Scheitern, scheitern, besser scheitern!

Noch ein Texte über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf

In meiner Internetblase geht es viel um Kunst. Theater, Filme und Literatur. Leider aber auch immer wieder um ein leidiges Thema, das mir schwer auf die Nerven geht, im Internet aber ebenso im ganz privaten Alltag. Worte die mir ständig begegnen, bei denen ich die Augen rolle.
Nein, es sind nicht Digitalisierung oder Genderpayday, sondern eindeutig das Wort „Vereinbarkeit“.

Zwei bis drei Texte über Vereinbarkeit von Familie und Beruf pro Tag

Egal wo, ob online oder offline, begegnet mir täglich mindestens eine junge Mutter, am besten eine hippe Gründerin aus Hamburg oder Berlin, die eine Menge Kohle mit „ihrer eigenen Idee“ gemacht hat und sich nun den Traum von einer Familie erfüllt.
Am besten sind die Interviews von werdenden Müttern, die mit Babybauch in einem Cos-Kleidchen mit Cashmereschal erzählt, wie alles geregelt wird, wenn das Baby auf der Welt ist. Nicht wissend was da auf sie zukommt. Nicht wissend was es für ein Baby wird, nicht wissend wie es sich anfühlt sein Neugeborenes an eine Nanny/Oma/Kita zu geben.

Die Vereinbarkeit ist selbstverständlich möglich. Davon bin ich überzeugt. Nur leider bringt sie Gepäck mit. Ein bisschen wie ein mitdreißiger Kerl, der bereits geschieden ist und zwei Kinder hat.
Es geht alles, könnte romantisch werden hat aber seinen Preis.
Und genau da kommen wir zum zentralen Punkt der romantisch verklärten Vereinbarkeit. Sie hat ihren Preis und das im schlechtesten Sinne des Wortes.

Unser Beispiel:

Wir sind beide am Theater und betätigen uns seit einigen Jahren in der „brotlosen Kunst“. Wir proben morgens und abends. Dazwischen ist „Pause“. In unserem Fall heißt es Einkaufen, Kinderabholen, Spielplatz/Bauernhof und Kochen. Abends geht dann – bestenfalls- einer von uns zur Probe, der andere bleibt bei unseren Töchtern.
Gleichzeitig zu Proben ist kaum denkbar. Hatten wir EINMAL. Ich führe das nicht aus. War aber auch nur möglich weil beide am selben Theater. Da haben Kollegen von uns träumerisch geseufzt: „Das ist doch super!“. Es war nicht super. Unterstützung in Form einer Oma haben wir- ja und auch da seufzen viele Kollegen vor sich hin.

Doch auch die Omas kommen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.
Was ist also die Lösung? Babysitter. Ja. Jeden Tag. Inklusive Samstagvormittag.


Proben, Premieren, Matineen in der Kitafreien Zeit

Zu unseren Proben kommen weitere Veranstaltungen wie Premieren, Matineen oder Preisverleihungen. Alles in der kitafreien Zeit versteht sich. Man braucht die Babysitterin also erneut.

Hier wäre eine Nanny eine ideale Lösung. Ja? Ja und die kann man von der Steuer absetzen. Eine Nanny bedeutet man hat einen ständigen Gast im Haus, man braucht ein Zimmer für sie und dementsprechend Platz. Wieviel muss also verdient werden um das zu gewährleisten?

Beim Auflisten dieser ganzen Hürden, wird mir bewusst, wie oft und wie genau ich unsere Lebenssituation bereits durchleuchtet habe. Die Optionen abgewogen und wieder verworfen habe. Denn die Option, dass einer verzichtet ist keine. Und doch passiert es automatisch. Ich möchte hier keine feministische oder genderspezifische Debatte anfangen. Denn wie Frau ihr Leben gestaltet sollte in unseren Breitengraden mittlerweile Fraus Sache sein.

Ich wollte immer Mama werden und sein

Ich wurde früh schwanger, nutzte „ungewollter Weise“ die Zeit, in der ich noch zu jung für die ganz großen Aufträge war. Ich blieb nach drei sehr erfüllten Arbeitsjahren als Regieassistentin zu Hause. Dank des dauerhaften Kotzens fiel auch die Schwangerschaft als Pausieren im Job aus. Ich genoss die Ruhe, die freie Zeit und die komplette Entschleunigung sehr. Als Gretl auf die Welt kam, veränderte sich alles und nichts. Die Entschleunigung blieb, das Pausieren ebenfalls. Ein Jahr lang. Es war meine Entscheidung. Es war meine Zeit. Gretls und meine und niemand kann sie mir nehmen. Ich fühlte mich gut und richtig an diesem Platz.  Natürlich bewarb ich mich fleißig und bekam für nach der Elternzeit ein schönes Angebot. Alles wurde mit den beiden Omas und einer Tagesmutter perfekt organisiert.
Je näher der Termin des Probenbeginns rückte umso nervöser wurde ich.

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Hormoneller Kehlkopfdruck

Mich von meinem Gretlchen zu trennen fühlte sich an, als würde man mir auf den Kehlkopf drücken. Doch pünktlich zu ihrem ersten Geburtstag veränderten sich wohl meine Hormone und damit auch das Kehlkopfgefühl.

Die Organisation war das eine, die Logistik, der Drahtseilakt das andere. Hierbei darf nichts aber wirklich gar nichts schiefgehen. Vor allem darf niemand krank werden. Weder Oma noch Kind. Puffer für Staus oder Zugverspätung werden einkalkuliert. Playdates für den Nachmittag Wochen vorher ausgemacht, es wird abgestillt und vorgekocht.

Schlafmangel vs. Konzentration

Doch kommen wir zum für mich besonders wichtigen Aspekt dieser ganzen Debatte, die nichts mit den Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt, nichts mit der Politik und nichts mit finanziellen Mitteln zutun hat. Dem Schlafmangel. Ich erinnere mich – obwohl viele Mütter das Gegenteil behaupten – noch ganz genau an die ersten Monate. Stillen, wickeln, bekotzt werden, Brustentzündungen und durchwachte Nächte. Wir hatten nächtlich Pech und zwar mit beiden Kindern. Tagsüber sehr pflegeleicht, fröhlich und entspannt.
Gretl war die etwas Entspanntere von beiden, brauchte aber exakt drei Jahre um nicht mehr mindestens zweimal pro Nacht zu rufen oder rumzuspazieren.

Ich habe fünf Jahre nicht geschlafen

Gretl schlief durch als Schischi auf die Welt kam. Nach drei Monaten Liegen wegen Komplikationen kam unsere kleine Schildkröte zur Welt und erschütterte uns noch mal in unseren Grundfesten. Bis zu 20x nachts wach und morgens um 7:00 unter Tränen der Erschöpfung, die andere Tochter für die Kita wecken, das manchmal allein, weil der Mann ja irgendwo inszenierte. Die Nächte. Erster und wichtigster Punkt warum ich kein drittes Kind will. Ein Dreijähriges würde ich nehmen.
„Entspannte Mütter bekommen entspannte Kinder!“ Ja das ist so.
Oder auch nicht. „Entspannte Kinder haben entspannte Eltern!“

„Entspannte Kinder haben entspannte Eltern!“

Komme ich zurück zur Vereinbarkeit:

Gehen wir davon aus, ich hätte Geld für Nanny und all die beruflichen Möglichkeiten. Wie hätte ich einen graden und eloquenten Satz formulieren können? Einen Text zu Ende bringen oder einen Schauspieler anweisen sollen? Mit welcher Kraft oder Konzentration? Ich konnte mich selbst ja nicht ernst nehmen, völlig übernächtigt und hormongesteuert. Darüber spricht kaum eine Mutter. Wäre ja eine Schwäche und die geben wir nicht zu. #workingmum

Ich verurteile keine Mutter, die ihren Beruf früh oder direkt nach der Geburt wieder aufnimmt, im Gegenteil, ich bewundere sie eher.
Denn ich wäre im Zuschauerraum oder am Computer eingeschlafen. Denn ein drei Monate altes Kind darf nachts eine Flasche oder die Brust wollen und „muss“ noch nicht durchschlafen.

Knapp ein halbes Jahr nach Schischis Geburt fing ich wieder regelmäßig an zu arbeiten. Mein Bedürfnis nach Arbeit, erwachsenen Menschen und Gesprächen ohne Unterbrechung war groß. Und auf einmal ist man wieder berufstätig. Und dann werden die Kinder krank. Und da ist er, der Tod der Vereinbarkeit.

Vorbilder unserer Zeit

Bei all der Beschäftigung in den Medien, Elternblogs, Podcasts und Talkrunden geht es darum Lösungen zu finden. Vorbilder spielen bei uns immer eine große Rolle. Darum gibt es so viele Influencer.
Influencer die uns auf Instagram vorleben wie sie leben. Und obwohl gerade in der Instagramblase mehr Realität gefordert und sogar umgesetzt wird, indem sich einige ungeschminkt und unperfekt zeigen, zu weniger Perfektionismus aufrufen, geben doch wenige zu wie es an der Front der Vereinbarkeit aussieht. Kein gutes Thema, bringt keine Klickzahlen. Verzeiht, das war polemisch.

Denken wir an Grey’s Anatomy: Meredith Grey bringt ihre drei Kinder täglich in die Betriebskita des Grey Sloan Memorial Hospital und keiner wundert sich, dass diese Kita ein klinisch sauberer Raum mit Plastikspielzeug in einem Krankenhaus ist. Und ja, das ist eine Serie, aber eine mit einer starken weibliche Hauptrolle (diese Kategorie gibt es wirklich!). Sollte da nicht bei all der Stärke, Selbstbestimmung und Unabhängigkeit, die Shonda Rhimes vielen jungen Frauen da draußen propagiert, ein realistischeres Bild gezeichnet werden. Realismus wird in dieser Serie nämlich großgeschrieben. Anders als bei meiner Freundin Carrie oder den Desperates Houswives.

Doch was wären Lösungen außerhalb von Shondaland?

Lösungen für dieses -wie wir sehen- internationale Thema sind: Ganztagstagsschulen, Coworking mit Kind, Betriebskindergärten, kostenlose Kinderbetreuung für Jeden, gleiche Elternzeit für beide Eltern, flexible Arbeitszeiten, vielleicht der 6-Stunden-Tag. Vorallem aber eine Gesellschaft, die weniger Druck auf Eltern ausübt, eine Gesellschaft, die Kinder mehr mit einbezieht.

„Scheitern, scheitern, besser scheitern“ um meinen großen Helden Harald Schmidt zu zitieren.
Für einfach mal sagen: SO geht es nicht!

Denn immer weiter an einem urbanen Mythos festzuhalten, in dem Mama und Papa sich morgens einen Kuss geben und fröhlich Kind eins bis vier in die verschiedenen Einrichtungen bringen, um danach in ein lichtdurchflutetes Büro zu fahren, Kunst zu machen, Menschen zu retten oder im Bundestag die Welt zu verändern, ist eine Szene aus dem Kinderfernsehen (oder Shondaland- is wahrscheinlich dasselbe) aber nicht eine meines oder eures Lebens.

Lösungen gern zu mir! Ich kanns kaum erwarten, dass sich was ändert.

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Be my Valentinus

Rosen, Herzpralinen und schmierige Möchtegern-Liebes-Poesie- das verbinde ich mit dem Valentinstag. Mein Mann und ich haben uns die letzten Jahre nichts zu diesem Tag geschenkt und haben alle weiteren Versuche im Keim erstickt.

Und doch gefiel es mir, dass ausgerechnet heute eine Premiere am Staatstheater Mainz ansteht und wir vorher noch einen Tisch reserviert hatten.

Jetzt besucht uns allerdings Freund Scharlach. Plötzlich tausche ich die Jogginghose gegen die goldenen Slipper und habe statt meinem Mann, ein glühendes Kind auf mir liegen.

Am Arsch die Mama, sag ich ja gern. Wäre ich eine politisch nicht korrekte Mamibloggerin, wäre das meine URL.

Während ich also Tee koche, Halswickel lege, fragt mein Kind: ist heute nicht Valentinstag? Hat der Papa Dir ne Rose geschenkt?

Nee, aber der Apotheker!

So nutze ich die Gunst der Stunde und erzähle ihr die eigentliche Geschichte des Valentinstags.

Denn dieser ist, keine ausschließliche Erfindung der Geschenkeladenindustrie, sondern liegt einer Geschichte zu Grunde, die ein paar Jahrhunderte alt ist.
Im alten Rom herrschte Kaiser Claudius II, den man auch Claudius den Grausamen nannte, der allen Liebespaaren ein Heiratsverbot aussprach, damit sich seine Soldaten dem Krieg und nicht den Frauen versprachen.

Dann gab es da aber einen Priester, namens Valentinus, der heimlich trotzdem Liebespaare traute. Claudius erfuhr vom romantischen Valentinus und ließ ihn in den Kerker sperren.

Am 14ten Februar schrieb Valentinus seiner Liebsten einen Brief und unterschrieb mit „einem Abschiedsgruß von deinem Valentinus“.

Ich bin ein bisschen stolz, ihr das erzählen zu können, da es sonst dünn geworden wäre mit:

„Die Schoko-, Geschenke und Schmuckindustrie brauchte einen zugkräftigen Feiertag!“. Abgesehen davon ist die kommerzielle Ausbeute, die man jährlich zum Valentinstag kritisiert, einer Fünfjährigen ziemlich egal.

In diesem Sinne liebt euch was das Zeug hält. Aber am besten immer und jeden Tag.

♥️♥️♥️♥️♥️♥️♥️♥️♥️♥️♥️♥️♥️

FemFriday 4.0

Von Assistentinnen, der Erfolgsgeschichte Mensch und dem Wunsch nach Fempowerment 4.0

Vor knapp sieben Millionen Jahren begann die Erfolgsgeschichte des Menschen.
Wie alles genau begann, ist Glaubensfrage und woran man glauben mag, kann jeder von uns für sich entscheiden. Ob biblisch im Garten Eden, als Gott noch übte, als sie den Mann erschuf oder ob man lieber an einen Beginn im heutigen Afrika glaubt, wie die Männer, schmächtige Wesen mit affenartigen Gesichtern, gemeinsam und vollkommen gleichberechtigt mit ihren Frauen zur Jagd loszogen um sich und die Nachkommen zu ernähren.

Ob Darwin oder doch der christliche Glaube, Fakt ist, dass wir uns seitdem stetig weiter entwickeln. Wir schreiben, fahren Auto, recyclen, werden digital und vor allem werden wir gleichberechtigt.
Der Prozess ist nicht aufzuhalten. Wenn Formate wie Edition F, der Equalpayday oder der Womansmarch entstehen, bin ich positiv optimistisch, was die Zukunft meiner Enkelinnen angeht.
Und auch wenn Teile meiner Generation, geboren Anfang/Mitte der 80er Jahre, sich zwischenzeitlich auf die alten Spießer-Werte wie Reihenhaus/drei Kinder/Hund beriefen, so sind die meisten dieser Ehen, ob gleichgeschlechtlich oder stinknormal, im besten Sinne emanzipiert und versuchen sich wenigstens mit Händen und Ringen an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und dem Familienbild 4.0.
Ich persönlich halte das für einen urbanen Mythos, den der KIKA-Kanal und die Brigitte erfunden haben, aber das ist ein anderes Thema und verdient einen ausführlichen Beitrag am #mamamittwoch.

Tod den Emanzen!

Und doch bin ich heute einem weiteren Mythos auf der Spur. Ein Kriminalfall besser gesagt. Denn es geht um einen Mord. Mord an der Emanzipation. Denn sie wird hier nicht beendet oder unterbrochen, sie wird gekillt. Gemeuchelt, barbarisch – Blut spritzt. Sie wird gewürgt bis ihr die Puste ausgeht.

Der Täter ist hier schnell ermittelt. Eine Mediengruppe (Name erwähne ich nicht) lädt verschiedene Unternehmen und öffentliche Institutionen zum Assistentinnen-Tag 4.0 ein. Dieser steht unter dem Motto Assistenz 4.0.
Eingeladen und angesprochen sind nur Frauen. Junge Frauen, Sekretärinnen (ich dachte das Wort benutzt Frau nicht mehr). Assistentinnen, die noch bessere werden sollen.

Stichworte wie Assistenz 4.0, Digitale Chefentlastung und eine liebevollere, sanftere, eben weibliche Ansprache sind im Einladungsschreiben zu lesen.
„Kitzeln Sie ihre Motivation…“ oder „lassen Sie sich mitreissen…“ und
„Mit Dr. XY lachen Sie sich zu mehr Kreativität und Effizienz!“
Ich kann Maren Gilzer säuseln hören. Sehe pinke Gerbera und hellrosa Seifentiere.

So soll jungen Frauen auf dem Weg in die Digitale Zukunft ihres Chefs und seinen bierbäuchigen Kollegen geholfen werden. Sie soll die perfekte Assistentin, die perfekte Puppe am Empfang werden. Die Traumfrau. Jung, dynamisch aber sich ihrer Position bewusst.

Angst und Sorgenfalten

Voller Angst und mit einer Sorgenfalte mehr auf der Stirn, lese ich diese Broschüre immer wieder und kann nicht fassen, was da geschrieben steht.
Vermute schon eine versteckte Kamera oder, dass Michael Kessler ein neues Switch-Format entwickelt hat um jetzt Sinnfluencer und Bloggerinnen wie mich aufs Kreuz zu legen um die ewigen Debatten ad absurdum zu führen.
Aber ich finde keine Fakeseite. Alles escht und wahrhaftig.
Tatsächlich handelt es sich schon um den 40ten dieser Tagungen, angeblich so gut besucht und ebenso wie unsere Menschheitsgeschichte von Erfolg gekrönt.

Wie beim Female Future Force Day von Edition F gibt es natürlich Begleitprogramm. Stil und Styling oder Entspannung. Als Tagung muss man alles bieten, was Frau so braucht und liebt. Denn Frau muss entspannt sein und lächeln. Gesund sein und vor allem ansehnlich. Google mal Assistentin! Herrlich diese Outfits.

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Und so konnte ich nicht umhin mich zu fragen, ob wir diesen massiven Rückschritt derzeit brauchen. In Zeiten von #metoo und der Frauenquote.
Wenn kleine Bloggerinnen einen #femfriday erfinden und dieser sich zu beliebtesten Blogkategorie entwickelt, damit die kleinen weißen Männer sich noch weiter ausgegrenzt und angegriffen fühlen. Um noch mehr Frauen zu vergewaltigen, sie zu unterdrücken und um sich dann in der Männersauna auf die Schultern zu klopfen?
Der Maskulismus, eine Männerrechtsbewegung, der sich schon in ersten Zügen in den Siebzigerjahren gründete, würde hier mit erhobener Faust und einem ekligen  Kraftausdruck gegen Frauen zustimmend grölen.

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Brauchen wir die klassischen zwei Schritte vor und drei zurück?

Sollten wir Frauen langsam wieder einen Gang raus nehmen und die Männer mal wieder fragen wie sie uns haben wollen?
Würde ich hier interviewt, müsste die Redaktion jetzt schreiben: lacht.

Ein Interview wird das hier aber nicht mehr.
Mir kommt unweigerlich der Beigeschmack, dass Assistentinnen, die hier angesprochen und zu einem solchen Kongress/Selbstfindung/Orientierungsreigen/Ringelpiez eingeladen werden, bereits degradiert sind.
Und hier fühle ich mich fast persönlich angegriffen. Denn ich war mal Regie-Assistentin. Ein toller Beruf, ein Beruf mit Verantwortung, ein Beruf, den man nur mit Hingabe macht. Ein Beruf in dem man glücklich und ausgefüllt sein kann. Assistentinnen gibts ne Menge. Ne Menge, die wichtig und nicht ersetzbar sind.
Ich hatte übrigens einige männliche Kollegen in meiner Laufbahn. Aber das nur am Rande.

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Die Frauen von Stepford

Leider zeigt uns diese Hochglanzbroschüre, die noch als Faltblatt, aufwendig designt und gedruckt in den Briefkasten gesteckt wird (vielleicht ein Hinweis in welcher reraktionären Szene wir uns hier befinden, aber jetzt muss ich aufpassen, nicht polemisch zu werden.)
Eine Szene, in der Männer Frauen auch eineinhalb Jahre nach Entfachen der #metoo-Debatte noch immer sexuell besitzen und benutzen.
Der Erfinder dieser Tagung (ich nehme einfach an, es ist ein Mann) hat vermutlich zuviel Die Frauen von Stepford geschaut oder den Roman von Margaret Atwood Der Report der Magd missverstanden. Und ja, das ist eine privilegierte Sicht auf diesen gesellschaftlichen Diskurs, aber genau das ist eine der wesentlichen Erkenntnisse, die wir fast zwei Jahre nach #metoo ziehen können: Frauen werden in allen Klassen unterdrückt, auch wenn sie unterschiedlich anfällig sind.

Was brauchen wir statt dem Assistentinnentag 4.0?
Fempowerment 4.0, Solidarität 4.0, die Frauenquote 4.0, Kinderbetreuung 4.0 oder den Führungsstil 4.0?

Nicht zwingend muss alles weiblich dominiert werden. Nicht jeder Chefsessel muss weiblich besetzt sein. Nicht alle Männer in Führungspositionen sind Arschlöcher. Nicht allen alten weißen Männern ist ein #metoo-Verfahren anzuhängen. Nicht alle Frauen sind willens zu führen und zu leiten.
Aber alle Frauen sollten sich mehr Wert sein, als das Erscheinungsbild was hier propagiert wird.

EMPOWER THE WOMEN AROUND YOU!

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Beitragsbild: Pixabay
Grafik: Edition F

RIP David Bowie- eine flehende Bitte!

We can be heroes- just for one day

Es passiert seit einigen paar Jahren und ist nicht aufzuhalten.
Immer mehr Prominente, mit denen ich etwas Persönliches verbinde, sterben nach und nach.
Auch daran merke ich mein fortschreitendes Alter. Bis vor kurzem erfreuten sich die meisten meiner „Idole“ noch bester Gesundheit. Klar, die ganz Alten wie Juhnke, Elvis oder Marilyn missen wir schon lang.
Doch gerade in den letzten drei Jahren, bekam dieses Gefühl eine neue Dimension:

Als z.B. 2015 während meiner Proben zu ILLUISIONEN-ALEXANDRAS LEBEN, Udo Jürgens überraschend starb. Die Geschichte über die Sängerin ALEXANDRA beinhaltete -in unserer Fassung- eine Begegnung mit Udo und wir hatten großen Spaß beim Erarbeiten dieser Szene.
Und plötzlich war Udo tot. Die Nachricht erreichte mich in den Weihnachtsferien, in meinem Elternhaus und mein Vater war erstaunt wie sehr mich das mitnahm.

„I DON’T KNOW WHERE I’M GOING FROM HERE- BUT I PROMISE IT WONT BE BORING“ DAVID BOWIE

Doch nur einige Wochen danach traf mich der Schlag. Am 10. Januar 2016 sah ich morgens auf meinem Handy die SPON-Meldung (Spiegelonline-App)
„David Bowie ist tot“.
Mir fiel fast das Handy aus der Hand und sofort sein Song Space Oddity ein.
Zwei Tage zuvor, an seinem 69ten Geburtstag präsentierte er sein neuestes Album mit ein paar fabelhaften, wirklich neuen Songs.
Auch wenn Kritikerstimmen seine neuen Töne etwas „elegisch“ und „kakophonisch“ bezeichnen, so empfand ich es als meisterhaft, mit welch würdevoller Ironie er sich zu seinen -zugegeben- neuartigen Soul-Songs bewegte.
Gerade sein Song Lazarus hätte, ein von ihm stilvoll geplanter Abschied sein können. Und doch gibt es mir zu denken, ob er die Auferstehung ebenso plant!?
Die faz.net nannte es „ein vage autobiographisches Bowie-Lied“.

Im Zuge seiner Blackstar-Albumpräsentation auf facebook, bewunderte ich wie er agil in seinem Sinatra-Gedächtnislook posierte. An der Seite seiner außerirdisch wirkenden Frau Iman, wirkte er in den Monaten vor seinem Tod wie ein weiser, in sich ruhender Gentleman.

Zu meinen Lieblingssongs gehören nicht nur Heroes oder Space Oddity, die auf meiner Dauerplaylist rauf und runter laufen, sondern auch Ashes to Ashes oder Magic Dance. Nun fügte ich Lazarus hinzu.
Außerdem war ich von seiner Darstellung Andy Warhols im Film Basquiat aus dem Jahr 1996, tief beeindruckt. Ebenso aufregend ist seine Malerei: www.bowieart.com

Bowie war Musiker, Maler, Schauspieler, und vor allem Visionär. Die Welt hat einen großen großen Meister verloren, der fehtl und nicht ersetzbar ist!

Auch drei Jahre später wiederhole ich es: Bitte lieber David, mach es wie Lazarus und STEH WIEDER AUF!

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MAMA-MiTTWOCH und die Festtage

FROHES FEST oder wie wir Eltern die Feiertage überstehen.
Ein letzter Mama-Mittwoch mit der ultimativen Anleitung für Weihnachten mit Kind und Kegel.

Drei volle Weihnachtsfeiertage mit Geschenkeflut und diversen familiären Zusammenkünften steht bevor.
Und obwohl ich ein großer Fan vom Weihnachtsfest bin und wir es, um Grey’s Anatomy zu zitieren, „unseren liebsten Feiertag“ nennen, konnte ich nicht umhin mich zu fragen, ob es nicht wesentlich weniger anstrengend laufen könnte?

Oft denke ich, dass wir einfach die Görls und die Koffer packen sollten und irgendwo hin wegfahren sollten.
Nur wir vier. Doch was ist dann mit einem Weihnachtsbaum? Der darf für die richtige Stimmung natürlich nicht fehlen. Was ist mit Plätzchen? Die brauche ich gerade an den Feiertagen, um mich dann hinterher auf der Waage wieder so richtig ärgern zu können.

Weihnachten mit Kind und Kegel
Was ist mit der Oma? Die gehören nun eigentlich beide zu unserem Feste dazu?
Und die Opas? Die natürlich auch. Was ist mit Gans oder Fondue? Was mit Krippenspiel und dem gemeinsamen Musizieren? Hhmm. Auf all das verzichten? Klingt irgendwie nicht so wirklich toll.
Also ist der Marathon, den wir, weil Patchwork-Familie, über die Feiertage, jedes Jahr aufs nNeue zurücklegen, nicht abzuschaffen.
In dem Moment als vor acht Jahren unser Gretlchen zur Welt kam, hatte plötzlich jeder in der Familie das Gefühl, er habe Anspruch die junge kleine Familie (also uns) auch bitte und gefälligst an den Feiertagen zu sehen.
Also starten wir meist am 23ten bei meinen Eltern. Diese haben eine schöne Tradition erfunden als ich noch klein war: alle Freunde kommen am 23ten zu Ihnen, müssen einen lustigen/schönen/schrägen Anhänger mitbringen und dann wird mit diesen und der Sammlung der vorigen Jahren, gemeinsam der Baum geschmückt.
Immer häufiger wurde dieses Zusammenkommen zu einem immer größeren Besäufnis um die Qualen der Familienfeiertage überstehen zu können. Gerade in den letzten zehn Jahren führte dies dann zu unglaublicher Katerstimmung am 24ten, was das Potential für Streitereien unglaublich senkte, da keiner mehr genug Kraft zum Diskutieren hatte.

Patchworkhopping
Seitdem die Görls nun größer werden, wird dieses Unterfangen gerade für Bobbi und mich immer schwieriger. Heilig Abend verbringen wir meist mit meinen Eltern, Schwiegermama, meiner Schwester, ihrem Mann und ihren beiden Kindern.
Dazu gehört das örtliche Krippenspiel, Plätzchen futtern, Turmblasen (nein, das ist nichts anstößiges) und – was mich zu Mama-Tränen rührt – Gretl mit Opa an der Geige. Gefolgt von viel Alkohol, Fleischfondue und einer unbeschreiblich lekkkeren Dobostorte (auch Buschubuschu-Torte genannt) von Oma Ata.
Am 25ten schwingen wir dann die Hufe nach Eppstein (37 Autominuten!), wo mein Schwager plus Familie und mein Schwiegervater hausen. Dieses Jahr gibts Wild und Wodka. Ich als T-Rex freue mich u.a. deshalb so auf die Feiertage, denn so viel Fleisch kriege ich sonst selten 🙂
Am späten Nachmittag machen wir uns wieder auf den Rückweg zu meinen Eltern ( 37 Autominuten!), wo es dann wieder Essen und Trinken gibt. Und jedes Jahr versuche ich es noch zur legendären JINGLE BELLS-Party.
Diese wird alljährlich am 25ten Dezember im altbekannten Schlosskeller gefeiert.
Im Schlepptau meine beste Freundin und viele viele bekannte Gesichter aus Schule, Studium, ehemaligen Arbeitsstellen, Nachbarschaft und alter Clique.
Natürlich darf die Anhäufung von Ex-Freunden nicht fehlen, was sich aber in meiner Situation gekonnt und vor allem mega cool 😉 regeln lässt; eine freundliche Küsschen-Küsschen-Begrüßung, ein kleines Schwätzchen über den renovierten Schlosskeller und dann lasse ich beiläufig etwas über mein Familiending fallen. Das verunsichert das Gegenüber (wenn sie noch keine Familie haben) – weil es ja ‚Abgelegte‘ sind – dann so sehr, dass ich sie mit einem lockeren Spruch aus diesem Gefühl befreien muss um mich dann, zuprostend wieder zu entfernen. Funktioniert todsicher!

Partyzeit ist Auszeit
Die Party ist immer eine kleine Auszeit vom Marathon und eine kleine Reise in die Vergangenheit, in die Zeit noch ohne Kinder, an die ich schon gern zurückdenke.
Denn obwohl ich am nächsten Morgen meist schlafen gelassen werde und erst nach 10hUhr (!) aufstehe, ist so ein Katerchen mit zwei süßen Quälgeistern nur schwer zu händeln.
Vor allem danke ich der Kosmetikindustrie, dass ich nach einer Dusche und einer viertel Stunde vorm Spiegel, wie aus dem Ei gepellt und bereit für die nächste Etappe auf dem Feiertags-Marathon bin.
Diese geht nach Mainz (20 Autominuten!) zur Schwester von Oma Ata. Da gibt es erneute Ansammlungen von Verwandschaft mit viel gebratenem Essen und fünf Kindern zwischen drei und zehn Jahren. Danach wieder zu uns (wieder 20 Autominuten!), Besuch vom Patenonkel und erneutes Öffnen einer Flasche steht auf dem Plan.
Jetzt wirds ruhiger.

Dieses Jahr ises ruhiger. Etwas Besuch von Freunden und ein paar familiäre Spaziergänge aber ein wesentlicher Punkt entfällt: die Vorbereitungen für Silvester. In den vergangenen Jahren haben wirs uns hart gegeben. Entweder eine große Runde mit Freunden oder sogar mal alle Kollegen des ehemaligen Schauspielensemble vom Landestheater Eisenach um ins neue Jahr zu rutschen. Doch dieses Jahr fliehen wir. Nicht vor Freunden oder Party, sondern vor Zuständigkeiten. Ein Hotel, ein Italiener, nur wir vier und der Silversterabend endet um 22:00 mit Sekt im Hotelbett.

„Ich hasse Silvester – da saufen auch die Amateure!“ Harald Junke

Nach fast zehn Jahren in dieser Art von Feiertagen bin ich mittlerweile Expertin. Eine Woche mit ca. 15 Stunden weihnachtlicher Feierei,  170 Autominuten (zu Eisenach-Zeiten waren es über 400) in unserem überquellenden Golf, gefühlten 5 Liter Alkohol pro Nase und jedes Mal mindestens zwei Kilos mehr auf der Waage, überstehe ich ziemlich erfolgreich, ohne große Krisen, die Feiertage.
Deshalb findet ihr hier meine HOW-TO-MANAGE-Anleitung für die Feiertage:

  1. Vergesst das Lieblings-Hörspiel der Kids nicht
 (Manchmal schlafen sie dabei sogar auf kurzer Strecke ein!)
  2.  Habt eine Zeitschrift für Oma bereit
 (so ist diese ebenfalls jederzeit beschäftigt!)
  3. Habt genug Alkohol in Reichweite
 (nur so lässt sich der Super-Gau Familie ertragen!)
  4. Trefft alte Freunde & verschwindet sooft ihr könnt
 (nur wer mal kurz geht, freut sich auf ein Wiedersehen!)
  5. Schenkt den Kindern direkt spielbares Spielzeug so wie Duplo, Puzzle oder iPod 
(so sind Sie für ein paar Minuten beschäftigt!)
  6. Kocht nichts sondern macht Fondue
 (ob Käse- oder Fleischfondue, man hat wenig vorzubereiten!)
  7. Diskutiert nicht mit euren Kindern übers Essen 
(sie fallen nicht vom Stengel wenn sie keine Pastete essen!)
  8. Habt in jedem/r Kleid/Hose Taschen 
(da gehören Gummibärchen & Pixiebücher rein!)
  9. Schlafe wenn das Baby schläft, auch wenn Baby schon längst keins mehr is… 
(in der Ruhe liegt die Kraft für die Familienidylle!)
  10. Erweitert eure Hausapotheke um Valium & Hustensaft
 (wer weiß für wen und wann es gut und nötig ist!?)

So, nun freue ich mich ganz aufrichtig auf das Weihnachtsfest und das Jahr 2019.
Ich glaube, gerade dieser virtuelle Platz hier und die neuen Aufgaben werden mir ganz viel Freude bereiten.
Vorsätze habe ich keine außer mehr Sport machen, 5 Kilo abnehmen, weniger am Handy daddeln, mehr schlafen, sparen, weniger rauchen, weniger trinken, meinen Kindern mehr vorlesen, die Fenster öfter putzen & stricken lernen.
Ich stehe nicht so auf das Ding mit den Vorsätzen! 😉

Habt es gut und seid lieb zueinander!
eure HELENE*

Zauberhaftes Augsburg

Vergangene Woche war ich in meiner Mission #kulturblogging unterwegs. Diesmal führte mich mein Weg an das frischgebackene Staaststheater Augsburg.
Was es mit diesem neuen Titel auf sich hat und was ich dort erlebt habe, erfahrt ihr hier.

Die Wintermonate, auch wenn sie dieses Jahr gefühlt später kamen als sonst, sind in der Theaterbranche so gesehen eine heiße Phase. Ab Oktober beginnen die Termine der Weihnachtspremieren. In der ganzen Republik starten Proben zum Kassenknüller (Märchen oder Familienstück genannt) und jedes zweite Theater „gönnt“ sich ein Werk der Kategorie „Unterhaltung“. Dieser Begriff ist selbtstverständlich dehnbar und zu definieren.
Von Operette, Musical bis Zauberflöte, auf den meisten Spielplänen tummeln sich in der Vorweihnachtszeit die Hits und Kassenschlager.
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Augsburg im Umschwung

So auch in Augsburg. Augsburg, ein traditionsreiches Haus unweit von München, mit einer eigenen Liebe zu Schauspiel und Musiktheater. Traditionsreich auch weil Leopold Mozart gebürtiger Augsburger war und der Stadt einen Hauch von Mozartschem Flair verleiht.
Nach langer und harter Arbeit einiger Kulturschaffenden hat die bayrische Stadt mit Fluss und und Fachwerk dem Theater nun den Titel STAATSTHEATER verliehen.
Und damit besitzen nun die drei größten bayerischen Städte München, Nürnberg und Augsburg ein Staatstheater.
Der repräsentative Name ist das eine. Die leitende, verwaltende und kontrollierende Stiftungskonstruktion, die dahinter steht, ist das andere. Insgesamt ein großer Erfolg für den neuen Intendanten André Bücker, der vergangenen Herbst mit weitesgehend neuer Belegschaft seinen Dienst antrat.
Seitdem passierte eine Menge. Der Titel Staatstheater kam, die Sanierung des gesamten Hauses begann, dazu der Umzug in eine Interimsspielstätte. Trotzdem wuchs das Ensemble und das künstlerische Profil wurde geschärft.

Lustigerweise kenne ich alle drei Spartenchefs, die in Augsburg Schauspiel, Oper und Tanz vertreten. André Bücker begegnete ich 2009 am Nationaltheater Mannheim, dem Operndirektor Daniel Herzog bereits zu Schulzeiten am Staatstheater Darmstadt und Ballettchef Ricardo Fernando brachte mir 2007 am Musicaltheater Bremen das Steppen bei.

Nun reihte sich eine weitere Person in diese Runde, meine Freundin und Mentorin Andrea Schwalbach, die Regisseurin der Premiere am vergangenen Sonntag.
Zum wiederholten male durfte Andrea Die Zauberflöte inszenieren. Zum ersten Mal aber in Augsburg.
So kam es also, dass ich mich am Sonntag im Kreise vieler bekannter Gesichter im Martini Park Augsburg wiederfand. Ein interessanter Ort für Theater.
Wo sonst Haushaltsprodukte in den Industriehallen gelagert wurden, lassen sich die Theaterbesucher künftig in die Welt von Oper, Ballett und Schauspiel entführen. Im Martinipark werden pro Spielzeit 180 Aufführungen zu sehen sein. (So die Ausgburger Allgemeine)

Industrieschick und frisches Design überzeugen

Angefangen beim hippen Logo des Theaters, das aus einer derzeit im hippen Internethimmel sehr beliebten und häufig benutzten, Ananas besteht, bishin zu lilafarbenen Neonröhren, die einem Weg zum Theatersaal zeigen, erscheint die Interimsspielstätte in frischem Glanz. Dazu ein paar Betonwände und moderne Tische, die darüber hinweghelfen sollen, den alten Theaterraum zu vermissen. Das gelingt.
Die Atmosphäre stimmt, die Akustik und gerade die Pre-Premierenstimmung im Foyer gleicht einer jeden Premiere wie wir sie sonst erleben.
Auch im Theatersaal, der eigentlich einer Stadthalle ähnelt, fühlt man sich nach den ersten Tönen der mozartschen Zauberflöte schnell als wäre alles wie sonst.

Ich erlebe ein junges und spielwütiges Ensemble, musikalisch aber auch inszenatorisch überzeugt dieser Abend schnell. Man spürt die Widrigkeiten von fehlendem Schnürboden oder sonst gewohnter Theatertechnik nicht. Der theatrale Moment verzaubert uns und nimmt uns mit in die Welt von Pamina und ihrer Mutter.
Und was zeigt uns das Stück? Starke Frauen. Nicht nur Pamina und die Königin der Nacht, auch die drei Damen machen eine gute Figur.
Und nicht nur ein modernes Frauenbild zeigt die vielleicht berühmteste Oper von Mozart, ob ins heute versetzt oder nicht. Es sind die zentralen Themen, die hier verhandelt werden, die diese Oper zur meist gespieltesten, nicht nur im deutschsprachigen Raum macht. Sie ist ein Familien-, wie Politdrama, erzählt von Loyalität, Freundschaft und Vertrauen, nicht nur in andere sondern auch in sich.

FemFriday mit der Königin der Nacht

Gerade die beiden Protagonistinnen beeindrucken. Nicht nur mich sondern das gesamte Publikum ist gefesselt von Stimmgewalt und Spielfreude. So sehr, dass die beiden Sängerinnen schnell zum Publikumsliebling avancieren. Szenenapplaus meist für die beiden. Deshalb, nur am Rande, folgt hier bald ein FemFriday-Interview mit Olena Sloia und Jihyun Cecilia Lee.

Mich persönlich berühren die drei Knaben ebenfalls sehr. Drei Jungs der Augsburger Domsingknaben mit so viel Spaß am Singen, die mit unglaublicher Hingabe und Inbrunst schauspielen, dass es nicht nur ein Mutterherz erwärmen muss. 😉

Im Anschluss an einen humorvollen, bunten und vor allem ästhetisch runden Abend, erlebe ich ein überaus zufriedenes und sympathisches Ensemble, das sich gemeinsam mit den interessierten und begeisterten Zuschauern auf der Premierenfeier tummelt.
Ein stolzer Intendant rundet den Abend mit einer rührenden Rede ab, in der er sich bei allen Beteiligten bedankt. Bei Mozartquelle und Schnitzel beende ich ich meinen Abend im neuen Staatstheater Augsburg und hoffe bald wieder zu kommen.

{Kooperation}

Danke an das Staatstheater Augsburg!
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Fotos: Jan-Pieter Fuhr

FemFriday mit Vreni Frost

Im FemFriday-Interview beantwortet heute die Bloggerin und Internetaktivistin Vreni Frost meine Fragen.

Vreni Frost inspiriert ihre Leser bereits seit einem knappen Jahrzehnt auf ihrem Blog neverever.me.
Hier teilt sie gemeinsam mit ihren Redakteuren Ideen, Erfahrungen und Meinungen zu aktuellen Lifestyle-Themen.
2016 gründete Vreni das erste und bisher einzige deutsche Technik-Blogazine für Frauen – www.techandthecity.de.

Die studierte Medienwissenschaftlerin ist zudem als Markenberaterin und Moderatorin täig. Inzwischen trifft man sie auf zahlreichen Veranstaltun- gen und Konferenzen als Speakerin an.

Auf Instagram teilt sie ihre Erlebnisse täglich mit mehr als 50.000 Followern.
Den Begriff „Influencer“ mag sie nicht. Deshalb nennt sie sich „Sinnfluencer“, „Maître d’Internet“ oder „Hippie Ninja“.
Ihre Devise: Sie möchte durch ihre Stories inspirieren.
Bei Vreni findet man ehrliche Empfehlungen und authentische Selbstkritik. Bestechend ist ihre Komik und die Gabe des Imitierens.
Aktuell gab Vreni bekannt, dass sie sich als Synchronsprecherin ausbilden lässt.
Man darf gespannt sein!

 

Wie kamst Du zum Beruf Bloggerin?

Ich habe vor knapp zehn Jahren angefangen zu bloggen. Damals hätte ich nie im Leben gedacht, dass sich daraus einmal meine Hauptbeschäftigung entwickeln würde. Es war ein reines Hobby. Ich sehe das heute übrigens als großen Vorteil an. In einer Zeit, in der jeder Influencer werden will, nur um berühmt zu sein, fokussiere ich mich immernoch auf das Storytelling, das mir stets wichtig war. Das wird sich auch hoffentlich nie ändern. Ich finde es in dieser Instant-Welt so wichtig, immer noch Geschichten zu erzählen und den Followern einen Mehrwert zu bieten. Ich will mehr als kurzlebige Bilder.

An welchen Moment in deiner Karriere erinnerst Du dich besonders gut?

Jetzt gerade ist ein Moment, der ein absoluter Wendepunkt für mich ist. Ich starte in wenigen Tagen meine Ausbildung zur Synchronsprecherin. Eininhalb Jahre dauert das und wir werden sehen, was sich daraus entwickelt. Generell erinnere ich mich gern an Momente, in denen ich mutig war und mein Leben in eine neue Richtung gelenkt habe. Das hat sich immer ausgezahlt.

Was macht für dich Fempowerment heute aus?

Sich nicht auf die Schulter zu klopfen, weil man Frau ist und etwas erreicht, sondern ein offenes, authentisches Frau-Sein. Ich kann diesen T-Shirt Feminismus nicht leiden. Das liegt aber auch daran, dass ich ein liebevolles, durchdachtes Handeln schon immer besser fand, als Botschaften auf einem Shirt zu tragen. Meine Eltern haben da ganz furchtbar viel richtig gemacht, weil sie mir nicht ein einziges Mal (!!!) vermittelt haben, dass ich mich als Mädchen oder Frau anders zu verhalten habe. Das wird mir in den letzten Jahren so richtig bewusst und ich bin ihnen so krass dankbar dafür. Ich bin aufgewachsen in einer absolut gleichberechtigten Familienwelt, was mir heute sicherlich viel zu meiner Stärke verholfen hat.

In welchen Momenten deines Jobs wärst Du lieber ein Mann?

In keinem einzigen. Ich habe mich in meinem Leben noch nie als Frau benachteiligt gefühlt.

Was können wir Frauen tun, damit sich die Wahrnehmung auf unser Geschlecht am Arbeitsmarkt ändert?

Ich habe einige Jahre als Rhetoriktrainerin gearbeitet. Dabei habe ich unter anderem Kurse zur Frauenrhetorik gegeben. Frauen haben ganz eigene Sprechmuster, die es zu beseitigen, aber auch zu fördern gilt. Sie müssen Totschlagargumenten und unqualifizierten Aussagen von Männern, aber auch leider von Kolleginnen, begegnen. Das kann man lernen. Was ich damit eigentlich sagen will: Beobachte dein Umfeld und überlege, wie du dich entsprechend verhalten kannst, um anerkannt zu werden und zu erreichen, dass deine Stärken erkannt und gefördert werden.

Du bist eine echte Internetgröße. Empfindest Du in deinem Umfeld ein Ungleichgewicht an Frauen in Führungspositionen?

Ich würde mich nie im Leben als Internetgröße bezeichnen, aber ich weiß, was ich vermitteln will und das erreicht viele interessierte Menschen, vor allem Frauen. In der Blogosphäre gibt es unglaublich viele Frauen, die ihre eigenen Online-Magazine erfolgreich leiten. Dennoch ist das eben gesamtgesellschaftlich betrachtet, eine ganz kleine Blase. Außerhalb dieser schimmernden Bubble herrscht noch sehr viel Bedarf an tollen Frauen an der Spitze von Unternehmen.

Wie wichtig ist die Solidarität unter Frauen für Dich?

Mir ist Solidarität unter Menschen wichtig. Ich mache den Mund auf für jeden, der in meinen Augen ungerecht behandelt wird. Dabei unterscheide ich nicht zwischen Geschlechtern. Einen Frauenbonus nur für’s Frau-Sein gibt es bei mir nicht.

Was würdest Du an der virtuellen Blase Instagram gern ändern?

Ich würde gern mit einer Nadel reinpieksen und dann im Regen der zerberstenden Tropfen tanzen. Das ist sehr überspitzt, zeigt aber gut, wie ich die Plattform manchmal empfinde – nämlich als hohle Blase, in der es heute leider nicht mehr um tolle Bilder geht, sondern um die Reichweite und das Engagement, das man damit erreicht.

Beschreibe Dich in drei Worten:

Liebevoll, laut und lustig.

Was liest Du derzeit?

Der Outsider von Stephen King, die aktuelle Enorm zum Thema Landwirtschaft und die Bedienungsanleitung für meinen Kärcher.

Hast Du ein Lebensmotto? Wenn ja, wie lautet es?

Mein Lebensmotto ändert sich wahrscheinlich dreimal pro Tag. Jetzt in diesem Moment wäre es: „Wenn der Wind stärker weht, bauen die einen Mauern, die anderen Segelschiffe.“

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Ihr findet Vreni auf neverever.me, www.techandthecity.de, Facebook, Pinterest und Instagram.

Foto: Suzana Holtgrave

 

Von schweren Entscheidungen, Schultüten und einer Hellseherin

Am heutigen Mama-Mittwoch dreht sich bei mir alles um die Frage, wann man sein Kind einschulen sollte.
Kannkind kann ein Fluch wie ein Segen sein.

 

Um schwülstig ins Thema Muttersein einzusteigen braucht es oft nicht mehr als Floskeln wie „Das größte Glück auf Erden…“ oder „Meine Erfüllung fand ich im…“ oder bildlich ein beseelter Blick auf einen Kinderwagen und Kugelbauch.

Dass Mutter -Vater oder eben Elternsein, nicht nur bedeutet einem kleinen Wurm das Essen, Laufen und Sprechen, in unserem Fall vor allem das Schlafen bei zu bringen, dürfte einigen bekannt sein. Allgemein bekannt sind Anlässe wie Taufe, Kindergarteneingewöhnung, Impftermine, Pekip oder Babyschwimmen, die beim sogenannten ersten Mal zu regelrecht wasserfallartigen Freudentränen bei Mama oder Papa führen.

Ich selbst, seit ich Mutter bin, nicht mehr fähig einen Krimi mit Kinderleiche oder einen Problemfilm mit dem Thema Leukämie schauen zu können, gehörte bei Kind Eins in die rührselige Riege. Obgleich ich den Moment der Geburt nach wie vor als weniger zauberhaft empfand, als es uns im Vorfeld geschildert wurde.

Ein verschmiertes, brüllendes Lebewesen, dass mir stinkend strampelnd auf die Brust gelegt wurde, sollte der Start in diesen so neuen Abschnitt des Lebens werden? Nun ja. Dem war so.

Denn alle, die es für richtig halten, sich ewig in die Tasche zu lügen, ein Kind verändere das eigene Leben nicht und man müsse nur daran festhalten, das Kind in sein Leben zu integrieren und nicht andersherum, belügen sich und alle anderen.

Ich halte damit nie hinterm Berg: ALLES WIRD ANDERS!
Aber versteht mich nicht falsch, denn es wird wunderbar.

 

Eins der für mich monumentalen ersten Male war die Einschulung von Kind Eins. Denn die Kindergartenzeit bewahrt das Gefühl von Freiheit, Freizeit und Spielzeit. Die immer näher rückende Einschulung mutete etwas an, dass ich wieder einmal Floskelhaft den Ernst des Lebens nenne. Ernst für uns alle vier weil wir nicht mehr gemütlich bis halb acht oder auch acht im Bett rumlümmeln können, dass das Ende des Wochenendes mit Ranzenpacken, Hefte kontrollieren und frühschlafengehen begangen wurde.

Ernst weil Spontanurlaube ab Donnerstag nicht mehr möglich sind. Ernst weil der Nachmittag nun auch mal am Schreibtisch statt im Wald verbracht wird.

Erschwerend für mich – die die Schule immer und zwar wirklich immer hasste- das Gefühl, dass mein armes Kind nun täglich dort hinmuss.

Und doch waren die Tage vor der Einschulung besonders. Man besann sich auf die bekannten Rituale: Schultüte bestellen und basteln. Klar, die brave Mutti unserer Zeit verbringt damit ganze Nachtschichten, liest Blogs, schaut Kreativ- und Basteltutorials, schneidet sich in die Finger und befragt Muddifreundinnen „Hast du die Aufkleber anschließend fixiert?“

Ich erwischte mich beim blättern im Fotoalbum und stieß auf ein Grusel-Foto meiner Einschulung. Der Blick einer Hellseherin, etwas mürrisch und arrogant- ich mit sieben.

Für Kind Eins schien es spannender zu sein als für ihre Mutter. Sie präparierte sich mit sortierten Blättern, sammelte Bücher, die sie unbedingt mal lesen möchte und hütet ihren Ranzen wie ihren Augapfel. Die Wissensdurst ist so groß und überwiegt die Unlust zur Schule zu gehen.
Und nun steht bereits Kind Nummer zwei in den Startlöchern.

Ich fühle mich alt und eigentlich nicht fähig zu entscheiden ob sie schon in die Welt hinausgelassen werden sollte. Sie ist ein sogenanntes Kannkind und könnte auch noch ein Jahr länger im Kindergarten bleiben. Ein Jahr länger spielerische Freiheit, ein Jahr länger schlafen, ein Jahr länger Kind sein.
Oder ist das übertrieben? Ist das heute nicht anders geworden und die Schulen spielerischer?

Und trotzdem konnte ich nicht umhin mich zu fragen, ist es nicht gut und richtig, wenn ein Kind so heiß auf die Schule ist? Denn sie möchte unbedingt zur Schule gehen. Kann es kaum abwarten.
Wenn sie jeden Donnerstag ersehnt, weil da die ABC-Gruppe im Kindergarten stattfindet und all ihre Spielkameraden auch eingeschult werden.
Fix ist sie, das bezweifelt auch mein kritisches Mutterherz nicht. Da ich nicht zur Gattung Heli-Mutti gehöre, die ihre Kinder als hochbegabt und grundsätzlich unfehlbar hält, ist es wirklich wichtig zu betonen, dass ich sie in puncto Leistung nicht hinterfrage.

Aber ihr kleines Herzchen. Ihr zartes Wesen. Ihre nächtlichen Ängste und eine ab und an nasse Unterhose.

Befragt man Freunde und Bekannte, so ist die Klaviatur an Aussagen groß. Die einen bevorzugen zu warten, die anderen finden ein Jahr Langeweile eine Zumutung.
Viele benennen das pädagogische Konzept der Grundschule als einen entscheidenden Fakt, viele die Gruppenaufstellung im Kindergarten.

In Eisenach gab es die Halbjahreseinschulung. Im Februar wurden ein paar Ersties in laufende erste Klassen eingeschult.
Durch ein skandinavisch inspiriertes System wurden Erst- und Viertklässler in derselben Ganztagsklasse unterrichtet. So war der Einstieg im Halbjahr möglich.
Also war Kind eins bei der Einschulung 6,5 Jahre alt und -für meinen Geschmack- im besten Alter für den Schuleintritt.

In Zeiten von Trimmdich- und Helicopter-Eltern, Mandarin-Unterricht und Frühenglisch in Grundschulen, in denen so früh der Fokus auf die berufliche Zukunft gelegt wird, fällt es mir schwer ein knapp sechsjähriges Mädchen in die Fänge des verrückten Schulalltags zu übergeben.

Und doch missfällt mir die Vorstellung, sie in ihrer Kita nur noch mit kleineren Kindern spielen zu sehen, niemanden auf Augenhöhe zu haben weil ihr bester Freund in die Schule geht.

Ich selbst war ein Kannkind und wurde erst mit kurz vor sieben eingeschult. Wir wollen uns lieber nicht vorstellen wie es ausgegangen wäre, wäre ich ein Jahr früher eingeschult worden. Meine schulischen Leistungen waren so schon fraglich und mussten dem Theaterinteresse weichen.
Andere fanden aber gerade das letzte Jahr im Kindergarten als verlorene Zeit durch Langeweile und Unterforderung.
Tja!
Was ist richtig? Auf was kommt es bei dieser Entscheidung an? Nur auf das Kind? Welche äußerlichen Fakten sind entscheidend?

Entscheiden können wir bis Februar und ebenso noch die Schule befragen. Ich freue mich über Anregungen von euch.

#mamamittwoch

Digitalstadt Darmstadt oder wie digital sind wir?

Ich bin total up to date. Ich bin jung und ich wohne in der Digitalstadt Darmstadt. Wer kann das schon von sich sagen? Ok, 140.000 andere Darmstädter.

Aber wie nutzen es die anderen? Ich zum Beispiel kann im Netz singen, basteln, heulen, rechnen und Schuhe kaufen. Wow Helene“, „Bravo“ denkt ihr. Find ich auch.

Ich mache alles online und stehe dazu. Ich bin ein Junkie. Wäre ich nicht schon dem Erscheinen von Tinder verheiratet gewesen, hätte ich meinen Mann und Kinder auch dort aufgegabelt.
Ich schreibe online Tagebuch mache virtuellen Sport und untersuche meine Pickel mit einer App.
Und nein ich bezeichne mich nicht als Influencer nur weil mir ein paar mehr Menschen bei Instagram folgen. Das Wort Influenza treibt mich tatsächlich mehr um als Mutter von zwei Töchtern im Alter unter zehn.

Um mich zu beschreiben würde ich lieber den Ausdruck Kulturbloggerin verwenden, da ich von Hause aus Thetaer-Regisseurin bin und in der Elternzeit meine Liebe zum Schreiben und Bloggen entdeckt habe. Aber kommen wir zur Digitalstadt Darmstadt und meinem smarten Alltag zurück. Smart bin ich übrigens auch. Ihr seht mich lächeln.

Darmstadt und ich

Vergangenen Sommer bin ich nach drei Jahren in Eisenach (beruflich bedingt haben wir dort gelebt) mit meiner Familie zurück nach Darmstadt gezogen.
In den Jahren der Abwesenheit habe ich die enorme Entwicklung dieser immer mehr wachsenden Rhein-Main-Metropole Darmstadt verfolgt und spüre die großstädtischen Möglichkeiten hier ganz deutlich. Der Blick von außen war sehr spannend. Doch was heißt eigentlich Digitalstadt?

Wir alle profitieren von der Digitalisierung- es geht los beim Onlinbanking, Wetterapps oder den sozialen Medien, die wir bereits als einen festen Bestandteil unseres Alltags empfinden. Darüber hinaus gehen viele Unternehmen digitale Wege um ihren Mitarbeitern smarte Lösungen im Arbeitsalltag anbieten zu können.

Gerade ich arbeite den ganzen Tag in einem smarten Konstrukt, da ich Texte für Kunden erstelle, denen ich nur im Skype-Telefonat gegenübersitze oder fröhlich per Mail kommuniziere. Ich vernetze mich über die unschiedlichsten Tools und genieße die Vorzüge des weiten weiten Webs sehr.
Auch meine Kinder können sich ein Leben ohne Internet kaum noch vorstellen. „Haben wir da WLAN?“ fragen sie bevor man an den Gardasee fährt. Hörspiele sind überall abrufbar. Genauso wie die iTunes- oder Netflixfilme in einem Drahtlosnetzwerk laufen und die Auswahl ist groß. 

Doch in welchen Bereichen des Alltags ist die Digitalisierung gerade in Darmstadt spürbar?

 Ich kann z.B. Termine beim Bürgeramt für Passantrag online ausmachen und umgehe damit lange Wartezeiten. Herrlich wenn man kurz vorm Urlaub feststellt, dass das eine Kind keinen gültigen Ausweis hat. Klassiker!
Drei Klicks, einmal früh aufstehen und das Problem ist gelöst.

Eine weitere smarte Lösung sind die digitalen Straßenbahntickets, die tatsächlich manche Großstädte noch nicht anbieten. Sekundenschnell kaufe ich ein Ticket und verpasse wegen des Automatens nicht die gewünschte Linie.
Für alle Autofahrer unter uns bieten diverse Verkehrsleitsysteme Staumeldungen oder Parkplatzsuche innerhalb des Straßenverkehrs.

Für mich, die unter Autotorette leidet (der Hulk mit blonder Perrücke) sind solche Angebote regelrecht heilsam, da der Berufsverkehr am Morgen mein fast täglich Blut zum kochen bringt.

„Der Bürgernutzen steht im Mittelpunkt dieser „neuen Lebensreform“. Wir wollen einen elektronischen Mehrwert für die Menschen, keinen Selbstzweck.“ sagt der Darmstädter Oberbürgermeister Jochen Partsch.
Jochen Partsch sorgt sich also um meinen Blutdruck. Ach schee.

Aber generell im Gesundheitswesen bieten Krankenhäuser und Ärzte Dienste wie die Online-Sprechstunde oder das Gesundheitsarmband, das digital Werte des Patienten an die Ärzte versendet.
Ob wir gesünder sind oder im Alltag wirklich entspannter sind, sei mal dahin gestellt. Ich schreie deutlich weniger im Auto, hab weniger Stress vorm Urlaub und genieße alte Hörspiele aus meiner Kindheit mit meinen Kindern unterwegs aufm Handy oder Tablet.
Ich freue mich aber vor allem über die Offenheit in Darmstadt einem neuen Zeitalter gegenüber und das kann man nicht von allen Städten sagen!

Dieser Beitrag erschien als „Helene pingt“-Kolumne in der 1/18 Ausgabe des PING MAGAZINS.

 

 

FemFriday mit Lisa Sommerfeldt

Heute stelle ich euch im #femfriday-Interview die Autorin und Schauspielerin Lisa Sommerfeldt vor.
Seid gespannt wie sie meine Fragen beantwortet.

Lisa Sommerfeldt wurde in München geboren. Nach dem Abitur studierte sie zunächst neuere deutsche Literatur, Geschichte und Philosophie in Berlin und München, bevor sie von 1998 bis 2002 ihre Schauspielausbildung an der Folkwang Hochschule in Essen absolvierte und mit Diplom abschloss.
Sie war als Schauspielerin unter anderem am Staatschauspiel Stuttgart und am Stadttheater Osnabrück engagiert und spielte in verschiedenen Film- und Fernsehproduktionen.
Als Sprecherin arbeitete sie für die WDR-Hörfunksender, den NDR, die Deutsche Welle und den Bayerischen Rundfunk.
Lisa Sommerfeldt schreibt Theaterstücke, Hörspiele und Prosa. Zahlreiche Auftragsarbeiten für Theater, zuletzt “Dorfdisco” für die Kulturstiftung von Landestheater Eisenach und Staatstheater Meiningen. Für ihren Stückentwurf „der dunkle Vogel“ erhielt sie 2016 das Projektstipendium des „Kinder- und Jugendtheaterpreises Baden-Württemberg“ in Kooperation mit dem Theater Ulm.
2017 war Lisa Sommerfeldt Stipendiatin der Stiftung Rheinland-Pfalz. Im Januar 2018 wurden ihre zwei Kurzgeschichten „Der Augenblick“ und „Cinderella Paraphrase“ vom Radiosender WDR/1 live gesendet.
2018/19 ist Lisa Sommerfeldt Stipendiatin des 1:1 Mentoring der NRW Literaturbüros.
Derzeit schreibt Lisa an ihrem ersten Kurzgeschichtenband „schlaglichter.europa“.

 

Wie kamst Du zu deinem heutigen Beruf?

Als ich letztens umgezogen bin, hab ich in meinem Schreibtisch Erzählungen gefunden, die hab ich mit sieben Jahren geschrieben. Schreiben war für mich schon immer eine Form des Überlebens in einer mir unverständlichen Welt.

An welchen Moment deiner Karriere erinnerst Du dich besonders gut?

Ich war für meinen ersten Preis als Autorin nominiert, kam ans Theater und in die Dramaturgie. Und die erste Frage, die mir gestellt wurde war, wie ich das Konzept des Theaters finde. Ich bin fast vom Stuhl gefallen, das hatte mich als Schauspielerin nie jemand gefragt. Und da wusste ich: das interessiert mich, hier bin ich richtig.

Empfindest Du ein Ungleichgewicht in der Theaterbranche bei der Geschlechterbesetzung?

Ich finde das Ungleichgewicht unerträglich und es nervt mich extrem, dass wir 2018 Stücke zählen müssen, um das Ungleichgewicht zu beweisen. Es wird verleugnet, was ganz besonders perfide ist. Gegen offene Diskriminierung kann man sich wehren. Wenn aber Frauen scheinbar gleiche Chancen haben und trotzdem nicht in den Spielplänen vorkommen, dann muss es kollektives persönliches Versagen sein.
Die Frauen kommen in den Spielplänen nicht vor und sollen daran auch noch selbst schuld sein. Ich kann auch nicht verstehen, wie man Castorfs Äußerungen als sympathische Provokation abtun kann: hätte er sich so über Juden, Geflüchtete oder Homosexuelle geäußert, hätte es zurecht einen Aufschrei gegeben, er wäre eine persona non grata geworden. Aber über Frauen darf man so reden? Nein!
Und ich denke auch nicht, dass Frauen sich unter Druck setzen lassen sollten, jetzt nur noch Geniestreiche abliefern zu müssen: auch sie dürfen sich entwickeln und ausprobieren. Das wird Männern im Theater auch zugestanden.

Du bist Mutter von drei Kindern. Ist es heute eine größere Herausforderung Töchter großzuziehen oder Söhne?

Ich finde beides eine große Herausforderung. Meinen Söhnen muss ich mehr ihre Grenzen aufzeigen, meine Tochter ermuntern, ihre selbst empfundenen Grenzen zu überschreiten. Erziehung ist Kommunikation. Ich selbst muss ständig wachsen, um meine Kinder zu erziehen. Sie merken sehr genau, was echt ist. Für meine Söhne musste ich lernen, mit ihnen zu kämpfen. Und ich musste lernen, die Kinder Erfahrungen machen zu lassen, sie nicht immer zu beschützen.

Was gibst Du deinen Kindern mit auf den Weg bei ihrer Berufswahl?

Nichts! Sie sollen machen, was sie wollen. Egal für was sie sich entscheiden: ich werde sie unterstützen. Denn wenn man seine Arbeit liebt, ist das ein großes Geschenk.

In welchen Momenten deines Jobs wärst Du lieber ein Mann?

Ich bin sehr gern eine Frau. Und ich halte Frauen für absolut gleich befähigt wie Männer. Absurd, das 2018 betonen zu müssen. Ich würde mir wünschen, dass es für meinen Beruf unerheblich wäre, was ich für ein Geschlecht habe.
Frauen sollten per Gesetz gleich bezahlt werden müssen wie Männer. Es gibt allerdings einen Moment, der mich besonders ärgert: mein wahrscheinlich provokativstes Stück „schlammzeiten“ wurde bisher nur szenisch gelesen, aber nie uraufgeführt. Mir wurde gesagt, ich müßte mir dafür ein männliches Pseudonym zulegen, dann würde es gespielt werden.
Auf die Idee bin ich nie gekommen, dass  mir als Frau wohl nicht zugestanden wird, solche Stücke zu schreiben. Wenn das so ist, ist das ein Skandal und Zensur von Weiblichkeit. Und natürlich werde ich kein männliches Pseudonym annehmen. Ich will dieses Stück unter meinem Namen, unter weiblicher Autorschaft gespielt wissen.

Wenn die Frauenquote etwas bewirkt dann… bitte beende diesen Satz.

Ich bin für die Frauenquote, ab sofort. Sonst werden wir in zwanzig Jahren immer noch Stücke und Inszenierungen zählen. Durch Lippenbekenntnisse wird sich nichts ändern. Und ich würde ein gleichberechtigtes Theater gern noch persönlich erleben.

Was können wir Frauen tun, damit sich die Wahrnehmung auf unser Geschlecht am Arbeitsmarkt ändert?

Der Blick muss sich ändern, nicht die Frauen. Was konnten die Frauen tun, um die Wahrnehmung auf sie zu ändern, damit sie das Wahlrecht  bekamen?
Sie haben sich an Eisenbahnschienen gekettet. Das hat nichts mit einer intelektuellen politischen Befähigung zu tun. Es geht schlicht darum, sich durchzusetzen und vor allem, sich nicht verarschen zu lassen. Die Frauen müssen lauter werden. Ich sehe um mich viele Frauen, die großartige Arbeit leisten. Das sollte jetzt gesehen, gefördert und gewürdigt werden. In der Kunst ist vieles nicht vollends objektivierbar und ich finde viele der derzeit gehypten Dramentexte und jungen Regisseure nicht gut.
Das betrifft Texte und Inszenierungen aller Geschlechter. Genauso gibt es vieles, was ich großartig finde. Auch von allen Geschlechtern. Viele Dramentexte von Frauen kann ich allerdings nicht wirklich für mich einordnen, weil ich sie nie inszeniert gesehen habe. Das ist unverzeihlich und hier sollten die Theater ihre Verantwortung auch wahrnehmen: der beste Dramentext ist nicht unbedingt der, der sich auf dem Sofa am besten liest. Deshalb müssen Dramentexte gespielt werden. Das fehlt mir im Moment sowieso an den Theatern: die Förderung und auch die Liebe zur dramatischen Sprache. Die Textflächen versuppen, das Publikum wird berieselt, belehrt und ich schalte ab.
Die Sprache hat keine Kraft auf der Bühne, weil es keine dramatische Sprache ist, man könnte genauso gut ein Telefonbuch aufsagen. Das sind Texte, die gelesen gut sind, aber sich nicht für die Bühne eignen.
Aber zurück zu unserem Thema: Ich kann nicht erkennen, wo Männer grundsätzlich besser wären als Frauen. Es ist alles da. Die Frauen dürfen darauf vertrauen und es darf ihnen vertraut werden. Und dabei sollten keine Worte, sondern Taten zählen.
Und nur den Taten sollten die Frauen glauben. Deshalb müssen wir die Quote einfordern!

Was liest Du derzeit?

Lucia Berlin, Thomas Melle, Sasha Marianna Salzmann, Julia Wolf.

Welches ist dein liebster Theaterstoff?

Hedda Gabler. Sarah Kane: Zerbombt. Fritz Kater: Kiss me dragonfly.
Tracy Letts: Mary Page Marlowe.

 

Wer mehr über Lisa erfahren möchte, findet sie auf  Facebook, twitter und Instagram. Und ihr solltet unbedingt mal auf www.lisa-sommerfeldt.de vorbeischauen.

Außerdem könnt ihr einen von Lisas Texten ON AIR erleben!
DORFDISCO, das Hörspiel, am 11.11.2018 um 19 Uhr auf WDR3 und am 12.11. um 23 Uhr auf 1live – danach in der WDR Hörspielmediathek.

Foto: Janine Guldener