FemFriday mit Martina Eitner-Acheampong

Am FemFriday interviewe ich Frauen in der Kunst. Heute beantwortet die Schauspielerin und Regisseurin Martina Eitner-Acheampong meine Fragen.

 

Martina wurde 1960 in Cottbus geboren. Sie absolvierte ihr Schauspielstudium an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, Außenstelle Rostock.

Ihre ersten Engagements führten sie nach Rudolstadt, ans Theater Greifswald und ans Schauspiel Leipzig. Später ging sie für fünf Jahre ans Schauspielhaus Bochum.
Martina Eitner-Acheampong spielte u.a. unter der Regie von Konstanze Lauterbach, Armin Petras, Wolfgang Engel und Helge Schneider. In dessen erfolgreichem Theaterstück Mendy – Das Wusical, sowie in der Verfilmung von 2013, spielte sie eine der Hauptrollen.

Als freie Schauspielerin arbeitet Martina Eitner-Acheampong für Theater, Film und Fernsehen. Eine ihrer populärsten TV-Rollen war die der Erika Burstedt  in der Fernsehserie Stromberg. Die Liste ihrer weiteren Rollen vor der Kamera ist lang.

Seit 1991 ist Martina Eitner-Acheampong auch als Regisseurin tätig. Sie inszenierte u.a. in Augsburg, Essen, Konstanz, Bad Gandersheim, Cottbus, Halle, Stuttgart und Leipzig.

2009 wurde sie mit dem Vontobel-Preis und Publikumspreis für Ego-Shooter: Generation Peer (Eitner-Acheampong nach Ibsen) am Centraltheater Leipzig ausgezeichnet.

Außerdem arbeitet Martina als Schauspieldozentin u.a. in Leipzig, Halle und Essen/Bochum.

Wie kamst Du zu deinem heutigen Beruf?

Hab schon als Kind auf die Bühne gedrängelt. Erst wollte ich Tänzerin werden, doch dann – kamen die Worte dazu, die ganze Welten aufmachen können… dann hab ich Anfang der 80iger Schauspiel studiert …

 

An welchen Moment in deiner Karriere erinnerst Du dich besonders gut?

Ich spielte in einem russischen Stück „Die Besessene“ ( später 1993 beim Berliner Theatertreffen ) eine junge Mutter, deren behindertes Kind von Rechtsradikalen umgebracht wurde und die, da Staat und Justiz versagten, zur Selbstjustiz griff… Ich war damals noch kinderlos.

Eines Abends bei einer Vorstellung – ich wusste seit Kurzem, ich war im 2.Monat schwanger – spielte meine Figur Nina mit ihrem alten Professor eine Szene aus King Lear durch. Die Besessene als Cordelia lag auf dem Boden und spielte, sie wäre tot; da fühlte plötzlich ich, Martina, mitten im SpielimSpiel, die erste Kindsbewegung in meinem Bauch… alle wunderbaren besessenen mehrschichtigen Künstlichkeiten des Theaters stürzten zusammen und diese zarte, inwendig streichelnde Bewegung wie Schmetterlingsflügel brachten mich so ins Zentrum meines Lebens, nichts war mehr wichtig ausser diesem Gefühl… mein Sohn hat mich immer geerdet, mir die Möglichkeit gegeben, nicht abzuheben und ausser in meiner Kunst auch in meinem Leben voll zu Haus zu sein.

Empfindest Du ein Ungleichgewicht in der Filmbranche was die Geschlechterbesetzung angeht?

Ja. Wie die von Frau Furtwängler initiierte Studie belegt, ist das nicht nur eine „gefühlte Wahrheit“. Die Zahlen waren ernüchternd, was den Stand der Geschlechterbesetzung betrifft.  Das Problem startet aus meiner Sicht beim Drehbuch! Welche Rollen und wieviele sind Frauen zugedacht, welche Relevanz haben sie für die Geschichte… Wie interessieren sich die RedakteurInnen für Geschichten, in denen Frauen Hauptrollen spielen und auch zahlenmässig so vertreten sind wie Männer? Ab der 45 an Jahren wird’s nochmal doppelt dünn… selbst Frauen interessieren sich oft nicht so sehr für Geschichten über Frauen, ich gestehe : mich selbst mitunter eingeschlossen! Es ist tief eingeprägt ins Bewusstsein, dass Männer in der Gesellschaft wichtiger sind, das verändert sich vielleicht nicht so schnell, aber Schritt für Schritt …

Sind Frauen die besseren Regisseure?

Nö, nicht unbedingt. Einige Regisseurinnen sind besonders hart geworden, weil sie sich in einer Männerdomäne behaupten mussten… weibliche Solidarität ist nicht selbstverständlich in dieser Branche, die eben auch von Konkurrenz geprägt wird. Oder Regisseurinnen sind nicht mutig genug, Ihre eigentlichen Ideen zu verfechten, da sie noch immer das liebe kleine Mädchen sein wollen, das gelobt wird … Kenne ich Beides von mir selbst, höhö… und ich bin seit 37 Jahren in der Schauspielbranche …

Was macht für dich Fempowerment heute aus?

In erster Linie und auf allen Gebieten ERMUTIGUNG aller Frauen! Ermutigung, eigene gewagte Wege zu gehen! Ermutigung, grosszügig und humorvoll zu sein! Ermutigung, endlich so richtig genussvoll Fehler zu machen! Ermutigung, mit Männern begeistert auf Augenhöhe zu arbeiten und zu leben! Ermutigung, Söhnen die Chance zu geben, Feministen zu werden!
Ermutigung, selbstständig und eigenverantwortlich das Leben zu gestalten! Und noch mehr….

In welchen Momenten deines Jobs wärst Du lieber ein Mann?

Wenn ich zweifle. Meine Wahrnehmung ist, dass Männer weniger die eigenen Fähigkeiten und Erfolge anzweifeln. Oder es besser verdrängen? Oder verbergen? Huch, da zweifle ich wohl wieder mal….

Wenn die Frauenquote etwas bewirkt dann… bitte beende diesen Satz!

…. dass das Pendel nach Ewigkeiten Patriarchat nun mal in die andere Richtung ausschlagen kann! Die wahre Gleichberechtigung regelt sich mit steigendem Selbstvertrauen aller Menschen irgendwann ein! Dann ist die Quote nicht mehr nötig; im Augenblick sollte es sie noch geben, damit Frauen in den verschiedensten Bereichen Erfahrungen sammeln können!

Was können wir Frauen tun, damit sich die Wahrnehmung auf unser Geschlecht am Arbeitsmarkt ändert?

Selbsterkenntnis ist die Wurzel des Selbstvertrauens. Sportlichkeit und Grosszügigkeit entwickeln. Andere auch mal gewinnen lassen können. Männer als Freunde sehen.
Sich coachen lassen, wenn man fühlt: ich brauche Unterstützung. Erfolge richtig ausgelassen feiern. Und : sich gegenseitig supporten!

Ein Satz zur Meeto-Debatte?

Eine der wichtigsten Debatten der letzten Zeit, die nicht aufhören sollte, da eben sie so eine starke Ermutigung für uns Frauen ist.

Beschreibe Dich in drei Worten:

Schnell. Hartnäckig. Lustig.

Was liest Du derzeit?

Gerade ausgelesen : Das Buch der seltsamen neuen Dinge. Krass.

Hast Du eine Lieblingsrolle? Oder eine, die Du gern mal spielen würdest?

Eine auf den Schlachtfeldern der Welt gealterte, aber immer noch beseelte heilige Johanna würde ich gern spielen!

 

Noch mehr über Martina findet ihr bei Facebook und Instagram.

Foto: Dominik Haberecht

 

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3 Gedanken zu “FemFriday mit Martina Eitner-Acheampong

    • Ach Hase du musst keine Angst haben, in nächster Zeit einfach bisschen besser sein dann behältst du auch deinen Job

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