Von Plastik-Elsas, Flohmarktjägern und Erinnerungen

„Mama, die kann ich aber noch anziehen!“ sagt meine fünfjährige Tochter und hält mir eine gestrickte Babymütze unter die Nase. Ich lächle und sage „Na dann probier die mal an!“ Kläglich am Versuch gescheitert, ihren nicht mehr ganz so kleinen Kopf in die Mütze zu quetschen, legt sie sie auf den Haufen der „Flohmarktsachen“.

Am kommenden Samstag ist Flowmarket in der Weststadt und ich hab mir einen Stand reserviert. VOn 14-22h verkaufe ich von Abendkleid bis Zehentrenner viele Schätze meines Kleiderschranks.

Nach zwei Kindern und somit ausgiebiger Babyzeit fällt mir es mir nicht mehr schwer mich von Mini-Klamotten zu trennen. Die erste Ladung bekam mein Neffe, doch alles was glitzert, ein Röckchen hat oder rosa ist, landet nun auf dem Verkaufstisch. Und auch meine Töchter sind mutig durchs Kinderzimmer gezogen und haben brav ein paar Püppchen, Minionfiguren und Plastik-Elsas eingesammelt und in der Flohmarktkiste verstaut.

Was nicht verkauft wird kommt zur Flüchtlingshilfe. So entsteht Raum für Neues und genauso wird es sein, denn die Flohmarkt-Saison läuft und so ziehen nach jedem Streifzug neue alte Schätze ein.

Unser Umzug nach Darmstadt hatte den Vorteil, so wie jeder Umzug, dass wir viel entsorgt und die Liste an Kram verkürzt haben. Ein Trugschluss wenn man postwendend neuen Kram kauft. Aber zwischen all den Ikeaschränken und Designerstühlen macht sich ein alter Bilderrahmen oder eine Kristallvase eben so gut.

Die Kunst des Flohmarktfangs

Je mehr man die einschlägigen Flohmärkte besucht umso mehr schult man seinen Blick für das Besondere.
Die beste Lehrerin hier ist meine Mutter. Sie stellt sich sogar den Wecker um eine der ersten Jäger vor Ort zu sein. Das kann manchmal 5:30 sein.
Wichtig ebenso ist der Mut zum Handeln. Manche Standverkäufer sind sogar beleidigt nimmt man ihren ersten Preis sofort an. Denn zum Flohmarktsport des Jagens gehört der Nervenkitzel des Feilschens. Taktik kann hier manchmal helfen- eine Runde weiter über den Platz zu drehen, den Verkäufer schmoren lassen um dann doch mit nur ein paar Cents gespart zu haben, zuzuschlagen.

Am legendären Sommerflohmarkt im Bürgerpark Anfang August zu verkaufen ist ne echte Gaudi. Über zwei Tage sitzt man in Gartenstühlen und Daunenweste, trinkt Kaffee und Wodka aus der Thermoskanne und bringt Erinnerungen an den Mann.

Denn auch wenn es sich meistens um alte Klamotten oder Gesellschaftsspiele handelt, so hat doch alles eine Geschichte. Ob ein modischer Fehlgriff oder die ersten Gummistiefel des ersten Kindes, mit allem verbindet man eine Lebensphase oder ein Erlebnis.

Und natürlich, in Zeiten des totalen Konsumierens ist der Flohmarkt auch nur eine Tarnung für „Ich geh gern shoppen“, kommt aber etwas weniger komerziell rüber als die Einkaufsliste bei Amazon und doch sollte man sich jedes Mal fragen: Brauche ich das wirklich? Und wenn ja, dann gratuliere ich zum neuesten Flohmarktfang.

#werbungweilverlinkung

Bildschirmfoto 2018-08-07 um 14.58.46.png

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.