FemFriday mit Ingrid Noll

Im heutigen #femfriday-Interview stelle ich Euch die Schriftstellerin Ingrid Noll vor.
Wie sie schon vor vielen Jahren selbstbestimmt und ganz im Sinne der Emanzipation als Mutter und Ehefrau noch spät zum Schreiben kam, was sie über Fempowerment denkt und was sie derzeit liest.

Ingrid Noll wurde 1935 in Shanghai geboren. 1949 flüchtete sie mit der Familie nach Deutschland. 1954 machte sie Abitur um anschließend Germanistik und Kunstgeschichte in Bonn zu studieren. 1959 folgte die Heirat, und die Geburten der drei Kinder. Jahrelang arbeitete sie in der Arztpraxis ihres Mannes.
Die erste Anfänge als Autorin waren Kindergeschichten.
1991 erschien Ingrid Nolls erster Krimi Der Hahn ist tot, inzwischen sind es fünfzehn Romane und zahlreiche Kurzgeschichten.
Ingrid Noll lebt mit ihrem Mann in Weinheim an der Bergstraße.

Wie kamen Sie zum Beruf Schriftstellerin?

Schon als Schülerin konnte ich mit einer Eins im Aufsatz die Fünf in Mathe ausgleichen und wusste, dass Schreiben für mich die Rettung bedeutet. Aber ich wagte lange nicht, von einem Beruf als Schriftstellerin zu träumen. Erst als unsere Kinder aus dem Haus waren und ich endlich ein eigenes Zimmer bekam, fand ich  Zeit für kreative Experimente. Mein Mann war Arzt und ich habe 20 Jahre lang in seiner Praxis mitgeholfen, eher aus Pflichtgefühl denn aus Neigung.

An welchen Moment in ihrer Karriere erinnern Sie sich besonders gut?

Es war ein unbeschreibliches Glücksgefühl, als ich meinen ersten Roman gedruckt und in Leinen gebunden in den Händen hielt. Fast vergleichbar mit der Freude über die Geburt des ersten Kindes.

Was inspiriert Sie?

Da ich erst mit 55 Jahren mit dem professionellen Schreiben begann, konnte ich auf einen soliden Fundus an Lebenserfahrung und Menschenkenntnis zurückgreifen. Im Übrigen inspirieren mich das tägliche Leben, die Beobachtung der Umwelt und der nachwachsenden Generationen, vor allem auch die eigenen Enkelkinder. Wenn ich gerade mitten in einer fiktiven Geschichte stecke, bin ich zudem wie ein Schwamm, der alles um sich herum aufsaugt.

Empfinden Sie ein Ungleichgewicht in der Literaturszene, was die Geschlechterbesetzung angeht?

Von der Krimiszene kann ich das eigentlich nicht sagen. Die Rollen sind allerdings ein wenig verteilt: brutale Stories meiner männlichen Kollegen werden wahrscheinlich lieber von Männern gelesen, die eher psychologischen und weniger bluttriefenden (wie meine Bücher) eher von Frauen.

Was verstehen Sie unter dem Begriff Fempowerment heute?

Eine wichtige Initiative zur Stärkung der Frauenrechte.

In welchen Momenten ihres Jobs, wären Sie lieber ein Mann?

Überhaupt noch nie. 

Wenn die Frauenquote etwas bewirkt dann… bitte beenden Sie diesen Satz!

Dann wird hoffentlich bewiesen, dass Frauen ihren Job hervorragend meistern können und die Quote gar nicht nötig war.


Sie sind Mutter von drei Kindern. Was haben Sie ihnen für ihre Berufswahl mit auf den Weg gegeben?

Auf keinen Fall aus rein materiellen Gründen einen Beruf wählen, der für lebenslange Langweile sorgt.

Wie lief es bei Ihnen mit der Vereinbarkeit von Familie und ihrem Beruf als Schriftstellerin?

Das klappte bei mir ja erst, als die Kinder selbständig waren. Aber auch jetzt, wo es um die Großfamilie mit vier Enkelkindern geht, muss ich mich irgendwie organisieren, damit weder ich noch die mir so wichtigen Beziehungen zu kurz kommen. 

Beschreiben Sie sich in drei Worten…

Alt, pragmatisch und immer noch neugierig.

Wie wichtig ist für Sie Humor beim Schreiben?

Humor ist nicht nur fürs Schreiben lebensnotwendig, sonst würde ich verzweifeln.

Was lesen Sie zu Zeit?

Daniela Krien: „Die Liebe im Ernstfall“

Fotos: Diogenes Verlag

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Wie digital ist die Kunst, ihr Cyberräuber?

Am heutigen #digitaldienstag habe ich das Künstlerkolletiv Die Cyberräuber, Björn Lengers und Marcel Karnapke interviewt.

Marcel Karnapke und Björn Lengers bilden seit 2016 das Künstlerkollektiv „CyberRäuber – Theater der virtuellen Realität“ (vtheater.net).
Sie verbinden Theater mit dem virtuellen Raum, bringen – oft gemeinsam mit anderen KünstlerInnen – digitale und virtuelle Welten ins Theater und das Theater auf virtuelle Bühnen. Sie erforschen neuartige Erzählmöglichkeiten und experimentieren mit Laserscans kompletter Bühnenbilder, dreidimensionalen Aufzeichnungen von SchauspielerInnen, Echtzeit-Bühnenbildern und mobilen Applikationen auf der Bühne.

Björn Lengers
Marcel Karnapke

Wie seid ihr die Cyberräuber geworden?
BL: Wir haben uns bei einer Veranstaltung über VR (Virtuelle Realität) und Film getroffen, beide dort die Meinung vertreten, dass VR viel interaktiver und echtzeitlicher als Film ist und daher viel mehr Verwandtschaft mit dem Theater hat. Und dann: don’t talk, do.
MK: Prinzipiell ging es bei der Veranstaltung auch darum, dass VR immer nur einzelnen Menschen etwas bietet. Dem haben wir widersprochen, denn wir glauben, die Zukunft von VR ist sozial und ein Gemeinschaftserlebnis, eben genau wie Theater.

Was war eure erste Begegnung mit der Digitalisierung?
BL: Ich habe eine Digitaluhr zur Erstkommunion bekommen und später meinen Eltern einen Commodore C64 „zum Programmieren lernen“ abgeschwatzt, der natürlich ausschließlich als Spielcomputer eingesetzt wurde.
MK: Ich habe den C64, den Amiga und die ersten Spielekonsolen in einem Computerclub gesehen. Das Einlegen von Audiocassetten, die klangen als würde man einer Katze auf den Schwanz treten und das daraus Zeilen von Text und Grafiken und am Ende ganze Welten auf dem C64 entstanden, war für mich absolute Alchemie.

Wie digital seid ihr im Alltag?
BL: Da wäre eigentlich erstmal zu klären, was das heißt, „digital sein“.
Ich bin schon ziemlich mit dem Smartphone verwachsen: Kommunikation, Social Media, Kalender. Und da wir derzeit an zwei Projekten gleichzeitig und remote arbeiten, sitze oder stehe ich den Großteil des Tages vor einem Display.
MK: Das würde jetzt zu weit führen, wenn ich alles aufzähle, aber man kann sagen, ich bin mit allen Sinnen massiv digitalisiert oder sogar augmentiert.
Meine Kopfhörer filtern aktiv Stimmen in der U-Bahn oder erzählen mir den Status meiner, in der Cloud arbeitenden Computer, lesen mir mit künstlichen Stimmen Artikel aus aller Welt vor und gängeln mich, wenn ich mich nicht genug bewege.
Und da hab ich das Smartphone noch nicht einmal angefasst!

Welche digitalen Bereicherungen wollt ihr nicht mehr missen?
BL: Die weltweite Vernetzung des Wissens und damit die Möglichkeit zu sehen, woran und wie andere Leute arbeiten. Twitter, Github, Colab.
MK: Um nur eine zu nennen, ich bin Podcastsüchtig.
Gerade weg vom Bildschirm zu sein und nur durch die Ohren und Gedanken in Geschichten einzutauchen, ist extrem schön und vorallem kann man es so toll in den Alltag einbauen; das nimmt dem Geschirrspülen doch gleich seinen Schrecken.

Auf welche digitalen Entwicklungen könntet ihr verzichten?
BL: Die Geburtswehen der neuen Zeit: Noch nicht gut entwickelte Diskussionskultur, Gesetzlosigkeit und Entmündigung.
MK: Totalüberwachung, damit einhergehende Steuerung durch Massenmedien, Trolling und das Live-Streaming von Gewalt.

Wie wählt ihr Stoffe für euer Digitaltheater aus?
BL: Da wir auch mit Stadttheatern arbeiten, teilweise gemeinsam mit ihnen. Beim Goldnen Topf, Memories of Borderline oder jetzt Fragmente | ein digitaler Freischütz kam der Vorschlag aus den Theatern.
Bei Verirrten sich im Wald gerade am DT (Deutsches Theater Berlin) war es eine gemeinsame Idee. Bei bisherigen freien Projekten haben wir uns zunächst mal an bekannten Stoffen (Schiller, Shakespeare) orientiert, gehen aber bei unseren kommenden Arbeiten andere Wege und entwickeln Stoffe selber zu den Themen Künstliche Intelligenz, Selbstermächtigung, Hilflosigkeit

Verirrten sich im Wald/ Deutsches Theater Berlin/ Foto: Arno Declair

Gibt es ein Prinzip, nach dem die digitale Umsetzung im Bühnenraum funktioniert?
BL: Ein Prinzip? Keine Ahnung. Wir sind eher Empiriker.
Wir glauben außerdem sehr an das gemeinsame Entdecken mit Künstlern verschiedener Disziplinen im Probenprozess. Eine Frage, die uns sehr beschäftigt:

Was ist denn eigentlich der Bühnenraum? Nach Peter Brook „Der leere Raum“?


VR ist eigentlich genau dieser „empty space“, aber wir machen ja auch Theater mit digitalen Mitteln auf der klassischen Bühne.
Und da ist sicherlich das Thema „Echtzeit“ wichtig: Digitales auf der Bühne sollte durch die Handlung der SpielerInnen und / oder ZuschauerInnen entstehen und nicht geskriptet sein.
MK: Da könnte man fast fragen, ob es ein Prinzip der Digitalität gibt?
Wir beschreiben unsere Arbeit sehr oft als eine Suchbewegung, da wir mit Medien arbeiten, für die es noch keine, bis wenige Erfahrungen gibt, sind wir bemüht Experimente zu wagen deren Ausgang auch ein Scheitern sein darf.
Eigentlich kommen wir oft an Grenzen, untersuchen diese und fragen uns, ob es Wege gibt, diese aufzuweichen, Dinge zu Verknüpfen und neue Perspektiven zu öffnen. Oft sind wir selbst total überrascht, wieviel man den Spielern und dem Publikum zutrauen kann und wieviel Gedachtes am Ende gut und solide funktioniert.

Wie geht ihr mit der ethischen Debatte des „Entzauberns“ oder dem „Verrat am Theater“ um, die in Bezug auf digitale Bühnenformate aufkommt?
BL: Gibt es diese Debatte wirklich? Ich glaube nicht, aber wir würden sie gerne führen. Im Moment ist es aber, nach meiner Wahrnehmung er so ein mürrisches „Naja“.
Es gibt mal ehrlich, niemanden, der sich mit der Aussage: „Digitales hat auf der Bühne nichts zu suchen“ profilieren möchte.
Was auch albern wäre. Wenn ich mir Probenprozesse und Produktionsprozesse im Theater angucke: Da läuft doch alles schon voll digital. Ohne Dropbox, Wetransfer, digitaler Sound-, Video-, Lichtsteuerung läuft nichts mehr, auf der Probebühne sind ständig mindestens vier Notebooks geöffnet.
Und „Verrat am Theater“? Dafür müsste man doch erstmal definieren, was Theater ist. Meine Erfahrung ist: Wenn ich zehn Menschen frage, was Theater ist, bekomme ich zehn verschiedene Antworten.

Man kann das Theater zum letzten Hort des „Analogen“ ausrufen, aber dann zieht man natürlich ins Reservat, weg von der Gesellschaft und weg von den Menschen.

Mir gefällt nicht, wenn Theater und Theatermenschen vor allem im Verteidigungsmodus sind, nur bewahren wollen oder Angst vor Veränderung haben. Wir wollen auch verzaubern, und ich empfinde, das was wir tun, eher als Dienst am Theater, als notwendige künstlerische Forschung.
MK: Ich habe absolut kein Problem damit jede Form von Technologie aus dem Theater zu verbannen. Man kann tatsächlich über alles „reden“.
Das bedeutet: Treffende Texte formulieren, spannende Fragen stellen und auch Technologien wie virtuelle Realität eignen sich prima, um komplett auf der Bühne behauptet zu werden.
Für mich gibt es absolut keinen Zwang diese Mittel einzusetzen um eine Geschichte zu erzählen. Ich schließe mich allerdings Björn an, dass ich es als wichtig empfinde, das sich Theater der Digitalität unseres Lebensalltags nicht verstellen – im Gegenteil – ich denke das Theater als Ort der Künstlerischen Betrachtung und Auseinandersetzung, kann hervorragend dazu genutzt werden Dinge sichtbar, spürbar und erfahrbar zu machen. Um uns neue Perspektiven zu ermöglichen.

Für mich ist die Digitalität der Welt und das Entwickeln von Software oft vergleichbar mit Radioaktiver Strahlung. Man riecht sie nicht, man schmeckt sie nicht und spürt sie nicht, dennoch umgibt sie uns, hat massiven Einfluss, birgt enorme Potentiale aber auch große Risiken.


Wie können wir als Künstler helfen, Menschen den Zugang zu solchen Welten zu öffnen, damit wir zumindest den Diskurs in der Gesellschaft wagen können!?

Marcel & Björn sind die Cyberräuber

Wie sieht für Euch das Theater der Zukunft aus?
BL: Gar nicht so sehr unterschiedlich, wie das der vergangenen 3000 Jahre: DarstellerInnen erzählen live Menschen Geschichten im Raum.
Und was das jeweils genau ist, wandelt sich ständig. Ich persönlich bin mir zum Beispiel nicht sicher, ob Theater als notwendige Bedingung einen physischen Ort, eine physische Bühne braucht.
Ko-Präsenz und Szenografie lassen sich auch anders erzeugen. Und es ist interessant, daran zu arbeiten. Jedenfalls bin ich überzeugt:
Das Theater hat seine besten Zeiten noch vor sich!
MK: In meinen kühnsten Visionen träume ich vom Cybertheater.
Einer Welt, in der das Publikum von überall auf der Welt einfach via virtueller Realität dazukommen und am Schauspiel aktiv oder passiv teilnehmen kann.
Auch die Schauspieler befinden sich an verschiedenen Spielplätzen auf dem Globus, treffen sich auf Bühnen, die zu Welten geworden sind und nehmen uns mit auf eine Reise in Ihre Köpfe, Mäuselocher oder schweben mit uns zusammen über den Dächern einer Stadt der Zukunft.
Klingt alles total abgehoben, aber haben wir schon ausprobiert, im Jahr 2018.
Scheint so als wäre die Zukunft schon heute, Sie ist nur noch nicht gleichmäßig verteilt.

The Memories of Borderline / Schauspiel Dortmund / Regie: Kay Voges, Cyberräuber
Die Biene im Kopf von Roland Schimmelpfennig Regie + Bühne: Martin Grünheit Programmierung + Virtual Reality: CyberRäuber Foto: Christian Brachwitz

Quellen: DT, Cyberräuber, Schauspiel Dortmund, Theater an der Parkaue

Beitragsbild: Christian Brachwitz Biene im Kopf am Theater an der Parkaue

FemFriday mit Anna Skryleva

Im heutigen #femfriday-Interview stelle ich Euch die Dirigentin Anna Skryleva vor. Leider sind Dirigentinnen noch immer eine Seltenheit. Anna arbeitet aber daran, dass sich das ändert. Hier ein Porträt über eine sehr spannende Frau.

Anna Skryleva wurde in ihrer Heimatstadt  Moskau am Tschaikowsky-Konservatorium als Pianistin ausgebildet. 1999 kam sie nach Berlin um ihr Klavierstudium an der Universität der Künste bei Prof. Klaus Hellwig fortzusetzen. Später nahm sie Dirigierunterricht bei Prof. Lutz Herbig in Düsseldorf und ist seitdem als Opern- wie auch Konzertdirigentin gleichermaßen aktiv.

Im November 2015 wurde Anna Skryleva als eine von sechs Dirigentinnen weltweit, für die Teilnahme am Mentorenprogramm des Institute for Women Conductors an der Dallas Opera ausgewählt und daraufhin in der Spielzeit 2016/2017 als Gast an der Dallas Opera engagiert. Ab August 2019 ist Anna Skryleva die Generalmusikdirektorin des Theaters Magdeburg.

Zwischen 2007 und 2015 wurde sie als Assistentin und Kapellmeisterin an führenden Opernhäusern Deutschlands engagiert: u.a. Oper Köln, Staatsoper Hamburg, Staatstheater Darmstadt. Im Juni 2015 gastierte Anna Skryleva mit der Darmstädter Produktion von Madame Butterfly am Hessischen Staatstheater Wiesbaden. In der Spielzeit 2019/2020 übernimmt sie an der Königlichen Oper Stockholm die musikalische Leitung der Produktionen von Die Zauberflöte und Der Nussknacker.

Seit der Spielzeit 2015/2016 widmete sich Anna Skryleva insbesondere dem Konzertbereich. Sie gastierte u.a. bei der Südwestdeutschen Philharmonie in Konstanz, beim Philharmonischen Orchester OFUNAM und dem Jugendorchester Eduardo Mata in Mexiko, der Norddeutsche Philharmonie Rostock, beim Bodenseefestival,  beim hr-Sinfonieorchester, dem Aarhus Sinfonieorchester und der Kopenhagener Philharmonikern in Dänemark sowie bei der Magdeburgischen Philharmonie.

Foto: Thomas Leidig

Wie kamst Du zum Beruf Dirigentin?
Dirigieren ist ein sonderbarer Beruf: es ist nie zu früh und nie zu spät damit anzufangen. Einige wissen schon seit klein auf, dass sie Dirigent/in werden möchten und beginnen ihr Studium schon mit 17-18 an einer Musikhochschule. Bei mir war es tatsächlich anders. Als kleines Kind war es zwar mein größter Wunsch, auf der Bühne zu stehen und Musik machen. Nur habe ich erstmal Klavier gespielt und komponiert. Dann wurde ich in meiner Heimatstadt Moskau als Solopianistin ausgebildet und bin 1999 nach Deutschland gekommen, um mich als Pianistin fortzubilden.
Das Leben entscheidet manchmal einfach für dich.
2002 habe ich eine Dirigentin kennengelernt, Alicja Mounk und wurde zu ihrer Assistentin an der Hochschule für Musik in Karlsruhe.
Alicja hat mich gefragt, ob ich nicht Dirigieren studieren möchte.
Ich fand dieses Angebot erstmal sehr spannend, ohne es ernst zu nehmen. Nun hat mich dieser Prozess, mit vielen Menschen Musik zu machen und vor allem an einem künstlerischen Ziel gemeinsam zu arbeiten, so fasziniert, dass es mir sehr schnell klar wurde – das ist meine Welt!
Da ich sehr gut Klavier spielen konnte, vor allem alles vom Blatt spielen konnte, war es für mich einfach einen Job als Repetitorin an verschiedenen Opernhäusern zu bekommen. Und so war ich schon im Beruf, konnte viel Repertoire lernen, mit anderen Dirigenten und vor allem Dirigentinnen arbeiten (Simone Young, Julia Jones, Karen Kamensek), viele Erfahrungen hinter der Bühne und später sogar im Orchestergraben sammeln. Parallel dazu habe ich Dirigierunterricht beim Professor Lutz Herbig in Düsseldorf genommen.
Jetzt, wo ich international mit verschiedenen Orchestern arbeite und meine erste Spielzeit als Generalmusikdirektorin am Theater Magdeburg vorbereite, verstehe ich, dass es für mich der richtige Weg war. Weil Dirigieren eine Symbiose aus deiner menschlichen und musikalischen Erfahrungen ist.

Foto: Nils Böhme

An welchen Moment in deiner Karriere erinnerst Du dich besonders gut?
Es gibt tatsächlich Momente, die dich dein ganzes Leben prägen. Einer davon ist, wie ich oben erzählt habe, meine Begegnung mit Alicja Mounk. Dieser Moment hat mein ganzes Leben verändert. Es gibt auch andere wichtige Momente: da ich zum Dirigieren durch „Zufall“ kam, war ich am Anfang selber skeptisch, ob Frauen diesen Beruf gut ausüben können. Damals gab es noch nicht so viele Dirigentinnen. Im Gegensatz zum heute, wo so viele hochbegabte junge Dirigentinnen international unterwegs sind! Ich war in einer Vorstellung von Wagners Fliegender Holländer an der Staatsoper Berlin, die Simone Young dirigiert hat.
Noch heute kann ich mich sehr gut an diese Vorstellung erinnern. Es war musikalisch in einem Atemzug. Dazu konnte ich ab und zu Simone Young über dem Orchestergraben sehen, wie sie das Orchester beherrschte und manchmal selber wie ein Sturm über die Musiker aufzog.
Von da an wusste ich, dass Frauen ganz tolle Dirigentinnen sein können und ich habe mir damals ganz fest gewünscht, diese Frau irgendwann kennenzulernen.
Einige Jahre später war ich Assistentin bei Simone Young an der Hamburgischen Staatsoper, bei solchen Produktionen wie Der Ring des Nibelungen, Arabella, Parsifal und vielen anderen.

Was macht Fempowerment für Dich heute aus?
Ehrlich gesagt, habe ich darüber nie nachgedacht. Dieser Begriff klingt für mich sogar etwas aufgesetzt und aggressiv. Vor allem, wenn er mit „Macht“ und „Herrschaft“ interpretiert wird.
Ich denke, viel wichtiger ist es, natürlich und gelassen zu bleiben. Voraussetzung dafür ist dein Handwerk zu beherrschen und genau wissen, was und wo dein Ziel ist und wie du dahin kommst.
Flexibilität ist auch ein wichtiger Begleiter auf dem Weg zum Ziel.
Heute haben Frauen viel mehr Möglichkeiten. Es ist aber noch nicht in allen Ländern selbstverständlich, dass Frauen genau so wie Männer behandelt werden. Es hängt leider meistens von dem sozialen Niveau einer Gesellschaft ab.

In welchen Momenten deines Jobs wärst Du lieber ein Mann?
Bis heute war ich nie mit dieser Frage konfrontiert. Und ich geniesse es jeden Moment und in jeder Situation eine Frau zu sein. Auch wenn ich vom Orchester stehe, versuche ich nie einen Mann zu spielen.

Foto: Nils Böhme

Wenn die Frauenquote etwas bewirkt dann… bitte beende diesen Satz!
Diesen Satz kann ich nicht beenden, weil ich mit dem Thema „Frauenquote“ gespaltene Gefühle habe. Einerseits ist es gut, dass man auf der politischen Ebene darüber denkt, den Frauenanteil zu erhöhen. Anderseits müssen wir Frauen noch mehr beweisen, dass wir uns die Positionen erst durch unsere Leistung und nicht durch eine Quote verdient haben.

Was können wir Frauen tun, damit sich die Wahrnehmung auf unser Geschlecht am Arbeitsmarkt ändert?
Vernetzung ist ein wichtiger Begriff. Wir Frauen müssen verstehen, dass wir uns gegenseitig unterstützen und austauschen müssen.

Du bist Mutter einer Tochter. Wie lief das mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den vergangenen Jahren bei euch?
Mein Glück ist, dass ich einen richtigen Partner kennengelernt habe, der volles Verständnis für meinen Beruf hat.
Mein Mann ist selber Opernsänger und weiß, wie viel Zeit und Hingabe dieser Beruf fordert.
Als unsere Tochter klein war, mussten wir im Voraus immer gut organisieren, dass eine Kinderfrau sich um sie kümmert.
Es ist nie die richtige Zeit, Kinder zu haben, wenn man beruflich erfolgreich sein möchte. Nun muss man die Entscheidung treffen und durch Selbstdisziplin kann man alles hinbekommen.

Was würdest Du jungen Kolleginnen auf ihrem Karriereweg mitgeben?
Ganz wichtig ist es, sich selbst im Klaren zu sein, dass dies dein Weg ist. Denn es sind nicht nur „goldene Treppen mit Rosen“, die dich begleiten. Man muss auch für Rückschläge gerade stehen und daraus seinen Vorteil ziehen. Wach bleiben und viel analysieren, was bedeutet, aus den Fehlern der anderen zu lernen.
Immer wissen, dass wir mit Menschen arbeiten. Heute bist du der Boss und morgen kann dein Assistent dein Arbeitgeber werden!

Beschreibe Dich in drei Worten.
Das sollen meine Kollegen oder meine Familie tun…

Hast Du Lebensmotto, wenn ja, wie lautet es?
Deine Welt ist dein Spiegel. Das, was du ausstrahlst, wird in jedem Fall auf dich zurück kommen.

Foto: Nils Böhme

Was liest Du derzeit?
Bin jetzt mit Dostojewskis „Das Gut Stepantschikowo“ beschäftigt. Ich lese aber oft deutsche Literatur. Ich versuche immer, nach einem russischen Buch ein deutsches zu lesen und umgekehrt.

Wer mehr über Anna erfahren möchte, besucht ihre Homepage und findet sie auf Facebook.

Foto: Thomas Leidig

Fotos: Nils Böhme, Thomas Leidig

FemFriday mit Marie Bues

Heute geht es im #femfriday weiter mit einer spannenden Theaterfrau. Marie Bues ist Regisseurin, Theaterleiterin und Dozentin für Darstellende Kunst.

Marie Bues ist Regisseurin und seit Oktober 2013 gemeinsam mit Martina Grohmann Künstlerische Leiterin des Theater Rampe Stuttgart.

v.l.n.r.: Martina Grohmann, Marie Bues, Foto: Felix Grünschloss

Sie hat von 2000- 2004 Schauspiel an der Staatlichen Hochschule  für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart studiert und war anschliessend als Schauspielerin an der Württembergischen Landesbühne Esslingen engagiert. Als Regieassistentin arbeitete sie von 2006 bis 2008 am Theater Basel und assistierte unter anderem Anna Viebrock, Christina Paulhofer, Renate Jett und Christiane Pohle.
Seit 2008 inszeniert sie als freie Regisseurin unter anderem am Theater Basel, Theater Osnabrück, Residenztheater München,  Theater Plauen Zwickau,  Nationaltheater Mannheim, Theater Lübeck, Theater Rampe Stuttgart,  WLB Esslingen, Staatstheater Karlsruhe, Staatstheater Saarbrücken, Landestheater Schleswig Holstein, Theater Magdeburg und dem Theater der Stadt Heidelberg.
2009 war sie Stipendiatin der Berliner Festspiele beim Internationalen Forum junger Bühnenangehöriger. 2010 gründete sie gemeinsam mit Anna Gschnitzer Theaterkollektiv bureau, mit Projekten an der Garage X Wien und am Ballhaus Ost Berlin. In freien Konstellationen arbeitet sie auch mit den Gruppen Bues/Mezger /Schwabenland  und Mother T. Rex, am Schlachthaus Theater Bern, den Sophiensaelen Berlin und am Theater Winkelwiese Zürich.

Am Theater Rampe legt sie einen Schwerpunkt auf Gegenwartsdramatik und experimentelle zeitgenössische Theaterpraxis. Ebenfalls gemeinsam mit Martina Grohmann leitet sie seit 2015 das Festival „6 tage frei“. Als Jurymitglied ist sie unter anderem für die Kunststiftung Baden Württemberg tätig gewesen, und unterrichtet an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst.

Wie kamst Du zum Beruf Regisseurin und Intendantin?   
Ursprünglich habe ich eine Ausbildung zur Schauspielerin gemacht, habe aber nach einiger Zeit bemerkt, dass ich als Regisseurin besser aufgehoben bin. Die tägliche Bühnenpraxis kann euphorische Gefühle auslösen, mich hat sie irgendwann ermüdet. Ich habe gemerkt dass ich mehr das Ganze überblicken will, dass meine Phantasie und meine Theatermittel in der Regie aufgehen, und habe mich als Regisseurin quasi neu erfunden. Ohne Regieausbildung habe ich mir selbst Diskurse angelesen, ganz unterschiedliche Regieformen und Genres ausprobiert, am Stadttheater und in der freien Szene von KollegInnen gelernt. Nach zwei Jahren Regieassistenz am Theater Basel bin ich dann freie Regisseurin geworden, und habe erstmal alles mögliche ausprobiert: Klassiker und Komödien zu inszenieren, Uraufführungen, eigene Projekte.. Intendantin wurde ich, weil mich das Theater Rampe als Ort interessierte, ich dort schon assistiert hatte, und als ich die Ausschreibung sah, ein klares Bild vor Augen hatte, dass Martina und ich dort arbeiten würden. Als wir dort anfingen mussten wir das ganz neu lernen, was es bedeutet ein Haus nicht nur programmatisch neu aufzustellen sondern auch insgesamt verantwortlich zu sein für einen Theaterbetrieb.

Als künstlerische Leiterin am Theater Rampe musst Du täglich Entscheidung über Mitarbeiter*innen fällen. Gibt es für Dich ein Gebot, das über allem steht? Einen Leitfaden? Ein Manifest für Dich bei dieser Arbeit?               
Wir sind ein sehr kleines Team. Mit 12 Menschen machen wir dieses ganze Programm- wir begreifen uns eher als eine Art Kollektiv mit fest verteilten Aufgaben. Martinas und meine Aufgabe ist darin die Kuration und Programmierung des Spielplans, natürlich auch alle personellen Entscheidungen. Wichtig ist die Kommunikation mit den MitarbeiterInnen: die ist immer am Besten wenn sie transparent und ehrlich bleibt, wenn man sich häufig umhört wie es den Menschen bei uns geht, was ihre Interessen, ihre Ziele, ihre Ärgernisse sind. Wo es geht, kann man dann darauf reagieren, und den Betrieb und sein Klima so auch für alle zum Positiven hin verändern. Tendenziell versuchen wir alle unsere MitarbeiterInnen mit grossem Respekt zu behandeln, so wie man eben gerne selbst behandelt werden würde, wäre man in anderer Position an einem anderen Theater.

Das Licht im Kasten am Theater Lübeck, Foto: Kerstin Schomburg

Empfindest Du ein Ungleichgewicht am Theater was die Geschlechterbesetzung angeht?                       
Ja, da ist schon noch einiges im Argen. Männer wurden jahrelang von Männern besser gefördert als Frauen. Männer vertrauen Männern eher große Stoffe an, das ist schon sehr tief drin. In den Intendanzen der Stadttheaterlandschaft sitzen auch sehr viele Männer an der Spitze, die ein sehr konservatives Gesellschaftsbild vertreten, auch die Gleichstellung von Mann und Frau für eine lästige Modeerscheinung halten.
Wandel bedeutet Umstellung, das ist Arbeit, denn das bedeutet auch sich selbst, seine eigenen künstlerischen Prozesse, seine Strukturen zu hinterfragen. Das möchte nicht jede/r gerne tun. Klar, das ist lästig.
Ich glaube aber fest daran, dass wir diese Strukturen verändern müssen, um die Theater für die Gesellschaft relevant zu halten. Je mehr Intendanzen von Frauen übernommen werden, desto mehr ändert sich das klassische Schema, kommt mir vor. Frauen haben die Tendenz sich sowohl mit Männern als auch mit Frauen zu identifizieren. Männer identifizieren sich leider sehr oft nur mit anderen Männern.
Ich habe bei Intendantinnen oft auch eine grössere Offenheit und Neugier, ja auch eine inhaltliche Risikobereitschaft erlebt. Vielleicht tue ich da jetzt auch einigen Männern unrecht. Im Grunde ist auch nicht wichtig ob jemand Mann oder Frau ist. Das Bewusstmachen der eigenen Strukturen zählt eben.
Wichtig ist es eben nicht nur über das Thema Geschlechterbesetzung nachzudenken sondern auch über Erzählstrukturen am Theater, ein Frauen- und auch ein Männerbild, das von der Bühne herunter erzählt wird. Ich glaube darum sollte es uns gehen, die Rollenbilder zu überprüfen, neu zu befragen. Uns zu fragen, welche Bilder wir denn da in die Köpfe unserer ZuschauerInnen setzen, woher sie kommen, für wen sie erzählt werden. Wenn da endlich ein kritisches Bewusstsein einsetzt, bei Männern und Frauen, dann wäre viel getan.

Wie stehst Du zum „Feminat“ in der Vergabe von z.B. Regiepositionen, wie es an manchen Theatern gerade durchgeführt oder angestrebt wird?                       
Tendenziell finde ich die Idee natürlich super. Mal ein grosses sichtbares Zeichen, dass es auch anders gehen kann. Das ist ein guter Schritt. Es gibt aber auch Theater die schon seit Jahren gleichberechtigt arbeiten, die das gar nicht mehr gross thematisieren müssen, weil es Standard ist, das gefällt mir für die Zukunft noch besser.
In der freien Szene ist das ganz normal. Hier werden ja auch viele grosse Häuser, siehe HAU, Kampnagel, Sophiensaele von Frauen geleitet oder von Teams. Daran könnten sich die Stadtttheater gerne auch mal orientieren. Mich wundert, dass es im Stadttheater so eine Sensation ist, dass daraus ein grosser Werbeeffekt gemacht wird, dass man jetzt mit Frauen arbeitet.
Mich macht das etwas nachdenklich. Ich hätte gern ebenso viele feministische Männer wie Frauen an einem Haus versammelt, die über die Rollenbilder nachdenken, in ihren Bühnnerzählungen

Was würdest Du am Theater gern sofort ändern?           
Gleiche Bezahlung von Männern und Frauen für gleiche Arbeit.

In welchen Momenten deines Jobs wärst Du lieber ein Mann?
Nie. Es gab Zeiten, in denen ich es schwerer hatte als Frau im Regieberuf, aber ich wollte nie tauschen.

Was macht für dich Fempowerment heute aus?           
Ich finde auf den Regieberuf bezogen: Den sogenannten “weiblichen Führungsstil”, als alternative Taktik zu begreifen, nicht mehr zuzulassen dass kollektiveres Arbeiten als Schwäche ausgelegt wird.
Diese klassischen Aufteilungen, was guter Regiestil ist, was schwach ist, aufzubrechen. Das sind alles so patriarchal geprägte Bilder, zb das Künstlergenie- ein furchtbar altmodisches faules Bild, dem noch so viele grade auch junge KünstlerInnen entsprechen wollen. Wir können uns doch neue Bilder schaffen. Der Begriff Solidarität ist im Stadtheater auch noch sehr unterbelichtet.

Who run the world am Theater Rampe, Foto: Alexander Wunsch

Wenn die Frauenquote etwas bewirkt dann…
ein Bewusstsein dafür wie ungerecht die Verteilung zuvor war. Sobald eine gleiche Verteilung als selbstverständlich angesehen wird, braucht man auch keine Quote mehr.

Was können wir Frauen tun, damit sich die Wahrnehmung auf unser Geschlecht am Arbeitsmarkt ändert?   
Die Verantwortung auch in Führungspositionen nicht scheuen, auch wenn es bedeutet sich mit vielen unangenehmen Personen herumschlagen zu müssen.

Beschreibe Dich in drei Worten:
Ich bin ich

Was liest Du derzeit?
Enis Macis Essays “Eiscafé Europa“

Hast Du ein Lieblingsstück oder eins, das Du unbedingt mal machen möchtest?
“Paradies Fluten” und “Paradies Spielen” von Thomas Köck finde ich sehr toll, “The soldiers” von Sivan Ben Yishai, “Princess Hamlet” von Emmy Karhu, uvm.

Foto: Felix Grünschloss

#kulturblogging: SOPHIA, DER TOD UND ICH

Heute stelle ich Euch ein ganz besonderes Projekt vor. Denn morgen Abend werde ich Zeugin einer neuen Art Theater zu machen, kreative Prozesse zu gestalten und aus alten Formen des Theatersystems auszubrechen.

Die nächste Premiere am Staatstheater Mainz ist mal anders entstanden. Drei Schauspieler*innen des Mainzer Ensembles; Anika Baumann, Henner Momann und Julian von Hansemann, entwickelten gemeinsam mit dem Dramaturgen Boris C. Motzki und der Regieassistentin Weronika Bielesza eine eigene Fassung zu Thees Uhlmans Roman Sophia, der Tod und ich. Vor knapp acht Wochen begannen sie mit den Proben. Selbstständig, mit eigenem Konzept und Plan, in der Funktion der Spieler*innen UND des Regieteams.

Anika Baumann, Julian von Hansemann, Henner Momann

Sophia, der Tod und ich
nach dem Roman von Thees Uhlmann (2015)
Filiale (gegenüber des Großen Hauses)
Online Tickets

TERMINE:
5.04.2019 → Premiere (ausverkauft!), 15.04.2019, 17.04.2019, 23.04.2019, 25.04.2019, 15.05.2019

„Ein gutes Leben für 48 Stunden eingetauscht gegen ein Dümpeln in Tagen voller bizarr-gleichgültiger Wiederholungen.“

Thees Uhlmann, Sophia, der Tod und ich
Julian von Hansemann, Henner Momann, Anika Baumann

Inszenierung, Fassung und Ausstattung:
Anika Baumann, Henner Momann und Julian von Hansemann
Video: Lars Kaempf
Licht: Carolin Seel
Dramaturgie: Boris C. Motzki
Sophia: Anika Baumann
Er: Henner Momann
Tod: Julian von Hansemann

Teaser zu Sophia, der Tod und ich

Anarchie im Theater? Ist Theater Anarchie?
Nö. Auch am Theater gibt es altbewährte Ordnungen, wie Endproben, Hierarchien und zeitliche Vorgaben, die eingehalten werden müssen. Dazu gehören Teams, Professionen und Zuständigkeiten. Dabei geht es nicht um Eitelkeiten (jedenfalls nicht immer), sondern um Ressourcen und vor allem darum, dass am Ende jemand bereit ist für etwas einzustehen, mit Konsequenzen leben zu können und sich dessen zu Beginn bewusst zu sein.

Und doch scheint hier das Experiment ein Spannendes. Drei Schauspieler*innen wechseln die Seiten, springen hin und her und müssen vor allem diesmal anders kritisch mit sich und ihren Kollegen*innen umgehen. Mutig und innovativ, wie ich finde.

Wie fühlt sich das an? Nur gut und berauschend, endlich mal alles allein entscheiden zu können, wie Licht, Kostüme und Gesten auszusehen haben? All das frage ich morgen- also dranbleiben 😉

Julian von Hansemann, Henner Momann, Anika Baumann

Anarchie wird auch mit einem durch die Abwesenheit von Staat und institutioneller Gewalt bedingten Zustand gesellschaftlicher Unordnung, Gewaltherrschaft und Gesetzlosigkeit angenommen und vor allem in vielen Medien häufig den eigentlichen Sinn verfälschend im Schlagwort „Chaos und Anarchie“ verwendet.

Wikipedia

Zum Stück: Eine Romanadaption

Bier, Sofa, Fußball – ein durchschnittliches Leben. Plötzlich allerdings steht der Tod persönlich vor der Tür und eröffnet, dass dieses Leben in drei Minuten vorbei sei. So weit, so vorhersehbar. Nicht vorhersehbar und noch viel weniger vorgesehen war allerdings, dass genau in diesem Moment die Exfreundin Sofia an die Tür klopft. Ein Fehler im betrieblichen Ablauf. Von nun an schicksalhaft aneinander gekettet, beginnt für den Mann, Sofia und den Tod eine spektakuläre Reise durch das Leben. Vorbei an Kneipen, Motels und besonderen Menschen führt sie ihr witziger und anrührender Roadtrip immer weiter zurück in das bisher Gelebte und immer näher an die Frage: Is it better to burn out than to fade away?
Die drei Mitglieder des Schauspielensembles des Staatstheater Mainz Anika Baumann, Julian von Hansemann und Henner Momann werden den Debütroman des Tomte-Sängers Thees Uhlmann in einer eigenen Theaterfassung auf die Bühne bringen. Quelle: Staatstheater Mainz

Muße und Wohlleben sind unerlässliche Voraussetzungen aller Kultur.

Max Frisch
Henner Momann, Anika Baumann, Julian von Hansemann

Fotos: Andreas Etter/ Staatstheater Mainz

Kulturblogging als Marketingstrategie


Blogging scheint als Medium der neuen Kommunikationswege schon fast veraltet. Jedoch in den Bereichen Kunst und Kultur ist das Feld recht schlecht bestellt, betreffend seriöse und fachkundige Berichterstattung.

Auf meinem Kulturblog versuche ich soziokulturelle Themen wie Genderklischees am #femfriday zu behandeln und porträtiere jeden Freitag eine Frau in der Kunst.

Sowie ich am #digitaldienstag Kunstschaffenden die Frage stelle:
WIE DIGITAL IST DIE KUNST? Im Kulturblogging-Format bereite ich die Inhalte einzelner Stücke vor, stelle Team und Theater vor, berichte von Premieren ohne eine Kritik zu schreiben. Somit entsteht für meine Leser/Follower ein guter Überblick über das was mich interessiert.
Letztlich empfinde ich mich als Kuratorin für derzeitige Strömungen, Stoffe und Trends.

Mein Lieblingskanal zum Teilen von Erfahrungen und Erlebnissen ist Instagram. Nicht nur weil es Spaß macht, sondern weil sich dort eine andere, jüngere Generation tummelt. Instagram ist ein sehr junges Medium und derzeit gerade bei der Zielgruppe zwischen 14 und 34 sehr angesagt. Das Publikum, das wir am Theater so dringend brauchen!

Die Social Media Kanäle sind aus den Marketingstrategien kultureller Institutionen nicht mehr wegzudenken.

Junge Leute googlen kaum noch, sie suchen in den sozialen Netzwerken nach Einrichtungen, Personen und Events.Veranstaltungen, die über die bekannten Netzwerke beworben werden, werden von jungen Menschen mehr wahrgenommen, als über die klassischen Kanäle, wie Printmedien oder Plakatwerbung.

Instagram als seriöser Marketing-Kanal

Mittlerweile stellt Instagram einen seriösen Marketing-Kanal für alle Branchen dar. Das Hauptargument für den Einsatz von Instagram als Marketing-Instrument sind ganz klar die rasant steigenden Nutzerzahlenund die Reichweite, die sich daraus ergibt.
Viele Unternehmen haben das Phänomen bereits für ihre Zwecke erkannt und bespielen diesen Kanal ebenso seriös, wie es im privaten Rahmen möglich ist.
Ebenso wie Facebook ist Instagram mittlerweile in die Theater eingezogen, da sich über diesen Kanal, in dem das Bild der Inhalt ist, so simpel wie effektiv Geschichten erzählen lassen.

Der Story-Hype

Die Instagram-Story ist ein Bild oder Video, in dem man seine Follower mit auf eine Veranstaltung, ein Treffen oder beispielsweise hinter die Bühne nimmt. Die Videos sind 30 Sekunden lang, können bearbeitet, bemalt oder mit Stickern versehen werden und sind nur 24 Stunden abrufbar.

Hier kann man z.B. auf Orte hinweisen, Partner und Freunde markieren, einen Countdown zählen, Umfragen starten, Musik einfügen und somit die User auf Kollegen und wichtige Ereignisse (z.B. Premieren) hinweisen.

Ganz klar stehen bei Instagram auch für Unternehmen visuelle Inhalte im Mittelpunkt. Die visuelle Identität eines Unternehmens wird immer wichtiger. Instagram stellt die ideale Plattform dar, um diese zu präsentieren und von potenziellen Kunden wahrgenommen zu werden.
Beiträge über Menschen, die Beiträge über Menschen teilen, erweitern die Zugriffe auf die Seiten um ein Vielfaches.
Erhöht man die Frequenz der Beiträge, so erhöht man die Reichweite.

Da es im Bereich Kunst und Kultur noch kein Influencermarketing gibt, ist es eine meiner Aufgaben, auf uns aufmerksam zu machen. Ich glaube fest daran, dass unsere Branche den frischen Wind der sozialen Medien, die Möglichkeit der internationalen Vernetzung und die nötige Aufmerksamkeit verdient.

Deshalb brauchen wir mehr Aktivitäten im Netz, mehr wiederkehrende Formate und mehr Kulturblogger!
Meine 20-jährige Theatererfahrung, der Regieberuf und die Weiterbildung zur Social Media Managerin machen mich zur geeigneten Beobachterin und Beraterin für Kulturinstitutionen im Prozess der Digitalisierung.

Was lesen Frauen am FemFriday?

Ich habe schon das erste Jubiläum zu feiern: 25 Frauen sind bereits freitags über eure Handys und Bildschirme geflimmert.
Bevor ich jedoch Resümee ziehe und tatsächlich schon Statistiken erhebe, mache ich nochmal 25 Interviews.

WAS LIEST DU ZUR ZEIT? habe ich fast alle Frauen im #femfriday-Interview gefragt.
Hier kommt die Liste von Büchern, die uns diese tollen Frauen Woche für Woche empfohlen haben.
Die Liste ist ebenso vielfältig wie die Liste der Frauen.

*Achtung Affiliatelinks*

Andrea Schwalbach empfiehlt:
„Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari

Peggy Pollow empfiehlt
„Tschick“ von Wolfgang Herrendorf

Anika Baumann hat ne gute Mischung für uns:
„Skandinavisches Viertel“ von Torsten Schulz, „Sophia der Tod und ich“ von Thees Uhlmann“ und „Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“

Martina Eitner-Acheampong empfiehlt:
„Das Buch der seltsamen neuen Dinge“ von Michel Faber

Brit Bartkowiak empfiehlt:
„Ökonomie der Ungleichheit: Eine Einführung“ von Thomas Piketty

Lisa Sommerfeldt empfiehlt uns gleich eine ganze Liste von Autoren:
Lucia Berlin, Thomas Melle, Sasha Marianna Salzmann, Julia Wolf

Vreni Frost empfiehlt:
„Der Outsider“ von Stephen King

Susanne Petridis beschäftigt sich mit folgender Literatur:
„Resonanz – eine Soziologie der Weltbeziehung“ von Hartmut Rosa, „Innovation – Streitschrift über barrierefreies Denken“ von Wolf Lotter und das neue Buch von Robert Habeck „Wer wir sein könnten“

Julia Stinshoff empfiehlt zwei Sachbücher:
„Lösungskunst“ von Herbert Eberhart und Paolo J.Knill und „Transformation“ von Hannes Jahn und Peter Sinapius

Sabine Schweitzer ist Fan von Judith Hermanns „Letti Park“, „Sommerhaus“ und „Nichts als Gespenster“

Mareile Blendl wiederum arbeitet die Shortlist des deutschen Buchpreises 2018 ab!

Sylvia Fritzinger empfiehlt:
„Wir hatten ein barbarisches schönes Leben“ von Gretchen Dutschke

Sophie von Hellermann empfiehlt:
„The Essex Serpent“ von Sarah Perry

Zanna Cornelis empfiehlt:
„Die Ermordung des Commandatore“ von Haruki Murakami

Rebecca Reuter empfiehlt:
„Kind aller Länder“ von Irmgard Keun und beschäftigt sich gerade fast rund um die Uhr mit der Ljod-Trilogie von Vladimir Sorokin

Marlene Anna Schäfer empfiehlt als Künstlerin:
„Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron

Sophie Auster empfiehlt uns den Roman
„Die Freistatt“ von William Faulkner

Verena Schumacher hat eine absolute Leseempfehlung für uns:
„Good Night Stories for Rebel Girls: 100 außergewöhnliche Frauen“
Es geht um beeindruckende Frauen und deren Geschichten, die Mädchen Mut machen, an ihre Träume zu glauben!

Als Autorin weiß Vea Kaiser natürlich besonders Bescheid. Sie empfiehlt uns z.B. Jeffrey Eugenides „Middlesex“, Houllebecqs „Serotonin“, Krimis von Veit Heinichen, Aischylos „Perser“ und sie liest ihrem Mann vorm Schlafengehen „Daphnis und Chloe“ von Longos vor.

Birgit Lengers empfiehlt als Dramaturgin „Text“ von Dmitry Glukhovsky

Last but not least liest meine Tochter Greta gerade Harry Potter. Der geht immer, wie ich finde. In jedem Alter.

Auch wenn ich bisher meine eigenen Fragen nicht beantwortet habe, nenne ich euch schnell noch meinen Bücherstapel, der auf dem Nachttisch liegt:
derzeit lese ich parallel Makarionissi von Vea Kaiser

und den ersten Vernon Subutex von Virginie Despentes,

daneben liegt Vea Kaisers neuester Roman Rückwärtswalzer

und ich schaue regelmäßig in Dirk Baeckers „Studien zur nächsten Gesellschaft“.

Außerdem habe ich „Das weibliche Prinzip“ von Meg Wollitzer noch vor mir.

Soviel Stoff und so wenig Zeit….In diesem Sinne!

Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele.

Marcus Tillius Cicero

Foto: Pixabay

FemFriday mit meiner Tochter

Heute interviewe ich meine achtjährige Tochter Greta.

Auch wenn es nach Effekthascherei aussieht, sein Kind zu benutzen, so sage ich meinen Kritikern: Sie will seit Anbeginn meiner Bloggerei mit dabei sein. Schon beim Zauberer von Ost wollte Sie mit aufs Foto, hat mir ein Logo entworfen und möchte am liebsten inhaltlich mitmischen.
Da ich der Auffassung bin – abgesehen davon, dass ich finde, dass man sein Kind ja auch nicht mit in den OP oder ins Gericht mitnimmt – dass unsere beiden Töchter nicht ins Internet gehören, bevor sie sich der Tragweite bewusst sind, zeige ich sie auch heute nicht in der Gänze.
Inspiriert von ihrer Namensvetterin Greta Thunberg, möchte meine Greta auch etwas sagen. Deshalb freue ich mich sehr, ihr heute zuzuhören und ihre Gedanken mit Euch zu teilen.
Und nein, ich habe ihr die Antworten weder formuliert noch vorgegeben. Ich habe lediglich mit ihr die anderen Interviews gelesen und Begriffe erklärt. #proudmama

Was denkst Du über die Interviews am FemFriday?

Ich finde es toll, dass meine Mama sich mit dem FemFriday einsetzt um die Rechte der Frauen zu verbessern.

Was möchtest Du mal werden?

Sängerin oder Schauspielerin.

Möchtest Du mal Kinder haben?

Ja, am liebsten drei.

Wie stellst Du Dir die Familiensituation vor?

Ich möchte dann gern arbeiten gehen. Wie Mama und Papa.
Wenn ich mal ausgehe oder wegmuss, würde ich die Kinder zur Oma und zum Babysitter bringen.

Bist Du für die Frauenquote?

Wieso geht es nicht ohne Frauenquote, dass Frauen die gleichen Rechte haben wie Männer? Wenn sie hilft, bin ich dafür.

Was bedeutet für Dich Freundschaft?

Dass man immer füreinander da ist. Jemanden tröstet, wenn er traurig ist. Wenn man einander zuhört.

Wärst Du manchmal lieber ein Junge und wenn ja warum?

Nein, ich fühle mich so gut wie ich bin, als Mädchen.


Hast Du ein Vorbild?

Meine Mama, Hermine Granger und Ginny Weasley.

Was liest Du zur Zeit?

Harry Potter

Beschreibe Dich in drei Worten…

Klug, humorvoll und kreativ

FemFriday mit Projekt Schooriil

Heute gibts die die volle Ladung #fempowerment.
Die Schauspielerinnen Anne Haug und Melanie Schmidli haben meine Fragen beantwortet.
Ich freue mich riesig, die beiden von PROJEKT SCHOORIIL für den FemFriday gewinnen zu können, da sie mit Charme und Witz dem Feminismus eine Stimme geben. Ganz nach meinem Geschmack.

Seit 2013 produzieren ANNE HAUG und MELANIE SCHMIDLI in den Sophiensælen die satirisch-feministische Late-Night-Show PROJEKT SCHOORIIL – eine Serie, deren Folgen jeweils unter Hochdruck und in wenigen Tagen entwickelt werden. Auf diese Weise entstanden bisher sechzehn Abende, in denen sich das Duo mit den herrschenden Mythen der Schauspielprofession und den reglementierenden Bedingungen der Branche auseinandersetzte. Wie zum Beispiel die permanente Sexualisierung von Schauspielerinnen, die diskriminierenden Geschlechterverhältnisse, die patriarchalen, heterozentristischen Arbeitsstrukturen und das unendlich verkümmerte weibliche Rollenspektrum.

Wie kamt ihr zu eurem gemeinsamen Projekt “Projekt Schooriil”?

Melanie: Wir wollten beide ein eigenes künstlerisches Produkt ohne Kompromisse kreieren. “Projekt Schooriil” begann als satirisch-feministische Auseinandersetzung mit Demobändern und damit den Verkaufsmechanismen der Schauspiel-Branche.

Anne: Innerhalb der sechs Jahre entwickelte sich unser Format zu einer        künstlerischen Selbstermächtigung über die Bilder und Strukturen, denen wir als Schauspielerinnen und Frauen ausgesetzt sind.

Empfindet ihr eine Ungleichgewicht am Theater was die Geschlechterbesetzung angeht?

Melanie: Ein frappantes. Aus diesem Grund gibt es unsere Show und wird es sie wahrscheinlich noch länger geben.

Sind Frauen die besseren Künstler*innen?

Melanie: Schwer zu beantworten, sie durften es ja noch nie in der Masse beweisen.

Anne: Darum geht es auch nicht. Es geht darum den Künstler-Begriff, der sehr männlich-weiß-heterosexuell konnotiert ist, anders und divers zu besetzen. Ihn zu einem Künstler*innen-Begriff zu machen.

Was macht für Euch Fempowerment heute aus?

Melanie: Feministisches Denken und Handeln.
Anne: Und in unserem Fall die künstlerische Umsetzung davon.

Was würdet ihr in eurer Branche gern sofort ändern?

Melanie: Den Gender Pay Gap, also das ungerechte Lohngefälle zwischen Männern und Frauen. Danach sofort überall in allen Bereichen Quoten einführen.

In welchen Momenten eures Jobs wärt ihr lieber ein Mann?

Anne: Nie. Ich möchte, dass sich die Strukturen und Sehgewohnheiten ändern, damit ich die gleichen Chancen und Möglichkeiten habe und eine Frage wie diese nicht mehr gestellt werden muss.

Wenn die Frauenquote etwas bewirkt dann… bitte beendet diesen Satz!

Anne: Die Frauenquote würde so viel auf so vielen Ebenen bewirken, dass dafür ein Satz nicht reicht.

Ein paar Worte zur #metto-Debatte, die ihr schon längst mal gesagt haben wolltet?

Melanie: Dafür empfehlen wir unsere kommende Show “Klimawandel 2.0” in der wir sehr explizit und unterhaltsam unsere Haltung zur aktuellen Glied-Krise, bzw. Krise des weißen heterosexuellen Mannes, kundtun.

Beschreibt Euch in drei Worten:

Melanie: Sehr sehr witzig.

Anne: Sehr sehr schlau.

Wie wichtig ist Humor auf eurem Weg, Ziele zu erreichen? Beruflich wie privat?

Melanie: Humor ist die Basis-Strategie, um den Beruf zu meistern, er ist essentiell. Im besten Falle trifft man auf so auf Leute, die den gleichen Humor haben. Dann lösen sich im allerbesten Falle auch Ziele dadurch ein.

Anne: Diesen Beruf ohne Humor zu machen, wäre sehr traurig.

Wer mehr über die beiden und PROJEKT SCHOORIIL erfahren möchte, schaut auf Instagram, Facebook und hier vorbei.

Foto: Merav Maroody

Digitalisierung vs. Digitalität? Is das alles eins? Ist das meins?

Am #digitaldienstag gehe ich der Frage WIE DIGITAL IST DIE KUNST? nach.

Und täglich grüßt das Murmeltier. Oder Bill Murray. Oder Ulrich Tukur. 

Oder meine tägliche Frage nach der Aktualität des Theaters. 
Schaffen wir uns als Kunstform nicht ganz erfolgreich selbst ab und das schon lange? Und auch wenn der Leidensweg ein langer und die Hoffnung ja zuletzt stirbt, ist es umso wichtiger sich umzuschauen. Was passiert um uns herum. Was passiert außerhalb der Theatersäle und Probenräume? 

Die Welt verändert sich und ja natürlich greifen theatrale Stoffe den Zeitgeist auf und ja wir brauchen für die Rezeption Zeit und ja schon das Wort Rezeption braucht Zeit.

Ich will aber im Jetzt sein, will jetzt leben, will jetzt Theatermachen. 

Und doch stehe ich immer wieder vor der Frage, wie viel Digitalisierung tut uns gut? Nicht nur dem Menschen, unserem Alltag, in diesem Fall der Kunst? 
Ein Instagramkonto und ein Smartphone machen die Kunst noch nicht digital. 
Weil ich eine Facebook-Ad schalte, bin ich schon lange nicht mehr fortschrittlich. 
Ja, ich kommuniziere als Künstlerin digital über diverse Kanäle, aber nur, weil ich Slack und Tinder und die App des Tages benutze, heißt das nicht, dass ich die damit die Kunst digitalisiere.
Digitalität und der Prozess der Digitalisierung sind zwei verschiedene paar Schuhe und eine Instagramstory ist erstmal nur eine Online-Marketing-Maßnahme.

Theatrale Phänomene wie Livekameras gehören schon fast zum Theateralltag wie ein Wahlabo. Und doch werden hier die Möglichkeiten durch die Digitalisierung immer größer, weiter, besser und vor allem schneller.

Mit dem richtigen Budget braucht die Livecam kein Kabel mehr und eine Glasfaserleitung ermöglicht eine einszueins-Übertragung über große Entfernungen.

 

Bestpractice: Die Parallelwelt

Die zwei siebenköpfigen Schauspielensembles auf den Bühnen im Berliner Ensemble und im Schauspiel Dortmund spielen zeitgleich miteinander Theater. Sie sind, wie das Publikum, zugleich voneinander getrennt und doch sicht- und hörbar miteinander verbunden, in Echtzeit: durch ein Glasfaserkabel, das Bilder und Töne in Lichtgeschwindigkeit über 420,62 Kilometer Luftlinie zwischen Dortmund und Berlin hin- und hertransportiert.
Quelle: Berliner Ensemble

So sieht Innovation aus. In Dortmund macht Kay Voges eine Variante vor. Digitalität im Bühnenraum. Eine Glasfaserleitung, ein Stück, zwei Theater, zwei Ensembles. Großartig und wirklich spannend. Wegweisend. Und wichtig.

Und doch konnte ich nicht umhin mich zu fragen, was ist zu viel und was gerade genug? Entzaubern wir damit den ursprünglichen Moment des Theaters, in dem wir in die Sphären der digitalen Räume eintauchen? Ist eine VR-Brille eine neue 3D-Brille und wir erleben die Bühnenstoffe dadurch erweitert?

 

Virtuell Reality und die Cyberräuber

Die Cyberräuber, ein Künstlerkollektiv, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Bühnenstoffe und deren Protagonisten zu digitalisieren, entführen uns mithilfe von VR-Brillen und Livecams in die sogenannten Experiences, die wir im Rahmen eines Bühnenstoffes erleben können. 

 

„Das Theater der virtuellen Realität bringt Theater in die VR und VR ins Theater. Warum?

„Wir lieben das Theater und wir glauben an VR als Erzählmedium: Wenn VR funktionieren soll, braucht sie Interaktivität, das Gefühl von Präsenz, Fokussierung auf Handlung und Personen. Und sie braucht starke Geschichten.
Theater kann das alles schon, seit Tausenden von Jahren und in allen menschlichen Kulturen. VR braucht das Theater.

Wir glauben an VR als Erzählmedium und lieben das Theater: Gutes Theater ist wunderbar. Aber die Zeiten des Theaters als bürgerliches Leitmedium sind vorbei. VR ist Zukunftstechnologie und ein Weg, viele Menschen unmittelbar zu erreichen. Und so: gutes Theater vielen zugänglich zu machen, unabhängig von Ort und Zeit. Außerdem sind in VR der Kreativität für Bühnen und Szenarien kaum Grenzen gesetzt. Theater braucht VR.“ Quelle: Cyberräuber

 

Astrid Kahmke vom bayrischen Filmzentrum München widerspricht.

Sie sagt, die Virtuell Reality ist keine Erweiterung des Bühnenraums oder des Kinofilms. Sie nennt sie eine eigene und noch neu zu gestaltende Kunstform, die noch in den Kinderschuhen steckt.

Und doch bietet es sich an, die ursprünglichen Sehgewohnheiten, vor allem aber die Geschichten, die im Theater jeden Tag und schon immer erzählt werden, zu nutzen und daraus das Zeitalter der Digitalisierung zu bespielen und zu gestalten.

Digitalisierung gestalten und mit entscheiden. Entscheiden wie weit wir gehen wollen, ohne uns abhängen zu lassen. Wie viel geben wir preis? Welche Stoffe sind geeignet und wie viel geben wir vom „alten System“ auf um ein neues, zukunftsweisendes zu entwickeln. 

Wollen wir statt Spielern Hologramme auf der Bühne sehen? Bleibt ein Bühnenraum der übliche Guckkasten? Ist die Verbreitung von Kunst über Streamingdienste ein Verrat am Livemoment des Theaters oder vielleicht die Lösung unseres ewigen Relevanzproblems? 

 

Fortschritt bezeichnet eine – zumeist im positiven Sinne verstandene – Änderung eines Zustandes. Gegenbegriffe sind Rückschritt und Stillstand. Fortschritt und Innovation begünstigen einander. (Google)

Und wie die Digitalisierung erst nicht vor zwei Wochen begann und immer mehr in unser Leben tritt, so müssen wir nicht morgen Lösungen, Rezepte und Systeme parat haben. Umso wichtiger ist es, miteinander zu sprechen, Experimente zu wagen, Fragen zu stellen und Formate zu entwickeln.

 

Ich bleibe dran! #wiedigitalistdiekunst

 

Fotos: Schauspiel Dortmund, Theater an der Parkaue Berlin, Pixabay