitgespräch zwischen Eheleuten und diesen Schlagabtausch gemeinsam einzusprechen war eine unglaublich tolle Erfahrung. Außerdem ist der Lerneffekt sehr groß, wenn man einen erfahreneren Sprecher an seiner Seite hat. Heutzutage ist das aus diversen Gründen eher die Ausnahme. Schade eigentlich.

8. Was würdest Du chauvinistischen Männern immer mit auf den Weg geben?

(ANATM) Dein Ernst (INS ON) noch nicht im Jahr 2018 angekommen (WINZ ZÖG) oder was? (LAUTE)

Ganz ehrlich, darauf lass ich mich erst gar nicht ein. Mit einem Cheauvinist, ganz egal, wem gegenüber er oder sie sich für was Besseres hält, zu diskutieren, ist für mich reine Zeitverschwendung. Da ist meiner Meinung nach “das Kind bereits in den Brunnen gefallen”. Wenn ich mich ungerecht behandelt fühle mache ich den Mund auf, privat so wie beruflich… aber vom Gegenteil überzeugen… das ist Erziehung und DIE übe ich zu Hause bei meinen Kindern aus…in der Hoffnung und Überzeugung anständige Menschen aus ihnen zu machen.

Wenn ich mich ungerecht behandelt fühle mache ich den Mund auf, privat so wie beruflich

9. Hast Du ein Motto, das für die Arbeit wie für das Private gilt?

Träume groß und hab Spaß.

10. Was liest Du derzeit?

Gute Frage? Dazu müsstest du meinen Nachtisch sehen…:))))))))))…da liegen ungelogen um die 20 angefangenen Bücher. Alles Jugendromane. Liegt daran, dass mich vor etwa 5 Jahren der Roman “Tschick” von Wolfgang Herrendorf derart umgehauen hat, dass ich es mit Jugendlichen in Berlin in kleinen Rahmen auf die Bühne gebracht habe.
Die Arbeit mit den Jugendlichen hat mir super viel Spaß gemacht. Seitdem suche ich ein neues zeitloses Stück. Vergebens. Also wenn irgendjemand noch einen Vorschlag hat, her damit, ich bin über alle Tipps dankbar.

11. Beschreibe dich in drei Worten

Momentan, Sehr, Müde … Spaß! …

12. Deine derzeitige Lieblingsserie ist?

Also DIE Frage ist leicht und schnell zu beantworten : GREY`S ANATOMY 😉

Wer mehr über Peggy und ihre Arbeit erfahren möchte, findet sie bei Instagram, Facebook oder auf ihrer Homepage.

Beitragsbild: Sven Fechner

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