FemFriday mit Rebecca Reuter

Am FemFriday darf eine waschechte Dramaturgin natürlich nicht fehlen. Deshalb stelle ich Euch die Schauspieldramaturgin Rebecca Reuter vor.

Rebecca Reuter studierte Germanistik und Philosophie an der Georg-August Universität in Göttingen und schloss ihr Studium mit dem Magister ab. Parallel arbeitete sie in verschiedenen Produktionen als Gast-Regieassistentin am Deutschen Theater in Göttingen, sowie in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Dramaturgie.

Nach ihrem Studium assistierte und hospitierte sie an verschiedenen Stadt-, Staats- und Landestheatern in Deutschland. Darunter das schauspiel hannover, das Düsseldorfer Schauspielhaus, das Landestheater Marburg, das Staatstheater Braunschweig und das Staatstheater Oldenburg.

Anschließend war sie am Stadttheater Ingolstadt als Dramaturgin engagiert. Seit der Spielzeit 2017/18 ist Rebecca Reuter am Staatstheater Mainz tätig.

Wie kamst Du zum Beruf Dramaturgin?

Ich habe ja Germanistik und Philosophie studiert und wollte ursprünglich Lektorin werden. Da das in meinem Studiengang aber irgendwie alle wollten, dachte ich mir, es könnte nicht schaden, auch ein paar Alternativen kennen zu lernen. Theater hatte mich zwar immer interessiert, aber ich hatte nie über die Möglichkeit als Berufsoption nachgedacht. Also habe ich mich einfach mal für eine Hospitanz beworben und direkt eine Regiegastassistenz angeboten bekommen aus der sich dann weitere Assistenzen ergaben. Während dieser habe ich mitbekommen, was die Arbeit von Dramaturg*Innen beinhaltet und festgestellt, dass das für meine Interessen ja noch viel passender ist als Lektorin.
Ich kann auch hier ganz viel lesen und mich mit gesellschaftsrelevanten Themen beschäftigen, aber der Kreis in dem man sich über den Stoff austauscht ist viel größer, weil er viele verschiedene Berufsfelder umfasst, wie Regisseur*innen, Ausstatter*innen, Choreograf*innen, Musiker*innen, Schauspieler*innen und viele, viele mehr.
Plötzlich war mir klar, dass dies der richtige Beruf für mich ist und bisher hat sich meine Meinung glücklicherweise nicht geändert.

An welchen Moment in deiner Karriere erinnerst Du dich besonders gut?

Es gibt wirklich so viele Höhen und Tiefen, dass ich keinen einzelnen Moment herausstellen wollen würde. Besonders mag ich immer wieder den Moment der Verheißung, wenn ich mit einer Regisseurin, einem Regisseur gemeinsam an der Stückfassung sitze und sich eine Idee für die Inszenierung formt, eins das andere ergibt und man eine Vorstellung von einem Ziel bekommt und es kaum erwarten kann, mit den Proben los zulegen. Die lustigsten Momente wiederum passieren natürlich auf den Proben.

Empfindest Du ein Ungleichgewicht am Theater, was die Geschlechterbesetzung angeht?

Ja. Absolut! Glücklicherweise bin ich in einer Position, in der ich daran mitarbeiten kann, dies zu ändern, zumindest was die Regie, Schauspiel und Autor*innen-Positionen betrifft. Leider braucht es besonders bei der Regieposition mehr Zeit als ich gehofft hatte, weil lange nur sehr wenige Frauen als Regisseurinnen aufgebaut wurden. Inzwischen kenne ich viele interessante junge Frauen, die am Anfang ihrer Karriere stehen, aber sehr viel weniger erfahrene, ältere Regisseurinnen als dies bei Männern der Fall ist. Das müssen wir jetzt für die Zukunft ändern!

Sind Frauen die besseren Dramaturgen?

Nein. Ich glaube ob man gut ist, hängt von Persönlichkeit, Engagement und den Chancen, Erfahrungen zu sammeln, ab und hat nichts mit dem Geschlecht zu tun.

Was macht für dich Fempowerment heute aus?

Selbstbewusst sein und es gegenseitig stärken.

Was würdest Du am Theater gern sofort ändern?

Die Gehälter! Und eine betriebsintern geregelte Kinderbetreuung einführen.

In welchen Momenten deines Jobs wärst Du lieber ein Mann?

Nie. Glücklicherweise will ich dann trotz der strukturellen Benachteiligung gar nicht tauschen.
Ärgern tue ich mich allerdings immer sehr, wenn mir eine vehement vertretene Meinung als Befindlichkeit oder weibliche Hysterie ausgelegt wird, während gleiches Verhalten bei Männern als Durchsetzungsstark wahrgenommen wird.

Wenn die Frauenquote etwas bewirkt dann…

… dass mehr Frauen eine Chance bekommen ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und die „Hinterzimmerherrenrunde“ aufgemischt wird!

Grundsätzlich wünsche ich mir natürlich nicht wegen einer Quote eingestellt zu werden, sondern, weil ich und mein Input gewünscht sind.
Ich habe bisher aber auch immer sehr großes Glück mit der Stellenfindung und meinen Arbeitsplätzen gehabt. Mit der Quote kommen wir da hoffentlich noch einen Schritt weiter, sodass mehr Frauen, das von sich sagen können!

Was können wir Frauen tun, damit sich die Wahrnehmung auf unser Geschlecht am Arbeitsmarkt ändert?

Wir müssen unsere Loyalität untereinander stärken, zusammenhalten, Mut machen und sollten uns nicht per se als Konkurrenz betrachten.
Wie man wahrgenommen wird, hat aber auch so viel mit dem Wahrnehmenden zu tun, dass vor allem insgesamt ein Umdenken stattfinden muss.

Beschreibe Dich in drei Worten.

Puh ich versuch es mal…. entscheidungsfreudig, begeisterungsfähig, chaotisch

Was liest Du derzeit?

Ich habe gerade Kind aller Länder von Irmgard Keun beendet und beschäftige mich jetzt fast rund um die Uhr mit der Ljod-Trilogie von Vladimir Sorokin. Ich arbeite mit dem Regisseur Jan-Christoph Gockel an einer Theaterfassung, da in zwei Wochen die Proben losgehen.

Hast Du ein Lieblingszitat, aus einem Stück, oder eins, dass Dich schon länger begleitet und wenn ja welches ist das?

„Diese Spannung ist schrecklich. Ich hoffe, sie hält an.“ aus Bunbury – Or the importance of being earnest von Oscar Wilde

Wer Rebecca in den soziales Netzwerken sucht, findet sie auf Facebook und am Staatstheater Mainz.

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