FemFriday mit Ursula Strauss

Am heutigen FemFriday bin ich besonders aufgeregt, da ich eine Schauspielerin vorstellen darf, die ich besonders verehre. Heute im #femfrday-Interview Ursula Strauss.

Ursula Strauss studierte Schauspiel am Wiener Volkstheater. Bereits während ihrer Ausbildung wird sie an mehreren Theatern in Deutschland und Österreich verpflichtet. Ihren Durchbruch, mit dem sie Berühmtheit im deutschsprachigen Raum erlangte und internationale Aufmerksamkeit erregte, gelang ihr mit den Kinofilmen ‚Böse Zellen’ von Barbara Albert und dem für den Oscar nominierten ‚Revanche’ von Götz Spielmann. Sie verfeinerte genreübergreifend und nachhaltig ihr Spiel, das vielfach ausgezeichnet und gewürdigt wurde, unter anderem vier Mal mit der Romy als beste Schauspielerin, zwei Mal mit dem Preis der Diagonale, dem Österreichischen Filmpreis, nominiert für den Deutschen Schauspielerpreis und als beliebteste Schauspielerin des Golden Rooster Festivals in China. Zum Publikumsliebling wird Ursula Strauss durch ihre Hauptrolle in dem Fernseh-Hit ’Schnell ermittelt’. Die Schauspielerin weiß um das Menschliche, die Verletzbarkeit und das Zerbrechliche eines Wesens. Ursula Strauss’ Einfühlungsvermögen in menschliches Verhalten zeigt sich in den außergewöhnlichen Darstellungen ihrer Rollen. Ihre ganzheitliche und unvoreingenommene Herangehensweise, mit der sie die unterschiedlichsten menschlichen Charaktere im Film zum Leben erweckt, zeugt von einer überdurchschnittlichen Intuition für das Wesen der Figuren und macht sie zu einer der gefragtesten Schauspielerinnen im deutschsprachigen Raum.Regisseure, die den gegenwärtigen Film prägen und mitgestalten wie Barbara Albert, David Schalko, Götz Spielmann, Nikolaus Leytner, Nils Willbrandt und Wolfgang Murnberger engagieren sie immer wieder für ihre anspruchsvollen Film- und Fernsehproduktionen wie ‚Altes Geld’, ‚Aufschneider’, ‚Die Stille danach’, ‚Oktober, November’, ‚Mörderisches Tal – Pregau’ und ‚Vielleicht in einem anderen Leben’. Ursula Strauss kuratiert sehr erfolgreich ihr eigenes Festival ‘Wachau in Echtzeit’. Sie ist die Präsidentin der Akademie des Österreichischen Films. Ursula Strauss‘ zweites Buch ‚Warum ich nicht mehr fliegen kann und wie ich gegen Zwerge kämpfte‘ ist derzeit im Buchhandel erhältlich.

Wie kamst Du zu deinem heutigen Beruf? 

Ich wollte eigentlich seit ich denken kann Schauspielerin werden. Während meiner Pubertät habe ich diesen Wunsch dann ganz tief in mir vergraben und als Schwachsinn abgetan. Als ich dann siebzehn wurde sprach es plötzlich aus mir heraus und auf die Frage meines damaligen Freundes: „Was ich denn werden wollte, wenn doch keine Kleinkindpädagogin?“, antwortete ich plötzlich: „Schauspielerin“. Dann nahm alles seinen Lauf und als ich zwei Jahre später die Aufnahmsprüfung geschafft habe, war ich der glücklichste Mensch und bin es heute noch.

An welchen Moment in deiner Karriere erinnerst Du dich besonders gut? 

Da gibt so viele Momente, und ich bin immer wieder dankbar wenn ich an die Jahre zurückdenke, die ich erleben durfte. Aber ein Highlight war sicher die Oscar-Verleihung in Los Angeles als wir mit dem Film ‚ evanche‘ von Götz Spielmann für den besten ausländischen Film nominiert waren.

Empfindest Du ein Ungleichgewicht in der Filmbranche was die Geschlechterbesetzung angeht? 

Ich muss sagen, dass ich sehr viel Glück hatte und immer mit Leuten und unter Bedingungen arbeiten durfte, die kein Ungleichgewicht vermuten lassen. Tatsächlich ist es aber so, dass Frauen sehr oft weniger verdienen und härter um ihren Platz kämpfen müssen. 

Was macht für dich Fempowerment heute aus? 

Zusammenhalt ist es vor allem. Zusammenhalt und Mut.
Es gibt in unserer Branche einen harten Konkurrenzkampf, und da gibt es gerade unter den weiblichen Kolleginnen mitunter auch gewisse Probleme. Unser Beruf ist aber ein Beruf des Miteinanders und nicht des Gegeneinander. Und das Miteinander erfordert mitunter auch Mut.
Mut für andere zu sprechen, wenn sie selbst noch nicht aus einer starken Position heraus agieren können. Den Mut zur Haltung und das Wissen darüber das es ein Privileg ist so einen Beruf ausüben zu dürfen

In welchen Momenten deines Jobs wärst Du lieber ein Mann?

In keinem Moment. Ich bin sehr gerne ich und eine Frau.

Wenn die Frauenquote etwas bewirkt dann… bitte beende diesen Satz!

Dass mehr Frauen die Möglichkeit haben, in diesem hart umkämpften Markt zu arbeiten – und zwar vor allem hinter der Kamera und in wichtigen Positionen als Entscheidungsträger*innen in der Filmpolitik.

Was können wir Frauen tun, damit sich die Wahrnehmung auf unser Geschlecht am Arbeitsmarkt ändert? 

Weiterkämpfen, weiterreden, weitereinfordern, weiter anstrengend sein und uns gegenseitig bei diesem Prozess unterstützen.
Konsequent und immer wieder den Mund aufmachen.

Was würdest Du jungen Kolleginnen raten?

Ich denke der Beruf fordert Haltung ein und Leidenschaft.
Wenn man bei sich bleibt und trotzdem offen durch die Welt geht, sind das schon gute Vorraussetzungen. 

Beschreibe Dich in drei Worten.

Gibt es das, eine Art Wortdestillat eines Menschen?

Was liest Du derzeit?
Jetzt gerade lese ich ein Drehbuch und begleitende Literatur dafür.
Das sind vor allem Bücher über Migration und Liebe unter anderem „Lob der Liebe“ von Alain Badiou und „Warum Liebe weh tut“ von Eva lIIouz.
Ich hoffe, das Ergebnis kann man nächstes Jahr dann im Kino sehen.

Gibt es ein Zitat oder Motto, dass Du gern benutzt? Wenn ja welches? 

Wir überqueren die Brücke, wenn wir sie erreichen.

Hast Du eine Lieblingsrolle? Aus der Vergangenheit oder eine, die Du gern mal spielen würdest?

Grundsätzlich sind mir die meisten Figuren liebe Freunde gewesen. Manche sind es noch. Aber Maria Stuart würde ich wirklich sehr gerne spielen.

Irina Gavrich

Foto: Irina Gavrich
Quelle: PR-Agentur Jozo Juric

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FemFriday mit Silvia Follmann

Endlich gehts mit dem #femfriday weiter. Heute darf ich Euch die Autorin von A SINGLE WOMAN, Silvia Follmann vorstellen.

Silvia Follmann. geboren 1986 in Freiburg, studierte Germanistik und Literaturwissenschaften in Bonn und Berlin. Sie ist derzeit Redaktionsleiterin beim Online-Magazin EDITION F und hat zuvor als freie Autorin für verschiedene Magazine, unter anderem für das Missy Magazin, geschrieben.
Im März erschien ihr erstes Buch A Single Woman im Goldmann Verlag.

Frauen können heute vieles, aber eines sicher nicht: ungestört Single sein. Denn noch immer ist die Paarbeziehung für viele das ultimative Lebensziel: Man findet sich, heiratet, bekommt 1,6 Kinder. Happy End, fertig. Das Single-Dasein wird dabei als bedauernswerter Zustand definiert, besonders die Single-Frau als traurig, ungeliebt und wertlos eingestuft. Dieses Klischee gehört endgültig abgeschafft, übt es doch permanent Druck aus und vermittelt unzähligen Mädchen und Frauen das Gefühl, falsch zu sein. Wir brauchen neue, vielfältige Konzepte von Liebe, Glück und Zufriedenheit: Denn Single zu sein ist genauso gut, wie nicht Single zu sein. Ist genauso richtig und falsch, genauso lebenswert. Es ist Zeit für das eigene gute und verrückte Leben!

Wie kamst Du zum Beruf Autorin?

Schreiben war schon immer eine Leidenschaft von mir. Ich habe dann also fast unvermeidbar Germanistik und Literaturwissenschaften studiert, wurde später Journalistin und vor zwei Jahren kam schließlich die Idee zum Buch auf.  Das war allerdings noch einmal eine ganz neue Schreiberfahrung und Herausforderung, das hat mit meinem Alltag als Redaktionsleiterin wenig zu tun. Aber Herausforderungen machen ja Spaß!

An welchen Moment in deiner Karriere erinnerst Du dich besonders gut?

Eigentlich sind das vor allem die Anfänge, die sind schließlich immer aufregend. Und ich muss oft an all die Menschen, besonders Frauen, denken, die mich auf meinem Weg immer unterstützt haben. Das versuche ich jetzt zurück zu geben, wann immer ich kann. Und natürlich die Erfahrung, das Online-Magazin EDITION F von den ersten Schritten an zu begleiten und mitzugestalten.

Hast Du in deiner Branche ein Vorbild und wenn ja, wer ist das?

Es gibt so viele großartige Journalistinnen und Autorinnen, aber um wenigstens zwei zu nennen: Die Journalistin Mely Kiyak, wegen ihrer großartigen Kolumnen für Zeit Online und Sibylle Berg, die einfach sehr furchtlos schreibt.

Was macht Fempowerment für Dich heute aus?

Solidarität und der Blick über die eigene Bubble hinaus.  Wenn wir die Hälfte der Macht wollen, dann geht das nur mit allen zusammen.

In welchen Momenten deines Jobs wärst Du lieber ein Mann?

In keinem.

Wenn die Frauenquote etwas bewirkt dann…

… dass mehr Frauen in die Jobs kommen, die jetzt komplett vom Boys Club besetzt sind. Wir brauchen aber nicht nur eine Frauen, sondern eine Diversitätsquote. Je diverser Teams sind, umso besser sind die Ergebnisse.

Was können wir Frauen tun, damit sich die Wahrnehmung auf unser Geschlecht am Arbeitsmarkt ändert?

Ich glaube nicht, dass es an der Wahrnehmung von Frauen liegt – aber ganz generell lässt sich nicht individuell lösen, dass keine Chancengleichheit herrscht, weil es ein strukturelles Problem ist. Aber wir können uns immer gegenseitig dabei unterstützen, sichtbar zu sein. Erzählt voneinander und empfehlt euch gegenseitig, das macht schon verdammt viel aus!

Was würdest Du jungen Kolleginnen auf ihrem Karriereweg mitgeben?

Vertrau dir selbst, vernetz dich, mach dich bemerkbar und hab keine Angst vor Fehlern. Die machen wir alle immer wieder, das ist kein Beinbruch.

Beschreibe Dich in drei Worten…

Wie sollen da drei Worte reichen? 😉

Hast Du ein absolutes Lieblingsbuch, wenn ja, welches ist das?

Das sind zu viele – jedes Buch hat auch seine Zeit, vieles entdeckt man ja ganz neu, wenn man es nochmal liest. Andere wiederum kann man irgendwann gehen lassen.

Dein Lieblingszitat?

Ich habe kein Lieblingszitat, aber dieses hier mag ich auf jeden Fall sehr:

„Each time a woman stands up for herself, without knowing it possibly, without claiming it, she stands up for all women.” 

Maya Angelou

Was liest Du derzeit?

Auf dem Nachttisch liegen Giulia Becker Das Leben ist eines der härtesten und Anke Stellung Schäfchen im Trockenen – jetzt muss ich nur noch die Zeit finden, sie auch endlich zu lesen.

Foto: Jennifer Fey Photography

FemFriday Nora-Vanessa Wohlert

Am heutigen #femfriday gehts in die junge Gründerszene. Die Gründerin und Geschäftsführerin von Edition F Nora-Vanessa Wohlert hat meine Fragen beantwortet. Ich freue mich sehr den Frauenkreis hier mit einer weiteren spannenden und klugen Frau erweitern zu können.

Nora war so freundlich Euch allen einen 30 Euro RABATT auf die Female-Future-Force- DAY Tickets am 12. Oktober in Berlin zu geben.
Der Rabatt gilt auf die regulären Tickets. Der Code lautet Femfriday und ist hier einzulösen: http://femalefutureforceday.com/register/

Nora-Vanessa Wohlert ist Gründerin und Geschäftsführerin von Edition F, der Business-Lifestyleplattform für Frauen. Sie ist für die Bereiche Content, Community-Building und HR verantwortlich. Zuvor arbeitete sie über zwei Jahre als Redaktionsleiterin bei Gründerszene, zusammen mit ihrer Mitgründerin Susann Hoffmann. Davor begleitete sie den Aufbau eines Startups, schloss ein Redaktions-Volontariat bei der PR-Agentur fischerAppelt relations ab und arbeitete als Business Analyst bei Roland Berger.

Wie kamst Du zu deinem Beruf und wie würdest Du Dich bezeichnen?

Viele Zufälle kamen zu zusammen würde ich sagen. Ich hatte in jedem Fall ursprünglich nicht vor selbst einmal zu gründen. Meine Eltern sind nicht selbstständig und studiert habe ich Geisteswissenschaften. Dann kam meine Zeit als Redaktionsleiterin bei Gründerszene und ich hatte wahnsinnig viele Berührungspunkte mit Gründerinnen und Gründern und Business Modellen, außerdem arbeitete ich mit Susann zusammen, mit der ich dann auch EDITION F gegründet habe. Ich würde mich heute als Unternehmerin bezeichnen. 

An welchen Moment in deiner Karriere erinnerst Du dich besonders gut?

Ehrlich gesagt gibt es da viele die prägend waren. Ich erinnere mich gut an viele Momente als angestellte Person in denen ich dachte, denkt doch mal groß, anders oder lasst mich doch mal machen. Außerdem natürlich an den Sprung ins kalte Gründerinnenwasser und auch die schweren Tage, die damit auch zusammen hängen. 

Was macht für dich Fempowerment heute aus?

Offen auf andere zuzugehen und gemeinsam zu lernen, Männer nicht auszuschließen sondern mit zu involvieren. 

In welchen Momenten deines Jobs wärst Du lieber ein Mann?In keinem. 
Wenn die Frauenquote etwas bewirkt dann…

kann sie mittelfristig auf alle Ebenen von Unternehmen Einfluss nehmen und Chancen für alle sichtbarer machen.

Was können wir Frauen tun, damit sich die Wahrnehmung auf unser Geschlecht am Arbeitsmarkt ändert?

Selbstbewusst sein, sagen, was man kann und Dinge umsetzen, die man im Kopf hat. 

Empfindest Du in deinem Umfeld ein Ungleichgewicht an Frauen in Führungspositionen?

Eindeutig ja und dabei bin ich selbst in einer ziemlichen Blase voller Frauen, die gründen, Unternehmen führen und Chefinnen sind. Aber die Zahlen sprechen Bände. Es gibt wesentlich weniger Frauen die führen als Männer.

Was würdest Du anderen Gründerinnen mit auf den Weg geben?

  1. Sprich früh und immer wieder mit künftigen Kundinnen und Kunden über deine Idee
  2. Such dir im Team Leute, die Dinge besser können als du selbst
  3. Versuch mal ob du deine Idee auch ohne Geld von Investor*innen umsetzen kannst

Was würdest Du an der virtuellen Blase Instagram gern ändern?

Weniger Posing ohne Inhalte. Mehr Inhalte, die inspirieren.

Beschreibe Dich in drei Worten.

Mutig, vernetzt, groß denkend

Was liest Du derzeit?

„New work need inner work“ von Joana Breidenbach und Bettina Rollow, ein Buch für Unternehmen auf dem Weg zur Selbstorganisation.

Hast Du ein Lebensmotto? Wenn ja, wie lautet es?

Was würdest du tun, wenn du keine Angst hast? ganz nach Sheryl Sandberg.

Foto: Nora Tabel

#digitaldienstag mit Marcus Lobbes

Endlich gehts hier wieder um meine Lieblingsfrage WIE DIGITAL IST DIE KUNST? Dazu habe ich den Regisseur Marcus Lobbes interviewt. Seit diesem Jahr ist er Künstlerischer Leiter der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund, also genau der richtige für meine Fragen.

Was war deine erste Begegnung mit der Digitalisierung?

Meine ersten Begegnungen mit der Digitalisierung reichen zurück bis in eine Zeit, als es das den Begriff davon so noch nicht gab. Mein Vater war schon in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts als damals sogenannter Programmierer oder IT-Spezialist unterwegs. Bei uns zu Hause gab es immer die neueste Technik, immer ein großes Interesse an neuesten Entwicklungen. Allein die Generationen von Schachcomputern, die in unsere Wohnung gegen uns, für ihn analysierend oder gegeneinander im Betrieb waren – großartig. Was mein Vater so gearbeitet hat, war immer etwas Sagenumwobenes oder Geheimnisvolles; er selbst hat sich kaum je die Mühe gemacht, darüber zu berichten – in der Annahme, dass wir Familie davon niemals etwas verstehen würden, nehme ich mal an. Umso eindrücklicher waren mit ihm dann die Spaziergänge in den früheren 1970ern durch ein neu errichtetes Rechenzentrum, in dem ich voller Begeisterung den Wechsel von Lochkarte auf Magnetband präsentiert bekam. In meiner Erinnerung sind das Stockwerke voll mit riesigen Maschinen gewesen, die den gesamten Flugbetrieb der Lufthansa von Frankfurt aus steuerten. Dann, nachdem wir den praktischen Teil seiner Arbeit gesichtet hatten, haben wir an seinem Arbeitsplatz aus den riesigen Fenstern direkt auf die Start- und Landebahnen des Flughafens geschaut, und sein Lieblingssatz war: „Hier sitze ich und denke nach, wie es noch besser gehen könnte…“ 

Wie digital bist Du im Alltag?

Ach, nach einer riesigen Pause von allem, was auch nur ansatzweise mit Computern zu tun hat – ich war ziemlich vor unserem C64 versackt und wollte mich nun ausschließlich auf mein Studium, auf Musik, auf Theater konzentrieren – bin ich – tatsächlich erst – seit dem Jahr 2000 wieder an den Geräten und ihrer Vernetzung dran. Ich nutze zurzeit mehrere Rechner, stationär und mobil, natürlich ein Smartphone, alles vernetzt und vercloudet, und versuche trotzdem, eine Balance zwischen analoger Welt und Power-User herzustellen. Das heißt, dass ich nicht jede App und jedes Netzwerk brauche, aber…
Meine größte Schwäche, damals wie heute, sind digitale Unterhaltungsmedien. Ohne eine Stunde, äh Training an diversen PC-Spielen komme ich selten ins Bett – Reality-Detox…

Welche digitalen Bereicherungen willst Du nicht mehr missen?

In Echtzeit synchronisierte Kalender. Ein Segen!

Auf welche digitalen Entwicklungen könntest Du verzichten?

In Echtzeit synchronisierte Kalender. Ein Fluch!

Wie bist Du der Leiter der Akademie für Theater und Digitalität geworden?

Diese frühen, prägenden Erfahrungen und der staunende Blick auf das nicht sichtbare Digitale haben sich mit meiner Arbeit als Regisseur zu einem stetig wachsenden Interesse an digitalen Fragestellungen verbunden. Meine Liebe zu Spielen betrifft eben nicht nur das Theaterspiel oder nur die Computerspiele – die Faszination der Erzählungen, aber auch die der Mechaniken, war für mich immer gegeben. Vor über zehn Jahren habe ich dann angefangen, beides zusammen zu denken, wenn sich für mich eine sinnvolle Schnittstelle ergeben hat, wie z.B. in meinen Inszenierungen von „Kaspar Häuser Meer“ von Felicia Zeller oder bei Elfriede Jelineks „Ein Sportstück“.

Seit 2010 bin ich zudem regelmäßiger Gast am Schauspiel Dortmund, und die Fragestellungen, die Kay Voges und sein Team beschäftigt haben, sind auch mir immer gegenwärtig gewesen – unser beider familiärer Hintergrund ist seltsamerweise sehr ähnlich, unsere Suchbewegung in den Mitteln und bei den Vorlagen sehr unterschiedlich; aber die Erweiterung der Möglichkeiten u.a. im Theater und deren Sinnhaftigkeit hat am Ende wieder viel Gemeinsames. Das Interesse an einer koordinierten Professionalisierung, die offene und kuratierte  Forschung über den Dortmunder Rahmen hinaus, die Verbesserung der Kommunikation zwischen ‚Kunst‘ und ‚Technik‘, das Ankommen im Hier und Heute der Möglichkeiten: Das interessiert mich als Regisseur genauso wie als Künstlerischer Leiter. Es war ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte.

Wie wählst Du die Stoffe für ein/das Digitaltheater aus?

Da ist immer die Frage: Wofür?  Stoffe, die mich als Regisseur interessieren, müssen nicht zwingend auf digitale Möglichkeiten befragt werden. Ein befreundeter Dramaturg hat mich jüngst nach der Berufung an die Akademie als letzten Analog-Dino des Stadttheaters bezeichnet.
Vielen Dank auch an dieser Stelle.
Ich wähle lieber den umgekehrten Weg: Wenn es dem jeweiligen Team notwendig erscheint, digitale Mittel, Techniken, Erzählweisen, Video- oder Audioformate einzusetzen, dann beginnt die Recherche darüber, dann das Einordnen in den Theaterzusammenhang.

Als Künstlerischer Leiter der Akademie stelle ich gemeinsam mit dem Team einen Bezugsrahmen her, der sich von Einzelmeinungen nicht leiten lässt. Auf der Grundlage von Juryentscheidungen kuratieren wir die künstlerisch-technischen Forschungen unserer Stipendiat_innen. Diese Jury kommt von außerhalb der Akademie und ist mit Expert_innen aus den unterschiedlichsten Bereichen besetzt. Dabei planen wir aber noch kein ‚Digitaltheater‘: Der Clou ist ja, dass wir ein halbes Jahr forschen lassen können, ohne dass der Produktionsdruck einer von vornherein kommunizierten Theateraufführung oder eines Spielplans gegeben ist. Wenn dann zeigbare Ergebnisse entstehen, um so besser, aber das entscheidet sich erst im Prozess der Forschung.

Gibt es ein Prinzip, nach dem die digitale Umsetzung im Bühnenraum funktioniert?

Ich würde hier gerne zwischen sichtbar und unsichtbar unterscheiden.
Für ein Publikum unsichtbare Prozesse gibt es ja schon viele, sei es auf der Ebene der Kommunikation der Gewerke untereinander, sei es in der Herstellung der Elemente einer Aufführung oder bei den eingesetzten Apparaten; das alles macht zwar oft im Ablauf einer Aufführung Sinn – und findet sich im Theater bisher nur partiell und definitiv nicht standardisiert -, gehört aber zur Bühnenmechanik, die in den seltensten Fällen offenbar gemacht wird.
Auf der Ebene der sichtbaren Mittel, also z.B. Hologramme auf einer Bühne, die in Interaktion mit dem realen Theatergeschehen treten, sind wir ja ganz am Anfang. Viele Künstler_innen und Gruppen experimentieren in dem Feld, und bringen auch sehr spannende Formate zustande. Wie es sich weiterentwickeln wird: Wer weiß!
Ich für mich möchte es recht altmodisch formulieren: Bei den Darstellenden Künsten sollten sich die Mittel, ganz gleich ob analog oder digital, immer um das Thema, um die Menschen gruppieren, nicht umgekehrt.

Wie geht ihr mit der ethischen Debatte des „Entzauberns“ oder dem „Verrat am Theater“ um, die in Bezug auf digitale Bühnenformate aufkommt oder gibt es diese Debatte nicht mehr?

Die Warnungen, sich nicht zum Spielball einer technikverliebten Elite machen zu lassen oder der Digitalisierung Arbeitsplätze zu opfern oder den digitalen Möglichkeiten den Zugriff auf künstlerische Entscheidungen zu gewähren, hören wir schon. Es ist ein wenig wie in der vorherigen Frage: Angemessen abwägen und reagieren hat noch nie geschadet.
Dazu ist es vielleicht ganz gut, an Orten wie der Akademie die Möglichkeiten neuester Technik erproben – und im Zweifel auch verwerfen – zu können.

Andererseits, wenn wir die technischen Entwicklungen im Theater in längeren Zeiteinheiten betrachten, dann gibt es inzwischen kaum noch Kritik an geschlossenen Theaterbauten, elektrischem Licht, einer funktionierenden Bühnenmaschinerie oder dem Spielen bei abgedunkeltem Saal – Theater bedeutet Veränderung, oft auch Faszination am Dargebrachten, und seit jeher möchte ein Publikum mit den Mitteln und Diskussionen seiner Zeit konfrontiert werden. Wenn die Kunst als Sinnbild des Lebens erhalten bleibt, wird sie relevant bleiben. Was nichts taugt, hat im Theater noch nie lange überlebt. Wir sollten uns Zeit lassen.

Wie sieht für Dich das Theater der Zukunft aus?

Bewegt.

Marcus Lobbes arbeitet seit 1995 als Regisseur und Ausstatter im Musik- und Sprechtheater und ist seit 2019 Künstlerischer Leiter der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund. Seine Schwerpunkte sind Klassiker-Umsetzungen sowie zahlreiche Ur- und Erstaufführungen u.a. am Düsseldorfer Schauspielhaus, Nationaltheater Mannheim, an den Staatstheatern in Kassel, Mainz, Saarbrücken, Darmstadt und Braunschweig, am Schauspiel Dortmund, den Wuppertaler Bühnen, am Theater Freiburg, u.v.m. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit ist Lobbes auch in der Lehre tätig, u.a. als Gastdozent und Sprecher an der Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg, dem Salzburger Mozarteum, der Universität Rostock, der Hochschule Mainz, der Kunstuniversität Graz und der Robert Schumann Musikhochschule in Düsseldorf.

Mehr Infos über Marcus‘ Arbeit an der Akademie oder seine Regiearbeiten gibts auf den Homepages.

Foto:  Susanne Diesner

Burning Issues Meets Theatertreffen

Dieses Jahr bin ich Teil der Konferenz zu Gender(un)gleichheit in Berlin

Was ich beitrage?

Digitalität in den Darstellenden Künsten
Ist Digitalisierung der heiße Scheiß des neuen Jahrtausends? Oder ist sie sexistisch, gefährlich und der Untergang der Kreativität? Ein interaktiver Workshop rund um Digitalität, Digitalisierung und Kunst von und mit Marie Helene Anschütz und Marcel Karnapke.
Mit Marie Helene Anschütz (Regisseurin, Kulturbloggerin), Marcel Karnapke (Medienkünstler und Theatermacher)
UdK 14:30 – 16:00 (Raum 336)

Nun kommt zusammen, was zusammengehört! Im vergangenen Jahr mischte die von Nicola Bramkamp und Lisa Jopt initiierte 1. Konferenz der Theatermacher*innen „Burning Issues“ den Theaterbetrieb gehörig auf, und auch der kurz danach präsentierte Themenschwerpunkt „UNLEARNING Patriarchat“ des Theatertreffens fragte nach strukturellem Sexismus und Machtasymmetrien im Alltag. Was sind die nächsten Schritte? Mit Keynotes, Panels, performativen Sessions, Workshops sowie Netzwerkveranstaltungen forschen Burning Issues und das Theatertreffen dieses Jahr an drei aufeinander folgenden Tagen gemeinsam nach Strategien für eine gerechtere und diversere Welt.

Weitere Infos gibts hier.

#kulturblogging: WOZZECK in Frankfurt

Von Kindheitserinnerungen, einer Endlosschleife und der wunderbaren Claudia Mahnke.
In meinem #kulturblogging-Beitrag über Alban Bergs WOZZECK entführe ich Euch in eine eindrucksvolle Inszenierung von Christoph Loy an der Oper Frankfurt.

Meine ersten Schritte auf einer Bühne machte ich mit neun Jahren am Staatstheater Darmstadt. Ein Zeitungsaufruf brachte mich zum Vorsingen im hiesigen Kinderchor. Im Keller, klassisch für Probebühnen und Chorsäle, sang ich mit vielen anderen Kindern beim damaligen Chorleiter vor.
Es folgten aufregende Jahre im Kinderchor des Staatstheaters Darmstadt.
Von Hänsel und Gretel, Die Frau ohne Schatten bis zur Rockoper oder Sinfoniekonzerten, ich stand in zahlreichen Produktionen auf der Bühne. Eine wichtige Oper, ein Schlüsselerlebnis, war für mich Wozzeck von Alban Berg.
Damals sang ich im Kinderchor und spielte einige Male den Knaben, den Sohn Maries. Seitdem begegnete mir dieses Stück Operngeschichte immer wieder: Ich hospitierte 2006 bei Calixto Bieito an der Staatsoper Hannover, hörte einige Vorlesungen an der Uni dazu und habe seitdem bestimmt fünf verschiedene Inszenierungen gesehen.

Das Werk hat eine eigene Kraft. Die Aktualität und die Möglichkeit der Identifikation mit den einfach gehaltenen Figuren, stellt für mich die Faszination dar. Ebenso der Versuch des satirischen Blicks auf einen Proletarier, der im Hamsterrad des Lebens in straucheln gerät. Uns allen wohlbekannt.

Inhalt
Wozzeck- eine Oper in drei Akten mit 15 Szenen von Alban Berg. Das Libretto beruht auf dem deutschsprachigen Dramenfragment Woyzeck von Georg Büchner
Der Soldat Franz Wozzeck lebt am untersten Ende der sozialen Hierarchie; nur seine Geliebte Marie und sein Kind sind ihm Halt. Aber er wird von seinen Vorgesetzten als Versuchsobjekt für medizinische Experimente missbraucht, seine Geliebte wird von einem Tambourmajor verführt, und er wird so gedemütigt, dass er seine Geliebte Marie ermordet.

Foto: Barbara Aumüller

Wozzeck gehört zu den meistgespielten Opern des 20. Jahrhunderts. Sie geht zurück auf Georg Büchners Schauspiel Woyzeck, das nur als Fragment überliefert wurde.
Alban Berg schrieb das Libretto selbst und formte ein streng gebautes Drama, das sich unaufhaltsam auf eine Katastrophe zubewegt: Wozzeck tötet Marie, die ihm untreu war und er ertrinkt bei der Suche seiner Tatwaffe im Schilf.

„Jeder Mensch ist ein Abgrund- mich schaudert, wenn ich hinunter schau“

Wozzeck, Alban Berg

Das Werk Bergs steckt voller musikalischer Facetten. Ohne Ouvertüre steigen wir direkt in die Szenerie. Wozzecks einfaches Leben, bestimmt durch Arbeit und fehlende Selbstbestimmung. Die Darstellung der Stereotypen eines Dramas werden hier auch musikalisch klar gezeichnet. Hauptmann, Doktor, Tambourmajor haben keine Namen, sind Titel und Begegnungen.

Getrieben von Existenznöten und einer unbändigen Angst, gejagt von, sich an seinem Leid ergötzenden Mitmenschen, hetzt Wozzeck einsam durch die Welt und seinem Leben hinterher. Bis er es nicht mehr aushält und sich und seine Geliebte von allem erlöst.

Foto: Barbara Aumüller

Die Oper Frankfurt setzt auf starke klare Bilder. Regisseur Christof Loy zeigt die Figuren, vor allem Wozzeck pur, weg von der Armut, weg von einer überzeichneten Darstellung durch geknechtete Figuren und immer aufbäumendem Frust. Wir sehen ein Innenleben, eine kämpfende Seele, einen verwirrten Wozzeck. Er funktioniert nicht mehr, kann sich nicht mehr einordnen. Er verliert im wahrsten Sinne, den Kopf.

„In der existenziellen Deutung zeigt Berg die transzendentrale Obdachlosigkeit Wozzecks, seine Verlorenheit in einer Wahnsinnswelt. Die Verlassenheit eines Menschen auf dieser Erde“

Norbert Abels, Chefdramaturg der Oper Frankfurt

Marie, hier gesungen und präzise gespielt von der zauberhaften Claudia Mahnke, versucht es noch ihren Partner, Freund und Weggefährten Wozzeck ( stimmlich und darstellerisch unheimlich stark Audun Iversern) zu erreichen. Sie scheitert.
So gibt sie sich einem irdischen, greifbaren, lebendigem Mann hin.

Foto: Barbara Aumüller

Die Bühne engt ein

Die Bühnenräume von Herbert Murauer werden immer enger. Die Wände bewegen sich langsam, manchmal kaum merklich, auf Wozzeck zu. Seine Welt droht ihn zu erdrücken. Umso anschaulicher, am Schluss, kurz vorm Mord an seiner Marie, ist die Bühne weit geöffnet, unser Blick frei auf ein dichtes Schilfgebilde, dass fast wie Scherenschnitt, ein Schattenspiel beleuchtet auf uns wirkt. Nach dem Tod, am Ende der Oper hören wir eine der eindrücklichsten und stärksten Trauermusiken der Operngeschichte.

Nach dem Tod von Marie steigert sich das Orchester in zwei fast unerträgliche Fortissimo-Akkorde, als Kontrast folgt ein Solo-Klavier in einer Bar, wohin sich Wozzeck in seiner Verzweiflung flüchtet“

Wilhelm Roth, 70 Jahre Oper

Nicht umsonst wurde die Oper Frankfurt zum vierten Mal zum Opernhaus des Jahre (Nenneung durch das Opernmagazin Opernwelt) ernannt.
Man erlebt hier herausragende Stimmen, innovative Inszenierungen und ein ausgewähltes Programm aus zeitgenössischer Musiktheaterkunst und den altbewährten, wichtigen Stoffen auf den Opernbrettern, die die Welt bedeuten. Der Ausflug nach Frankfurt lohnt sich immer!!!

Fotos: Oper Frankfurt / Barbara Aumüller

*Werbung gekennzeichnet/ Kooperation mit Oper Frankfurt

FemFriday mit Ingrid Noll

Im heutigen #femfriday-Interview stelle ich Euch die Schriftstellerin Ingrid Noll vor.
Wie sie schon vor vielen Jahren selbstbestimmt und ganz im Sinne der Emanzipation als Mutter und Ehefrau noch spät zum Schreiben kam, was sie über Fempowerment denkt und was sie derzeit liest.

Ingrid Noll wurde 1935 in Shanghai geboren. 1949 flüchtete sie mit der Familie nach Deutschland. 1954 machte sie Abitur um anschließend Germanistik und Kunstgeschichte in Bonn zu studieren. 1959 folgte die Heirat, und die Geburten der drei Kinder. Jahrelang arbeitete sie in der Arztpraxis ihres Mannes.
Die erste Anfänge als Autorin waren Kindergeschichten.
1991 erschien Ingrid Nolls erster Krimi Der Hahn ist tot, inzwischen sind es fünfzehn Romane und zahlreiche Kurzgeschichten.
Ingrid Noll lebt mit ihrem Mann in Weinheim an der Bergstraße.

Wie kamen Sie zum Beruf Schriftstellerin?

Schon als Schülerin konnte ich mit einer Eins im Aufsatz die Fünf in Mathe ausgleichen und wusste, dass Schreiben für mich die Rettung bedeutet. Aber ich wagte lange nicht, von einem Beruf als Schriftstellerin zu träumen. Erst als unsere Kinder aus dem Haus waren und ich endlich ein eigenes Zimmer bekam, fand ich  Zeit für kreative Experimente. Mein Mann war Arzt und ich habe 20 Jahre lang in seiner Praxis mitgeholfen, eher aus Pflichtgefühl denn aus Neigung.

An welchen Moment in ihrer Karriere erinnern Sie sich besonders gut?

Es war ein unbeschreibliches Glücksgefühl, als ich meinen ersten Roman gedruckt und in Leinen gebunden in den Händen hielt. Fast vergleichbar mit der Freude über die Geburt des ersten Kindes.

Was inspiriert Sie?

Da ich erst mit 55 Jahren mit dem professionellen Schreiben begann, konnte ich auf einen soliden Fundus an Lebenserfahrung und Menschenkenntnis zurückgreifen. Im Übrigen inspirieren mich das tägliche Leben, die Beobachtung der Umwelt und der nachwachsenden Generationen, vor allem auch die eigenen Enkelkinder. Wenn ich gerade mitten in einer fiktiven Geschichte stecke, bin ich zudem wie ein Schwamm, der alles um sich herum aufsaugt.

Empfinden Sie ein Ungleichgewicht in der Literaturszene, was die Geschlechterbesetzung angeht?

Von der Krimiszene kann ich das eigentlich nicht sagen. Die Rollen sind allerdings ein wenig verteilt: brutale Stories meiner männlichen Kollegen werden wahrscheinlich lieber von Männern gelesen, die eher psychologischen und weniger bluttriefenden (wie meine Bücher) eher von Frauen.

Was verstehen Sie unter dem Begriff Fempowerment heute?

Eine wichtige Initiative zur Stärkung der Frauenrechte.

In welchen Momenten ihres Jobs, wären Sie lieber ein Mann?

Überhaupt noch nie. 

Wenn die Frauenquote etwas bewirkt dann… bitte beenden Sie diesen Satz!

Dann wird hoffentlich bewiesen, dass Frauen ihren Job hervorragend meistern können und die Quote gar nicht nötig war.


Sie sind Mutter von drei Kindern. Was haben Sie ihnen für ihre Berufswahl mit auf den Weg gegeben?

Auf keinen Fall aus rein materiellen Gründen einen Beruf wählen, der für lebenslange Langweile sorgt.

Wie lief es bei Ihnen mit der Vereinbarkeit von Familie und ihrem Beruf als Schriftstellerin?

Das klappte bei mir ja erst, als die Kinder selbständig waren. Aber auch jetzt, wo es um die Großfamilie mit vier Enkelkindern geht, muss ich mich irgendwie organisieren, damit weder ich noch die mir so wichtigen Beziehungen zu kurz kommen. 

Beschreiben Sie sich in drei Worten…

Alt, pragmatisch und immer noch neugierig.

Wie wichtig ist für Sie Humor beim Schreiben?

Humor ist nicht nur fürs Schreiben lebensnotwendig, sonst würde ich verzweifeln.

Was lesen Sie zu Zeit?

Daniela Krien: „Die Liebe im Ernstfall“

Fotos: Diogenes Verlag

Wie digital ist die Kunst, ihr Cyberräuber?

Am heutigen #digitaldienstag habe ich das Künstlerkolletiv Die Cyberräuber, Björn Lengers und Marcel Karnapke interviewt.

Marcel Karnapke und Björn Lengers bilden seit 2016 das Künstlerkollektiv „CyberRäuber – Theater der virtuellen Realität“ (vtheater.net).
Sie verbinden Theater mit dem virtuellen Raum, bringen – oft gemeinsam mit anderen KünstlerInnen – digitale und virtuelle Welten ins Theater und das Theater auf virtuelle Bühnen. Sie erforschen neuartige Erzählmöglichkeiten und experimentieren mit Laserscans kompletter Bühnenbilder, dreidimensionalen Aufzeichnungen von SchauspielerInnen, Echtzeit-Bühnenbildern und mobilen Applikationen auf der Bühne.

Björn Lengers
Marcel Karnapke

Wie seid ihr die Cyberräuber geworden?
BL: Wir haben uns bei einer Veranstaltung über VR (Virtuelle Realität) und Film getroffen, beide dort die Meinung vertreten, dass VR viel interaktiver und echtzeitlicher als Film ist und daher viel mehr Verwandtschaft mit dem Theater hat. Und dann: don’t talk, do.
MK: Prinzipiell ging es bei der Veranstaltung auch darum, dass VR immer nur einzelnen Menschen etwas bietet. Dem haben wir widersprochen, denn wir glauben, die Zukunft von VR ist sozial und ein Gemeinschaftserlebnis, eben genau wie Theater.

Was war eure erste Begegnung mit der Digitalisierung?
BL: Ich habe eine Digitaluhr zur Erstkommunion bekommen und später meinen Eltern einen Commodore C64 „zum Programmieren lernen“ abgeschwatzt, der natürlich ausschließlich als Spielcomputer eingesetzt wurde.
MK: Ich habe den C64, den Amiga und die ersten Spielekonsolen in einem Computerclub gesehen. Das Einlegen von Audiocassetten, die klangen als würde man einer Katze auf den Schwanz treten und das daraus Zeilen von Text und Grafiken und am Ende ganze Welten auf dem C64 entstanden, war für mich absolute Alchemie.

Wie digital seid ihr im Alltag?
BL: Da wäre eigentlich erstmal zu klären, was das heißt, „digital sein“.
Ich bin schon ziemlich mit dem Smartphone verwachsen: Kommunikation, Social Media, Kalender. Und da wir derzeit an zwei Projekten gleichzeitig und remote arbeiten, sitze oder stehe ich den Großteil des Tages vor einem Display.
MK: Das würde jetzt zu weit führen, wenn ich alles aufzähle, aber man kann sagen, ich bin mit allen Sinnen massiv digitalisiert oder sogar augmentiert.
Meine Kopfhörer filtern aktiv Stimmen in der U-Bahn oder erzählen mir den Status meiner, in der Cloud arbeitenden Computer, lesen mir mit künstlichen Stimmen Artikel aus aller Welt vor und gängeln mich, wenn ich mich nicht genug bewege.
Und da hab ich das Smartphone noch nicht einmal angefasst!

Welche digitalen Bereicherungen wollt ihr nicht mehr missen?
BL: Die weltweite Vernetzung des Wissens und damit die Möglichkeit zu sehen, woran und wie andere Leute arbeiten. Twitter, Github, Colab.
MK: Um nur eine zu nennen, ich bin Podcastsüchtig.
Gerade weg vom Bildschirm zu sein und nur durch die Ohren und Gedanken in Geschichten einzutauchen, ist extrem schön und vorallem kann man es so toll in den Alltag einbauen; das nimmt dem Geschirrspülen doch gleich seinen Schrecken.

Auf welche digitalen Entwicklungen könntet ihr verzichten?
BL: Die Geburtswehen der neuen Zeit: Noch nicht gut entwickelte Diskussionskultur, Gesetzlosigkeit und Entmündigung.
MK: Totalüberwachung, damit einhergehende Steuerung durch Massenmedien, Trolling und das Live-Streaming von Gewalt.

Wie wählt ihr Stoffe für euer Digitaltheater aus?
BL: Da wir auch mit Stadttheatern arbeiten, teilweise gemeinsam mit ihnen. Beim Goldnen Topf, Memories of Borderline oder jetzt Fragmente | ein digitaler Freischütz kam der Vorschlag aus den Theatern.
Bei Verirrten sich im Wald gerade am DT (Deutsches Theater Berlin) war es eine gemeinsame Idee. Bei bisherigen freien Projekten haben wir uns zunächst mal an bekannten Stoffen (Schiller, Shakespeare) orientiert, gehen aber bei unseren kommenden Arbeiten andere Wege und entwickeln Stoffe selber zu den Themen Künstliche Intelligenz, Selbstermächtigung, Hilflosigkeit

Verirrten sich im Wald/ Deutsches Theater Berlin/ Foto: Arno Declair

Gibt es ein Prinzip, nach dem die digitale Umsetzung im Bühnenraum funktioniert?
BL: Ein Prinzip? Keine Ahnung. Wir sind eher Empiriker.
Wir glauben außerdem sehr an das gemeinsame Entdecken mit Künstlern verschiedener Disziplinen im Probenprozess. Eine Frage, die uns sehr beschäftigt:

Was ist denn eigentlich der Bühnenraum? Nach Peter Brook „Der leere Raum“?


VR ist eigentlich genau dieser „empty space“, aber wir machen ja auch Theater mit digitalen Mitteln auf der klassischen Bühne.
Und da ist sicherlich das Thema „Echtzeit“ wichtig: Digitales auf der Bühne sollte durch die Handlung der SpielerInnen und / oder ZuschauerInnen entstehen und nicht geskriptet sein.
MK: Da könnte man fast fragen, ob es ein Prinzip der Digitalität gibt?
Wir beschreiben unsere Arbeit sehr oft als eine Suchbewegung, da wir mit Medien arbeiten, für die es noch keine, bis wenige Erfahrungen gibt, sind wir bemüht Experimente zu wagen deren Ausgang auch ein Scheitern sein darf.
Eigentlich kommen wir oft an Grenzen, untersuchen diese und fragen uns, ob es Wege gibt, diese aufzuweichen, Dinge zu Verknüpfen und neue Perspektiven zu öffnen. Oft sind wir selbst total überrascht, wieviel man den Spielern und dem Publikum zutrauen kann und wieviel Gedachtes am Ende gut und solide funktioniert.

Wie geht ihr mit der ethischen Debatte des „Entzauberns“ oder dem „Verrat am Theater“ um, die in Bezug auf digitale Bühnenformate aufkommt?
BL: Gibt es diese Debatte wirklich? Ich glaube nicht, aber wir würden sie gerne führen. Im Moment ist es aber, nach meiner Wahrnehmung er so ein mürrisches „Naja“.
Es gibt mal ehrlich, niemanden, der sich mit der Aussage: „Digitales hat auf der Bühne nichts zu suchen“ profilieren möchte.
Was auch albern wäre. Wenn ich mir Probenprozesse und Produktionsprozesse im Theater angucke: Da läuft doch alles schon voll digital. Ohne Dropbox, Wetransfer, digitaler Sound-, Video-, Lichtsteuerung läuft nichts mehr, auf der Probebühne sind ständig mindestens vier Notebooks geöffnet.
Und „Verrat am Theater“? Dafür müsste man doch erstmal definieren, was Theater ist. Meine Erfahrung ist: Wenn ich zehn Menschen frage, was Theater ist, bekomme ich zehn verschiedene Antworten.

Man kann das Theater zum letzten Hort des „Analogen“ ausrufen, aber dann zieht man natürlich ins Reservat, weg von der Gesellschaft und weg von den Menschen.

Mir gefällt nicht, wenn Theater und Theatermenschen vor allem im Verteidigungsmodus sind, nur bewahren wollen oder Angst vor Veränderung haben. Wir wollen auch verzaubern, und ich empfinde, das was wir tun, eher als Dienst am Theater, als notwendige künstlerische Forschung.
MK: Ich habe absolut kein Problem damit jede Form von Technologie aus dem Theater zu verbannen. Man kann tatsächlich über alles „reden“.
Das bedeutet: Treffende Texte formulieren, spannende Fragen stellen und auch Technologien wie virtuelle Realität eignen sich prima, um komplett auf der Bühne behauptet zu werden.
Für mich gibt es absolut keinen Zwang diese Mittel einzusetzen um eine Geschichte zu erzählen. Ich schließe mich allerdings Björn an, dass ich es als wichtig empfinde, das sich Theater der Digitalität unseres Lebensalltags nicht verstellen – im Gegenteil – ich denke das Theater als Ort der Künstlerischen Betrachtung und Auseinandersetzung, kann hervorragend dazu genutzt werden Dinge sichtbar, spürbar und erfahrbar zu machen. Um uns neue Perspektiven zu ermöglichen.

Für mich ist die Digitalität der Welt und das Entwickeln von Software oft vergleichbar mit Radioaktiver Strahlung. Man riecht sie nicht, man schmeckt sie nicht und spürt sie nicht, dennoch umgibt sie uns, hat massiven Einfluss, birgt enorme Potentiale aber auch große Risiken.


Wie können wir als Künstler helfen, Menschen den Zugang zu solchen Welten zu öffnen, damit wir zumindest den Diskurs in der Gesellschaft wagen können!?

Marcel & Björn sind die Cyberräuber

Wie sieht für Euch das Theater der Zukunft aus?
BL: Gar nicht so sehr unterschiedlich, wie das der vergangenen 3000 Jahre: DarstellerInnen erzählen live Menschen Geschichten im Raum.
Und was das jeweils genau ist, wandelt sich ständig. Ich persönlich bin mir zum Beispiel nicht sicher, ob Theater als notwendige Bedingung einen physischen Ort, eine physische Bühne braucht.
Ko-Präsenz und Szenografie lassen sich auch anders erzeugen. Und es ist interessant, daran zu arbeiten. Jedenfalls bin ich überzeugt:
Das Theater hat seine besten Zeiten noch vor sich!
MK: In meinen kühnsten Visionen träume ich vom Cybertheater.
Einer Welt, in der das Publikum von überall auf der Welt einfach via virtueller Realität dazukommen und am Schauspiel aktiv oder passiv teilnehmen kann.
Auch die Schauspieler befinden sich an verschiedenen Spielplätzen auf dem Globus, treffen sich auf Bühnen, die zu Welten geworden sind und nehmen uns mit auf eine Reise in Ihre Köpfe, Mäuselocher oder schweben mit uns zusammen über den Dächern einer Stadt der Zukunft.
Klingt alles total abgehoben, aber haben wir schon ausprobiert, im Jahr 2018.
Scheint so als wäre die Zukunft schon heute, Sie ist nur noch nicht gleichmäßig verteilt.

The Memories of Borderline / Schauspiel Dortmund / Regie: Kay Voges, Cyberräuber
Die Biene im Kopf von Roland Schimmelpfennig Regie + Bühne: Martin Grünheit Programmierung + Virtual Reality: CyberRäuber Foto: Christian Brachwitz

Quellen: DT, Cyberräuber, Schauspiel Dortmund, Theater an der Parkaue

Beitragsbild: Christian Brachwitz Biene im Kopf am Theater an der Parkaue

FemFriday mit Marie Bues

Heute geht es im #femfriday weiter mit einer spannenden Theaterfrau. Marie Bues ist Regisseurin, Theaterleiterin und Dozentin für Darstellende Kunst.

Marie Bues ist Regisseurin und seit Oktober 2013 gemeinsam mit Martina Grohmann Künstlerische Leiterin des Theater Rampe Stuttgart.

v.l.n.r.: Martina Grohmann, Marie Bues, Foto: Felix Grünschloss

Sie hat von 2000- 2004 Schauspiel an der Staatlichen Hochschule  für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart studiert und war anschliessend als Schauspielerin an der Württembergischen Landesbühne Esslingen engagiert. Als Regieassistentin arbeitete sie von 2006 bis 2008 am Theater Basel und assistierte unter anderem Anna Viebrock, Christina Paulhofer, Renate Jett und Christiane Pohle.
Seit 2008 inszeniert sie als freie Regisseurin unter anderem am Theater Basel, Theater Osnabrück, Residenztheater München,  Theater Plauen Zwickau,  Nationaltheater Mannheim, Theater Lübeck, Theater Rampe Stuttgart,  WLB Esslingen, Staatstheater Karlsruhe, Staatstheater Saarbrücken, Landestheater Schleswig Holstein, Theater Magdeburg und dem Theater der Stadt Heidelberg.
2009 war sie Stipendiatin der Berliner Festspiele beim Internationalen Forum junger Bühnenangehöriger. 2010 gründete sie gemeinsam mit Anna Gschnitzer Theaterkollektiv bureau, mit Projekten an der Garage X Wien und am Ballhaus Ost Berlin. In freien Konstellationen arbeitet sie auch mit den Gruppen Bues/Mezger /Schwabenland  und Mother T. Rex, am Schlachthaus Theater Bern, den Sophiensaelen Berlin und am Theater Winkelwiese Zürich.

Am Theater Rampe legt sie einen Schwerpunkt auf Gegenwartsdramatik und experimentelle zeitgenössische Theaterpraxis. Ebenfalls gemeinsam mit Martina Grohmann leitet sie seit 2015 das Festival „6 tage frei“. Als Jurymitglied ist sie unter anderem für die Kunststiftung Baden Württemberg tätig gewesen, und unterrichtet an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst.

Wie kamst Du zum Beruf Regisseurin und Intendantin?   
Ursprünglich habe ich eine Ausbildung zur Schauspielerin gemacht, habe aber nach einiger Zeit bemerkt, dass ich als Regisseurin besser aufgehoben bin. Die tägliche Bühnenpraxis kann euphorische Gefühle auslösen, mich hat sie irgendwann ermüdet. Ich habe gemerkt dass ich mehr das Ganze überblicken will, dass meine Phantasie und meine Theatermittel in der Regie aufgehen, und habe mich als Regisseurin quasi neu erfunden. Ohne Regieausbildung habe ich mir selbst Diskurse angelesen, ganz unterschiedliche Regieformen und Genres ausprobiert, am Stadttheater und in der freien Szene von KollegInnen gelernt. Nach zwei Jahren Regieassistenz am Theater Basel bin ich dann freie Regisseurin geworden, und habe erstmal alles mögliche ausprobiert: Klassiker und Komödien zu inszenieren, Uraufführungen, eigene Projekte.. Intendantin wurde ich, weil mich das Theater Rampe als Ort interessierte, ich dort schon assistiert hatte, und als ich die Ausschreibung sah, ein klares Bild vor Augen hatte, dass Martina und ich dort arbeiten würden. Als wir dort anfingen mussten wir das ganz neu lernen, was es bedeutet ein Haus nicht nur programmatisch neu aufzustellen sondern auch insgesamt verantwortlich zu sein für einen Theaterbetrieb.

Als künstlerische Leiterin am Theater Rampe musst Du täglich Entscheidung über Mitarbeiter*innen fällen. Gibt es für Dich ein Gebot, das über allem steht? Einen Leitfaden? Ein Manifest für Dich bei dieser Arbeit?               
Wir sind ein sehr kleines Team. Mit 12 Menschen machen wir dieses ganze Programm- wir begreifen uns eher als eine Art Kollektiv mit fest verteilten Aufgaben. Martinas und meine Aufgabe ist darin die Kuration und Programmierung des Spielplans, natürlich auch alle personellen Entscheidungen. Wichtig ist die Kommunikation mit den MitarbeiterInnen: die ist immer am Besten wenn sie transparent und ehrlich bleibt, wenn man sich häufig umhört wie es den Menschen bei uns geht, was ihre Interessen, ihre Ziele, ihre Ärgernisse sind. Wo es geht, kann man dann darauf reagieren, und den Betrieb und sein Klima so auch für alle zum Positiven hin verändern. Tendenziell versuchen wir alle unsere MitarbeiterInnen mit grossem Respekt zu behandeln, so wie man eben gerne selbst behandelt werden würde, wäre man in anderer Position an einem anderen Theater.

Das Licht im Kasten am Theater Lübeck, Foto: Kerstin Schomburg

Empfindest Du ein Ungleichgewicht am Theater was die Geschlechterbesetzung angeht?                       
Ja, da ist schon noch einiges im Argen. Männer wurden jahrelang von Männern besser gefördert als Frauen. Männer vertrauen Männern eher große Stoffe an, das ist schon sehr tief drin. In den Intendanzen der Stadttheaterlandschaft sitzen auch sehr viele Männer an der Spitze, die ein sehr konservatives Gesellschaftsbild vertreten, auch die Gleichstellung von Mann und Frau für eine lästige Modeerscheinung halten.
Wandel bedeutet Umstellung, das ist Arbeit, denn das bedeutet auch sich selbst, seine eigenen künstlerischen Prozesse, seine Strukturen zu hinterfragen. Das möchte nicht jede/r gerne tun. Klar, das ist lästig.
Ich glaube aber fest daran, dass wir diese Strukturen verändern müssen, um die Theater für die Gesellschaft relevant zu halten. Je mehr Intendanzen von Frauen übernommen werden, desto mehr ändert sich das klassische Schema, kommt mir vor. Frauen haben die Tendenz sich sowohl mit Männern als auch mit Frauen zu identifizieren. Männer identifizieren sich leider sehr oft nur mit anderen Männern.
Ich habe bei Intendantinnen oft auch eine grössere Offenheit und Neugier, ja auch eine inhaltliche Risikobereitschaft erlebt. Vielleicht tue ich da jetzt auch einigen Männern unrecht. Im Grunde ist auch nicht wichtig ob jemand Mann oder Frau ist. Das Bewusstmachen der eigenen Strukturen zählt eben.
Wichtig ist es eben nicht nur über das Thema Geschlechterbesetzung nachzudenken sondern auch über Erzählstrukturen am Theater, ein Frauen- und auch ein Männerbild, das von der Bühne herunter erzählt wird. Ich glaube darum sollte es uns gehen, die Rollenbilder zu überprüfen, neu zu befragen. Uns zu fragen, welche Bilder wir denn da in die Köpfe unserer ZuschauerInnen setzen, woher sie kommen, für wen sie erzählt werden. Wenn da endlich ein kritisches Bewusstsein einsetzt, bei Männern und Frauen, dann wäre viel getan.

Wie stehst Du zum „Feminat“ in der Vergabe von z.B. Regiepositionen, wie es an manchen Theatern gerade durchgeführt oder angestrebt wird?                       
Tendenziell finde ich die Idee natürlich super. Mal ein grosses sichtbares Zeichen, dass es auch anders gehen kann. Das ist ein guter Schritt. Es gibt aber auch Theater die schon seit Jahren gleichberechtigt arbeiten, die das gar nicht mehr gross thematisieren müssen, weil es Standard ist, das gefällt mir für die Zukunft noch besser.
In der freien Szene ist das ganz normal. Hier werden ja auch viele grosse Häuser, siehe HAU, Kampnagel, Sophiensaele von Frauen geleitet oder von Teams. Daran könnten sich die Stadtttheater gerne auch mal orientieren. Mich wundert, dass es im Stadttheater so eine Sensation ist, dass daraus ein grosser Werbeeffekt gemacht wird, dass man jetzt mit Frauen arbeitet.
Mich macht das etwas nachdenklich. Ich hätte gern ebenso viele feministische Männer wie Frauen an einem Haus versammelt, die über die Rollenbilder nachdenken, in ihren Bühnnerzählungen

Was würdest Du am Theater gern sofort ändern?           
Gleiche Bezahlung von Männern und Frauen für gleiche Arbeit.

In welchen Momenten deines Jobs wärst Du lieber ein Mann?
Nie. Es gab Zeiten, in denen ich es schwerer hatte als Frau im Regieberuf, aber ich wollte nie tauschen.

Was macht für dich Fempowerment heute aus?           
Ich finde auf den Regieberuf bezogen: Den sogenannten “weiblichen Führungsstil”, als alternative Taktik zu begreifen, nicht mehr zuzulassen dass kollektiveres Arbeiten als Schwäche ausgelegt wird.
Diese klassischen Aufteilungen, was guter Regiestil ist, was schwach ist, aufzubrechen. Das sind alles so patriarchal geprägte Bilder, zb das Künstlergenie- ein furchtbar altmodisches faules Bild, dem noch so viele grade auch junge KünstlerInnen entsprechen wollen. Wir können uns doch neue Bilder schaffen. Der Begriff Solidarität ist im Stadtheater auch noch sehr unterbelichtet.

Who run the world am Theater Rampe, Foto: Alexander Wunsch

Wenn die Frauenquote etwas bewirkt dann…
ein Bewusstsein dafür wie ungerecht die Verteilung zuvor war. Sobald eine gleiche Verteilung als selbstverständlich angesehen wird, braucht man auch keine Quote mehr.

Was können wir Frauen tun, damit sich die Wahrnehmung auf unser Geschlecht am Arbeitsmarkt ändert?   
Die Verantwortung auch in Führungspositionen nicht scheuen, auch wenn es bedeutet sich mit vielen unangenehmen Personen herumschlagen zu müssen.

Beschreibe Dich in drei Worten:
Ich bin ich

Was liest Du derzeit?
Enis Macis Essays “Eiscafé Europa“

Hast Du ein Lieblingsstück oder eins, das Du unbedingt mal machen möchtest?
“Paradies Fluten” und “Paradies Spielen” von Thomas Köck finde ich sehr toll, “The soldiers” von Sivan Ben Yishai, “Princess Hamlet” von Emmy Karhu, uvm.

Foto: Felix Grünschloss

#kulturblogging: SOPHIA, DER TOD UND ICH

Heute stelle ich Euch ein ganz besonderes Projekt vor. Denn morgen Abend werde ich Zeugin einer neuen Art Theater zu machen, kreative Prozesse zu gestalten und aus alten Formen des Theatersystems auszubrechen.

Die nächste Premiere am Staatstheater Mainz ist mal anders entstanden. Drei Schauspieler*innen des Mainzer Ensembles; Anika Baumann, Henner Momann und Julian von Hansemann, entwickelten gemeinsam mit dem Dramaturgen Boris C. Motzki und der Regieassistentin Weronika Bielesza eine eigene Fassung zu Thees Uhlmans Roman Sophia, der Tod und ich. Vor knapp acht Wochen begannen sie mit den Proben. Selbstständig, mit eigenem Konzept und Plan, in der Funktion der Spieler*innen UND des Regieteams.

Anika Baumann, Julian von Hansemann, Henner Momann

Sophia, der Tod und ich
nach dem Roman von Thees Uhlmann (2015)
Filiale (gegenüber des Großen Hauses)
Online Tickets

TERMINE:
5.04.2019 → Premiere (ausverkauft!), 15.04.2019, 17.04.2019, 23.04.2019, 25.04.2019, 15.05.2019

„Ein gutes Leben für 48 Stunden eingetauscht gegen ein Dümpeln in Tagen voller bizarr-gleichgültiger Wiederholungen.“

Thees Uhlmann, Sophia, der Tod und ich
Julian von Hansemann, Henner Momann, Anika Baumann

Inszenierung, Fassung und Ausstattung:
Anika Baumann, Henner Momann und Julian von Hansemann
Video: Lars Kaempf
Licht: Carolin Seel
Dramaturgie: Boris C. Motzki
Sophia: Anika Baumann
Er: Henner Momann
Tod: Julian von Hansemann

Teaser zu Sophia, der Tod und ich

Anarchie im Theater? Ist Theater Anarchie?
Nö. Auch am Theater gibt es altbewährte Ordnungen, wie Endproben, Hierarchien und zeitliche Vorgaben, die eingehalten werden müssen. Dazu gehören Teams, Professionen und Zuständigkeiten. Dabei geht es nicht um Eitelkeiten (jedenfalls nicht immer), sondern um Ressourcen und vor allem darum, dass am Ende jemand bereit ist für etwas einzustehen, mit Konsequenzen leben zu können und sich dessen zu Beginn bewusst zu sein.

Und doch scheint hier das Experiment ein Spannendes. Drei Schauspieler*innen wechseln die Seiten, springen hin und her und müssen vor allem diesmal anders kritisch mit sich und ihren Kollegen*innen umgehen. Mutig und innovativ, wie ich finde.

Wie fühlt sich das an? Nur gut und berauschend, endlich mal alles allein entscheiden zu können, wie Licht, Kostüme und Gesten auszusehen haben? All das frage ich morgen- also dranbleiben 😉

Julian von Hansemann, Henner Momann, Anika Baumann

Anarchie wird auch mit einem durch die Abwesenheit von Staat und institutioneller Gewalt bedingten Zustand gesellschaftlicher Unordnung, Gewaltherrschaft und Gesetzlosigkeit angenommen und vor allem in vielen Medien häufig den eigentlichen Sinn verfälschend im Schlagwort „Chaos und Anarchie“ verwendet.

Wikipedia

Zum Stück: Eine Romanadaption

Bier, Sofa, Fußball – ein durchschnittliches Leben. Plötzlich allerdings steht der Tod persönlich vor der Tür und eröffnet, dass dieses Leben in drei Minuten vorbei sei. So weit, so vorhersehbar. Nicht vorhersehbar und noch viel weniger vorgesehen war allerdings, dass genau in diesem Moment die Exfreundin Sofia an die Tür klopft. Ein Fehler im betrieblichen Ablauf. Von nun an schicksalhaft aneinander gekettet, beginnt für den Mann, Sofia und den Tod eine spektakuläre Reise durch das Leben. Vorbei an Kneipen, Motels und besonderen Menschen führt sie ihr witziger und anrührender Roadtrip immer weiter zurück in das bisher Gelebte und immer näher an die Frage: Is it better to burn out than to fade away?
Die drei Mitglieder des Schauspielensembles des Staatstheater Mainz Anika Baumann, Julian von Hansemann und Henner Momann werden den Debütroman des Tomte-Sängers Thees Uhlmann in einer eigenen Theaterfassung auf die Bühne bringen. Quelle: Staatstheater Mainz

Muße und Wohlleben sind unerlässliche Voraussetzungen aller Kultur.

Max Frisch
Henner Momann, Anika Baumann, Julian von Hansemann

Fotos: Andreas Etter/ Staatstheater Mainz

FemFriday mit Projekt Schooriil

Heute gibts die die volle Ladung #fempowerment.
Die Schauspielerinnen Anne Haug und Melanie Schmidli haben meine Fragen beantwortet.
Ich freue mich riesig, die beiden von PROJEKT SCHOORIIL für den FemFriday gewinnen zu können, da sie mit Charme und Witz dem Feminismus eine Stimme geben. Ganz nach meinem Geschmack.

Seit 2013 produzieren ANNE HAUG und MELANIE SCHMIDLI in den Sophiensælen die satirisch-feministische Late-Night-Show PROJEKT SCHOORIIL – eine Serie, deren Folgen jeweils unter Hochdruck und in wenigen Tagen entwickelt werden. Auf diese Weise entstanden bisher sechzehn Abende, in denen sich das Duo mit den herrschenden Mythen der Schauspielprofession und den reglementierenden Bedingungen der Branche auseinandersetzte. Wie zum Beispiel die permanente Sexualisierung von Schauspielerinnen, die diskriminierenden Geschlechterverhältnisse, die patriarchalen, heterozentristischen Arbeitsstrukturen und das unendlich verkümmerte weibliche Rollenspektrum.

Wie kamt ihr zu eurem gemeinsamen Projekt “Projekt Schooriil”?

Melanie: Wir wollten beide ein eigenes künstlerisches Produkt ohne Kompromisse kreieren. “Projekt Schooriil” begann als satirisch-feministische Auseinandersetzung mit Demobändern und damit den Verkaufsmechanismen der Schauspiel-Branche.

Anne: Innerhalb der sechs Jahre entwickelte sich unser Format zu einer        künstlerischen Selbstermächtigung über die Bilder und Strukturen, denen wir als Schauspielerinnen und Frauen ausgesetzt sind.

Empfindet ihr eine Ungleichgewicht am Theater was die Geschlechterbesetzung angeht?

Melanie: Ein frappantes. Aus diesem Grund gibt es unsere Show und wird es sie wahrscheinlich noch länger geben.

Sind Frauen die besseren Künstler*innen?

Melanie: Schwer zu beantworten, sie durften es ja noch nie in der Masse beweisen.

Anne: Darum geht es auch nicht. Es geht darum den Künstler-Begriff, der sehr männlich-weiß-heterosexuell konnotiert ist, anders und divers zu besetzen. Ihn zu einem Künstler*innen-Begriff zu machen.

Was macht für Euch Fempowerment heute aus?

Melanie: Feministisches Denken und Handeln.
Anne: Und in unserem Fall die künstlerische Umsetzung davon.

Was würdet ihr in eurer Branche gern sofort ändern?

Melanie: Den Gender Pay Gap, also das ungerechte Lohngefälle zwischen Männern und Frauen. Danach sofort überall in allen Bereichen Quoten einführen.

In welchen Momenten eures Jobs wärt ihr lieber ein Mann?

Anne: Nie. Ich möchte, dass sich die Strukturen und Sehgewohnheiten ändern, damit ich die gleichen Chancen und Möglichkeiten habe und eine Frage wie diese nicht mehr gestellt werden muss.

Wenn die Frauenquote etwas bewirkt dann… bitte beendet diesen Satz!

Anne: Die Frauenquote würde so viel auf so vielen Ebenen bewirken, dass dafür ein Satz nicht reicht.

Ein paar Worte zur #metto-Debatte, die ihr schon längst mal gesagt haben wolltet?

Melanie: Dafür empfehlen wir unsere kommende Show “Klimawandel 2.0” in der wir sehr explizit und unterhaltsam unsere Haltung zur aktuellen Glied-Krise, bzw. Krise des weißen heterosexuellen Mannes, kundtun.

Beschreibt Euch in drei Worten:

Melanie: Sehr sehr witzig.

Anne: Sehr sehr schlau.

Wie wichtig ist Humor auf eurem Weg, Ziele zu erreichen? Beruflich wie privat?

Melanie: Humor ist die Basis-Strategie, um den Beruf zu meistern, er ist essentiell. Im besten Falle trifft man auf so auf Leute, die den gleichen Humor haben. Dann lösen sich im allerbesten Falle auch Ziele dadurch ein.

Anne: Diesen Beruf ohne Humor zu machen, wäre sehr traurig.

Wer mehr über die beiden und PROJEKT SCHOORIIL erfahren möchte, schaut auf Instagram, Facebook und hier vorbei.

Foto: Merav Maroody

Digitalisierung vs. Digitalität? Is das alles eins? Ist das meins?

Am #digitaldienstag gehe ich der Frage WIE DIGITAL IST DIE KUNST? nach.

Und täglich grüßt das Murmeltier. Oder Bill Murray. Oder Ulrich Tukur. 

Oder meine tägliche Frage nach der Aktualität des Theaters. 
Schaffen wir uns als Kunstform nicht ganz erfolgreich selbst ab und das schon lange? Und auch wenn der Leidensweg ein langer und die Hoffnung ja zuletzt stirbt, ist es umso wichtiger sich umzuschauen. Was passiert um uns herum. Was passiert außerhalb der Theatersäle und Probenräume? 

Die Welt verändert sich und ja natürlich greifen theatrale Stoffe den Zeitgeist auf und ja wir brauchen für die Rezeption Zeit und ja schon das Wort Rezeption braucht Zeit.

Ich will aber im Jetzt sein, will jetzt leben, will jetzt Theatermachen. 

Und doch stehe ich immer wieder vor der Frage, wie viel Digitalisierung tut uns gut? Nicht nur dem Menschen, unserem Alltag, in diesem Fall der Kunst? 
Ein Instagramkonto und ein Smartphone machen die Kunst noch nicht digital. 
Weil ich eine Facebook-Ad schalte, bin ich schon lange nicht mehr fortschrittlich. 
Ja, ich kommuniziere als Künstlerin digital über diverse Kanäle, aber nur, weil ich Slack und Tinder und die App des Tages benutze, heißt das nicht, dass ich die damit die Kunst digitalisiere.
Digitalität und der Prozess der Digitalisierung sind zwei verschiedene paar Schuhe und eine Instagramstory ist erstmal nur eine Online-Marketing-Maßnahme.

Theatrale Phänomene wie Livekameras gehören schon fast zum Theateralltag wie ein Wahlabo. Und doch werden hier die Möglichkeiten durch die Digitalisierung immer größer, weiter, besser und vor allem schneller.

Mit dem richtigen Budget braucht die Livecam kein Kabel mehr und eine Glasfaserleitung ermöglicht eine einszueins-Übertragung über große Entfernungen.

 

Bestpractice: Die Parallelwelt

Die zwei siebenköpfigen Schauspielensembles auf den Bühnen im Berliner Ensemble und im Schauspiel Dortmund spielen zeitgleich miteinander Theater. Sie sind, wie das Publikum, zugleich voneinander getrennt und doch sicht- und hörbar miteinander verbunden, in Echtzeit: durch ein Glasfaserkabel, das Bilder und Töne in Lichtgeschwindigkeit über 420,62 Kilometer Luftlinie zwischen Dortmund und Berlin hin- und hertransportiert.
Quelle: Berliner Ensemble

So sieht Innovation aus. In Dortmund macht Kay Voges eine Variante vor. Digitalität im Bühnenraum. Eine Glasfaserleitung, ein Stück, zwei Theater, zwei Ensembles. Großartig und wirklich spannend. Wegweisend. Und wichtig.

Und doch konnte ich nicht umhin mich zu fragen, was ist zu viel und was gerade genug? Entzaubern wir damit den ursprünglichen Moment des Theaters, in dem wir in die Sphären der digitalen Räume eintauchen? Ist eine VR-Brille eine neue 3D-Brille und wir erleben die Bühnenstoffe dadurch erweitert?

 

Virtuell Reality und die Cyberräuber

Die Cyberräuber, ein Künstlerkollektiv, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Bühnenstoffe und deren Protagonisten zu digitalisieren, entführen uns mithilfe von VR-Brillen und Livecams in die sogenannten Experiences, die wir im Rahmen eines Bühnenstoffes erleben können. 

 

„Das Theater der virtuellen Realität bringt Theater in die VR und VR ins Theater. Warum?

„Wir lieben das Theater und wir glauben an VR als Erzählmedium: Wenn VR funktionieren soll, braucht sie Interaktivität, das Gefühl von Präsenz, Fokussierung auf Handlung und Personen. Und sie braucht starke Geschichten.
Theater kann das alles schon, seit Tausenden von Jahren und in allen menschlichen Kulturen. VR braucht das Theater.

Wir glauben an VR als Erzählmedium und lieben das Theater: Gutes Theater ist wunderbar. Aber die Zeiten des Theaters als bürgerliches Leitmedium sind vorbei. VR ist Zukunftstechnologie und ein Weg, viele Menschen unmittelbar zu erreichen. Und so: gutes Theater vielen zugänglich zu machen, unabhängig von Ort und Zeit. Außerdem sind in VR der Kreativität für Bühnen und Szenarien kaum Grenzen gesetzt. Theater braucht VR.“ Quelle: Cyberräuber

 

Astrid Kahmke vom bayrischen Filmzentrum München widerspricht.

Sie sagt, die Virtuell Reality ist keine Erweiterung des Bühnenraums oder des Kinofilms. Sie nennt sie eine eigene und noch neu zu gestaltende Kunstform, die noch in den Kinderschuhen steckt.

Und doch bietet es sich an, die ursprünglichen Sehgewohnheiten, vor allem aber die Geschichten, die im Theater jeden Tag und schon immer erzählt werden, zu nutzen und daraus das Zeitalter der Digitalisierung zu bespielen und zu gestalten.

Digitalisierung gestalten und mit entscheiden. Entscheiden wie weit wir gehen wollen, ohne uns abhängen zu lassen. Wie viel geben wir preis? Welche Stoffe sind geeignet und wie viel geben wir vom „alten System“ auf um ein neues, zukunftsweisendes zu entwickeln. 

Wollen wir statt Spielern Hologramme auf der Bühne sehen? Bleibt ein Bühnenraum der übliche Guckkasten? Ist die Verbreitung von Kunst über Streamingdienste ein Verrat am Livemoment des Theaters oder vielleicht die Lösung unseres ewigen Relevanzproblems? 

 

Fortschritt bezeichnet eine – zumeist im positiven Sinne verstandene – Änderung eines Zustandes. Gegenbegriffe sind Rückschritt und Stillstand. Fortschritt und Innovation begünstigen einander. (Google)

Und wie die Digitalisierung erst nicht vor zwei Wochen begann und immer mehr in unser Leben tritt, so müssen wir nicht morgen Lösungen, Rezepte und Systeme parat haben. Umso wichtiger ist es, miteinander zu sprechen, Experimente zu wagen, Fragen zu stellen und Formate zu entwickeln.

 

Ich bleibe dran! #wiedigitalistdiekunst

 

Fotos: Schauspiel Dortmund, Theater an der Parkaue Berlin, Pixabay

Sina Martens, wie digital ist die Kunst?

Heute geht es mal wieder um die Frage wie digital ist die Kunst, vielmehr das Theater?


Dafür bin ich nach Dortmund gedüst und habe mir Die Parallelwelt vom Regisseur und Intendant Kay Voges angeschaut. Als erstes deutschsprachiges Theater versucht der Regisseur das Theater durch digitale Möglichkeiten zu erweitern und zu bereichern.

Die zwei siebenköpfigen Schauspielensembles auf den Bühnen im Berliner Ensemble und im Schauspiel Dortmund spielen zeitgleich miteinander Theater. Sie sind, wie das Publikum, zugleich voneinander getrennt und doch sicht- und hörbar miteinander verbunden, in Echtzeit: durch ein Glasfaserkabel, das Bilder und Töne in Lichtgeschwindigkeit über 420,62 Kilometer Luftlinie zwischen Dortmund und Berlin hin- und hertransportiert.
Quelle: Berliner Ensemble

Nachtkritik schreibt:
„Was aber bedeutet Vernetzung, Digitalisierung und Quantenphysik für das Theater, das immer noch als Ort gilt, in dem Menschen Raum und Zeit miteinander teilen? Lässt sich dieser Raum mit Hilfe digitaler Medien erweitern, in eine andere Stadt, ein anderes Theater zum Beispiel? Wie kann man erzählen, wenn die Kontinuität von Raum und Zeit aufgehoben ist?“

Das Erlebnis war einmalig. Genauer gesagt, ist es zweimalig, denn es lief ja gleichzeitig in Berlin 😉 Und hat meine Neugierde nach Beschäftigung mit der Digitalität im Theaterraum verstärkt und bestätigt.
Dass zwei Ensembles an zwei Theatern chorisch einen Text sprechen, tatsächliche Spielpartner sein können und wir den Livestream als Erweiterung des Raumes, den wir physisch erleben, empfinden, ist mehr, als ich im Vorfeld erhofft hatte. Außerdem bewundere ich den Mut, den das Team hat, sich diesen auch unangenehmen Fragen seitens des Publikums aber auch der Kollegen zu stellen. Da geht es um Verrat am Medium Theater, da kommen Vorwürfe der Kommerzialisierung oder schlicht das Anprangern einer Mode, die sich für die Bretter, die die Welt bedeuten, nicht einlösen wird.

Wie aber fühlt sich so ein Theaterabend aus der Sicht eines der Darsteller an?

Deshalb habe ich die Schauspielerin SINA MARTENS vom Berliner Ensemble befragt:

Wie lange bist Du schon Schauspielerin?

Ein knappes Jahrzehnt.

Was fasziniert Dich an diesem Beruf am meisten?

Die Aufgabe als Schauspielerin, sich als eine Art Stellvertreterin der Zuschauer zu verstehen, die in den geschützten Räumen Film und Theater Dinge ausloten kann, die im Realen – manchmal zum Glück – nicht ausgelebt werden können. Und auch sich immer wieder neuen Themen und Menschen zu stellen, begleitet von der Suche nach der Darstellung von Welten und Figuren. Im besten Fall finde und entdecke ich etwas, sonst suche ich weiter.

Was bedeutet für Dich Digitalisierung?

Ich persönlich bin eine große Freundin des Analogen. Ich mag es Briefe zu schreiben, Platten zu hören, haptische Bücher zu lesen oder im Theater Schauspielern zuzusehen – ohne Mikrofon! Die Digitalisierung ist dennoch ein wesentlicher Bestandteil des 21. Jahrhunderts und der heutigen Gesellschaft. In allererster Linie ist sie eine Summe von Technologien und ich finde, ich sollte ihr nicht ohnmächtig gegenüber stehen, nach dem Motto „jetzt ist sie da“, sondern mir die Frage stellen, wie ich sie am besten einsetzen kann für eine nachhaltige Welt. Das kann eine Chance sein in vielen Bereichen, ohne das Analoge aufzugeben.

Als eine der Protagonisten in der Parallelwelt hast Du eine Doppelgängerin in Dortmund. Wie war das für Dich?

Das war und ist eine sehr besondere Erfahrung. Die eigenen Sätze aus dem Mund einer anderen zu hören, gleiche Bewegungen zu vollziehen. Und plötzlich denke ich völlig neu über das Wort Individualismus nach. Hannah Arendt schreibt in einem Ihrer Bücher über die Erfahrung, als ihr bewusst wurde, dass sie nicht ihre Einzigartigkeit betonen muss, sondern sich ihre eigene Persönlichkeit nur entwickeln kann, wenn sie sich öffnet, sich aussetzt, mit anderen in einer gemeinsamen Welt: „Ich möchte ein Mensch unter Menschen werden.Das, was unser Ich ausmacht, schaut uns sozusagen über die Schulter. Wir können es selbst nicht sehen, wohl aber unser Gegenüber, das uns wie ein Spiegel hilft, uns zu erkennen. Und das gilt auch umgekehrt, so dass sich ein Zwischenraum bildet, ein Raum des Gesprächs, des gemeinsamen Handelns, ein Raum, in dem wir uns gegenseitig erfahren. Unser Menschsein, unsere Identität, lässt sich nicht im abgeschlossenen Raum des eigenen Ichs finden, sondern entwickelt sich erst in der Begegnung mit anderen Menschen. Das Fremde, das mir in anderen Menschen begegnet, ist somit keine Bedrohung, sondern die Chance, mich zu erweitern, einen gefährlichen Egoismus zu überwinden.“

Wie hast Du reagiert als Du vom Konzept der Parallelwelt erfahren hast?

Mit gleichzeitiger Neugierde und Skepsis. Ein solches Konzept ist mir bekannt aus Science Fiction Filmen. Aber dass es für die Theaterbühne funktionieren kann, hat mich doch überrascht.

Was gefällt Dir am Umgang von Kay Voges mit den digitalen Möglichkeiten in seiner Inszenierung?

Kay Voges ist ein sehr offener, begeisterungsfähiger Mensch, der an das Theater glaubt und dafür brennt. Es ist großartig, wie er sich zusammen mit seinem Team den Möglichkeiten des Digitalen im Theater stellt. Er sucht nach einer Verbindung zwischen dem zweidimensionalen Raum und dem Live Erlebnis des Theaters und im Grunde sogar nach einem mehrdimensionalen Raum. Das finde ich in der Parallelwelt sehr gelungen.

Wieviel Digitalität verträgt ein Theaterstoff?

Das kann ich nicht pauschal beantworten. Das hängt von sehr vielen Faktoren wie Inhalt, Stück, Bühne, Regie, Bühnenbild, Kostüm, etc. aber vor allem der Geschichte, die wir erzählen wollen, ab.

Wo siehst Du Gefahren für das Medium Theater?

Ich sehe durchaus die Gefahr, dass das reine Spiel verschwindet und die Zuschauer eine leere Bühne nicht mehr ertragen können, weil sich die Sehgewohnheiten derart ändern.

Wie digital bist Du?

Ich besitze ein Smartphone und kann mit diesem durchaus Handy Tickets buchen. Beim Einfügen von Gifs in Insta Stories brauche ich aber Hilfe. Und ich muss mich darin andauernd redaktionell denken. Das finde ich anstrengend und anregend zugleich.

Was stört Dich am Zeitalter der Digitalisierung und worauf könntest Du gern verzichten?

Im Kleinen: Smartphones auf dem Tisch beim Abendessen und im Großen: Das jeder sich für einen Händler hält, der „die Wahl“ der Ware hat. Dabei sind wir alle darin nur die Ware.

Sina Martens
Sina Martens studiert Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater ‘Felix Mendelssohn Bartholdy’ in Leipzig. Bereits während des Studiums kommt es zu Zusammenarbeiten mit Regisseuren, die das Gegenwartstheater im Wesentlichen beeinflussen, darunter Armin Petras, Hans-Werner Kroesinger, Rainald Grebe, Sebastian Hartmann und Ulrich Rasche. Bevor Oliver Reese auf die Schauspielerin aufmerksam wird und sie ans Schauspiel Frankfurt, und dem folgend ans Berliner Ensemble engagiert, wo sie Hauptrollen in den Inszenierungen von Bernadette Sonnenbichler, Frank Castorf und Michael Thalheimer übernimmt. Sie wird mehrfach für ihre besondere und herausragende schauspielerische Leistung gewürdigt, unter anderem mit dem Förderpreis des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, dem Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes sowie dem des Internationalen Forums des Berliner Theatertreffen, und von der Fachzeitschrift ‘Theater heute’ zur Nachwuchsschauspielerin des Jahres gewählt. Sina Martens arbeitet im Film und Theater sehr detailliert und mit einer hohen Präzision ihrer schauspielerischen Mittel. Dabei erfasst sie feingliedrig und sensibel die Unmittelbarkeit und das Fremde eines Menschen. Regisseure und Regisseurinnen schätzen die Glaubwürdigkeit ihres Spiels, das auch die Mehrdeutigkeit eines Menschen sowie seiner Geheimnisse zulässt.

Die Parallelwelt wird noch gespielt. Hier sind die Termine für Dortmund und Berlin.
Unbedingt hingehen und angucken- es ist ein bilderstürmerisches Theatererlebnis, das den Blick auf das Theatergeschehen nachhaltig verändert.

Danke an Sina Martens, an Jozo Juric und Kay Voges.

Foto: René Fietzek

FemFriday mit Vea Kaiser

Im heutigen FemFriday hab ich nen echten #girlcrush. Die österreichische Autorin Vea Kaiser hat meine Fragen beantwortet.
Ich lese gerade das zweite Buch von ihr- ihren Bestseller Makarionissi,oder die Insel der Seligen kann euch aber ihr erstes Buch Blasmusikpopp oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam ebenfalls wärmstens empfehlen.

Nächste Woche, am 7. März 2019 erscheint Veas nächstes Buch Rückwärtswalzer oder Die Manen der Familie Prischinger im Kiwi Verlag.

Vea Kaiser ist 1988 in St. Pölten (Österreich) geboren, sie veröffentlichte 2012 ihren ersten Roman Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam, der Platz 1 der ORF-Bestenliste erreichte und 2013 als bestes deutschsprachiges Debüt am internationalen Festival du Premier Roman in Frankreich ausgezeichnet wurde.
2014 wurde ihr erstes Theaterstück Die Argonauten am Rabenhoftheater Wien uraufgeführt, sie war Writer in Residence an der Bowling Green State University und wurde von den österreichischen Leserinnen und Lesern zur Autorin des Jahres gewählt.
2015 erschien ihr zweiter Roman Makarionissi oder die Insel der Seligen, der auf Anhieb in die Bestsellerlisten einstieg.
Wenn sie nicht gerade auf Lesereise durch Europa tourt, studiert Vea Kaiser Altgriechisch in Wien und schreibt samstäglich über ihre Fabelhafte Welt voller tauber Hunde, abenteuerlicher Rezepte, Antike, Fußball, Highheels, Segeln, Kochen, Wahrsagen, einer großen lauten wilden Familie und dem Zauber der Literatur in der Kurier-Freizeit.

Wie kamst Du zum Beruf Schriftstellerin?

Kurz nach der Publikation meines ersten Romans bekam ich einen Brief von der Statistik Austria. Die werteten meine Steuerdaten aus und teilten mir mit, dass ich von nun an unter der Rubrik „Schriftsteller“ erfasst würde, nicht mehr unter „Studentin“. So unromantisch war mein Übergang vom Schreiben als Berufung zum Schreiben als Beruf.

An welchen Moment in deiner Karriere erinnerst Du dich besonders gut?

Als ich in der Talkshow von Markus Lanz saß und mich fragte, ob das jetzt wirklich alles echt ist.

Hast Du in deiner Branche ein Vorbild und wenn ja, wer ist das?

Isabel Allende.

Was macht Fempowerment für Dich heute aus?

Das Leben mit demjenigen Lebensentwurf leben können, den man möchte, sich jeden Tag mit gutem Gewissen in den Spiegel schauen können, mit anderen Frauen verschwestert und verschworen anstatt verfeindet zu sein – und all das als Selbstverständlichkeit, ohne sich groß über Fempowerment Gedanken machen zu müssen.

In welchen Momenten Deines Jobs wärst Du lieber ein Mann?

Zu jeder Meisterschaft der Autorenfußballmannschaft, wenn die Autoren verschiedener Länder gegeneinander Fußball spielen, gemeinsame Lesungen abhalten und Unmengen an Bier trinken.

Wenn die Frauenquote etwas bewirkt, dann…

… dass Frauen nicht an ihren echten Fähigkeiten/Leistungen gemessen werden und die Welt im Allgemeinen noch etwas ungerechter wird.

Was können wir Frauen tun, damit sich die Wahrnehmung auf unser Geschlecht am Arbeitsmarkt ändert?

Einander unterstützen anstatt vermeintliche Konkurrentinnen zu  bekämpfen. Mehr Selbstbewusstsein anstatt Unsicherheit an den Tag legen. Auf die eigene Leistung vertrauen und sich weder verstecken noch klein machen. Den eigenen Wert kennen und im Zweifelsfall mehr verlangen. Stolz entwickeln, Leben in diese Welt setzen zu können, anstatt sich dafür zu entschuldigen, eventuell nicht alles unter einen Hut zu bringen. Überhaupt: Schluss mit Entschuldigungen und Ausreden. Vor anderen genau so wie vor sich selbst.

Was würdest Du jungen Kolleginnen auf ihrem Karriereweg mitgeben?

Dass Schreiben kein Beruf ist, sondern eine Berufung, und nur in seltenen glücklichen Fällen etwas, wovon man leben kann.
Und dass keine Notwendigkeit besteht, sich klein zu machen, die eigene Weiblichkeit zu leugnen, sich zu entschuldigen oder anzubiedern. Dass abseits dessen allerdings zwei Worte zu jedem Wortschatz gehören sollten, auch zu demjenigen genialer Literatinnen: Danke und Bitte.

Beschreibe Dich in drei Worten:

Groß, nerdig, herzerfrischend.

Hast Du ein absolutes Lieblingsbuch, wenn ja, welches ist das?

Jeffrey Eugenides – Middlesex.

Dein Lieblingszitat?

Non omnis moriar multaque pars mei vitabit Libitinam. (Horaz, Oden III 30)

Was liest Du derzeit?

Ich lese immer mehrere Bücher parallel. Derzeit: Aischylos – Perser auf Altgriechisch, weil ich mit meinem Professor einen Disput über die dort beschriebene Totenbeschwörung des Dareios hatte.
Houllebecq – Serotonin, weil ich selbst eine Meinung zu den Dingen haben möchte, die im Literaturbetrieb diskutiert werden.
Vor dem Schlafengehen lese ich meinem Mann zurzeit Daphnis und Chloe vor, einen antiken Liebesroman von Longos.
Zum Vergnügen lese ich aktuell Krimis, momentan Veit Heinichen. Daneben regelmäßig Spiegel, ZEIT und Datum, weil ich die abonniert habe und nicht wegschmeißen kann, ohne sie durchgearbeitet zu haben.

Wer mehr über Vea erfahren möchte, findet sie auf Facebook und Instagram. Außerdem schreibt sie auf ihrer Homepage einen Blog, der sehr lesenswert ist.
Sie startet bald ihre Lesetour und kommt natürlich auch nach Deutschland. Die Termine findet ihr hier: http://www.veakaiser.de/termine/

Fotos: (c) Daniel Biskup

FemFriday mit Sophie Auster

Heute beantwortet die amerikanische Sängerin Sophie Auster meine Fragen (zum ersten Mal in der Geschichte des FemFridays) auf Englisch.


Sophie Auster wird 1987 als Tochter von Siri Hustvedt und Paul Auster geboren in Brooklyn. Schon mit acht Jahren startet sie ihre Musikausbildung. Es folgen erste kleine Filmrollen.
2006 bringt sie ihr erstes Soloalbum heraus.
Heute erscheint ihre nächste Single Rising Sun aus dem Album Next time.

Hier kommen wir zu den #femfriday-Fragen an Sophie Auster:

How did you become a vocalist?

When I was eight years old I was in my school choir. I loved to sing and I sang loudly above the other children. One day my young and very sweet music teacher went row by row listening to our pitch. She stopped in front of me, hands cupped around her ears, and then pulled me up in front of the class. She then asked me to sing the song on my own. I remember beads of sweat running down my neck as I started to sing. After a long pause, she proudly proclaimed that I would be the choir soloist. Emboldened by this anointment, I began music lessons after school, getting over my stage fright and learning how to sing and  in front of an audience. I was hooked. Every fledging artist needs someone to tell them they are good enough and my third grade teacher did that for me. I thank her for encouraging me and leading me on my path to music. I’ve been singing ever since. 

What moment in your career do you remember particularly well?

 Before I completed my new album, Next Time, (due out April 12th) I recorded a completely different album about three years ago. I was in a hurry to start a new project and hungry to get into the studio. I started work with a producer in New York and recorded twelve songs. We worked very fast, and as we headed towards the middle of the project, I pulled out. I realized, that not only had I rushed the process, but I was unhappy with my songs. I didn’t feel they were strong enough and I didn’t like the direction of the production. It was a big decision to throw away all that work, time, and money. But, I knew that I had to feel 100 percent about the strength of the work. Otherwise I would be very unhappy. Two songs made it onto Next Time with totally different production, but the rest of the songs are in the vault. It was a really important lesson to learn what I didn’t want in order to lead me to what I did. 

Do you have a role model?

My Mother 

What means Fempowerment for you?

Fempowerment for me means embracing who you are and not apologizing for it. 

In which moments of your job would you rather be a man?

Most times I think it would be easier to be a man. You have to be twice as strong in any business when you are a women. But, I think when I’d really appreciate a penis is when I’ve been patronized in meetings because I’m a young woman. It really gets me going! 

What can we women do to change the perception of our gender in jobmarket?

Misogyny is not solely restricted to men. A lot of women are infected by masculine culture and fall into the same anti-woman rhetoric as some men. We are, no doubt, stronger together. If women, and transgender women of all colors, nationalities, could learn to support one another, band together, and fight I think we’d have a much better shot of changing the landscape of how we are treated in the job market. But it needs to be a united front. Only then can change come.  

What would you give young colleagues to take with them on their career?

Learn how to be self-sufficient. No one is forcing you to be an artist and no one cares as much as you do. Learn all aspects of your art and also learn the business. No one tells young fledging artists that you also have to be agent, promoter, manager, and booker all in one. This is what all young artists need to know. You have to push really hard before help comes. 

How important was it for you and your independence to have a working mother who is successful in her job?

I was very lucky to grow up with, not only a good mother, but a superhero mother. When I look back on all the countless hours she spent reading to me, helping me with my homework, and braiding my hair, while also furiously writing her beautiful books, I am awe struck. Her mind, kindness, and talent is an inspiration to me constantly. 

Describe yourself in three words.

Goofy, sensitive, tough. 

Do you have an absolute favorite song, if so, which is it?

So hard! How about my favorite song right now? I think I would say, “If you want me to stay” by Sly and The Family Stone.  

What do you currently read?

I just finished Sanctuary by Faulkner yesterday.

One sentence about #metoo?

I think the #metoo movement has finally given a voice to victims of sexual harassment, both male and female. It is essential that we recognize abuses of power and give victims a voice and platform. #timesup

Hier seht ihr eine der Singleauskopplungen Dance with me

Music Video directed by Spencer Ostrander & Ted King

Im Frühjahr kommt Sophie auf Deutschlandtour. Ihr könnt sie am 5.5. im Strom in München, am 8.5. im Privatclub Berlin oder am 9.5. im Club Bahnhof Ehrenfeld/Köln live erleben. Tickets gibts hier.

Ihr Album Next Time wird am 12. April 2019 komplett veröffentlicht.
Wer mehr über Sophie erfahren möchte, der findet sie auf:
sophieaustermusic.com
https://twitter.com/SophieHAuster
http://instagram.com/sophieauster

Fotos: Spencer Ostrander


Hier könnt ihr das Album Next Time vorbestellen:
 http://smarturl.it/SophieAusterNextTime

FemFriday 4.0

Von Assistentinnen, der Erfolgsgeschichte Mensch und dem Wunsch nach Fempowerment 4.0

Vor knapp sieben Millionen Jahren begann die Erfolgsgeschichte des Menschen.
Wie alles genau begann, ist Glaubensfrage und woran man glauben mag, kann jeder von uns für sich entscheiden. Ob biblisch im Garten Eden, als Gott noch übte, als sie den Mann erschuf oder ob man lieber an einen Beginn im heutigen Afrika glaubt, wie die Männer, schmächtige Wesen mit affenartigen Gesichtern, gemeinsam und vollkommen gleichberechtigt mit ihren Frauen zur Jagd loszogen um sich und die Nachkommen zu ernähren.

Ob Darwin oder doch der christliche Glaube, Fakt ist, dass wir uns seitdem stetig weiter entwickeln. Wir schreiben, fahren Auto, recyclen, werden digital und vor allem werden wir gleichberechtigt.
Der Prozess ist nicht aufzuhalten. Wenn Formate wie Edition F, der Equalpayday oder der Womansmarch entstehen, bin ich positiv optimistisch, was die Zukunft meiner Enkelinnen angeht.
Und auch wenn Teile meiner Generation, geboren Anfang/Mitte der 80er Jahre, sich zwischenzeitlich auf die alten Spießer-Werte wie Reihenhaus/drei Kinder/Hund beriefen, so sind die meisten dieser Ehen, ob gleichgeschlechtlich oder stinknormal, im besten Sinne emanzipiert und versuchen sich wenigstens mit Händen und Ringen an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und dem Familienbild 4.0.
Ich persönlich halte das für einen urbanen Mythos, den der KIKA-Kanal und die Brigitte erfunden haben, aber das ist ein anderes Thema und verdient einen ausführlichen Beitrag am #mamamittwoch.

Tod den Emanzen!

Und doch bin ich heute einem weiteren Mythos auf der Spur. Ein Kriminalfall besser gesagt. Denn es geht um einen Mord. Mord an der Emanzipation. Denn sie wird hier nicht beendet oder unterbrochen, sie wird gekillt. Gemeuchelt, barbarisch – Blut spritzt. Sie wird gewürgt bis ihr die Puste ausgeht.

Der Täter ist hier schnell ermittelt. Eine Mediengruppe (Name erwähne ich nicht) lädt verschiedene Unternehmen und öffentliche Institutionen zum Assistentinnen-Tag 4.0 ein. Dieser steht unter dem Motto Assistenz 4.0.
Eingeladen und angesprochen sind nur Frauen. Junge Frauen, Sekretärinnen (ich dachte das Wort benutzt Frau nicht mehr). Assistentinnen, die noch bessere werden sollen.

Stichworte wie Assistenz 4.0, Digitale Chefentlastung und eine liebevollere, sanftere, eben weibliche Ansprache sind im Einladungsschreiben zu lesen.
„Kitzeln Sie ihre Motivation…“ oder „lassen Sie sich mitreissen…“ und
„Mit Dr. XY lachen Sie sich zu mehr Kreativität und Effizienz!“
Ich kann Maren Gilzer säuseln hören. Sehe pinke Gerbera und hellrosa Seifentiere.

So soll jungen Frauen auf dem Weg in die Digitale Zukunft ihres Chefs und seinen bierbäuchigen Kollegen geholfen werden. Sie soll die perfekte Assistentin, die perfekte Puppe am Empfang werden. Die Traumfrau. Jung, dynamisch aber sich ihrer Position bewusst.

Angst und Sorgenfalten

Voller Angst und mit einer Sorgenfalte mehr auf der Stirn, lese ich diese Broschüre immer wieder und kann nicht fassen, was da geschrieben steht.
Vermute schon eine versteckte Kamera oder, dass Michael Kessler ein neues Switch-Format entwickelt hat um jetzt Sinnfluencer und Bloggerinnen wie mich aufs Kreuz zu legen um die ewigen Debatten ad absurdum zu führen.
Aber ich finde keine Fakeseite. Alles escht und wahrhaftig.
Tatsächlich handelt es sich schon um den 40ten dieser Tagungen, angeblich so gut besucht und ebenso wie unsere Menschheitsgeschichte von Erfolg gekrönt.

Wie beim Female Future Force Day von Edition F gibt es natürlich Begleitprogramm. Stil und Styling oder Entspannung. Als Tagung muss man alles bieten, was Frau so braucht und liebt. Denn Frau muss entspannt sein und lächeln. Gesund sein und vor allem ansehnlich. Google mal Assistentin! Herrlich diese Outfits.

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Und so konnte ich nicht umhin mich zu fragen, ob wir diesen massiven Rückschritt derzeit brauchen. In Zeiten von #metoo und der Frauenquote.
Wenn kleine Bloggerinnen einen #femfriday erfinden und dieser sich zu beliebtesten Blogkategorie entwickelt, damit die kleinen weißen Männer sich noch weiter ausgegrenzt und angegriffen fühlen. Um noch mehr Frauen zu vergewaltigen, sie zu unterdrücken und um sich dann in der Männersauna auf die Schultern zu klopfen?
Der Maskulismus, eine Männerrechtsbewegung, der sich schon in ersten Zügen in den Siebzigerjahren gründete, würde hier mit erhobener Faust und einem ekligen  Kraftausdruck gegen Frauen zustimmend grölen.

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Brauchen wir die klassischen zwei Schritte vor und drei zurück?

Sollten wir Frauen langsam wieder einen Gang raus nehmen und die Männer mal wieder fragen wie sie uns haben wollen?
Würde ich hier interviewt, müsste die Redaktion jetzt schreiben: lacht.

Ein Interview wird das hier aber nicht mehr.
Mir kommt unweigerlich der Beigeschmack, dass Assistentinnen, die hier angesprochen und zu einem solchen Kongress/Selbstfindung/Orientierungsreigen/Ringelpiez eingeladen werden, bereits degradiert sind.
Und hier fühle ich mich fast persönlich angegriffen. Denn ich war mal Regie-Assistentin. Ein toller Beruf, ein Beruf mit Verantwortung, ein Beruf, den man nur mit Hingabe macht. Ein Beruf in dem man glücklich und ausgefüllt sein kann. Assistentinnen gibts ne Menge. Ne Menge, die wichtig und nicht ersetzbar sind.
Ich hatte übrigens einige männliche Kollegen in meiner Laufbahn. Aber das nur am Rande.

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Die Frauen von Stepford

Leider zeigt uns diese Hochglanzbroschüre, die noch als Faltblatt, aufwendig designt und gedruckt in den Briefkasten gesteckt wird (vielleicht ein Hinweis in welcher reraktionären Szene wir uns hier befinden, aber jetzt muss ich aufpassen, nicht polemisch zu werden.)
Eine Szene, in der Männer Frauen auch eineinhalb Jahre nach Entfachen der #metoo-Debatte noch immer sexuell besitzen und benutzen.
Der Erfinder dieser Tagung (ich nehme einfach an, es ist ein Mann) hat vermutlich zuviel Die Frauen von Stepford geschaut oder den Roman von Margaret Atwood Der Report der Magd missverstanden. Und ja, das ist eine privilegierte Sicht auf diesen gesellschaftlichen Diskurs, aber genau das ist eine der wesentlichen Erkenntnisse, die wir fast zwei Jahre nach #metoo ziehen können: Frauen werden in allen Klassen unterdrückt, auch wenn sie unterschiedlich anfällig sind.

Was brauchen wir statt dem Assistentinnentag 4.0?
Fempowerment 4.0, Solidarität 4.0, die Frauenquote 4.0, Kinderbetreuung 4.0 oder den Führungsstil 4.0?

Nicht zwingend muss alles weiblich dominiert werden. Nicht jeder Chefsessel muss weiblich besetzt sein. Nicht alle Männer in Führungspositionen sind Arschlöcher. Nicht allen alten weißen Männern ist ein #metoo-Verfahren anzuhängen. Nicht alle Frauen sind willens zu führen und zu leiten.
Aber alle Frauen sollten sich mehr Wert sein, als das Erscheinungsbild was hier propagiert wird.

EMPOWER THE WOMEN AROUND YOU!

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Beitragsbild: Pixabay
Grafik: Edition F

RIP David Bowie- eine flehende Bitte!

We can be heroes- just for one day

Es passiert seit einigen paar Jahren und ist nicht aufzuhalten.
Immer mehr Prominente, mit denen ich etwas Persönliches verbinde, sterben nach und nach.
Auch daran merke ich mein fortschreitendes Alter. Bis vor kurzem erfreuten sich die meisten meiner „Idole“ noch bester Gesundheit. Klar, die ganz Alten wie Juhnke, Elvis oder Marilyn missen wir schon lang.
Doch gerade in den letzten drei Jahren, bekam dieses Gefühl eine neue Dimension:

Als z.B. 2015 während meiner Proben zu ILLUISIONEN-ALEXANDRAS LEBEN, Udo Jürgens überraschend starb. Die Geschichte über die Sängerin ALEXANDRA beinhaltete -in unserer Fassung- eine Begegnung mit Udo und wir hatten großen Spaß beim Erarbeiten dieser Szene.
Und plötzlich war Udo tot. Die Nachricht erreichte mich in den Weihnachtsferien, in meinem Elternhaus und mein Vater war erstaunt wie sehr mich das mitnahm.

„I DON’T KNOW WHERE I’M GOING FROM HERE- BUT I PROMISE IT WONT BE BORING“ DAVID BOWIE

Doch nur einige Wochen danach traf mich der Schlag. Am 10. Januar 2016 sah ich morgens auf meinem Handy die SPON-Meldung (Spiegelonline-App)
„David Bowie ist tot“.
Mir fiel fast das Handy aus der Hand und sofort sein Song Space Oddity ein.
Zwei Tage zuvor, an seinem 69ten Geburtstag präsentierte er sein neuestes Album mit ein paar fabelhaften, wirklich neuen Songs.
Auch wenn Kritikerstimmen seine neuen Töne etwas „elegisch“ und „kakophonisch“ bezeichnen, so empfand ich es als meisterhaft, mit welch würdevoller Ironie er sich zu seinen -zugegeben- neuartigen Soul-Songs bewegte.
Gerade sein Song Lazarus hätte, ein von ihm stilvoll geplanter Abschied sein können. Und doch gibt es mir zu denken, ob er die Auferstehung ebenso plant!?
Die faz.net nannte es „ein vage autobiographisches Bowie-Lied“.

Im Zuge seiner Blackstar-Albumpräsentation auf facebook, bewunderte ich wie er agil in seinem Sinatra-Gedächtnislook posierte. An der Seite seiner außerirdisch wirkenden Frau Iman, wirkte er in den Monaten vor seinem Tod wie ein weiser, in sich ruhender Gentleman.

Zu meinen Lieblingssongs gehören nicht nur Heroes oder Space Oddity, die auf meiner Dauerplaylist rauf und runter laufen, sondern auch Ashes to Ashes oder Magic Dance. Nun fügte ich Lazarus hinzu.
Außerdem war ich von seiner Darstellung Andy Warhols im Film Basquiat aus dem Jahr 1996, tief beeindruckt. Ebenso aufregend ist seine Malerei: www.bowieart.com

Bowie war Musiker, Maler, Schauspieler, und vor allem Visionär. Die Welt hat einen großen großen Meister verloren, der fehtl und nicht ersetzbar ist!

Auch drei Jahre später wiederhole ich es: Bitte lieber David, mach es wie Lazarus und STEH WIEDER AUF!

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MAMA-MiTTWOCH und die Festtage

FROHES FEST oder wie wir Eltern die Feiertage überstehen.
Ein letzter Mama-Mittwoch mit der ultimativen Anleitung für Weihnachten mit Kind und Kegel.

Drei volle Weihnachtsfeiertage mit Geschenkeflut und diversen familiären Zusammenkünften steht bevor.
Und obwohl ich ein großer Fan vom Weihnachtsfest bin und wir es, um Grey’s Anatomy zu zitieren, „unseren liebsten Feiertag“ nennen, konnte ich nicht umhin mich zu fragen, ob es nicht wesentlich weniger anstrengend laufen könnte?

Oft denke ich, dass wir einfach die Görls und die Koffer packen sollten und irgendwo hin wegfahren sollten.
Nur wir vier. Doch was ist dann mit einem Weihnachtsbaum? Der darf für die richtige Stimmung natürlich nicht fehlen. Was ist mit Plätzchen? Die brauche ich gerade an den Feiertagen, um mich dann hinterher auf der Waage wieder so richtig ärgern zu können.

Weihnachten mit Kind und Kegel
Was ist mit der Oma? Die gehören nun eigentlich beide zu unserem Feste dazu?
Und die Opas? Die natürlich auch. Was ist mit Gans oder Fondue? Was mit Krippenspiel und dem gemeinsamen Musizieren? Hhmm. Auf all das verzichten? Klingt irgendwie nicht so wirklich toll.
Also ist der Marathon, den wir, weil Patchwork-Familie, über die Feiertage, jedes Jahr aufs nNeue zurücklegen, nicht abzuschaffen.
In dem Moment als vor acht Jahren unser Gretlchen zur Welt kam, hatte plötzlich jeder in der Familie das Gefühl, er habe Anspruch die junge kleine Familie (also uns) auch bitte und gefälligst an den Feiertagen zu sehen.
Also starten wir meist am 23ten bei meinen Eltern. Diese haben eine schöne Tradition erfunden als ich noch klein war: alle Freunde kommen am 23ten zu Ihnen, müssen einen lustigen/schönen/schrägen Anhänger mitbringen und dann wird mit diesen und der Sammlung der vorigen Jahren, gemeinsam der Baum geschmückt.
Immer häufiger wurde dieses Zusammenkommen zu einem immer größeren Besäufnis um die Qualen der Familienfeiertage überstehen zu können. Gerade in den letzten zehn Jahren führte dies dann zu unglaublicher Katerstimmung am 24ten, was das Potential für Streitereien unglaublich senkte, da keiner mehr genug Kraft zum Diskutieren hatte.

Patchworkhopping
Seitdem die Görls nun größer werden, wird dieses Unterfangen gerade für Bobbi und mich immer schwieriger. Heilig Abend verbringen wir meist mit meinen Eltern, Schwiegermama, meiner Schwester, ihrem Mann und ihren beiden Kindern.
Dazu gehört das örtliche Krippenspiel, Plätzchen futtern, Turmblasen (nein, das ist nichts anstößiges) und – was mich zu Mama-Tränen rührt – Gretl mit Opa an der Geige. Gefolgt von viel Alkohol, Fleischfondue und einer unbeschreiblich lekkkeren Dobostorte (auch Buschubuschu-Torte genannt) von Oma Ata.
Am 25ten schwingen wir dann die Hufe nach Eppstein (37 Autominuten!), wo mein Schwager plus Familie und mein Schwiegervater hausen. Dieses Jahr gibts Wild und Wodka. Ich als T-Rex freue mich u.a. deshalb so auf die Feiertage, denn so viel Fleisch kriege ich sonst selten 🙂
Am späten Nachmittag machen wir uns wieder auf den Rückweg zu meinen Eltern ( 37 Autominuten!), wo es dann wieder Essen und Trinken gibt. Und jedes Jahr versuche ich es noch zur legendären JINGLE BELLS-Party.
Diese wird alljährlich am 25ten Dezember im altbekannten Schlosskeller gefeiert.
Im Schlepptau meine beste Freundin und viele viele bekannte Gesichter aus Schule, Studium, ehemaligen Arbeitsstellen, Nachbarschaft und alter Clique.
Natürlich darf die Anhäufung von Ex-Freunden nicht fehlen, was sich aber in meiner Situation gekonnt und vor allem mega cool 😉 regeln lässt; eine freundliche Küsschen-Küsschen-Begrüßung, ein kleines Schwätzchen über den renovierten Schlosskeller und dann lasse ich beiläufig etwas über mein Familiending fallen. Das verunsichert das Gegenüber (wenn sie noch keine Familie haben) – weil es ja ‚Abgelegte‘ sind – dann so sehr, dass ich sie mit einem lockeren Spruch aus diesem Gefühl befreien muss um mich dann, zuprostend wieder zu entfernen. Funktioniert todsicher!

Partyzeit ist Auszeit
Die Party ist immer eine kleine Auszeit vom Marathon und eine kleine Reise in die Vergangenheit, in die Zeit noch ohne Kinder, an die ich schon gern zurückdenke.
Denn obwohl ich am nächsten Morgen meist schlafen gelassen werde und erst nach 10hUhr (!) aufstehe, ist so ein Katerchen mit zwei süßen Quälgeistern nur schwer zu händeln.
Vor allem danke ich der Kosmetikindustrie, dass ich nach einer Dusche und einer viertel Stunde vorm Spiegel, wie aus dem Ei gepellt und bereit für die nächste Etappe auf dem Feiertags-Marathon bin.
Diese geht nach Mainz (20 Autominuten!) zur Schwester von Oma Ata. Da gibt es erneute Ansammlungen von Verwandschaft mit viel gebratenem Essen und fünf Kindern zwischen drei und zehn Jahren. Danach wieder zu uns (wieder 20 Autominuten!), Besuch vom Patenonkel und erneutes Öffnen einer Flasche steht auf dem Plan.
Jetzt wirds ruhiger.

Dieses Jahr ises ruhiger. Etwas Besuch von Freunden und ein paar familiäre Spaziergänge aber ein wesentlicher Punkt entfällt: die Vorbereitungen für Silvester. In den vergangenen Jahren haben wirs uns hart gegeben. Entweder eine große Runde mit Freunden oder sogar mal alle Kollegen des ehemaligen Schauspielensemble vom Landestheater Eisenach um ins neue Jahr zu rutschen. Doch dieses Jahr fliehen wir. Nicht vor Freunden oder Party, sondern vor Zuständigkeiten. Ein Hotel, ein Italiener, nur wir vier und der Silversterabend endet um 22:00 mit Sekt im Hotelbett.

„Ich hasse Silvester – da saufen auch die Amateure!“ Harald Junke

Nach fast zehn Jahren in dieser Art von Feiertagen bin ich mittlerweile Expertin. Eine Woche mit ca. 15 Stunden weihnachtlicher Feierei,  170 Autominuten (zu Eisenach-Zeiten waren es über 400) in unserem überquellenden Golf, gefühlten 5 Liter Alkohol pro Nase und jedes Mal mindestens zwei Kilos mehr auf der Waage, überstehe ich ziemlich erfolgreich, ohne große Krisen, die Feiertage.
Deshalb findet ihr hier meine HOW-TO-MANAGE-Anleitung für die Feiertage:

  1. Vergesst das Lieblings-Hörspiel der Kids nicht
 (Manchmal schlafen sie dabei sogar auf kurzer Strecke ein!)
  2.  Habt eine Zeitschrift für Oma bereit
 (so ist diese ebenfalls jederzeit beschäftigt!)
  3. Habt genug Alkohol in Reichweite
 (nur so lässt sich der Super-Gau Familie ertragen!)
  4. Trefft alte Freunde & verschwindet sooft ihr könnt
 (nur wer mal kurz geht, freut sich auf ein Wiedersehen!)
  5. Schenkt den Kindern direkt spielbares Spielzeug so wie Duplo, Puzzle oder iPod 
(so sind Sie für ein paar Minuten beschäftigt!)
  6. Kocht nichts sondern macht Fondue
 (ob Käse- oder Fleischfondue, man hat wenig vorzubereiten!)
  7. Diskutiert nicht mit euren Kindern übers Essen 
(sie fallen nicht vom Stengel wenn sie keine Pastete essen!)
  8. Habt in jedem/r Kleid/Hose Taschen 
(da gehören Gummibärchen & Pixiebücher rein!)
  9. Schlafe wenn das Baby schläft, auch wenn Baby schon längst keins mehr is… 
(in der Ruhe liegt die Kraft für die Familienidylle!)
  10. Erweitert eure Hausapotheke um Valium & Hustensaft
 (wer weiß für wen und wann es gut und nötig ist!?)

So, nun freue ich mich ganz aufrichtig auf das Weihnachtsfest und das Jahr 2019.
Ich glaube, gerade dieser virtuelle Platz hier und die neuen Aufgaben werden mir ganz viel Freude bereiten.
Vorsätze habe ich keine außer mehr Sport machen, 5 Kilo abnehmen, weniger am Handy daddeln, mehr schlafen, sparen, weniger rauchen, weniger trinken, meinen Kindern mehr vorlesen, die Fenster öfter putzen & stricken lernen.
Ich stehe nicht so auf das Ding mit den Vorsätzen! 😉

Habt es gut und seid lieb zueinander!
eure HELENE*

Zauberhaftes Augsburg

Vergangene Woche war ich in meiner Mission #kulturblogging unterwegs. Diesmal führte mich mein Weg an das frischgebackene Staaststheater Augsburg.
Was es mit diesem neuen Titel auf sich hat und was ich dort erlebt habe, erfahrt ihr hier.

Die Wintermonate, auch wenn sie dieses Jahr gefühlt später kamen als sonst, sind in der Theaterbranche so gesehen eine heiße Phase. Ab Oktober beginnen die Termine der Weihnachtspremieren. In der ganzen Republik starten Proben zum Kassenknüller (Märchen oder Familienstück genannt) und jedes zweite Theater „gönnt“ sich ein Werk der Kategorie „Unterhaltung“. Dieser Begriff ist selbtstverständlich dehnbar und zu definieren.
Von Operette, Musical bis Zauberflöte, auf den meisten Spielplänen tummeln sich in der Vorweihnachtszeit die Hits und Kassenschlager.
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Augsburg im Umschwung

So auch in Augsburg. Augsburg, ein traditionsreiches Haus unweit von München, mit einer eigenen Liebe zu Schauspiel und Musiktheater. Traditionsreich auch weil Leopold Mozart gebürtiger Augsburger war und der Stadt einen Hauch von Mozartschem Flair verleiht.
Nach langer und harter Arbeit einiger Kulturschaffenden hat die bayrische Stadt mit Fluss und und Fachwerk dem Theater nun den Titel STAATSTHEATER verliehen.
Und damit besitzen nun die drei größten bayerischen Städte München, Nürnberg und Augsburg ein Staatstheater.
Der repräsentative Name ist das eine. Die leitende, verwaltende und kontrollierende Stiftungskonstruktion, die dahinter steht, ist das andere. Insgesamt ein großer Erfolg für den neuen Intendanten André Bücker, der vergangenen Herbst mit weitesgehend neuer Belegschaft seinen Dienst antrat.
Seitdem passierte eine Menge. Der Titel Staatstheater kam, die Sanierung des gesamten Hauses begann, dazu der Umzug in eine Interimsspielstätte. Trotzdem wuchs das Ensemble und das künstlerische Profil wurde geschärft.

Lustigerweise kenne ich alle drei Spartenchefs, die in Augsburg Schauspiel, Oper und Tanz vertreten. André Bücker begegnete ich 2009 am Nationaltheater Mannheim, dem Operndirektor Daniel Herzog bereits zu Schulzeiten am Staatstheater Darmstadt und Ballettchef Ricardo Fernando brachte mir 2007 am Musicaltheater Bremen das Steppen bei.

Nun reihte sich eine weitere Person in diese Runde, meine Freundin und Mentorin Andrea Schwalbach, die Regisseurin der Premiere am vergangenen Sonntag.
Zum wiederholten male durfte Andrea Die Zauberflöte inszenieren. Zum ersten Mal aber in Augsburg.
So kam es also, dass ich mich am Sonntag im Kreise vieler bekannter Gesichter im Martini Park Augsburg wiederfand. Ein interessanter Ort für Theater.
Wo sonst Haushaltsprodukte in den Industriehallen gelagert wurden, lassen sich die Theaterbesucher künftig in die Welt von Oper, Ballett und Schauspiel entführen. Im Martinipark werden pro Spielzeit 180 Aufführungen zu sehen sein. (So die Ausgburger Allgemeine)

Industrieschick und frisches Design überzeugen

Angefangen beim hippen Logo des Theaters, das aus einer derzeit im hippen Internethimmel sehr beliebten und häufig benutzten, Ananas besteht, bishin zu lilafarbenen Neonröhren, die einem Weg zum Theatersaal zeigen, erscheint die Interimsspielstätte in frischem Glanz. Dazu ein paar Betonwände und moderne Tische, die darüber hinweghelfen sollen, den alten Theaterraum zu vermissen. Das gelingt.
Die Atmosphäre stimmt, die Akustik und gerade die Pre-Premierenstimmung im Foyer gleicht einer jeden Premiere wie wir sie sonst erleben.
Auch im Theatersaal, der eigentlich einer Stadthalle ähnelt, fühlt man sich nach den ersten Tönen der mozartschen Zauberflöte schnell als wäre alles wie sonst.

Ich erlebe ein junges und spielwütiges Ensemble, musikalisch aber auch inszenatorisch überzeugt dieser Abend schnell. Man spürt die Widrigkeiten von fehlendem Schnürboden oder sonst gewohnter Theatertechnik nicht. Der theatrale Moment verzaubert uns und nimmt uns mit in die Welt von Pamina und ihrer Mutter.
Und was zeigt uns das Stück? Starke Frauen. Nicht nur Pamina und die Königin der Nacht, auch die drei Damen machen eine gute Figur.
Und nicht nur ein modernes Frauenbild zeigt die vielleicht berühmteste Oper von Mozart, ob ins heute versetzt oder nicht. Es sind die zentralen Themen, die hier verhandelt werden, die diese Oper zur meist gespieltesten, nicht nur im deutschsprachigen Raum macht. Sie ist ein Familien-, wie Politdrama, erzählt von Loyalität, Freundschaft und Vertrauen, nicht nur in andere sondern auch in sich.

FemFriday mit der Königin der Nacht

Gerade die beiden Protagonistinnen beeindrucken. Nicht nur mich sondern das gesamte Publikum ist gefesselt von Stimmgewalt und Spielfreude. So sehr, dass die beiden Sängerinnen schnell zum Publikumsliebling avancieren. Szenenapplaus meist für die beiden. Deshalb, nur am Rande, folgt hier bald ein FemFriday-Interview mit Olena Sloia und Jihyun Cecilia Lee.

Mich persönlich berühren die drei Knaben ebenfalls sehr. Drei Jungs der Augsburger Domsingknaben mit so viel Spaß am Singen, die mit unglaublicher Hingabe und Inbrunst schauspielen, dass es nicht nur ein Mutterherz erwärmen muss. 😉

Im Anschluss an einen humorvollen, bunten und vor allem ästhetisch runden Abend, erlebe ich ein überaus zufriedenes und sympathisches Ensemble, das sich gemeinsam mit den interessierten und begeisterten Zuschauern auf der Premierenfeier tummelt.
Ein stolzer Intendant rundet den Abend mit einer rührenden Rede ab, in der er sich bei allen Beteiligten bedankt. Bei Mozartquelle und Schnitzel beende ich ich meinen Abend im neuen Staatstheater Augsburg und hoffe bald wieder zu kommen.

{Kooperation}

Danke an das Staatstheater Augsburg!
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Fotos: Jan-Pieter Fuhr

Mama-Mittwoch mit Mira

Am heutigen Mama-Mittwoch geht es ums Paarsein als Eltern.

Wie wichtig ist es das Paarsein nicht aus den Augen zu verlieren und dass es keine Schwäche ist, sich dabei Hilfe zu holen.
Deshalb stelle Ich Euch heute meine Freundin Mira Pouresmeili-Sehn vor.
Mira studierte Pädagogik, Psychologie und Interkulturelle Kommunikation und arbeitet als Paartherapeutin. Sie legt dabei den Fokus auf ElternPaare.
Mira ist verheiratet und Mutter eines Sohnes.

„Wenn ich von ElternPaaren spreche, meine ich zunächst zwei Personen, die gemeinsam ein oder mehrere Kinder haben. Darüber hinaus bedeutet ElternPaar verschiedene Formen des Elternseins: leibliches ElternPaar, Pflege – ElternPaar, Adoptiv – ElternPaar,  Stief – ElternPaar, Patchwork – ElternPaar

​Jede dieser Formen des Liebens und Lebens hält Herausforderungen für Euch bereit, die zu bewältigen ich Euch gerne unterstütze.“

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Ich habe Mira ein paar Fragen gestellt und freue mich sehr über ihre Antworten:

Wie kamst Du zum Beruf Paartherapeutin?

Ich hatte schon zu Schulzeiten den Wunsch, Therapeutin zu werden. Und ich hab mich schon immer wahnsinnig für Paare interessiert. Aus welchen Gründen werden zwei Menschen ein Paar? Was bedeutet Verliebtsein, was Liebe? Was hält Paare zusammen, was trennt sie? Welche Rolle spielt Sex? Was passiert mit Paaren, wenn sie Kinder bekommen? Paare sind meine Passion, vor allem Eltern-Paare.

Wie wichtig ist es für dich als Paartherapeutin selbst verheiratet zu sein, wie viel Persönliches bringst Du mit?

Ich bin zwar sehr glücklich verheiratet, aber ich bin auch getrennt, vom Vater meines Sohnes.
Die Trennung liegt schon lange zurück, mein Sohn war damals 4, heute ist er 11 Jahre alt. Diese Erfahrungen allein machen mich aber noch nicht zu einer guten oder schlechten Paartherapeutin. Vielmehr verlangt meine professionelle Haltung, dass ich meine persönliche Geschichte in der Arbeit mit meinen Klienten gänzlich ausklammere und meine Aufmerksamkeit ganz der Geschichte des Paares widme, das vor mir sitzt. Sich auszutauschen mit jemandem, der zum Beispiel ebenfalls eine Trennung hinter sich hat, kann helfen, dieser Jemand sollte aber nie der eigene Therapeut sein! Aber es gibt definitiv Paare, die lieber zu mir kommen als dass sie als Eltern eine Paartherapie bei jemandem machen, der kinderlos ist.

Wie würdest Du Deine Rolle als Paartherapeutin in Bezug auf die Arbeit mit Deinen Klienten beschreiben?

Ich sehe mich als eine Art Moderatorin. Dazu gehört für mich, sowohl ein Gespür für das Paar, als auch für die Individuen zu entwickeln, Impulse zu geben und viele Fragen zu stellen, auch unangenehme. Wenn ich meinen Job gut gemacht habe, dann hat ein Paar durch meine Unterstützung ein Gespräch geführt, in dem beide zu Wort kamen, sie sich zugehört, vielleicht auch die Perspektive gewechselt haben und an das sie – in weiteren Sitzungen mit mir oder allein Zuhause – anknüpfen können.

Kann ich auch als Einzelperson zu Dir kommen?

Ja, absolut. Und tatsächlich ist das sehr häufig der Fall, dass Mann oder Frau erst mal allein kommt. Da bin ich dann natürlich nicht als Moderatorin gefragt. Eine Einzelsitzung kann man sich eher wie ein intensives Interview vorstellen.

Gerade Paare mit kleinen Kindern verlieren irgendwann ihre Beziehung aus den Augen. Gibt es eine Faustregel wie man besser auf sich achtet als Paar?

Oh ja, kleine Kinder können echte Liebeskiller sein! Sich das vor Augen zu führen, kann manchmal schon Entlastung bringen. Mein Rat: PLANEN! Es muss nicht immer gleich ein Wellness-Wochenende zu zweit sein, es kann auch ein gemeinsames Bad sein, wenn die Kids im Bett sind (hier nur wichtig: vorher eine Münze werfen, wer aus der Wanne hüpft, wenn das Babyphon rot leuchtet). Und es muss im Kalender stehen: Donnerstag, 21:00, Du & ich, Badewanne!

Wie wichtig ist kinderfreie Zeit und was kann man alternativ machen, wenn man nicht regelmäßig über Babysitter oder Omas verfügt?

Wo wir wieder bei der Badewanne wären… Nein, im Ernst, wenn gerade niemand da ist, der auf die Kids aufpassen kann, dann ist das schade, aber hier und da auch eine billige Ausrede. Wenn ich wirklich Zeit als Paar haben will, dann finde ich dafür auch Zuhause Möglichkeiten, da werden Paare mit meiner Unterstützung oft sehr kreativ. Übrigens, „kinderfreie Zeit“ muss nicht zwangsläufig Paar-Zeit bedeuten, es kann auch heißen, dass Mama oder Papa alleine ausgehen und man abwechselnd die Kinder hütet, manchmal wird das vergessen…

Wie kamst Du dazu, Dich als Paartherapeutin in den sozialen Medien zu präsentieren?

Mein Wunsch ist es, so viele Eltern wie möglich zu erreichen. Dafür ist social media bestens geeignet. Außerdem wird es zwar mehr und mehr salonfähig, eine Paartherapie zu machen, die Hürde, überhaupt jemand Externen zu Rate zu ziehen, ist bei vielen aber immer noch vorhanden. Durch meine Präsenz in den sozialen Medien hoffe ich dazu beitragen zu können, diese Hürde zu verkleinern. Denn, je früher ein Paar sich Hilfe holt, desto schneller ist die Krise meist bewältigt.

Du bist Mutter eines Sohnes. Wie prägt ihn dein Beruf?

Schöne Frage, sonst wird immer nur nach dem Mann gefragt. Ich glaube, dass jedes Kind in gewisser Weise durch die Berufe der Eltern geprägt wird. Tatsächlich interessiert sich mein Sohn vielleicht mehr für die Beziehungsgeschichten unseres Freundeskreises als andere Kinder in seinem Alter das tun. Er gibt auch gerne mal Beziehungstipps oder überlegt sich, welche Singles in unserem Freundeskreis wir verkuppeln könnten 🙂

Welches Buch liest Du gerade?
Romane lese ich nur im Urlaub, zuletzt in den Herbstferien „Altes Land“ von Dörte Hansen, tolles Buch!

Beschreibe dich in drei Worten!
Präsent, herzlich, direkt.

Wer mehr über Mira und ihr Angebot als Therapeutin erfahren möchte, besucht sie auf ihrer Homepage www.pouresmeili.de.
Außerdem findet ihr Mira auf Facebook und Instagram.

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Digitalstadt Darmstadt oder wie digital sind wir?

Ich bin total up to date. Ich bin jung und ich wohne in der Digitalstadt Darmstadt. Wer kann das schon von sich sagen? Ok, 140.000 andere Darmstädter.

Aber wie nutzen es die anderen? Ich zum Beispiel kann im Netz singen, basteln, heulen, rechnen und Schuhe kaufen. Wow Helene“, „Bravo“ denkt ihr. Find ich auch.

Ich mache alles online und stehe dazu. Ich bin ein Junkie. Wäre ich nicht schon dem Erscheinen von Tinder verheiratet gewesen, hätte ich meinen Mann und Kinder auch dort aufgegabelt.
Ich schreibe online Tagebuch mache virtuellen Sport und untersuche meine Pickel mit einer App.
Und nein ich bezeichne mich nicht als Influencer nur weil mir ein paar mehr Menschen bei Instagram folgen. Das Wort Influenza treibt mich tatsächlich mehr um als Mutter von zwei Töchtern im Alter unter zehn.

Um mich zu beschreiben würde ich lieber den Ausdruck Kulturbloggerin verwenden, da ich von Hause aus Thetaer-Regisseurin bin und in der Elternzeit meine Liebe zum Schreiben und Bloggen entdeckt habe. Aber kommen wir zur Digitalstadt Darmstadt und meinem smarten Alltag zurück. Smart bin ich übrigens auch. Ihr seht mich lächeln.

Darmstadt und ich

Vergangenen Sommer bin ich nach drei Jahren in Eisenach (beruflich bedingt haben wir dort gelebt) mit meiner Familie zurück nach Darmstadt gezogen.
In den Jahren der Abwesenheit habe ich die enorme Entwicklung dieser immer mehr wachsenden Rhein-Main-Metropole Darmstadt verfolgt und spüre die großstädtischen Möglichkeiten hier ganz deutlich. Der Blick von außen war sehr spannend. Doch was heißt eigentlich Digitalstadt?

Wir alle profitieren von der Digitalisierung- es geht los beim Onlinbanking, Wetterapps oder den sozialen Medien, die wir bereits als einen festen Bestandteil unseres Alltags empfinden. Darüber hinaus gehen viele Unternehmen digitale Wege um ihren Mitarbeitern smarte Lösungen im Arbeitsalltag anbieten zu können.

Gerade ich arbeite den ganzen Tag in einem smarten Konstrukt, da ich Texte für Kunden erstelle, denen ich nur im Skype-Telefonat gegenübersitze oder fröhlich per Mail kommuniziere. Ich vernetze mich über die unschiedlichsten Tools und genieße die Vorzüge des weiten weiten Webs sehr.
Auch meine Kinder können sich ein Leben ohne Internet kaum noch vorstellen. „Haben wir da WLAN?“ fragen sie bevor man an den Gardasee fährt. Hörspiele sind überall abrufbar. Genauso wie die iTunes- oder Netflixfilme in einem Drahtlosnetzwerk laufen und die Auswahl ist groß. 

Doch in welchen Bereichen des Alltags ist die Digitalisierung gerade in Darmstadt spürbar?

 Ich kann z.B. Termine beim Bürgeramt für Passantrag online ausmachen und umgehe damit lange Wartezeiten. Herrlich wenn man kurz vorm Urlaub feststellt, dass das eine Kind keinen gültigen Ausweis hat. Klassiker!
Drei Klicks, einmal früh aufstehen und das Problem ist gelöst.

Eine weitere smarte Lösung sind die digitalen Straßenbahntickets, die tatsächlich manche Großstädte noch nicht anbieten. Sekundenschnell kaufe ich ein Ticket und verpasse wegen des Automatens nicht die gewünschte Linie.
Für alle Autofahrer unter uns bieten diverse Verkehrsleitsysteme Staumeldungen oder Parkplatzsuche innerhalb des Straßenverkehrs.

Für mich, die unter Autotorette leidet (der Hulk mit blonder Perrücke) sind solche Angebote regelrecht heilsam, da der Berufsverkehr am Morgen mein fast täglich Blut zum kochen bringt.

„Der Bürgernutzen steht im Mittelpunkt dieser „neuen Lebensreform“. Wir wollen einen elektronischen Mehrwert für die Menschen, keinen Selbstzweck.“ sagt der Darmstädter Oberbürgermeister Jochen Partsch.
Jochen Partsch sorgt sich also um meinen Blutdruck. Ach schee.

Aber generell im Gesundheitswesen bieten Krankenhäuser und Ärzte Dienste wie die Online-Sprechstunde oder das Gesundheitsarmband, das digital Werte des Patienten an die Ärzte versendet.
Ob wir gesünder sind oder im Alltag wirklich entspannter sind, sei mal dahin gestellt. Ich schreie deutlich weniger im Auto, hab weniger Stress vorm Urlaub und genieße alte Hörspiele aus meiner Kindheit mit meinen Kindern unterwegs aufm Handy oder Tablet.
Ich freue mich aber vor allem über die Offenheit in Darmstadt einem neuen Zeitalter gegenüber und das kann man nicht von allen Städten sagen!

Dieser Beitrag erschien als „Helene pingt“-Kolumne in der 1/18 Ausgabe des PING MAGAZINS.

 

 

OH OSNABRÜCK!

O wie Osnabrück, O wie Oper und O wie Onewomentrip.

Naja, letzteres klingt sehr konstruiert aber ich brauchte ein drittes O. Alle guten Dinge sind drei.
Alle guten Dinge sind mir bei meinem Kurztrip nach Osnabrück begegnet. O wie optimal!
Anlass meiner Reise war die Premiere einer Kollegin und tollen Frau. Andrea Schwalbach inszenierte am Theater Osnabrück, ein nicht ganz unaufwendiges Werk von Ferruccio Busoni: Doktor Faust. Auf nach Osnabrück.

Faust, schlag ein!

Uns allen ist er bekannt, der gute Faust. Wie er über die Geheimnisse von Schönheit und Unsterblichkeit und über die eigene, ganz subjektive Schuld sinniert. Sein ewiges Streben nach Wissen und Moral machen ihn zu einem ewig umtriebigen Geist unserer Kultur.

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Foto: Jörg Landsberg

In Osnabrück erleben wir ihn sehr deutsch und schnörkellos. Wenig vom schöngeistigen Gedanken „habe nun ach…“ sondern menschlich und erschreckend normal.
Wie du und ich.
So stirbt er nach knapp 2,5 Stunden spannenster Musik* am Theater Osnabrück. Schnörkellos. Kein tragisch klassischer Opern-Tod mit großen Gesten und Gekeuche. Menschlich.
Fast mitten im Streitgespräch mit seinem ständigen Begleiter, Freund und Henker Mephisto, klappt plötzlich sein Kopf in den Nacken und beendet ist der Spuk.
Spuk trifft es. Schräge Typen, übergroße Puppenköpfe tummeln sich im mystischen Licht unter Glitzerkonfetti auf der Bühne.

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Foto: Jörg Landsberg

Und trotz einer großen Frauenpartie, einem toten Gretchen und einem bezaubernden kleinen Mädchen, bleibt es ein Männerabend. Vielleicht sogar ein Männerabend wie er im Buche steht. Da wird gegrölt und getobt, geschimpft und gesoffen.
Und doch bleibt die Feierei ein Moment der Täuschung. Ein Konstrukt, der über die Vergänglichkeit hinwegtäuschen soll. Über die Abwesenheit von Glück. Oder die Fähigkeit glücklich werden zu können.
Oder aber ein Moment, der die Angst vorm Bösen verschleiert. Das Böse, dass wie wir merken müssen, alle in uns tragen.

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Foto: Jörg Landsberg

 

Die Faustregel


Im Interview sagt die Regisseurin Andrea Schwalbach, es sei „faustisch“ wenn wir uns über die Moral erheben um Wissen zu erlangen. Also Bekanntes hinterfragen, überprüfen und vielleicht Gesetze brechen mindestens überdenken.

Doch gerade die Frage nach Moral und Schuld beschäftigt den verzagten Faust sehr. Kann man die Schuld sühnen indem man eine gute Tat begeht?
Frei nach Shakespeare „Dem traue nie, der einmal Treue brach!“
Ist ein schuldiger Mensch für immer ein schuldiger Mensch?

Ein Schuldbekenntnis ist doch gleichzeitig das Scheitern des Ichs. Die Anerkennung der eigenen Fehlbarkeit.

„Was im Umkehrschluss aber nicht bedeutet, ich bin fehlbar, daran ist nichts zu ändern und darum darf ich alles!“  Regisseurin Andrea Schwalbach.

Und doch bleibt Faust nichts als der Tod. Ob Mephisto ihn auf dem Gewissen hat oder sein Gewissen, das bleibt bei mir. Mephisto schließt den Abend mit „Ihr Männer und Frauen, lasst euch sagen, das Wetter hat umgeschlagen (…)“ und verlässt die Bühne. Der leblose Körper von Faust bleibt zurück. Bleibt Hülle und Projektionsfläche.
Für unser eigenes Ende. Wir bekommen keins präsentiert. Wir bekommen keins geschenkt. Was uns bleibt ist unser ganz Eigenes. Was? Seht selbst.

„Was ich zeigen möchte mit diesem Stück: Alles ist menschgemacht und an allem Handeln tragen wir, wenn wir es aus freiem Willen heraus tun, eine Verantwortung. Faust wünscht sich das Dunkle, das Verbotene herbei, und er bekommt es, aber in Menschengestalt, dazu braucht es kein Zauberbuch, keine Alchemie, es reicht sein Wunsch, seine Bereitschaft, um dann mit Hilfe von etwas, was Mephisto ist (ein Teil seiner Selbst? Seine Liebe?), wahrhaft monströse Taten zu begehen. Aber das kennen wir doch zu gut, dass aus Dingen die gut gedacht waren, etwas Böses erwächst.“
Andrea Schwalbach

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Foto: Jörg Landsberg

Danke für einen tollen Theaterabend, danke für die freundliche Zusammenarbeit mit der Presseabteilung des Theater Osnabrück.
Danke an das Bergmann Boardinghouse Osnabrück für mein feines kleines Zimmer. Ich komme gern wieder.

Szenenfotos: Foto: Jörg Landsberg, Theater Osnabrück

*(Ferruccio Busoni italienischer Komponist 1866-1924)

Social Media-Kultur

Wie digital kann Kultur sein? Welche Maßnahmen sind sinnvoll ohne den Zauber des Life-Moments zu zerstören?
Mit diesen und vielen anderen Fragen beschäftige ich mich als Social Media Managerin für Kulturinstitutionen und Kulturbloggerin.

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FemFriday mit Leoni Schulz

Heute geht es am #femfriday mit einer Schauspielerin weiter. Leoni Schulz stammt wie ich aus Hessen und ist am Staatstheater Mainz engagiert. Vergangene Woche sah ich sie in einen Solo Abend über Anna Politkowskaja. Toll! Hier gehts zum Interview.

Leoni Schulz wurde 1982 in Frankfurt am Main geboren, mit vier Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Pakistan und mit 13 Jahren nach Simbabwe. Nach dem Abitur studierte sie Politologie an der Goethe Universität in Frankfurt am Main und schloss 2006 mit einem Diplom ab. Darauf folgte von 2007 bis 2011 das Schauspielstudium an der Filmuniversität Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg. Während des Studiums spielte sie bereits in zwei Produktionen am Hans Otto Theater in Postdam („Die Geschichte vom Baum“, Regie: Aurelina Bücher und „Die Aeneis“, Regie: Sascha Hawemann). Nach dem Studium arbeitete sie freischaffend in Berlin und gastierte u.a. am Landestheater Schleswig-Holstein, an der Tafelhalle in Nürnberg, im Raum13 in Köln sowie an der Schaubühne Berlin, wo sie eine Rolle in Volker Löschs Inszenierung von „Draussen vor der Tür“ übernahm. In Katrin Gebbes „Tore tanzt“, der bei den Filmfestspielen in Cannes lief, übernahm sie eine Nebenrolle. 
Seit der Spielzeit 14/15 ist sie festes Ensemblemitglied am Staatstheater Mainz und spielte hier u.a. Margarita in „Meister und Margarita“ (Regie: Jan-Christoph Gockel), Marwood in „Miss Sara Sampson“ (Regie: Markolf Naujoks), einen Solo Abend über Anna Politkowskaja (Regie: Kathrin Herm), war in verschiedenen Koproduktionen mit Luxemburg, London und tanzmainz zu sehen und spielt aktuell Brunhild in „Die Nibelungen“ sowie in „Ljod – das Eis – Trilogie“ (Regie: Jan-Christoph Gockel).

Wie kamst Du zum Beruf Schauspielerin?

Eigentlich bin ich zum Beruf Schauspielerin recht spät gekommen. Ich denke aber es war schon immer mein Ausdrucksmittel. Als Kind wurde ich in einer amerikanischen Schule eingeschult, da ich mit 4 Jahren mit meinen Eltern und meinem kleinen Bruder nach Peschawar in Pakistan gezogen bin. Meine Mutter erzählte mir, dass ich aufgrund der neuen Sprache drei Monate lang in der Schule gar nicht gesprochen hätte und dann bei einer Schulaufführung in perfektem Englisch die Rolle gespielt hätte. Da hat sich wohl zum ersten Mal eine starke Verbindung zu diesem Beruf gezeigt. Dass man Schauspiel tatsächlich studieren kann, habe ich spät erfahren. Ich habe neben meinem Studium der Politologie, als Statistin in der Oper und im Schauspiel in Frankfurt am Main gearbeitet und dort erzählten mir Kolleg*innen davon. Und dann habe ich mich auf die lange Vorsprechreise an den Schauspielschulen begeben.

An welchen Moment in deiner Karriere erinnerst Du dich besonders gut?

Besonders gut erinnere ich mich an den Moment als ich eine Rolle in „Draussen vor der Tür“ an der Schaubühne bekam. Ich wurde Donnerstags von der Dramaturgie angerufen, Freitag Vormittag hatte ich mein Vorsprechen und Mittags, als ich grade zu Hause zur Tür reinkam, rief Volker Lösch mich an und fragte ob ich gleich wieder zurückkommen könne, er würde gerne mit mir arbeiten. Das war ein riesiges Erfolgserlebnis für mich und hat mir sehr viel Selbstbewusstsein für meinen Beruf gegeben.

Empfindest Du ein Ungleichgewicht am Theater was die Geschlechterbesetzung angeht?

Definitiv. Es ist ja im Moment – zurecht – ein riesen Thema. Neben dem offensichtlichen Ungleichgewicht in Leitungspositionen, z.B. Intendanz, Schauspieldirektion, Regie sowie auch in den technischen Berufen, wie Bühnentechnik und Beleuchtung – in diesen Bereichen sind immer noch Männer in der Mehrzahl – ist es auch im Schauspiel Thema. Ich hatte hier in Mainz die Möglichkeit mit vielen Regisseurinnen zu arbeiten, Brit Bartkowiak, Hannah Barker, Carole Lorang, Aslı Kışlal, Jana Vetten, Kathrin Herm und ich habe in zwei Stücken gespielt, die eine ausschließlich weibliche Besetzung hatten.
Das nehme ich als positive Entwicklung wahr aber leider ist es auch immer noch eine Ausnahme. Viele „klassische“ Rollen bleiben einem als Frau vorenthalten, weil es „Männerrollen“ sind. Ich setze „Männerrollen“ hier in Anführungsstriche, weil ich denke, dass diese Rollen nicht unbedingt geschlechterspezifisch besetzt werden müssten. Die Schauspielerin Jana Schulz ist da ein Riesenvorbild für mich: sie spielt Rollen wie Woyzeck oder Raskolnikow nicht als Frau oder als Mann oder als Frau die einen Mann spielt sondern einfach ihre Interpretation der Rolle. Davon wünsche ich mir mehr!

Sind Frauen die besseren Künstler*innen?
Das würde ich nicht sagen aber ich denke, dass Künstlerinnen immer noch unterschätzt werden und zu wenig Sichtbarkeit erfahren.

Was macht für dich Fempowerment heute aus?
Laut sein, sich nicht zurückhalten, für sich selbst einstehen und vor allem sich vernetzen und gegenseitig fördern. Das machen Frauen im Beruf immer noch viel zu wenig. 

Was würdest Du am Theater gern sofort ändern?
Das Gagengefälle. Das betrifft sowohl die Gender Pay Gap als auch die Intransparenz der Gagen in den künstlerischen Berufen. Da gibt es außer den Anfängergagen keine klaren Richtwerte als Verhandlungsbasis.

In welchen Momenten deines Jobs wärst Du lieber ein Mann?
In Gehaltsverhandlungen und wenn ich in einem beliebigen Kostüm durch die Gänge gehe und ich mir mindestens 10 Bemerkungen anhören muss ob ich jetzt in diesem Kostüm attraktiv aussehe oder nicht – denn, was kann es für eine Frau wichtigeres geben?!

Wenn die Frauenquote etwas bewirkt dann… bitte beende diesen Satz!

Dann, dass Frauen sichtbarer werden, vor allem in Berufen, die immer noch als „Männerdomäne“ gelten und damit zu greifbaren Vorbildern für junge Frauen (und Männer) werden. 

Was können wir Frauen tun, damit sich die Wahrnehmung auf unser Geschlecht am Arbeitsmarkt ändert?

Ich denke, wir sollten vor allem aufpassen, dass wir uns nicht an den patriarchalen Strukturen beteiligen. Das passiert immer wieder, weil wir ja alle mehr oder weniger so sozialisiert wurden. Das betrifft vor allem die den patriarchalen Strukturen inhärente Idee, dass es weniger Stellen für Frauen am Arbeitsplatz gibt und ich deshalb als Frau alle anderen Frauen als Konkurrentinnen wahrnehme und sie „bekämpfe“. Da dürfen wir nicht mehr mitmachen. Ich denke das könnte viel bewirken.

Beschreibe Dich in drei Worten…

Kämpferisch, sensibel, aufgeschlossen

Was liest Du derzeit?

Gerade beendet habe ich „Untenrum Frei“ von Margarete Stokowski und „Wahnsinn“ von Kalin Terziyski und momentan lese ich „Alte Weisse Männer – ein Schlichtungsversuch“ von Sophie Passmann. Als nächstes kommt wahrscheinlich „Tanz mit dem Schafsmann“ von Haruki Murakami dran.

Hast Du ein Lieblingszitat? Wenn ja welches ist das?
Hatte ich eigentlich noch nie aber Margarete Stokowski zitiert in „Untenrum Frei“ Mascha Kaléko mit „Lieber noch mit dornzerkratzten Händen/ als mit manikürter Seele enden!“ Das ist mir irgendwie im Kopf geblieben.

Mehr Infos über Leoni findet ihr auf ihrer Homepage oder am Staatstheater Mainz.

Fotos: dedaproductions

FemFriday mit Gunda Windmüller

Heute stelle ich euch die Autorin und Journalistin Gunda Windmüller vor.

Gunda Windmüller, geboren 1980, ist promovierte Literaturwissenschaftlerin. Als freie Journalistin schrieb sie u.a. für Welt und ze.tt.
Seit Anfang 2018 ist sie Redakteurin beim Newsportal watson.
Gunda kommt aus Köln, hat in England studiert, am Theater gearbeitet und dann über Seemänner und Inseln im englischen Drama des 18. Jahrhundert promoviert.
Mit Umwegen also zum Journalismus, aber trotzdem irgendwie mit Zug auf’s Tor. Auch als FC-Fan. Für „Huffington Post“, „Harper’s Bazaar“, „Welt“ und ze.tt geschrieben. Bei watson kümmert sich Gunda thematisch um Debatten, Gender, Sex, Beziehungen und alles, was man Liebe nennen könnte.
Im März diesen Jahres erschien ihr Buch:

Weiblich, ledig, glücklich – sucht nicht – Eine Streitschrift

Über die Kunst, glücklich single zu sein – ein Debattenbuch mit hohem Identifikationspotential. Gunda Windmüller plädiert leidenschaftlich dafür, unser Bild von der bemitleidenswerten Singlefrau zu überdenken. Und sie macht Mut: Denn das Leben allein kann verdammt gut sein. Leider nimmt das den meisten Frauen ohne festen Partner nach wie vor kaum einer ab. «Was macht die Liebe? Hast du schon mal Online-Dating probiert?» Das ist gut gemeint, es schwingt aber immer mit: Was stimmt nicht mit dir? Die wichtigere Frage lautet jedoch: Was stimmt nicht mit einer Gesellschaft, in der allen Scheidungsstatistiken zum Trotz die dauerhafte Paarbeziehung nach wie vor als Nonplusultra gilt?

Wie kamst Du zum Beruf Schriftstellerin?

Wie das oft so ist: Ich wollte schon immer schreiben. Ich bin also Journalistin geworden, aber Bücher zu schreiben war nach wie vor mein Traum. Vor knapp zwei Jahren habe ich dann eine ganz konkrete Idee für ein Sachbuch entwickelt, eine Agentur hat mich aufgenommen und kurze Zeit später hatte ich auch einen Verlagsvertrag.

An welchen Moment in deiner Karriere erinnerst Du dich besonders gut?

In einem Abschlußgespräch bei einem ehemaligen Arbeitgeber sagte meine Mentorin zu mir: „Frau Windmüller, sie müssen ‚hier‘ schreien, wenn Sie etwas wollen. Sie glauben doch wohl nicht, dass einer der Kerle, die hier auf den Chefsesseln sitzen, da wären, wenn sie nicht ‚hier‘ geschrien hätten.“ Weise Frau.

Hast Du in deiner Branche ein Vorbild und wenn ja, wer ist das?

Karrieretchnisch habe ich kein konkretes Vorbild. Aber wenn es ans Schreiben geht, dann ist das die britische Journalistin und Autorin Caitlin Moran. Sie ist die lustigste Frau der Welt. Und obendrein sehr warmherzig und schlau. Ich lese alles von ihr.

Was macht Fempowerment für Dich heute aus?

Ein Stichwort: Solidarität. 

In welchen Momenten deines Jobs wärst Du lieber ein Mann?

Ich möchte nie ein Mann sein. Was ich aber gerne hätte: Ein dickeres Fell.

Wenn die Frauenquote etwas bewirkt dann… bitte beende diesen Satz!

…ist damit ein kleiner Schritt in die richtige Richtung getan.

Was können wir Frauen tun, damit sich die Wahrnehmung auf unser Geschlecht am Arbeitsmarkt ändert?

Mehr darüber sprechen, in welchen Kontexten und Situationen sich Diskriminierung verbirgt und unser Umfeld immer wieder darauf aufmerksam machen.

Was würdest Du jungen Kolleginnen auf ihrem Karriereweg mitgeben? 

Nur Mut. Suche Dir Verbündete. Bilde Banden. Frag nach. Immer.

Beschreibe Dich in drei Worten.

Nett, schlau, getrieben.

Hast Du ein absolutes Lieblingsbuch, wenn ja, welches ist das?

Nein, habe ich nicht. Aber das letzte Buch, das ich sehr gern gelesen habe ist „The Vagabond“ von Colette.

Dein Lieblingszitat?

„You can’t be, what you can’t see.“

Was liest Du derzeit?

„Das Ende“ von Attila Bartis

Beitragsbild: Astrid Kasimir
Quelle: Rowohlt Verlag

FemFriday mit Sophie Oldenstein

Am heutigen FemFriday stelle ich Euch meine ehemalige Kollegin und Freundin Sophie Oldenstein vor.

Sophie ist Dramaturgin und darin ein ganz wichtiger Teil unserer gemeinsamen Arbeit z.B. in Eisenach gewesen.
Was Sophie über Fempowerment denkt, wie sie Dramaturgin wurde und was sie über die Frauenquote denkt, erfahrt ihr hier.

Sophie Oldenstein (*1988) schloss 2012 ihr Studium der Theaterwissenschaft, Filmwissenschaft und evangelische Theologie in Mainz mit Auszeichnung ab. Parallel dazu hospitierte und assistierte sie an verschiedenen Theatern in Frankfurt, Wiesbaden und Köln und betreute erste eigene Produktionen als Dramaturgin.

Ihre ersten festen Engagements führten sie als Regieassistentin ans Nordharzer Städtebundtheater und das Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Von 2014 bis 2017 war sie Dramaturgin und Theaterpädagogin am Landestheater Eisenach engagiert, wo sie die Eisenacher Bürgerbühne gründete und zahlreiche Produktionen mit generationenübergreifenden Ensembles realisierte. Im Anschluss daran leitete sie am Theater Ansbach die dramaturgische Abteilung und ist dort außerdem Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Mit Beginn der Spielzeit 2019/20 wechselt sie als Dramaturgin für Schauspiel und Puppentheater an die Theater&Philharmonie Thüringen in Gera und Altenburg.

Im Rahmen ihrer Dissertation über Zauberkunst und die Konstitution der Moderne, die sie 2018 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz eingereicht hat, verbrachte sie als Stipendiatin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes Forschungsaufenthalte in Wien und Washington D.C. Von 2008 bis 2013 war sie Mitarbeiterin bei „FILMZ – Festival des deutschen Kinos“ in Mainz und gehörte 2011 dessen künstlerischer Gesamtleitung an. Während ihres Studiums arbeitete sie fünf Jahre als freie Mitarbeiterin für die Tageszeitung „Rüsselsheimer Echo“ und leitete drei Jahre lang die Theatergruppen der Werkstätten für Menschen mit Behinderungen in Mainz.

Wie kamst Du zum Beruf Dramaturgin?

Ich wollte schon sehr früh ans Theater. Ursprünglich wollte ich Regisseurin werden. Allerdings haben mir schon bald viele Menschen, die mich und die Arbeit am Theater kannten, gesagt, ich sei eine Dramaturgin. Das wollte ich damals alles nicht hören, weil ich dachte, das sei sehr weit weg vom eigentlichen künstlerischen Schaffensprozess und allgemein eher tröge. Als ich dann in meinem ersten Engagement als Dramaturgin gelandet bin, habe ich schnell festgestellt, dass die anderen alle Recht hatten und der Job wie für mich gemacht ist. Inzwischen weiß ich das vielfältige Aufgabengebiet dramaturgischer Arbeit und den Überblick über die Gesamtheit eines Hauses, den man in dieser Position gewinnt, sehr zu schätzen und kann mir keinen anderen Beruf mehr vorstellen.

An welchen Moment in deiner Karriere erinnerst Du dich besonders gut?

Während meiner ersten Hospitanz kurz nach dem Abitur sagte der Regisseur der Produktion zu mir: „Sophie, überleg es Dir gut, am Theater wird man nicht reich.“ Und ich erwiderte voller jugendlichem Idealismus: „Ja, aber deswegen macht man das doch nicht.“ Daraufhin entgegnete er: „Ja, aber am Theater wird man auch nicht berühmt“. Ich kann also nicht behaupten, dass ich nicht wusste, worauf ich mich einlasse.

Empfindest Du ein Ungleichgewicht am Theater was die Geschlechterbesetzung angeht?

Natürlich. Der Großteil der Intendanten und Regisseure sind nach wie vor Männer, die meisten Ensembles bestehen aus mehr Schauspielern als Schauspielerinnen und es werden wesentlich häufiger Texte von männlichen Autoren als von ihren weiblichen Kolleginnen gespielt.

Sind Frauen die besseren Dramaturgen?

Da stellt sich doch direkt die Frage, was genau ein guter Dramaturg überhaupt sein soll. Grundsätzlich gehört für mich zu dem Job in jedem Fall viel Empathie, eine gute Beobachtungsgabe und der Wille, sich ganz in den Dienst der Sache zu stellen. Und Männer sind für diese Eigenschaften ja hinlänglich bekannt.

Was macht für dich Fempowerment heute aus?

Es stößt den wirklich wichtigen gesellschaftlichen Diskurs über Genderequality neu an. Es wird Zeit, dass wir darüber wirklich diskutieren, anstatt die Behauptung aufrechtzuerhalten, dass die Gleichberechtigung schon lange erreicht sei.

Was würdest Du am Theater gern sofort ändern?

Faire Löhne, Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten für alle Mitarbeiter – von den Künstlern über die technischen Gewerken bis hin zur Verwaltung.

In welchen Momenten deines Jobs wärst Du lieber ein Mann?

Jedes Mal, wenn mich irgendein Selbstzweifel anficht. Ich denke, Männer stellen sich selbst viel weniger infrage als Frauen.

Wenn die Frauenquote etwas bewirkt dann…
bitte beende diesen Satz

Ökonomische Gleichberechtigung. Gendersternchen hin oder her – Es geht bei der Gleichstellung doch im Endeffekt um knallharte wirtschaftliche Fragen. Es kann nicht sein, dass im 21. Jahrhundert Frauen immer noch so bezahlt und beschäftigt werden, als würden sie nur zum Spaß arbeiten, weil die wirtschaftlich relevantere Karriere ihres Ehemanns sowieso das Familieneinkommen absichert.

Was können wir Frauen tun, damit sich die Wahrnehmung auf unser Geschlecht am Arbeitsmarkt ändert?

Wir müssen mehr für uns einfordern. Egal, ob es um ein spannendes Projekt, eine Gagenerhöhung oder Anerkennung für die eigenen Leistungen geht – man muss Lärm machen, um gehört und gesehen zu werden, und darf nicht darauf warten, dass endlich mal jemand bemerkt, was man kann und erreicht hat. Und wir sollten mehr auf unsere eigenen Karrieretipps hören – das gilt zumindest für mich.

Foto: Jim Albright

Beschreibe Dich in drei Worten:

Und weiter geht’s!

Was liest Du derzeit

„Serotonin“ von Michel Houellebecq. Wer sonst könnte abnehmende männliche Libido mit dem Niedergang der französischen Landwirtschaft in einem Roman zusammenbringen?

Hast Du ein Lieblingszitat, aus einem Stück, oder eins, dass Dich schon länger begleitet und wenn ja welches ist das?

„Es sind nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten“ aus Lessings „Nathan der Weise“. Im Stückkontext ist damit gemeint, dass wir uns von bestimmten Dingen, wie etwa unserer Sozialisation, nicht frei machen können, egal, wie viele dumme Sprüche wir darüber machen. Es ist aber sehr vielfältig einsetzbar. Ich zitiere es besonders gerne, wenn jemand ausgiebig jammert und sich beklagt, aber keinerlei Anstalten macht, etwas an der Situation zu ändern. Das begegnet einem als Dramaturgin häufiger.

Beitragsbild: Sabine Röße