FemFriday mit Anika Baumann

Im heutigen FemFriday antwortet die Schauspielerin Anika Baumann auf meine Fragen.

Anika Baumann wurde 1979 in Frankfurt geboren. Sie studierte Schauspiel an der Universität der Künste in Berlin.
Von 2006 bis 2010 war sie als festes Ensemblemitglied am Maxim Gorki Theater in Berlin engagiert und spielte dort u. a. in Professor Unrat, Romeo und Julia und Glaube, Liebe, Hoffnung.
Danach arbeitete Anika freischaffend. Sie stand u.a. für Soko Leipzig, Der Staatsanwalt und Soko Wismar vor der Kamera und spielte im schweizer Spielfilm Plötzlich deutsch eine der Hauptrollen. Außerdem stand sie u. a. im Volkstheater München, dem Staatstheater Stuttgart, dem Theaterhaus Jena,  dem Schauspiel Leipzig und im Staatstheater Braunschweig auf der Bühne.

Seit der Spielzeit 2014/15 ist sie festes Ensemblemitglied am Staatstheater Mainz. Dort ist sie u.a. als Maria in Maria Stuart, als Kriemhild in Die Nibelungen oder als Elmire in Molières Tartuffe zu sehen.
Anika ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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Anika als Maria Stuart am Staastheater Mainz – Foto: Andreas Etter

Wie kamst du zum Beruf Schauspielerin?

Als Kind wollte ich eigentlich wahnsinnig gerne bei Aldi an der Kasse arbeiten. Die Kassiererinnen hatten von allen Produkten die Nummer im Kopf und konnten die in unglaublicher Geschwindigkeit in die Tasten hämmern. Das hab ich geliebt.
Trotzdem war schon ganz früh der Wunsch da Schauspielerin zu werden, auch wenn Theater in meiner Familie keine Rolle gespielt hat. In Frankfurt gab es damals am Schauspielhaus den Schülerclub von Alexander Brill. Da hab in den 90igern Black Rider gesehen und es hat Bam gemacht. Ich wollte unbedingt mitmachen und hab mich zum Casting angemeldet und es hat geklappt. Bei Alexander Brill hab ich dann zum ersten mal Theaterluft geschnuppert, viel gespielt, mich ausprobiert und vor allem den Sog vom Theater mitbekommen. Dann wars klar! Ich muss!

 

An welchen Moment deiner Karriere erinnerst Du dich besonders?

Es gibt viele Momente und Begegnungen, an die ich mich erinnere. Vor allem Pannen, wenn Kollegen nicht auftreten, Bühnenteile nicht fahren, es klemmt und so weiter. Augenblicke, die zum Teil nur wenige Sekunden dauern, aber auf der Bühne endlos erscheinen.
Es gibt viele Erinnerungen aus den Anfangszeiten, wahrscheinlich weil man da so viel aufsaugt und alles aufnimmt.
An die einzelnen „Etappensiege“ erinnere ich mich gut: Der Augenblick der Zusage für die Schauspielschule, den Anruf des Hausregisseurs des Maxim Gorki Theaters: Du hast die Stelle, die erste Arbeit als Freie usw…

Du bist Mutter von zwei Kinder, inwieweit hat die Mutterrolle deine Arbeit beeinflusst?

Zu dem Zeitpunkt als ich mit meinem ersten Kind schwanger wurde, habe ich noch sehr viel frei gearbeitet, in mehreren Städten und war viel unterwegs mit wachsendem Bauch. Als Oskar dann da war, hab ich noch ein paar Vorstellungen gespielt und dann wurde es es ruhig, weniger Anfragen, weil „ du bist ja jetzt Mutter“… Das war eine herbe Enttäuschung.

Ich merke aber, dass ich als Mutter anders arbeite, mir meine Zeit wertvoller ist. Wenn ich um 10 Uhr auf die Probe komme, dann hab ich schon seit 6.30 den Tag gewuppt, meinen Alltag bestritten, und könnte um 12 schon wieder Mittagessen gehen 😉
Ich will und muss jetzt mehr als früher alles in der Probe schaffen. Sicherlich bin ich ein Stück weit ungeduldiger geworden, wenn z. B die Regie keine Richtung hat, ich nicht weiss woran wir uns gerade abarbeiten. Das fordere ich jetzt schneller ein.

Text lernen ist der größte Feind geworden, weil man sich auf Spielplätzen in der Mittagspause einfach sehr schlecht konzentrieren kann. Es ändert sich logischerweise ganz viel, aber das ist auch gut. Es ist schön neben dm Theater noch das richtige Leben zu haben.

Ist Kind und Karriere am Theater machbar oder wieviel mehr Aufwand betreibst Du für Kinderbetreuung als andere?

Sicherlich ist Karriere machbar, aber es ist sehr viel anstrengender und mit viel mehr Aufwand verbunden. Wie in jedem anderen Job auch. Unsere Arbeitszeiten sind die größte Herausforderung. Die vielen Abende, die man vom Abendbrottisch aufstehen muss um ins Theater arbeiten zu gehen, das fällt mir schon oft schwer und geht auch nur, weil ich meinen Beruf doch sehr liebe…. aber manchmal auch verdamme;-)
Dafür hab ich nachmittags viel Zeit und kann die Morgen oftmals vertrödeln…
Es geht alles irgendwie und mit einem großen Stab an Babysittern kann ich die Abende gut abfedern…

Was wünscht Du dir für einen Beruf für deine Kinder?

Wenn ich meine Kinder frage, dann möchten sie gern Astronaut und Zirkusartistin werden. Zwei durchaus tolle Berufe, wie ich finde. Ich wünsche mir, dass sie etwas finden für das sie brennen, wo sie ihre Leidenschaft , Zeit und Energie investieren wollen und dafür etwas zurückbekommen. Ich wünsche ihnen, dass sie ganz frei und ohne gesellschaftlichen Druck entscheiden können. Und wenn mein Sohn eines Tages im Astronautenkostüm auf dem Wochenmarkt Äpfel verkauft und meine Tochter im Glitzeranzug Autos repariert und beide dabei glücklich sind, bin ich es auch.

In welchen Momenten deines Jobs wärst du gern lieber ein Mann?

Wenn in einem Stück ein Bauarbeiter zu besetzen ist und die Regisseure noch nicht so fortschrittlich sind um dabei an mich zu denken. Sonst verspüre ich den Wunsch nach Geschlechtertausch eigentlich nicht. Ich denke ich werde aber vorsichtshalber zur nächsten Gagenverhandlung einen Penis mit in die Tasche stecken…. Vielleicht hilfts.

Was würdest Du in Punkto Gleichberechtigung am Theater unbedingt ändern wollen?

Es herrscht im Theater immer noch eine offensichtliches Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen. Bei Spielplan Inhalten, den Rollen , der Chefetage usw…
Ich freu mich diebisch über jede Frau in der Technik, beim Licht oder Ton oder über männliches Azubis in der Schneiderei und Maske. Das Theater sollte unbedingt ein Ort sein, in dem alles möglich ist, keine Unterschiede gemacht werden. Auch in der Bezahlung. Leider sieht die Realität immer noch anders. Das alte Thema, der regieführenden Männer. Ob der alte weisse Mann oder der junge Regieabsolvent. Für Frauen ist es schwieriger an Jobs zu kommen. Man traut ihnen weniger zu. Für Kinder und Weihnachtsstücke dürfen sie dann mal. Ist ja ihr Thema. Das regt mich wahnsinnig auf und da ich fordere ich ein massiveres Umdenken.

Ich habe mit vielen sehr tollen Frauen am Theater zusammengearbeitet. Kreative, schlaue, laute und unangepasste und durchaus auch unangenehme Köpfe. Leider werden diese Querköpfe dann oft nicht nochmal eingeladen, weil sie als zu anstrengend empfunden werden. Bei Männern ist das Arschlochgehabe als Regisseur dann oft ein Kompliment oder Gütesiegel.

Was können wir Frauen tun um die Gleichberechtigung voranzutreiben?

Frauen sollten nicht aufhören laut zu werden, wenn es darum auf geht dieses Ungleichgewicht aufmerksam zu machen. Wir sollten uns zeigen, kraftvoll, selbstbewusst und selbstverständlich. Eine Gleichberechtigung ist absolut wichtig und in meinen Augen das natürlichste der Welt und darüber gilt es nicht zu diskutieren, sondern sie zu leben.

Beschreibe dich in drei Worten!

Offen, sprudelnd, chaotisch

Was liest Du derzeit?

Auf meinem Tisch liegt gerade Skandinavisches Viertel (Torsten Schulz), Sophia der Tod und ich (Thees Uhlmann) und Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete… eine ziemlich gute Mischung.
Auf dem Klo liegt noch die Bunte, das Securvita Krankenkassen Magazin und ein Bildband von Heintje. 

Was war deine Lieblingsrolle, die Du gespielt hast?

Es gibt Inszenierungen, an die ich wahnsinnig gerne zurückdenke, weil sie in einer besonderen Zeit entstanden sind oder besondere Begegnungen hervorgebracht haben . Dazu gehört definitiv das Prinzip Meese am Maxim Gorki Theater mit Antu Romero Nunes oder Walther, der verträumte Autoknacker zur Wendezeit in Leipzig in Als wir träumten von Clemens Meyer (Armin Petras).
Auch hier in Mainz zu Beginn meines Engagements „Frau John“ in den Ratten war eine intensive Arbeit, weil meine Tochter noch sehr klein war und das Stück so brutal und schonungslos (Regie von Jan Christoph Gockel ). Für mein schlimmes Rampensau- Gen war die Rösslwirtin unter der Regie von Koppelmann/ Jordan eine Wohltat.

 

Quelle: Staatsheater Mainz
Trailer: Staatstheater Mainz

Fotos: Andreas Etter

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Betreust du noch oder arbeitest du schon?

Am heutigen MAMA-MITTWOCH gibts eine etwas aktualisierte Kolumne aus dem Herbst 2017. Ein Jahr her und immer noch so aktuell. Denn gewisse Dinge ändern sich eben nicht. Leider.

Beschreibe dich in drei Worten, heißt es im Who-Is-Who-Interview meines ersten Blogs Zauber von Ost.com. Eine der passensten Antworten einer Mama-Bloggerin, bei der nun gleich jede Mutter schmunzeln wird, war: „Mama komm mal!“

Am vergangenen Familienwochenende, wurde mir mal wieder bewusst, wie häufig ich aufgefordert werde irgendetwas anzuschauen, zu beklatschen und zu schlichten. Die ständige Aufmerksamkeit, in Zeiten von ständiger Ablenkung, ist ein wahres Gut.

Je älter die Kinder werden und je wortgewandter umso größer wird der kommunikative Teil. Klar verschwinden sie immer öfter im eigenen Zimmer, malen und basteln oder klettern im Wald auf Bäume. Und doch konnte ich nicht umhin mich zu fragen, ob wir noch mehr im Einsatz sind, die Welt zu erklären als vor zwei Jahren?

Nun stehen die Herbstferien vor der Tür und ich frage mich: „Sind die großen Ferien nicht grad erst rum?“ Und nein, natürlich ist dem nicht so und trotzdem habe ich das Gefühl eigentlich vor kurzem erst die Betreuungsfreien-Tage mit den Kids zu gestalten.

Da ich ja selbstständig, also freischaffend arbeite, kann ich auch mal abends den Laptop aufklappen, so wie gestern. Ich arbeite gern und auch gern viel. Ich liebe das was ich tue. Meine Arbeit ist kreativ, aktuell und vielseitig. Es ist Arbeit, die ich mit großer Begeisterung und Elan tue, Arbeit, die ich selbst gestalte und einteile. Doch wie man es dreht und wendet, arbeiten muss ich eben doch.

Eine Woche in den Herbstferien gibt’s Ferienprogramm im Hort und die andere müssen wir irgendwie jonglieren. Papa und Mama geben sich die Klinke in die Hand, der eine arbeitet früh, der andere spät,  einmal muss Oma ran oder eben eine Freundin, die selbst Kinder hat und, ja hehe, Lehrerin ist.

Aber auch die Gestaltung dieser Tage macht mich schon nachdenklich. Warum muss es gleich der Ausflug in den riesen Zoo der Nachbarstadt sein oder das megatolle Erlebnisschwimmbad?

Reicht es heute nicht mehr mit der eigenen Mutter zu Hause zu bleiben, einkaufen und spazieren zu gehen? Alles muss ein Event werden. „Mama guck ma, ich kann das besser!“ Wer hat meinen Kindern gesagt, sie müssen immer besser und schneller und größer sein? Im Zweifel ich.
Ich konnte nicht umhin mich zu fragen wie es wohl bei mir war. Ich erinnere mich an die großen Ferien im Garten meiner Großmutter und an ein paar Urlaube in Italien. An die Herbstferien habe ich keine Erinnerungen.

Was schließe ich daraus? Meinen Kindern diesen Spaß vorenthalten um sie auf die Grundbedürfnisse zu lenken? Gelingt das? Oder sind sie nur einmal Kind und haben das verdient?
Plötzlich sehe ich mich zwei Ferienprogramme buchen. Mehrere Hundert Euro dafür kalkulieren. Die Industrie hat begriffen, dass Eltern die richtigen Kunden sind, die man ausnehmen kann wie Weihachtsgänse. Nichts ist zu teuer, nichts wird den Kindern vorenthalten, nichts an Bildung ist zu viel oder überflüssig. So fahre ich also eine Woche lang in die unterschiedlichsten Richtungen der Stadt um die eine Tochter beim Filmemacher-Kurs für Fünfjährige (wenn ich das so tippe, klingt es irrsinnig dämlich) und die andere zur Naturforscher-Woche in den nahegelegenen Forst bringen.
Um dann wieder am Schreibtisch zu sitzen, Texte, Strategien und Ideen umzuetzen obwohl doch eigentlich Familienzeit sein sollte. Oder ist dieser Gedanke übertrieben?
Übertrieben weil wir doch gerade ausgiebig Urlaub gemacht und die Ferien lang waren.
Die Angst, dass das Programm zu Hause zu sein, zu lesen, zu backen und im Garten zu arbeiten, nicht ausreicht ist groß. Können wir das leisten?

Und wenn man dann hört: „Immer musst Du arbeiten Mama!“ bekomme ich kein schlechtes Gewissen, sondern frage mich, ob das Bild der arbeitenden Mutter immer noch ein fremdes ist?
Warum fragen meine Töchter, die damit großwerden, dass ich arbeite (ich habe bei Greta ein Jahr Elternzeit, bei Sophie nur wenige Wochen genommen), noch immer dieselbe Frage? Weil zu viele Mütter um sie herum nicht arbeiten und ein eigentlich veraltetes Rollenbild bestätigen?
Sophies bester Freund zum Beispiel ist da nicht der „falsche Einfluss“. Seine Mama arbeitet Vollzeit und der Papa hat zwei Jahre Elternzeit genommen.
Gebe ich dieser Frage zuviel Gewicht? Ist es schlicht ein Wunsch nach Freizeit mit mir?
Fragen sie das ihren Vater ebenso?
Leider konnte ich nicht umhin mich genau das zu fragen. Denn nichts an der Gleichberechtigung oder Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist heute selbtverständlich, obwohl wir uns im Jahre 2018 befinden.

Entscheidend ist für mich aber was ich meinen Töchtern antworte wenn sie mich fragen, warum ich arbeite: „Arbeit macht glücklich und unabhängig. Und später wirst Du mir dankbar sein, dass ich arbeiten gegangen bin. Das verstehst du irgendwann!“
Denn ähnlich wie die Frauenquote, die langfristig auf die Konten aller Frauen (z.B. die meiner Töchter) einzahlt, ist die persönliche Sozialisation entscheidend. Kinder von arbeitenden Müttern bekommen etwas vorgelebt, dass sie annektieren und somit besser imitieren können.
Und sind wir mal ehrlich, vieles was wir tun, spiegelt sich im Verhalten unserer Kinder wider.
Ich versuche deshalb ein Vorbild zu sein- eine arbeitende, aufgeklärte Mutter sein, die alles unter einen Hut bekommt. Dabei bin ich sexy, witzig, sportlich, kreativ und kann auch noch herausragend kochen. Die eierlegende Wollmilchsau. Kein Thema heutzutage.
NICHT.
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FemFriday mit Andrea Schwalbach

Im ersten FemFriday-Interview stelle ich Euch heute die Musiktheaterregisseurin Andrea Schwalbach vor.

Geboren in Frankfurt am Main, studierte Andrea Schwalbach Philosophie und Theaterwissenschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. 1990 war sie Mitbegründerin des Mutare Musiktheater Ensembles, das jahrelang diverse Opernprojekte im Frankfurter Raum realisierte.
Weitere Inszenierungen führten sie in der Folge u. a. an die Staatsoper Berlin, die Staatsoper Stuttgart im Kammertheater, das Staatstheater Kassel und mehrfach an die Opernhäuser in Frankfurt, Bonn, Hannover, Saarbrücken, Linz, Oldenburg, Antwerpen. Sie inszenierte u.a. an der Oper Frankfurt, Oper Bonn, am Nationaltheater Mannheim, am Theater Osnabrück und am Theater und Orchester Heidelberg.
Andrea ist verheiratet und hat drei Kinder.Wir haben uns im Zuge des FemFriday über Gleichberechtigung am Theater, die Frauenquote und Kinderbetreuung ausgetauscht.

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FemFriday – Frauen in der Kunst

Nach Digital-Dienstag und Mama-Mittwoch gibt es hier mein nächstes Format:

Am FemFriday porträtiere ich Frauen in der Kunst.

Immer freitags gebe ich Frauen aus Kunst und Kultur eine Bühne für ihre Geschichten, Ideen und Meinungen.
Unsere Themen gehen von Agiles Arbeiten, Fempowerment, Gleichberechtigung, Kinderbetreuung bis zu Zyklen in der Kunst.

Das Format setzt sich aus Interviews, Gastbeiträgen und kleinen Features zusammen.
Wer mich dabei unterstützen möchte ob in Beiträgen oder dem Format finanziell unter die Arme greifen möchte, schreibt mir einfach eine Mail.

#femfriday #fempowerment #supportyourgirlgang

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MAMA-MITTWOCH

Ab sofort gibts immer mittwochs Inhalte von mir oder einem spannenden Gast. Alles Rund um die Familie, das Leben mit Kindern und den Alltag als Eltern.

Auch wenn es eine Menge guter und ebenso schlechter Mamablogs im weiten weiten Web gibt, reihe ich mich in eine Riege, zu der ich eigentlich nur bedingt passe.
Schon bei meinem ersten Blog DER ZAUBERER VON OST fiel es mir eher schwer übers Durchschlafen oder Rezepte für Kleinkinder zu schreiben.
Bis ich meine Stärke entdeckte: den Humor.
Also gibts von mir eher was zu Lachen (Kotze im Haar, Autoschlüssel im Klo und Schildkröte in der Microwelle) und von anderen fundierte und gut recherchierte Beiträge.

Das wichtigste an diesem Format ist mir aber das #vernetzen, #supporten und #teilen.
Denn was Lynette bei Desperate Housewives im Wartezimmer beim Gynäkologen eine jungen Schwangeren erzählt, ist vielen von uns bekannt:

„Sie werden sich sehr oft sehr einsam fühlen, aber sie werden nie wieder alleine sein!“

Und deshalb mache ich das hier. Um sich auszutauschen, einander zu verstehen oder einfach nur der Lesestoff auf der Toilette als kleine Auszeit zu sein.

Erster Beitrag letzte Woche war übrigens: Kleine Kotzbrocken

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Kleine Kotzbrocken

Von schlechtem Geruch, der Suche nach Kaffee und dem Norovirus

Der Tag beginnt um 5.00 Uhr. Das kleine Kind tippelt in mein Zimmer.
Sie müffelt, Pardon, riecht. Während ich mich schlafend stelle und die
kleinen kalten Füßchen unter der Bettdecke an meinem Oberschenkel spüre,
überlege ich gemeinsam mit meiner Nase, aus welchen Gerüchen der Muff
besteht. Immer klarer wird, ich habe mal wieder einen Mama-Euphemismus benutzt. Sie stinkt – sogar bestialisch. Ein weiteres Gefühl schleicht sich in meinen, eigentlich noch nicht funktionstüchtigen Kopf – ist das Kotze? Oder nur der Durchfall? Durchfall, bekannt seit vier Tagen. Behandelt erst seit zwei. Schonkost seit vier. Klogehen adé seit vier. Windel-Hallo seit vier! Während ich so vor mich hinzähle, merkt vor allem meine Nase: es ist Kotze.Natürlich hat sie jetzt gekotzt. Natürlich hatte der Kinderarzt, dieser weise Mann, recht. Es ist Brechdurchfall, besser bekannt als der Norovirus. Natürlich. Ich habe hoffnungsvoll daran festgehalten es mit reiner Schonkost und Tee allein in den Griff zu kriegen. Fehlanzeige!

Schnullerstinkigkeit gibts wirklich

Ich drehe mich zum kleinen Kind, die ruhig auf dem Rücken liegt und mit
ihrer Elsa-Barbie in der Luft rumfuchtelt und es „ich spiele nur” nennt.
Sie sieht mein müdes Gesicht und rückt noch näher. Näher geht kaum.Wenn sie könnte, würde sie in meinem Schlafanzug schlafen. Sie grinst
und nuschelt durch ihren Noni (Fachsprache für Schnuller): „Mami, ich
schlafe noch.” Danach ist klar, der saure Geruch, der am Schnuller
vorbei in meine Nase steigt, ist eindeutig Kotze und nicht der
morgendliche Geruch aus Schlaf und Schnullerstinkigkeit. Mit Grauen
denke ich an das Kinderbett. Alles aus Holz und vor allem eine
Trillion Kuscheltiere ums Kopfkissen positioniert, die nun in frischer oder
vielleicht weniger frischer Kotze getunkt aufwachen. Was das bedeutet,
spult sich in meinem Kopf ab. Nächster Gedanke: wie spät ist es? 5:00 Uhr. Um 7:00 Uhr macht der Kindergarten auf, ich muss das Essen abbestellen.
Haben wir noch was gegen Übelkeit? Noch getrocknete Heidelbeeren? Was macht die große Schwester, ist die fit?Hab ich was da für Hühnersuppe? Hühnchen ist aber nix für den nervösen
Magen. Mann wecken? Nee, der hat heute Bühnenprobe, lass ihn schlafen.
Ich bleib einfach mit dem stinkenden Kind im Bett und ziehe uns die
Decke übern Kopf. Oh Gott, neee, da stinkts noch mehr!

Kaffee?!

Als erstes: Kaffee. Während ich mit „strubbele Haare”, wie das kleine Kind zu
sagen pflegt, an der Kaffeemaschine auf die edlen Aromatropfen warte,
turnt das immer noch stinkige Kind auf der Arbeitsplatte rum und zupft
den Basilikum auseinander: „Mama guck ma, was ist das?” Ich antworte gähnend: „Das ist Basilikum.” „Kann man den Sabilikum essen?” „Ja den kann man essen, du solltest den aber jetzt nicht essen.”Sie rutscht mit ihren Füßchen vom Brett und fällt fast. Ich halte sie
gerade noch fest. In ihrem Gesicht sehe ich Empörung. Sie legt die
Stirn in Falten, zeigt mir – das von ihrer Schwester abgeguckte
Gewittergesicht – und blafft mich an:„Ich will den aber mal bobbiern!” „Nein, heute nicht!” Sie knurrt mich an.

„Mama, Aaaarm!”

Ich nehme sie energisch von der Arbeitsplatte. Wie ist sie da überhaupt hochgekommen? Da haut sie mich mit ihrer kleinen Patschehand auf die Schulter. Ich will sie absetzen, doch sie klammert sich fest. „Mama, Aaaarm!”Diese Kombination aus Wut auf mich und dennoch auf meinem Arm verweilen wollen, ist mir seit ihrer älteren Schwester ein komplettes Rätsel. Es passt in die Reihe von schnellstem Launenwechsel, täglich änderndem Essverhalten (Ich mag keine Bohnen, gestern war ja gestern!) und das nicht registrieren von bereits gemachten Geschenken, wie einem saudoofen Heftchen wahlweise Lillifee oder Lego, beim Besuch im Supermarkt vor ungefähr einer Stunde. „Nie krieg ich was Lustiges von dir Mama!” Ich schleppe das müffelnde Kind ins Bad. Noch ohne Kaffee. Ziehe ihr den vollgekotzten Schlafanzug aus und werfe ihn mit samt Kind in die Badewanne. Der Protest führt zu großen Kullertränen und trotz regelmäßiger beruhigender Worte wie „Ist ja gut!” oder „Ist ja gleich vorbei!”, hört das kleine zappelnde Wesen nicht auf zu weinen. Bitterlich blickt sie durch ihre müden Augen und straft mich mit einem noch dunkleren Gewitter auf ihrem Gesicht als ich sie in einen vorgewärmten Badezwerg hülle.

Endlich Kaffee!

Den kleinen trotzigen Kerl trage ich aufs Sofa und schalte ihr – ja um 5:30 Uhr –ihre Lieblingssendung Peppa Wutz ein. Ich höre die Titelmusik und denke an meinen Kaffee. Mit nasser Schlafanzughose trotte ich zurück in die Küche.Ich gieße das dunkelbraune Gold in meine Tasse, öffne den Kühlschrank – ach f***, keine Milch mehr da. Also trinke ich meinen Kaffee mit Millemilch
(Vanille Sojamilch), obwohl ich doch auf Zucker verzichten soll.

Flutwellen an Kotze

Ich stecke meinen Kopf vorsichtig ins Kinderzimmer. Der Gestank ist
unverkennbar und kaum zu ertragen. Wie die andere Tochter dabei schlafen
kann? Wieder ein Rätsel. Aber sie röchelt leise vor sich hin. Ihr
Gesicht ganz nah an den Holzquerlatten des Hochbetts. Ihr Mund
vollkommen entspannt, zeigt sein ganzes Volumen. Geerbt vom Papa, die
herzförmigen und sehr vollen Lippen. Ich beschließe mich leise aus dem
Zimmer zu verdrücken. Seitdem das große Kind auf der Welt ist, habe ich
panische Angst schlafende Kinder zu wecken. Es hört nicht auf, obwohl
man mittlerweile gerade neben ihr, eine Papiertüte knallen lassen
könnte. Das Gefühl verschwindet nicht. Während ich die Zimmertür langsam schließe, höre ich im Wohnzimmer schon wieder ein „Mamaaaa!”Ich komme ins Zimmer und das kleine Kind turnt nackig auf den Polstern
herum und hat die Duplo-Sammlung auf dem Teppich verteilt. „Hab ich das Duplo für mein Patenkind besorgt?”, frage ich mich und denke über den nächsten Einkauf nach. Handseife brauchen wir auch. Plötzlich merke ich, wie das kleine Kind laut schreiend auf dem Sofa rumhüpft. Wie lang tut sie das schon? „Millemilch?”, fragt sie und legt ihr einstudiertes Bittebitte-Gesicht auf. Ich schüttel den Kopf, doch bevor ich überhaupt antworten kann,
heult sie los: „Ich will aber Millemiiiiiilch!” Ich versuche ihr zu
erklären, dass es für ihren Bauch im Moment nicht gut wäre, dass sie
Millemilch trinkt und merke wie sinnlos diese Erklärungen sind. Wieso diskutiere ich eigentlich mit ihr? Ich mach einen Schritt auf sie zu um es mit Mama-Wärme zu versuchen, manchmal wirkt´s, da trete ich auf einen Duplostein.

Manchmal hilft nur Bestechung

Weil sie sonst toben und somit Vater und Schwester wecken würde, rede ich mit Engelszungen auf sie ein und überzeuge sie einen Zaubertee zu trinken. Bestechung spielt hierbei natürlich eine Rolle. Tatsächlich finde ich einen Kindertee mit Lillifee-Motiven und rühre ihr etwas Perenterol und Traubenzucker unter. Das Teewasser färbt sich dank des Tees sofort lila-pink und gefällt der kleinen Prinzessin. Sie trinkt.Es ist 6:30 Uhr und ich habe zumindest eine kleine Hürde geschafft. Entgegen der weit verbreiteten Ängste von z.B. Omas, die meiner Kinder und auch meine eigenen, ist es für Kinder nur wichtig, genug zu trinken. Nur weil sie zwei Tage nur ein paar Salzstangen und Zwieback oder auch mal gar nichts zu sich nehmen, werden sie keinen Hungertod sterben. Jedes Mal bei dergleichen Diskussionen, möchte ich eine politische Rede schwingen und an die Armut in der Welt erinnern, wenn Oma wieder sorgenvoll drein blickt, ob die Kinder denn auch genug gegessen hätten.

Kalter Kaffee und Klogespenster

Mein Kaffee ist kalt. Ich überlege, ob ich Zwieback und Salzstangen im Haus habe, da flitzt ein weißes Wesen, erinnert an Caspar das Kleine Gespenst, durch den Flur. Es ist das große Kind, das scheinbar schnell die Toilette erreichen muss. Ich gehe ihr nach und vernehme beim betreten des Bads bereits Gerüche und Geräusche, die nichts mit normaler Badezimmer-Routine zutun haben.Nun sitzen beide auf dem Sofa und schlürfen missmutig – trotz pinker Farbe – den Lillifeetee. „Mama, darf ich was Eigenes gucken?”, fragt die Große. Erklärung: Den Fehler habe ich bei der letzten Krankheit gemacht, als ich Besuch zum Arbeiten hatte und vermeiden wollte, alle paar Minuten mit „Mamaaa” gestört zu werden. Ich habe der einen den Fernseher und der anderen ein Ipad angemacht. Finde den Fehler! Ich beginne der Großen zu erklären, warum nicht, dass sie gemeinsam gucken oder gar nicht, und sehe mich beim diskutieren selbst von der Seite an. Warum diskutierst Du überhaupt?Ich gehe ins Kinderzimmer und sehe das Schlachtfeld. Nicht nur Kuscheltiere
sind betroffen, die Schlacht weitet sich aus. Die Kotzflut hat die angrenzende Wäschetonne erreicht, es gab hohen Wellengang. Elsa-Barbie hat eine Schlammkur hinter sich und Olaf ist gänzlich unter den Kotzwellen begraben. Kikaninchen ist besprenkelt, Affe, Orka und Schildkröte, die vor allem als Kopfkissen dienen, haben ein paar ordentliche Duschen abbekommen.
Ohne zu überlegen stürze ich mich in die Fluten, packe alles in einen Wäschekorb und bereue nach ein paar Sekunden keine Küchenhandschuhe zu tragen. Bäh!„Mamaaaa …!”, ertönt aus dem Wohnzimmer. Ich antworte mit: „Ja, gleich!”, werde aber nicht gehört, knietief in der Kotzwelle.„Mamaaa ..!”, rufen nun beide im Chor. Ich versuche mich zusammen zu reißen und rufe erneut: „Ja, ich komme gleich!”„Mamaaaaaaaaaaaa!” – mein Puls wird schneller, ich merke wie die Wut in
mir aufsteigt. Ich versuche mich durch die Flutwellen langsam zur Tür zu
bewegen, halte die Tür auf und rufe erneut: „Ja, kommt doch bitte zu
mir!” Jetzt dürfte der Vater auch erwacht sein, denke ich. Schaue instinktiv auf die Uhr. Dabei entdecke ich, dass ich beim Griff an die Tür dort Kotzspuren hinterlassen habe. Bäh!

„Mama, komm mal”

Da steht die Große mit in die Hüfte gestemmten Armen vor mir: „Mama, ich hab Hunger!” Mit einem begossenen Kikaninchen in der einen und der durchnässten Elsa-Barbie in der anderen Hand, erkläre ich was ich gerade zu tun habe und dass ich mich danach um ein Frühstück kümmere.Im Bad höre ich die Dusche rauschen. Vater ist aufgestanden. Ich verspüre eine kleine Erleichterung. Alle Flutopfer im Wäschekorb werden in der Badewanne eingeweicht und mit Duschgel übergossen. Ein Bild, dass man hätte festhalten können. Wo ist mein Handy? Keine Ahnung, keine Zeit.Der Vater unter der Dusche will ein kurzes Update und sagt dann: „Ich komme gleich!” In diesem Moment verstehe ich warum, die Kinder diese Antwort nur so mäßig befriedigend finden. Manchmal möchte man sofort und auf der Stelle Hilfe und Antwort haben. Wissend, dass der Mann einen langen Tag haben wird und sowieso gleich aus der Dusche steigt und mir dann helfen wird, gehe ich in die Küche. Wo ist meine Kaffeetasse? Wo hab ich die stehenlassen? Wieviel Uhr ist es? 7:10 Uhr.

7: 10 Uhr – Gute Nacht…

Ich bereite ein Frühstück mit Vollkornbrot, geriebenem Apfel und einer
zerquetschten Banane vor. Gieße neuen pinken Plastiktee auf. Rühre und
schmiere Honig aufs Brot. Ich serviere meinen bauchkranken Mädels ihr Frühstück vor dem Fernseher, in der Hoffnung, dass sie so gebannt vom Kleinen Nick sind und ich so wenigstens meine Kaffeetasse finden kann.Es ist 7:22  Uhr und ich habe bereits renoviert, gewaschen, gekocht, verarztet, gesungen, gebetet und bin #amarschdiemama.

Veröffentlicht am 19.01.2017 bei Edition F

Girlsnightin

Von Stillettos, einem bedeckten Fußboden und meinem ewigen Vorbild

Es ist Dienstagabend. 19:00 klingelt es. (Früher haben wir uns viel später getroffen um auszugehen, doch das vor den Kindern, einer Hypothek und der Ergreifung der Weltherrschaft.)
Heute gehen wir nicht mal aus. Heute heißt es GirlsnightIN nicht out.

Wir haben heute den ersten Mädelsflohmarkt. Nein, das hat nichts mit einem Menschenhändlerring oder Prostitution zutun. Nein, wir treffen uns um Klamotten untereinander zu verkaufen oder zu tauschen. Vor einigen Jahren nahm ich an diesem Spektakel im elterlichen Wohnzimmer teil und war wie im Bann.
Zehn halbbekleidete Frauen mit Sektgläsern in der Hand wanderten durchs Wohnzimmer. Sie kicherten, posierten und berieten sich gegenseitig:

„Ja das steht Dir! Tolle Farben, betont deine Wangenknochen!“

Mich faszinierte dieses Bild so sehr, dass ich sogar begann darüber ein Theaterstück zu schreiben. Vollenden kann ich es aber erst jetzt. Nachdem ich einen solchen Abend mit meinen Freundinnen in meinen eigenen vier Wänden abhielt. Und tatsächlich die Voraussetzung von Sekt, Stillettos und feinen Fähnchen ist ein Garant für einen guten Abend.

Schnell war die Stimmung am Höhepunkt und die Shirts am Boden. Hemmungen wurden abgestreift ebenso wie Hosen. Und sogar die Beratung der Freundin ob ein gestrickter Minirock wieder in Mode sei, gefällt fast besser als für sich selbst ein Outfit auszusuchen. So wie ich damals, waren diesmal meine Töchter dabei. Anders fasziniert und eher aufs selbst-was-anziehen bedacht, sprangen die beiden Görls höchst amüsiert durchs Zimmer.

Ein wichtiges Phänomen, dass viele kennen werden, hat man einmal beschlossen den rot-gelb geringelten Pullover ausgemistet, da man ihn seit Wochen nicht getragen hat und ihn plötzlich an der Freundin sieht, gefällt er plötzlich wieder besonders. Und ähnlich wie wenn man beim Flohmarkt im Viertel verkauft, schrumpft der Haufen der Klamotten nicht, da man ja proportional neue alte Schätze auf den Stapel packt.

„Das hattest Du doch an Julias Hochzeit an, oder?“ und sofort schwelgt man in gemeinsamen Erinnerungen.

Und natürlich konnte ich nicht umhin mich zu fragen, ob das Vorbild dafür nicht eigentlich doch wieder die ewig aktuelle Carrie ist?
Ist es nicht bei Ihr ein mords Spaß ihr beim Ausmisten mit einer Flasche Champagner zu zu sehen.

Toss or take?

Übersetzt: wegwerfen oder nehmen. Diese Schildchen halten Carries Freundinnen bei jedem Teilchen hoch, das Carrie aus ihrem begehbaren Kleiderschrank posierend vorführt. Was wird behalten? Alles was aus gutem Material besteht, blau, der Figur schmeichelt und einen Typ unterstützt.

Weggeworfen wird etwas, dass zu eng, mit billigem Aufdruck ist oder aus Plastik ist.
Wie das franzözische It-Girl Caroline de Maigret sagt, was man nie im Schrank einer Pariserin finden wird: „Nylon, Polyester, Vsikose oder Vinyl- wer will schon freiwillig schwitzen, müffeln oder glänzen?“

Ob Pariserin, New Yorkerin oder eben Du und ich: wohlfühlen mit Stil ist der Schlüssel und ist es nicht noch schöner, sich im ehemaligen Lieblingsshirt der besten Freundin wohl zu fühlen.

Ein Abend der gut fürs Portemonaie und gut für Seele ist- deshalb sollte jeder von uns das einmal erleben.
Viel brauchts nicht- Lieblingsgetränke und Lieblingsmenschen, das wars!
Ich wünsche viiiiel Spaß!

 

 

Veröffentlicht am 16.08.2018 in der Thüringer Allgemeine Zeitung.

Sleep and Go bei den Festspielen

Wenn man ein Wochenende im Festspielsommer plant sind nur zwei Dinge wichtig: Das Wetter und das Hotel!
Da ich mit dem Wettergott meist gut stehe – ich esse meinen Teller immer auf – muss ich nur einen Schirm ins Auto packen (für alle Fälle und falls es Rosenkohl gab…) und mich um eine Übernachtung kümmern.

Die Eröffnung der Bad Hersfelder Festspiele steht jährlich in meinem Terminkalender- und das bleibt auch so, seit Dirty Dieter (Achtung, den Ausdruck hab ich geklaut!) im Februar als Intendant zurücktrat.

Ich freute mich also sehr, den Hersfelder Festspielen dieses Jahr neu zu begegnen! Sommerfestspiele sind ein schöner Urlaub von der normalen Saison in geschlossenen Räumen und Theatersälen: Anderes Publikum, andere Form der Unterhaltung, andere Atmosphäre.
Und gerade in Bad Hersfeld tummelt sich dank Dirty Dieter weiterhin eine interessante Mischpoke an Promis:

Von Tatort-Kommissar Richie Müller über Alt-Rowdy Claude-Oliver Rudolph bis zu Fernsehstar Nina Petri, bekommt das Publikum eine feine Auswahl unterschiedlicher Schauspielkunst geboten.
Auf dem roten Teppich wird viel gegrinst und viel geknipst. Ich persönlich habe es geschafft, ein Selfie mit Mutter Beimer zu machen. Wer kann das schon von sich sagen (viele bestimmt!)?

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Regisseur Robert Schuster hat den norwegischen Klassiker einmal auseinandergenommen und ihn mit ein wenig digitalen Spezialeffekten wieder zusammengesetzt. Was FAUST für die Deutschen ist, ist PEER GYNT für die Norweger. Doch einen verstaubten Klassiker erleben wir nicht, vielmehr eine aktualisierte Inszenierung in Zeiten von Twitter und Fake-News.

Nach einem gelungenen Theaterabend mit einer liebenswürdigen Puppe, einer Menge trickreicher Video-Einspieler und einem beeindruckend intensiven Christian Nickel als Peer, wird sich im VIP-Zelt über den Abend ausgetauscht.

Der Wein fließt, Brezeln duften und die Fackeln leuchten am Wegesrand. Im Schatten der Ruine lässt es sich nicht nur am Nachmittag gut flanieren, auch am Abend versprüht Bad Hersfeld ein besonderes Flair.

Grillen zirpen, Gitarrenklänge ertönen dazu und die Promis haben ihre Kostüme gegen Abendkleider getauscht und mischen sich unters Volk. Manche scheu, manche wie erwartet wie ein Promi mit Bedacht auf die Wahrnehmung.

Und trotz des rosa Elefanten im Raum – sprich den Vergewaltigungsvorwürfen gegen Ex-Intendant Dieter Wedel – herrschte gute und erleichterte Stimmung. Neu-Intendant Jörn Hinkel trumpft durch Ruhe und Sympathie auf.
Wir können gespannt auf kommende Spielzeiten unter seiner Leitung sein.

Zu später Stunde fielen wir in unser Bett des Sleep and Go Hotels. Perfekt für eine ruhige Nacht, perfekt wenn man auf der Durchreise ist und perfekt wenn man am nächsten Tag wieder auf die Autobahn muss.
Trotz Autobahnnähe war das Zimmer ruhig und nicht zur Straße gelegen- mit absolutem Erholfaktor.
Was braucht es mehr als eine gute Matratze und einen guten Kaffee? Das alles haben wir bekommen und dazu den überaus freundlichen Service beim Frühstück wie an der Rezeption.

Vielen Dank für diesen so angenehmen Aufenthalt in Bad Hersfeld!

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